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Vor 5 Minuten… Lesen ▼
Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) » Lesen, Kunst & Rad. 09.05. 2008. Paul Reichenbach geht baden.
Vor 5 Stunden… Lesen ▼
Ich kenne meinen Mephisto
aus meinen Gedanken und Reden.
Ich lieb ihn, den zynischen, bösen,
den guten jedoch könnt ich töten.
.
Aus: Mein Teufel Gedichte von > >>> Justinas Marcinkevičius
Heute ist wieder einmal Freitag, also Badetag. Noch einmal wird dieses Wochenende Litauen auf meinem Spielplan stehen. Die Probebühne Sauna wartet. Das Publikum, alles ummantelte Körper von Freunden, wird hoffentlich kritisch genug sein, wenn ich leicht sächselnd den Text lesen werde. Das Testlesen des ersten Kapitels dauerte gestern ungefähr 45 Minuten.
Gegen Abend ist Frankfurt angesagt. montgelas und ich besuchen die >>>Vernissage in der Gutleutstrasse. Samstag, Sonntag und Pfingstmontag wird am Tage geradelt und am Abend werde ich mich wieder über Litauens Krankheit beugen, die nun unbedingt, ihr Ende finden soll. [Link]
taberna kritika - kleine formen » G. Taylor (1952-1997)
Vor 7 Stunden… Lesen ▼
Glen Taylor: Leber- und Nierenversagen."(…) They were always playing music on the edge of insanity (…) The Dicks, a Commie Faggot Band, emerged during the halcyon days of Austin, Texas punk. The scene centered around the local dive bar Raul’s frequented by local freaks, artists, and soon-to-be punk rockers. The band was the creation of Gary Floyd, a 26 year old from Palestine, Texas who had been a conscientious objector to the Vietnam War and was openly, flamboyantly gay. Although he was advertising the Dicks before they were even an actual band, Floyd soon joined forces with three “terrorist thugs” to complete the group: guitarist Glen Taylor, bassist Buxf Parrot, and drummer Pat Deason. They started writing burly, blues-drenched punk anthems and began playing raucous, shows with local heroes the Big Boys. Unlike that band’s funk-infused, high-production value drag show, the Dicks opted for a cruder but still spectacular approach. Gary Floyd would assault the audience with chocolate frosting pulled from his panties, inviting any rowdy audience members to suck his dick.” (aus: Kill From The Heart) “In ‘82 a roommate of mine had this little weird single out of Texas: “Dicks Hate The Police.” The passion packed in this mindbending political number is staggering (…).” (Mark Arm)
THE DICKS, The Dicks Hate The Police
abgelegt in: necropolis
[Link]
Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) » Fünfter Produktionstag. UND ALSO ES GESCHAH (Marianne Fritz). 9. Mai 2008. Nalepastraße…
Vor 10 Stunden… Lesen ▼
An >>>> Fritzpunkt.
buero@fritzpunkt.at
Wien
UND ALSO ES GESCHAH. Näherungen an Marianne Fritz. WDR 3, 22. Mai, 22 Uhr.
Sehr verehrte Damen,
sehr geehrte Herren,
am 22. Mai wird der WDR 3 um 22 Uhr mein Hörstück UND ALSO ES GESCHAH ausstrahlen. Falls Ihnen möglich, wär's fein, Sie kommunizierten das ein bisserl herum.
Es grüßt aus Berlin nach Wien:
ANH
www.albannikolaiherbst.de [Link]
Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) » Der Arbeitsfortschritt des 8. 5. 2008.
Vor 10 Stunden… Lesen ▼
UND ALSO ES GESCHAH: >>>> Vierter Produktionstag. [Link]
Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) » Arbeitsjournal. Freitag, der 9. Mai 2008.
Vor 10 Stunden… Lesen ▼
5.12 Uhr:
[Arbeitswohnung. Wolf-Ferrari, Cellokonzert. Latte macchiato.]
