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andreas louis seyerlein : particles » copy & paste
Vor 28 Minuten… Lesen ▼
romeo : 2.56 – Von der Trunkenheit einer Ameise unter sommerlichem Feigenbaum wollt ich gestern Abend erzählen. Kaum angefangen, beobachtete ich, dass in dem Text, den ich wünschte aufzuschreiben, Wörter enthalten sein werden, die bereits vor meiner Textzeit von anderen Menschen in weiteren Texten verwendet worden sind. Das wohlklingende Wort Himmel, zum Beispiel, welch seltsames Gefühl, ich hab’s nicht erfunden, auch nicht das Wort Herzbeutelchen oder das Wort Sinusknoten. Alle diese Wörter, geliehene Wörter. Ich leg sie mir in den Mund unter meine schreibenden Finger, copy & paste, Tag für Tag und Nacht um Nacht, als ob sie mir, Geschichten gleich, die aus der Luft zu stürmen scheinen, allein gehörten. Aber dann das elektrische Knistern meines Gehirns, in dem es Erfindung, Entdeckung im Schlaf zu feinen Wirklichkeitsnetzen verwebt. – Weit nach Mitternacht. Eisluft vor den Fenstern, im Zimmer warten Feigen und Bäume. Hab jetzt einen kleinen Knoten im Kopf.
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Vor 3 Stunden… Lesen ▼
||| DIE GEIERWALLY IN GRENZGANG | MICHEL LENTZ : EGO IM EXTREMEN | UPDATE : DEUTSCHER HÖRBUCHPREIS 2010 | KLANGAPPARAT
DIE GEIERWALLY IN GRENZGANG
Als wagemutiges Mädel wurde sie Legende , noch ehe sie sich als Porträt- und Blumenmalerin einen Namen machte . Zu Weltruhm gelangte die Lechtaler Büchsenmachertochter Anna Stainer-Knittel (1841-1915) allerdings als Titelheldin von Wilhelmine von Hillerns 1875 erschienenen Heimatroman “Die Geier-Wally” , welchem 1880 eine weithin gespielte Bühnenfassung folgte und 1892 die lyrische Oper “La Wally” Alfredo Catalanis .
Legende und Name danken sich jener Anekdote aus der Jugend Anna Stainer-Knittels , die sich – dem damals gängigen Usus zum Schutz der Schafe folgend – als Siebzehnjährige zum Ausnehmen eines Adlerhorstes in einer Felswand abseilen liess . Im Roman werden daraus ein Geiernest und ein Jungvogel , den das Mädchen bewahrt . Und richtig hangt dieser Wally , die zutraulich mit dem Tier der Gebirgswildnis verkehrt , ein gehöriges Mass an Wildheit und Widerstand gegen familiäre und dörfliche Normen an . Statt sich von ihrem Vater in eine standesgemässe Ehe drängen zu lassen , nimmt sie den Verstoss in die Bergeinsamkeit in Kauf , wenig mehr als ihrem Geier “Hansl” im Ranzen . Sie hat es allein auf den als Bärentöter und Stierbändiger heldenhaften Joseph abgesehen , welcher den Wildfang indes zunächst schnöde verschmäht .
Bergmythen , drastische Bilder , eine von dramatischen Wendungen pralle Handlung instrumentieren das Motiv “Der Widerspenstigen Zähmung” . Eine Geschichte wie gemacht zur Interpretation für das schweizerisch- deutsche Kabarett- Ensemble Geschwister Pfister , das in der Vergangen wiederholt alpine Klischees aufs Korn nahm . Ihre CD-Einspielung der “Geierwally” besticht mit fulminanter Stimmdramaturgie und virtuosem Sprachwitz , welche den pathetischen Stoff nicht einfach der Lächerlichkeit preisgeben , sondern geschickt zwischen Ernst und Ironie tarieren . Von musikalischen Interludien der Gruppe Mnozil Brass assistiert , gelingt hier ein dem Thema bestens gemässer ästhetischer Grenzgang . ( more … )
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MICHEL LENTZ : EGO IM EXTREMEN
Dass Michael Lentz , Professor am Leipziger Literaturinstitut , sich in keiner Weise die Hörner heftigen Sprachbegehrens abgestossen hat , erweist eine CD-Edition , die zwei performativ ausgereifte Produktionen für den Bayerischen Rundfunk vorstellt . Beide Male geht es um psychische Extremsituationen , die in weitgehend monologischer Entäusserung vorgeführt werden .