WAS NOCH WAR außer >>>> UND ALSO ES GESCHAH: Nun ist endlich >>>> die neue Buchausgabe von MEERE da. Der Einband, sehr weit ausklappbar, ist überaus schön geworden, find ich, weniger die Titelseite, deren Schriftbild mit zu groß und grob ist, schon weil es keine Serifen hat; dafür ist der Satz wieder ansprechend, locker; m i t Serifen, selbstverständlich. Das angenehm Konservative, das die alte Ausgabe von >>>> marebuch hatte, fehlt allerdings auch hier. Es wirkt nach einem, um es so zu sagen, jungen Buch. Ich hänge aber, w e n n schon Buch, dann sehr an gediegenem Bild und mag auch typographische Spielereien nicht mehr (richtig mochte ich sie nie).
Vier Exemplare kamen an, von denen sich die Regieassistentin und der Toningenieur jeder gleich eines nehmen mochten; man sagt dann nicht nein. Also hab ich erstmal nur noch zwei und werd mir von >>>> Dielmann noch ein paar nachschicken lassen. Wer von Ihnen das umstrittene Buch, das ganz sicher zu meinen besten Arbeiten gehört, nun haben möchte, möge es sich über den Buchhandel besorgen (ISBN 978-3-86638-004-2), über >>>> amazon (sowie es da denn greifbar sein wird) oder >>>> über den Verlag direkt. Ich werde morgen ein eigenes Annoncement des Buches für Die Dschungel schreiben.
Dann rief mich nachmittags Ulrich Schreiber übers Mobilchen >>>> im Studio an, der Gründer und Leiter des >>>> Internationalen Literaturfestivals Berlin, und lud mich zu zweidrei Veranstaltungen ein, zu einer Lesung im Rahmen Berliner Autoren was ich etwas absurd finde, weil ich zwar ein Autor bin, der in Berlin lebt, aber deshalb eben noch lange nicht ein Berliner Autor: das sähen die Berliner Kulturumgetriebenen ganz sicher ähnlich -, dann zur Moderation eines Tischgespräches mit >>>> Krasnohorkai und Sigurdardóttir und schließlich, eventuell, zu einer Veranstaltung über Literarisches Webloggen; ich schlug ihm vor, unbedingt >>>> auch Rainald Goetz einzuladen. Und schließlich abends eine Mail der WDR-Redakteurin, die für mein Marianne-Fritz-Hörstück verantwortlich zeichnet und sich ein bißchen Sorgen zu machen scheint: war eine Woche in Israel, um dort eine Ausgabe unserer Büchersendung zu produzieren, habe mich deshalb nicht mehr vor Ihrer Produktion gemeldet. Verfolge aber das Geschehen in Gedanken - und hoffe, es geht alles gut.
Würde Sie gerne morgen anrufen, um zu hören, ob alles in Ordnung ist (bin allerdings von 11.30 Uhr - ca 13.00 Uhr in einer Sitzung). Versuche es einfach auf Ihrer Handynummer.Ich habe so zurückgeschrieben, um 23.49 Uhr: …machen Sie sich keine Sorgen; es besteht nicht der geringste Grund. Eher im Gegenteil: Ich denke mal, wenn Sie unsere Arbeit abhören werden nächste Woche, werd ich sofort einen neuen Auftrag bekommen… es sei denn, Sie kommen gegen solche Stimmen nicht durch, die sich ermangels Talents auf Hausverträge berufen.
Ich freu mich auf Ihren Anruf. N a c h 13 Uhr ist's am besten, da wir ab zehn den Feinschnitt abhören und vielleicht noch die eine und/oder andere Justierung anbringen werden: gegen 14 Uhr werden wir endgültig mischen, ab 15 Uhr die CD brennen. Es kann sich alles um eine Stunde nach hinten verschieben, das ist aber unwahrscheinlich.
Übrigens: die Schimanski ist großartig, die sollten Sie sehr oft einsetzen; das ist einhellig die Meinung des Toningenieurs und die meine. Von dem ganzen Team, auch von dem Studio, läßt sich nur schwärmen.
Herzlich
ANH
P.S.: Ich möchte sehr gerne mein kleines Borges-Stück inszenieren, die drei alten Männer, die alle drei Borges selbst sind, an Borges' Grab in Genf. Das Stückerl dauert genau 30 Hör-Minuten und paßt also in keine Sendemaske. Aber ich hätte Otto Mellies, Dieter Mann und Otto Sander, die das Ding sprechen wollen.
P.P.S.: Man sollte jede Form von Sendemaske stören.Da hatte ich aber bereits eine Flasche Wein intus, sonst wär mir das PS'erl nicht so aus den Tasten gehüpft, nicht das erste und schon gar nicht das zweite.
Wiederum aus Heidelberg kam das Angebot für ein vierteljährliches Wohnstipendium an; das wäre aber s e h r wenig Geld, so daß ich das ziemlich genau rechnend Zuhause absprechen muß; es ist nicht genug Luft für mehrere Heimfahrten drin, die wegen der Babies aber nötig wären. Außerdem darf in den zur Verfügung gestellten Räumen nicht geraucht werden, was ich sehr als Arbeitshindernis auffassen würde; es darf da auch nicht gekocht werden (wohl aus Gründen des Denkmalschutzes - es handelt sich um eine Burg), und auch für die Familie wäre kein Platz; sonst ließe sich solch ein Aufenthalt ja für die Sommerferien ins Auge fassen.
5.57 Uhr:
[Wolf-Ferrari, Sinfonia brevis.]
Es ist eine angenehme Morgenmusik, ich nehme bewußt mal von Ustvolskaja Abstand, um mein Ohr nicht schon vor/auszurichten. Wenn heute der Fünfte Produktionstag beginnt, wollen wir gleich zu Anfang das Hörstück einmal durchhören, und ich möchte meine Ohren dann unvorbelastet wissen und möglich wie neu hören. Danach geht es an den letzten Schliff, dann an die Mischung für die Sende-CD usw. Darüber erzähl ich dann heute abend mehr. Der nächste Arbeitsgang wird ab morgen wieder den BAMBERGER ELEGIEN gelten; außerdem werd ich in Bielefeld anrufen, um mal zu erfahren, wann denn nun mit den ersten Exemplaren der AEOLIA/Stromboli-Bücher zu rechnen ist. Ich fürchte, daß es auch bei dieser Buchproduktion wieder einmal am Geld hängt. Und in der nächsten Woche ist wohl mit den Fahnen der >>>> Manutius-Ausgabe meiner >>>> Heidelberger Vorlesungen zu rechnen.
Die Idee, für >>>> das Borges-Stück auch Otto Sander hinzuzunehmen, stammt übrigens vom Profi, der jetzt bereits am Flughafen sein wird, um mit Pynchon auf die Azoren zu fliegen. Als ich ihm, dies noch nachgetragen, von Arndts Brief erzählte und daß der immer noch ungeöffnet hier zwischen der anderen ungeöffneten Post liegt, schüttelte er nur den Kopf.
7.23 Uhr:
[Wolf-Ferrari, Violinkonzert zur und nach der Dusche.]
Von UF: …und streich doch oben bei meere raus, daß es eine deiner besten arbeiten ist. es ist zwar eine unzweifelhafte wahrheit, aber aus deinem munde klingt sie ein wenig angeeitelt…Ich b i n eitel. Ja und?
Und? Und: - jetzt ans Cello bis gegen neun. [Link]
particles » No title
Vor 14 Stunden… Lesen ▼

tango : 1.15 – Rettete am See zur Zeit der Abenddämmerung eine Raupe, die sich dem Netz einer Klammerspinne näherte. Legte das kühle, weiche Tier in meine linke Hand und zählte mit dem Zeigefinger der anderen Hand sechzehn sehr kurze Beine. Las dann weiter in Tabucchis Buch kleiner Missverständnisse. Sehr schöne erste Sätze gefunden. Wie die Dinge so laufen. Und was sie lenkt. Ein Nichts. Manchmal beginnt es mit einem Nichts, mit einer Phrase, die sich in dieser, die sich in dieser riesigen Welt voller Phrasen, Dinge und Gesichter verliert, in einer großen Stadt wie dieser, mit ihren Plätzen, der U-Bahn, den Menschen, die aus dem Büro hasten, den Straßenbahnen. An dieser Stelle des Textes wurde ich von Louis unterbrochen, der gegen fünfzehn Uhr auf meiner linken Schulter gelandet war und dort für Stunden unzufrieden lungerte. Der kleine, wilde Engel flüsterte, man sollte für Generäle, für Offiziere und ähnliche Personen, wie sie in Burma vorkommen, die Methode des Waterboardings erfinden, um mit ihnen diskutieren zu können, wie man Menschen hilft, über die man selbst in der Not verfügt, als wären sie nicht menschliche Wesen, sondern Gegenstände. Ja, wie die Dinge so laufen und was sie lenkt.