Redet , schreit , lärmt und hämmert Lentz’ in “muttersterben” ( 2002 ) zunächst gegen das Unfassbare des Todes an , bezieht seine zirkuläre Suada immer weiter reichende Umstände des Dahinsiechens mit ein : die Schicksalsergebenheit der Moribunden , die Maschinerie des Spitals .
Wo es Lentz’ rasend zentrifugalen Spiralen nicht gelingt , das Unsägliche “kleinzureden” , akzentuieren Zitate aus Josef Anton Riedls metallisch krachender “Paper Music II” die sprachliche Karambolage mit dem status quo .
Eine wesentlichere Rolle spielen Ernst Horns Kompositionen im rezenteren Sprechstück “klinik” ( 2008 ) . Die irisierenden Schwebungen sind dazu angetan , die Wahrheit des Gesagten zu unterminieren . Subtil sind in der sensiblen Dramatisierung einer Psychose Indizien platziert , die anfängliche Annahmen zunichte machen . Was beim Rasieren vor dem Spiegel als Selbstgespräch beginnt , wird von einer fernmündlich weiblichen Stimme gestört , die – angeblich aus einer psychiatrischen Klinik – dem Sprecher ihre Liebe andient .
Zunehmend gerät dem scheinbar gesunden Protagonisten die Telefonie zum Medium jenes Stimmenhörens , welches die unsichtbare Anonyma auf der anderen Seite quält . Dabei ist Situation des Erzählers längst unmerklich ins Kippen geraten , sodass das Finale des vexierenden Hörstückes uns im Unklaren darüber lässt , wem denn dieses Stimmenhören eigentlich widerfahre .
Sophia Siebert gibt ein treffliches Alter Ego , dessen rheinischer Zungenschlag dem Motiv einer Dissoziation im Echoraum fremder Einflüsterungen frappierende Dringlichkeit gibt . ( more … )
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UPDATE : DEUTSCHER HÖRBUCHPREIS 2010
Das sie eben hereinkommt , werden wir sie nicht auf die lange Bank schieben , die Meldung der Preisträger des Deutschen Hörbuchpreises 2010 . Zwei von uns in|ad|ae|qu|at besprochene Titel wurden ausgezeichnet :
Kategorie “BESTE INFORMATION” : Thomas Bernhard , Siegfried Unseld – Briefwechsel (DHV) Kategorie “BESTE FIKTION” : Alexander Kluge – Chronik der Gefühle ( Kunstmann )
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KLANGAPPARAT
Welch eigene Ästhetik aus elektronischen Störgeräuschen zu gewinnen und effektreich einzusetzen sei , haben der legendäre BBC Radiophonic Workshop sowie Neue Musik ( musique concrète )
seit den 1960er Jahren auf hohem Niveau erkundet . Den rechten Pop- Appeal erhielten musikalische eingebettetes Zischen , Rauschen und Knacksen allerdings erst mit der breiten Durchsetzung musikbegabter Heimelektonik : Ende der 1990er haben die Compilations “Clicks and Cuts” sowie das Lo- Fi- Label Mego Massstäbe für ein Genre gesetzt , welches heute onomatopoetisch als “glitch” figuriert .
Eine ebenso spannende wie humorvolle Playlist zum Thema hat DJ Soma für Sonic Walker zusammengestellt : “Glitchheart” lädt nicht nur zu einer auditiven Reise durch sonderbare Sound- Substanzen ein , sondern demonstriert eindrücklich die kompositorische Plausibilität mehr oder weniger gezielten Störens .
CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN
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Aleatorik » Aléa ist mit ihren Gedanken woanders
Vor 7 Stunden… Lesen ▼
Aléa ist mit ihren Gedanken woanders. Das ist ein sehr zentraler Satz in meinem Leben. Er stammt von meinem Rumänischlehrer, Herr Constantin Nicolescu. Er muss ihn mir irgendwann ins Schulheft geschrieben haben. Vielleicht hat er ihn auch meiner Mutter gesagt und die hat ihn dann vor mir wiederholt. Aber das glaube ich nicht. Ich habe diese Worte deutlich vor Augen. Ich sehe sie auf dem Papier. Ich sehe die Ränder der Buchstaben verschwimmen. Ich rieche das Papier, das anders riecht als Papier hier riecht. Papier in Deutschland riecht nicht.
Ich sehe mich, wie ich diesen Satz abgeschrieben habe. Ich habe schreiben geübt. Meine Handschrift war nicht gut. Obwohl ich immer mit einem Füller geschrieben habe. Den Füller habe ich zur Einschulung bekommen – ein deutsches Markenprodukt von Pelikan, mit dem, wenn ich mich richtig erinnere, schon mein Vater geschrieben hatte. Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Füller diese Zeichen aufzumalen. Ich konnte die Hand nicht so ruhig halten, um diese Figuren so aufzumalen wie sie aussehen sollten. Ich konnte sie auch nicht gut auseinander halten.
Eines Tages später habe ich entdeckt, dass Herr Nicolescu eine viel schönere Hand-schrift hatte, lange geschwungene Zeichen, wo meine eigene Handschrift eckig und kantig war und dieses kindliche Element aufwies. Ich wollte eine schöne Handschrift haben. Also habe ich versucht die Schrift meines Lehrers nachzuahmen. Stundenlang saß ich zu Hause und schrieb, was er mir ins Schulheft geschrieben hatte, einfach ab: Aléa hat Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen, Aléa lässt sich zu leicht ablenken, Aléa ist mit ihren Gedanken woanders.
Aléa ist mit ihren Gedanken woanders. Wo war ich, wenn ich woanders war? Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Wovon habe ich damals geträumt? Ich kann mich an Intensitäten erinnern, ich kann mich an diese Abwesenheiten erinnern, aber wo ich war und wie ich dort war, weiß ich nicht mehr. Bin ich heute auch noch so, wenn ich davon träume, eine gute Schriftstellerin zu werden. Bin ich mit meinen Gedanken woanders? Ist das nicht die notwendige Voraussetzung, um zu schreiben, dass die Gedanken woanders sind, woanders hin wollen?
Das Schreiben – das ein Imitieren war –funktionierte immer dann ganz gut, wenn ich mich voll und ganz auf den Prozess konzentrierte, auf den Schwung des Füllers von oben nach unten. Und auf die Linie, die die Tinte auf dem Papier hinterließ. Ich bin immer ganz nah mit dem Kopf an den Füller herangegangen und die Linie die er auf dem Papier hinterließ . Ich lag beinahe mit dem Kopf auf dem Tisch, ich wollte das ganz genau wissen, was ich da schrieb. Ich musste mich auf das Schreiben konzentrieren, auf die geschwungenen Linien. Das gefiel mir am meisten am Schreiben, die Rundungen der Buchstaben, dabei gab ich mir die meiste Mühe. Diese Rundungen, die hatten Schwung. Manchmal ging mir dieser Schwung verloren, und ich machte wieder die zackigen und eckigen Bewegungen, die meine eigene Handschrift kennzeichnete.
Ich saß da, übte die Handschrift meines Lehrers, und die Jahre vergingen. Meine Hand-schrift hatte sich längst gefestigt. Sie veränderte sich nicht mehr und ich imitierte auch nicht länger die eines anderen. Meine Schrift hatte nie das Kalligrafische meines Leh-rers, aber ich war zufrieden mit ihr. Ich fand sie schön und ausdrucksvoll. Sie hatte immer noch etwas Gemaltes. Und in jedem Wort, ich jedem Schwung steckte diese eine Satz, den ich damals unzähliche Male hingeschrieben habe: Aléa ist mit ihren Gedanken woanders. Ich saß da und die Jahre vergingen.