[Link]
Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) » Vierter Produktionstag. UND ALSO ES GESCHAH (Marianne Fritz). 8. Mai 2008. Nalepastraße…
Vor 17 Stunden… Lesen ▼
Um halb zehn am Studio gewesen, da stand der kleine BMW des Toningenieurs noch vorn an der Schranke. Wir grüßten winkend, ich radelte es war bereits warm übers Gelände, sommerlich floß die Spree. An sich könnte man da einen guten Anleger montieren, sagte ich mit Blick auf den Fluß. Ja, sagte er. Und wie immer, auf die Minute pünktlich, eine Minute vor zehn Tina Schimanski, unsere Regie-Assistentin, von deren Professionalität Meinetsberger mit Recht nur so schwärmt.
Kleines Gespräch am Anfang, ich kau noch mein mitgebrachtes Brötchen zuende, wie rauchen, dann geht es los: Wieder ganz von Beginn, Minute für Minute, von >>>> der Morgenarbeit hab ich meine Anmerkungen in grüner Schrift ins Typoskript geschrieben, hier bitte Take 29, kann ich da bitte mal reinhören; insgesamt sind bis zum Abend viereinhalb Minuten dazugewonnen, wir liegen jetzt bei 55'03''; das ist fast perfekt. Mehr will ich aber nicht hineinnehmen, sonst zerdehnt sich die Dynamik des Hörstücks. Wir werden morgen früh hören, ob nicht auch das jetzt schon zu viel war. Meint die Assistentin allerdings nicht. Wann immer ich denke, das klingt jetzt ausgezeichnet, stellen Sie beide n o c h feiner ein… Meinetsberger, unterdessen sind wir denn d o c h beim Du, bessert bisweilen klammheimlich aus, wir hören, er stoppt den Lauf und richtet irgend etwas, hört, nimmt die Kopfhörer, hört abermals; dann wieder ich, will hier noch mal, da noch mal; nachmittags wird die Stimmung angespannt, unser beider, Meinetsbergers und meine, Nerven sind ein wenig bloß; aber wir haben's im Griff; jeder hält an sich; jetzt wirds aber Zeit für eine Zigarette, aber es fällt ihm was ein, und er schiebt weitere fünfzehn Minuten zwischen die Zigarette und sich. So im Stück ist auch er. Ganz nah. Ganz daran. Immer Ustvolskaja, immer Fritz. Es stellt sich eine enorme Balance zwischen Musik und Sprache her: was ich seit je intendiert hab. Ich gehe unterdessen dazu über, schon mal nur einen einzigen Ton in das Hörstück einzumontieren aus dem Zusammenhang eines ganzen Stückes genommen und, im Sinn dieses Stückes, dann wieder aufgenommen. Und ich merke: ich bin jetzt da, wo ich von allem Hörstück-Anfang an hinwollte:: Musik und Dichtung verschmelzen. Einen ersten Höhepunkt hatte das in dem >>>> San-Michele-Stück, jetzt aber bin ich n o c h einen Schritt weiter, auch (oder vielleicht: vor allem), weil ich mich auf eine einzige Komponistin konzentriere, es also kein Ausweichen gibt. Bei San Michele konnte ich noch zwischen Dallapiccola, Mascagni und Schubert springen, hier hingegen beharre ich auf einer einzigen Musikästhetik. Man kann in einer solchen Situation kaum noch schummeln. Und schon gar nicht bei Ustvolskaja, und schon gar nicht bei Fritz.
P.-s Veranda » Die kryptogeographische Methode kurz erklärt anhand des Breitlings
Vor 19 Stunden… Lesen ▼

Zähne und Klauen. – Die Seegurke rief mich. Sie ruft zunehmend lauter, aber ich lasse sie noch ein Weilchen quengeln, denn es ist etwas dazwischen gekommen, beziehungsweise mehrmals dazwischen gekommen, anhand dessen ich exemplarisch aufzeigen kann, wie der Kryptogeograph arbeitet. Die orthodoxen Wissenschaftler nennen es „Material und Methoden“ – heute werden wir keine Resultate präsentieren und deshalb auch nicht diskutieren, schlussfolgern und ausblicken. Es sei auch darauf hingewiesen, dass ein mehrmaliges Auftauchen eines Zeichens nicht a priori ein deutlicheres Zeichen ist als das einmalige Auftauchen desselben oder eines anderen Zeichens. Oft ist das Umgekehrte der Fall.
Die Fakten interessieren den Kryptogeographen wenig, sie sind zu simpel. Aktuelles Beispiel: ich erhalte eine Mail, die im Spamfilter hängt. Subject: Breitling. Das Wort weckt Assoziationen, aber wer wäre so blöd, eine solche Mail zu öffnen. Zwei Tage später erhalte ich eine Mail, die im Spamfilter hängt. Subject: Breitling. Eigenartiges Wort! Ich schreibe es mit Bleistift ins Notizbuch, ganz an den Rand. Heute morgen kommt Breitling zum fünften Mal. Ein Zeichen! Was ist ein Breitling? Google findet Luxusuhren (die Bildersuche spuckt auch noch Segelyachten und herrliche Pferde aus). Damit gebe ich mich nicht zufrieden, es wäre Wortverschwendung.
Der Kryptogeograph arbeitet weder induktiv noch deduktiv, beide Arbeitsweisen implizieren ja, dass es Ursachen und Wirkungen gibt, und wer sich danach richtet, maßt sich überdies noch an, zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden zu können. Die Methodik des Kryptogeographen ist intuitiv. Instinktiv legt er sich erst einmal hin und lässt die Wolken vorüberziehen. Man mag es für primitiv halten, es ist jedoch erstaunlich effektiv.
Schritt 1: Zuordnung. Der Name Breitling könnte dem Klang nach entweder der Kryptogeologie, der Kryptoethnologie oder der Kryptozoologie zugeordnet werden. Auch an Fungi ist zu denken, das Fungi-Kryptoreich, um das sich Wissenschaftler aller Sparten streiten – mal wollen sie es an sich reißen, dann wieder loswerden. Da muss man manchmal eine Grenzentscheidung treffen, die sich dennoch selten als falsch herausstellt. Ein bisschen Opportunismus schadet nie; nehmen wir an, der Kryptogeograph hat sich zu einer Kolumne verpflichtet, die sich der Fauna widmet. Dann ist der Breitling ganz leicht als Tier zu identifizieren.
Schritt 2: Legendenforschung (vorgelagerte Legende). Jedem Kryptophänomen geht zumeist eine Legende voraus, die sich bereits replizierte, noch bevor das Phänomen irgendwo sichtbar wurde. Es ist sogar zu vermuten, dass manche Tiere (siehe Okapi) erst in die Welt erzählt wurden. Aber wenn wir glauben, wir müssten nur die Mythen der Menschen nach dem Wort Breitling absuchen, haben wir uns geschnitten; wenn es so einfach wäre, hieße es nicht krypto. Der Legendenschatz der Menschen ist nun mal kein Google. Die intuitive Entsprechung ist rasch gefunden, der Breitling entlarvt: er ist der Tatzelwurm vor der alpenländischen Haustür, man muss gar nichts an den Haaren herbeiziehen. Kurzweilige Nachmittage in Klosterbibliotheken, ein Anruf ins Haus der Natur in Salzburg, dort ist die Vitrine für den Tatzelwurm seit langem reserviert (Schild neu anschreiben! Breitling!).