Heute schreibe ich nur noch wenig mit der Hand. In Seminaren schreibe ich noch in meinen Blog, ich mache mir auch oft unterwegs Notizen und schreibe irgendwelche Ideen auf. Immer noch mit einem Füller von Pelikan. Aber den weitaus größten Teil sitze ich am Rechner. Ich schreibe nicht mehr, ich tippe. Ich tippe in die Tastatur meines Laptops. Ich tippe in mein Handy, ich tippe den Überweisungsschein auf der Bank.
Jetzt bemerke ich, dass ich etwas verloren haben, was ich mir damals unter viel Mühe habe aneignen müssen. Etwas, das ein Ausdruck meiner Individualität gewesen ist. Die Worte, die hier stehen, sind lediglich durch das Drücken von Tasten entstanden. Ich schaue da nicht einmal hin, ich schaue auf den Bildschirm. Und doch bin ich, wie damals, wenn ich die Zeichen aufgemalt habe, nicht bei der Sache. Ich bin auf eine seltsame Art abwesend.
Aléa ist mit ihren Gedanken woanders. Ich habe oft darüber nachgedacht, meinem Lehrer einen Brief zu schreiben. Dieser eine Satz hat mir mehr geholfen im Leben als alles andere, mehr als das Stipendium, das mich drei Jahre ernährt hat. Lieber Herr Nicolescu: Ich bin mit meinen Gedanken noch immer woanders.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) » At the high temple of fashion
Vor 7 Stunden… Lesen ▼
Die Lebenden sind schon Vergangenheit.
Nur die Toten haben Zukunft. [Link/Kommentar]
Tage-Bau » Haarflötensterne
Vor 7 Stunden… Lesen ▼
Strenger Winter Sie sagt: Nicht ohne Mütze, meine Haare gehen flöten Ich: Dann gehen wir ins Konzert Was für ein Konzert Die Haare gehen flöten vom Winde verweht Wieviel Haare hast du? Tausende? Und jedes flötet auf winzigen Instrumenten noch viel kleiner als das blasende Haar Was für ein Klang zart und fein Oh abends auf gefrornem Schnee überall Leute mit aufrecht stehenden Haaren und der feine Klang Doch sie spazieren als merkten sie gar nichts Meine Haare? Stehen mir zu Berge bis zu Mond und Sternen Die trommeln, geigen trompeten, brummen reden, singen und und… Das Universum Ich lausche Keiner sonst?
©tage-bau text: Hartmut Sörgel
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pödgyr » Mo, 8.2.10 (Mo, 8.2.10, 23:13): verdichtung [] verdünnung
Vor 8 Stunden… Lesen ▼
gefühlte gefechtsköpfe eilen geschmeidig über eine hügel- landschaft aus grün unter blumentopftapeten. etwas klingt wie musik, nicht muzak, die musenwelpen stillende, aufgewölbte brust im flaum des bettes. im sinkflug auf das im regenwald verborgene flugfeld: leuchttürme werfen ihre schatten an die künstliche küste. die kontrabässe sind in styropor- schrot verpackt und recken sich im schlaf zu boden. ein surrender gleichrichter ist überspannt und lädt ein seidentuch elektrostatisch auf. zarte, bläuliche funken. der suchstrahl eines wollfadens beim aufrippeln eines strickstücks: gamaschenmarsch durch die pompöse halle einer billigenden absteige. in edisons erster glühdirne glomm ein verkohlter baumwollfaden nur wenige sekunden. licht ist arbeit. zwischen den zähnen hat sich silbenstein gebildet, der mich versetzt, indem er sich zersetzt. was reimt sich auf rost? wie rappt man ratlosigkeit? wann küssen sich kissen, und welcher tag ist kein tango? bildschirme spannen ihr leinen- tuch auf gegen den regen, imprägniert vom zwitschern geheimer morsezeichen. cqd … qed. in der quetschkommode hecheln engel die alten legenden: süßlich duftende saurier. (für lilly) [Link/Kommentar]