Schritt 3: Legendenbildung (nachgelagerte Legende). Jetzt muss sich der Kryptogeograph selbst ins Reich der Legenden katapultieren. Er hat niemals eine Mail erhalten, wie denn auch, er lebt Mitte des 19. Jahrhunderts. Was er erhielt, ist ein Brief, nein, ein billet (der Kryptogeograph ist in diesem Fall eine Frau, das billet stammt daher von einem jungen Edelmann). Wäre das billet Spam gewesen, hätte der Schreiber unverhohlen von Tatzelwurm oder doch zumindest von Längling oder Riesling gesprochen. Natürlich erkannte man damals Spam erst, nachdem man die Nachricht geöffnet hatte. Der junge Edelmann hegte nur redliche Absichten, nämlich die Naturwissenschaft voranzubringen. Die Legendenbildung ist die eigentliche Knochenarbeit, denn man muss nicht nur an der Uhr drehen bis zur Karpalgelenkentzündung, sondern auch sehr viel lesen, zuhören, unnütze Legenden (ha!) aussortieren oder zur späteren Verwendung notieren, aber erst danach fängt es richtig an: in wenigen Wochen muss der Kryptogeograph Konvolute, Pamphlete, ja ganze Enzyklopädien niederschreiben, um Jahrhunderte an Legenden und seriösen Beobachtungen, Forschungen, Zeugenaussagen zusammenzutragen, sprich, sie sich aus den Fingern zu saugen. Er kann zwar die Bücher in die Hände eines kundigen Restaurators geben, um ihnen die täuschend echte Patina anzupinseln und aufzupudern (Fungi!), aber der Aufwand ist dennoch kolossal.
Schritt 4: Legendenverbreitung. Man wäre versucht, dieses Verfahren analog der Geschichtswissenschaft „Erfundene Tradition“ zu nennen, aber das wäre geradezu grotesk falsch. So rückwirkend die Methode auch erscheinen mag: in Wahrheit spult sie nicht zurück, sondern hebt die Zeit auf. Nichts an den Legenden ist erfunden, ansonsten ja auch ihr Gegenstand erfunden wäre. Das jedoch ist völlig unmöglich, denn die Existenz des Breitlings ist bereits bewiesen (siehe oben), und zudem können wir jetzt mit Sicherheit sagen, dass es sich um den alpenländischen Tatzelwurm handelt, den wir nun den Taxonomen (und dem Haus der Natur in Salzburg) übergeben können, damit sie ihm einen Vor- und Nachnamen nach Linné verpassen. Ausserdem müssen wir ihn von nun an auch vor den Naturschützern schützen.
Schritt 5: Zweifelentsorgung. Ich hatte mir den Breitling zwar durchaus wurmartig, aber doch viel kleiner vorgestellt. Intuitive Bedenken sind sehr ernstzunehmen, oft weisen sie auf gravierende Fehler hin. Man darf die Mühe nicht scheuen, das gesamte Schrifttum, das man über die Jahrhunderte erarbeitet hat, notfalls zu verbrennen, wenn man feststellt, dass man sich geirrt hat (selbiges gilt für den Fall, dass sich herausstellt, dass die Legenden (nachgelagert) nicht schön genug sind). Mein inneres Bild des Breitlings ähnelt stark demjenigen des Grossen Legeregels, Fasciola hepatica. Er lebt parasitisch, daran besteht kein Zweifel, und eher in heißen Sümpfen und in den Haarzotteln schwerfälliger Wiederkäuer als auf Alpengranit. Überhaupt ist er nicht kälteresistent.
Schritt 6: Resteverwertung. Riesling ist eine Rebsorte, die bis vor kurzem der Kryptobotanik angehörte. Das billet als Briefsorte ist Forschungsgegenstand der Kryptokryptologie. Der junge Edelmann mit redlichen Absichten gehört mittlerweile dem Reich der Kryptoanthropologie an. – Klauen und Zähne.
Rückblende: Stay Tuned For Vito von Eichborn (10. 05. 2007)
Tags: kryptozoologie
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in|ad|ae|qu|at » BLOG 4 BURMA : Apocalypse Now | UNOSAT Maps
Vor 23 Stunden… Lesen ▼
||| …. oder von unserer Unfähigkeit , uns eine Vorstellung zu machen : Die UNOSAT- Karten wurden ursprünglich im DIN- A3 erstellt , hier sind sie in Form von Thumbnails zuhanden ( also : Bild klicken und des in diesem Medium Grösstmöglichen ansichtig werden ) . -
Der ursprüngliche Text des heutigen Tages wurde verworfen : Was wäre zum Unsäglichen … noch zu sagen ?
ESTIMATED TOTAL POPULATION LIVING WITHIN FLOOD- AFFECTED AREAS , MYANMAR
This map provides an estimate of those potentially- affected people living directly within flooded areas of southern Myanmar. Red areas shown in the map represent standing flood waters identified from MODIS satellite imagery acquired on 5 May 2008 at a spatial resolution of 250m. Population estimates have been aggregated by township using the LandScan 2005 database. This flood detection is a preliminary analysis & has not yet been validated in the field. - Flood Analysis : UNOSAT ( 5 May 2008 ) | Map Production : UNOSAT ( 6 May 2008 )
FLOOD ASSESSMENT FOR CYCLONE AFFECTED YANGON CAPITAL AREA , MYANMAR
This map illustrates satellite- detected flood waters over the affected Yangon capital area, Myanmar as of 5 May 2008. Red areas shown in the map represent standing flood waters identified from MODIS satellite imagery acquired on 5 May 2008 at a spatial resolution of 250m. Flooded area estimates by township have been calculated in km2. Please note: township data is incomplete in coverage. This flood detection is a preliminary analysis & has not yet been validated in the field. - Map Production : UNOSAT ( 5 May 2008 ) |||
BLOG 4 BURMA
Via Netzwerk BLOG 4 BURMA wurden Hilfsadressen ermittelt : Khaipi gibt die Daten zur UNICEF-Hilfe , Adaequat zu CARE sowie dem Österreichischen Arbeiter- Samariter Bund . Für UNICEF kann man jetzt auch direkt via Google spenden , Zweckbindung “für Myanmar und andere” garantiert auch die deutsche Organisation der “Ärzte ohne Grenzen” bzw. deren Schwester “Médecins Sans Frontières | Doctors without Borders” ( Donate ) , auch das Rote Kreuz ( international ICRC : “ready to assist in Myanmar” ) bietet die Möglichkeit einer online donation . Stay tuned via RSS- Feed . |||
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Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) » Elfriede Jelinek zu Amstetten. 08.05.2008. Paul Reichenbach ist beeindruckt.
Vor 29 Stunden… Lesen ▼
Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält. (Elfriede Jelinek)
Im Begriff Postmoderne ist das Präfix post Indiz für die Wiederkehr verdrängter Geschichte. Die große Erzählung, die die Postmoderne dekonstruieren will, kehrt quasi durch die Hintertür zurück. Und was als Detail erscheint fügt sich plötzlich wieder zum Ganzen.
>>>> Elfriede Jelinek äußert sich in ihrem Blog zu Amstetten. Ich bin beeindruckt
Turmsegler » Über Musen (Stimme der Sprache)
Vor 30 Stunden… Lesen ▼
Im allgemeinen stand im Kalender eines Dichters der Antike als einzige Weiblichkeit neben der Geliebten nur seine Muse. In der modernen Vorstellung überschneiden sich die beiden; in der Antike taten sie das nicht, weil die Muse eigentlich unkörperlich war.
••• Beunruhigen Sie sich nicht, lieber looka. Dass Sie den Turmsegler “in den Reader nehmen”, ist ja überhaupt eine gute Idee und sehr zu begrüssen. Und lange warten brauchen Sie auf die Fortsetzung dieses Musen-Sequels auch nicht. Violá, hier geht es schon weiter…
Etwas lustlos also habe ich in dem Brodsky-Band geblättert, hier und dort angelesen, auch mehrfach, doch ich wurde nicht recht warm. Dennoch war der Band kein Fehlkauf, denn er enthält ein Nachwort vom Autor selbst. Es trägt den Titel “Altra Ego” (die feminisierte Form von Alter Ego) und handelt vom modernen Mythos des Dichters als Wüstling und der vermeintlichen Ursache dieser unterstellten moralischen Desintegrität: der Muse.
Wüstlichkeit und Muse – das, so Brodsky, gehört ja gar nicht zusammen, denn die Muse sei unkörperlich und nichts anderes als die Stimme der Sprache.