pödgyr » So, 7.2.10 (Mo, 8.2.10, 22:49): Sinken und Singen
Vor 9 Stunden… Lesen ▼
Versinke immer wieder in polymorphen Rauschzuständen. Tastenterror. Erwachen daraus durch Lillys Gesang. Lilly hört Youtube und singt. Kennt fast alle Texte auswendig. Gedanken über Rock'n'Roll. Lilly tanzt. Ich hoppele ein wenig mit. Berauscht von ihrer Stimme und ihren Bewegungen. Überlegungen, ob man das als Material für Text nehmen darf. Ist natürlich alles Material. Aber soll man es weiterverarbeiten, es als Rohstoff auffassen? Oder einfach roh belassen? Die Verarbeitung schafft Distanz und Deformation des Materials. Grunsätzliches Problem der beobachtenden Haltung, des "This is a recording". Andererseits: Kunst entsteht durch solche Transformationsprozesse. Das funzt bei mir aber zur Zeit besser mit bildgebenden Verfahren. Text scheint mir in seiner Abstraktion zu konkret. Der Dichter singt nicht, er sinkt. Lillys Soundtrack schafft Geborgenheit. In Geborgenheit werde ich häuslich, gemütlich, verkriechend. Text wäre Ausbruch in unbekanntes Land. Ich will aber nicht ausbrechen, ich bin nicht im Gefängnis. Ich bin zuhause. Zuhause mit Lilly, die singt. Unbestimmbares - und das ist gut so - Gefühl von Glück. Versinke darin, nicht in Text. Trunken. [Link/Kommentar]
parallalie » lampedusa …
Vor 9 Stunden… Lesen ▼
lampedusa
in der s-bahn
anlanden des
apfels (golden
delicious)
an steilen
schneidezähnen
hinter lippen
hände entwickeln
leberwurstbrotgeruch
feierabend und
naseweis sein [Link/Kommentar]
rheinsein » Am Rande des Rhein-Lech-Kontinuums
Vor 13 Stunden… Lesen ▼
In Augsburg am Lech traf Rheinsein während des Brecht-Festivals u.a. Monika Rinck wieder. Wir waren uns elektronisch aus dem Forum der 13 und erstweltend von der ein oder anderen Gelegenheit bekannt. Monika Rinck betreibt nicht nur ein höchst besuchenswertes Begriffsstudio, sondern schreibt und liest mit die wohlklingendste und anspielungsreichste Lyrik der Gegenwart – somit lag die Frage nah, ob sie den Rhein in einem ihrer Texte behandelt habe (spinxend natürlich auf einen Rheinsein-Gastbeitrag). Habe sie in ihrer Dichtung bisher nicht, sagte Monika (und zog umgehend ein Büchlein aus ihrer Tasche hervor), aber ob mich dieses vielleicht interessiere:
“A riddle is the purely originated.” In its context, this sentence begins the fourth strophe of Hölderlin’s DER RHEIN and can be read backward and forward. Origin as riddle. Riddle as origin. Like the source of the Rhine, pure origin is hard to specify. “Even poetry can scarcely unveil it,” says the poet. I suspect Celan likes the pun that informs Hölderlin’s riddle. His line breaks and word divisions emphasize the parts of Hölderlin’s German word Reinentsprungenes, which means “purely originated” but also sounds like “Rhine-originated” and perhaps even suggests “Der Rhein-originated.” Pure source, the river Rhine and the poem “Rhine” come together on one point from which the rich sense flows. If language were a commerce, punning words would be its usury. Aristotle tells us that usury is the most unnatural sort of wealth-getting because it allows money to breed money out of itself instead of being spent as it was intended. Analogously, punning generates an unnatural supplement of significance from a sound that properly expends itself in one meaning alone.”
(aus: Anne Carson – Economy of the Unlost. (Reading Simonides of Keos with Paul Celan) 1999.)