Aber lassen wir (mit einigen Auslassungen) Brodsky selbst zu Wort kommen:
Die Vorstellung vom Dichter als einem unverbesserlichen Don Juan ist relativ neuer Prägung. Wie viele Ansichten, die sich in der öffentlichen Phantasie großer Verbreitung erfreuen, scheint sie ein Abfallprodukt der industriellen Revolution zu sein, die durch ihre Quantensprünge in Menschenakkumulation und elementarer Bildung erst dem Phänomen der öffentlichen Phantasie zur Geburt verholfen hat. […]
Die Haltung der Antike gegenüber einem Dichter war im großen und ganzen überschwänglicher und sensibler. […] Orpheus ist alles andere als ein Don Juan. Über den Tod seiner Gattin Eurydike ist er so verzweifelt, daß seine Klagen die Olympier erweichen und sie ihm gestatten, sie aus der Unterwelt zurückzuholen. Daß bei diesem Ausflug […] nichts herauskommt, beweist nur die Intensität der Gefühle des Dichters für seine Geliebte. […]
Ebenso wie das spätere Schicksal des Orpheus (er wurde von einer Schar wütender Mänaden in Stücke gerissen, als er sich weigerte - weil er in Trauer um Eurydike Keuschheit gelobt hatte -, sich ihren entblößten Reizen zu unterwerfen) verweist diese Intensität auf die monogame Natur der Leidenschaft zumindest dieses Dichters. Zwar maß die Antike anders als die Monotheisten nachfolgender Epochen der Monogamie keinen großen Wert bei, doch man beachte, daß sie auch nicht ins entgegengesetzte Extrem verfiel und Treue als spezielle Tugend ihrem rangältesten Dichter vorbehielt. Im allgemeinen stand im Kalender eines Dichters der Antike als einzige Weiblichkeit neben der Geliebten nur seine Muse.
In der modernen Vorstellung überschneiden sich die beiden; in der Antike taten sie das nicht, weil die Muse eigentlich unkörperlich war. Die Tochter von Zeus und Mnemosyne (der Göttin der Erinnerung) hatte nichts Greifbares an sich; sie offenbarte sich einem Sterblichen, vor allem einem Dichter, einzig durch ihre Stimme: indem sie ihm diese oder jene Zeile diktierte. Mit anderen Worten, sie war die Stimme der Sprache; und worauf ein Dichter im Grunde hört, was ihm wirklich die nächste Zeile diktiert, ist die Sprache. […]
Die Muse ist also keine Alternative zur Geliebten, sondern geht ihr voraus. Tatsächlich spielt die Muse, geb. Sprache, als »ältere Frau« eine entscheidende Rolle in der Gefühlsentwicklung eines Dichters. Sie ist nicht nur für sein emotionales Rüstzeug verantwortlich, sondern häufig auch für die Wahl des Gegenstands seiner Leidenschaft und die Art und Weise, wie er ihm nachjagt. Sie ist es, die ihn fanatisch zielstrebig werden läßt und seine Liebe zum Äquivalent ihres eigenen Monologs macht. Was sich in Gefühlsangelegenheiten als Starrsinn und Verbohrtheit äußert, ist im wesentlichen das Diktat der Muse […] als treibe die Sprache den Dichter, vor allem den romantischen, dorthin, woher sie gekommen ist, wo am Anfang Wort war oder ein erkennbarer Laut […] denn jedes Wort möchte dorthin zurück, woher es gekommen ist, und sei es als ein Echo, das die Mutter des Reims ist.
Joseph Brodsky
aus: “Der sterbliche Dichter”
Über Literatur, Liebschaften und Langeweile
© Carl Hanser Verlag, München 1998
••• Glauben Sie nicht, lieber looka, dass Sie den Turmsegler nun wieder “aus dem Reader nehmen” könnten. Denn dieses Sequel “Über Musen” ist noch nicht zu Ende…
Im Rückspiegel: Revolte oder Exil? (09. 05. 2007)
Tags: Joseph Brodsky Verwandte Beiträge: Über Musen (Vorgeschichte) (6)
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09 May 2008 08 May 2008 07 May 2008 06 May 2008 05 May 2008 04 May 2008 03 May 2008 02 May 2008 01 May 2008 30 Apr 2008 29 Apr 2008 28 Apr 2008 27 Apr 2008 26 Apr 2008 25 Apr 2008 24 Apr 2008 23 Apr 2008 22 Apr 2008 21 Apr 2008 20 Apr 2008 19 Apr 2008 18 Apr 2008 17 Apr 2008 16 Apr 2008 15 Apr 2008 14 Apr 2008 13 Apr 2008 12 Apr 2008 11 Apr 2008 10 Apr 2008 09 Apr 2008 08 Apr 2008