Doch, das interessierte mich sehr, schließlich bin ich Verfechter der Tausendrheinthese, die besagt, daß der Ursprung des Rheins zum einen ein vielfacher, zum andern unenträtselt ist und somit einen Tick eher in poetischen als geologischen Gefilden liegt, noch eher aber in den kosmischen mit ihren (von uns) un/entdeckten Zugängen (zu uns) – und ich dachte oder besser: empfand, so sollte es eigentlich immer sein: du stellst eine Frage und dein Gegenüber packt in Hinterkopf und/oder Tasche und holt eine strahlende Assoziation hervor.
Matthias Kehles Lyrik-Blog » Helene Hegemanns Plagiat
Vor 14 Stunden… Lesen ▼
VS-Kollege Matthias Mala kommentiert in einem internen Rundschreiben Helene Hegemanns Plagiats-Geständnis so treffend, dass ich es mit seiner Genehmigung hier mit Dank zitieren möchte. Vorab Hegemanns Geständnis, nachzulesen im Buchmarkt.
“Der Fall Helene Hegemann weist über sich selbst hinaus auf ein kulturelles Übel:
‘… dass das, was ich geschrieben habe, ein Stellvertreterroman für die Nullerjahre ist, muss auch anerkannt werden, dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation.' (Buchmarkt 7. 2. 2010)
So Helene Hegemann in ihrer Stellungnahme zum Plagiatsvorwurf zu ihrem Roman 'Axolotl Roadkill'. Diese a posteriori gegebene Anmerkung zu ihrem 'Schaffensprozess' ist bezeichnend für die gesamtgesellschaftliche Verwahrlosung unseres Rechtsverständnisses. Die Auffassung, alles was sich fassen und kopieren lässt, bedenkenlos verwerten zu dürfen, ohne das Persönlichkeitsrecht des Urhebers geschweige denn sein Urheberrecht zu achten, ist längst nicht mehr extraordinär. Google macht es weltweit vor, sechszehnjährige 'Autoren' machen es nur nach. Und wer sie daran hindert, dem wirft man Urheberrechtsexzess vor. Wäre es nur das Gekeife einer Göre, die man beim Stehlen erwischte, wäre es keiner Rede wert. Doch es ist das Gekeife der Mehrheit der Internetbenutzer, die sich daran gewöhnt haben, von der schöpferischen Leistung anderer zu schmarotzen. Das Werk der Kreativen ist entwertet. Es ist nur noch der Styropor, um Internetseiten zu füllen. Das ist ein kultureller Niedergang, der über eklektizistische Zeiten weit hinaus geht. Er erinnert an jene barbarische Düsternis als man die Tempel der Antike schliff, um sich aus den Steinbrocken windige Ställe zu errichten.
Nicht das Urheberrecht ist exzessiv, sondern sein derzeitiger Missbrauch!" (Matthias Mala)
Tage-Bau » Schnittpunkt
Vor 16 Stunden… Lesen ▼
Du denkst, das bisschen Leben endet hier,
Und willst es irgendwie zu Ende bringen.
Du hörst die Wintervögel fröhlich singen
Und wünschtest, du wärst auch ein Federtier,
Das singt und frisst, um sich dann aufzuschwingen,
Die Himmel hoch, das jauchzt und jubiliert,
Die Tore weit, bis es erstarrt, erfriert,
Als Eiseshände es dann doch bezwingen.
Es dächte nicht und kennte auch kein Sehnen,
Es hätte Worte nicht, es zu erwähnen.
Ein leichtes Leben, einfach federleicht:
Es meinte nicht, sich wütend aufzulehnen.
Die Welt ist jetzt ganz müd. Der Mond will gähnen.
Der Schnittpunkt allen Seins ist hier erreicht.
©tage-bau text: Werner Theis
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Vor 17 Stunden… Lesen ▼
via: adriess@tumblr
••• Aus verlässlicher Quelle habe ich erfahren, dass längst nicht alle in die Bibliotheken beförderten Pflichtexemplare dort auch verbleiben. In (vermeintlich) unbeobachteten Momenten erleichtern sich die Bibliotheken und geben einen Großteil der Bücher der letzten Saison unverdaut wieder von sich.
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