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Gleisbauarbeiten » WILDERMUTHS ELBIN (Fassung vom 13. Februar 2012)
13.02.2012, 12:21 … Lesen ▼
Die gherne woude doghen tsuete ellende, Die weghe ter hogher minnen lant, Hi vonde sijn lief, sijn rike, ten ende; Dies gheeft die trouwe zeghel ende pant.*
Hadewych
Wundbrand Wie die herkam aus dem klösterlichen Hügelland: Minniglich hatte sie gehaust hier hundert Jahr und mehr. Nistete sich rein. Battisttücher steifweiß glänzend unter der Monstranz ausgebreitet, dass das Blut leuchtete barmherziger. Deren Geist aber zog zu den Säulen hin, wo die Füße nicht stehen. Es fiel das Querhaus oder sie mit hinab, wer weiß das schon? Wie ein Brand aus den Fenstern züngelte sie sich gleich einer Dachreiterin rot ins Gewölbejoch. Danach blieb die nicht am kühlenden Brunnen stehen; wankend hinaus ins Freie musste sie sich zivilisieren. Stätten blieb sie nicht treu, aber dem Licht. Doch findest du sie nicht mehr unter dem Kaffgesims seither: Das Mutterhaus steht leer.
Wildermuth Wildermuth, wie sie dich nannte , Mann, von der Höhe herab dein Blick über die Felder, wilderst du im fremden Gebüsch, schlägst dich durch die Aue ihr zu, gegen die Windrichtung federt dein Schritt, im Lichte der Waffe ist sie dein Wild, keuchend zwischen dem Lauch windet sie sich unter deinem Griff. Hältst du das Getier fest zwischen Läufen, streckt es die Glieder, beugt es den Hals, wetzt du die Messer, lässt sich die ein Fell über die Ohren ziehen. Wilder Mut treibt zur Jagd.
WIRTSHAUS Als Wildermuth den Gastraum betrat, hatte der Rothe Löwe seine Pranke schon tief in den Schenkel des Wildes gegraben. Das war erstarrt. Wildermuth, der an der Theke ein Pils bestellte, schüttelte beinahe unmerklich den Kopf. Der Löwe fühlte das Blut durch die Venen seiner Beute pulsen. Die Gazellenaugen fanden verstört längst keinen Halt mehr. Warum fliehe ich nicht? Um sie flackerte das Gelächter. Sie schloss die Lider. Er ist ein Fleischfresser und wird es ewig bleiben. Sie streckte ihren Hals vor seinen Kiefer. Beiß zu. Wildermuth setzte das Glas an die Lippen. Die Trägheit des Raubtiers ekelte ihn. Der zieht das Wild an, das sich selbst erlegt. Die Fangzähne gruben sich ein. Im Gejohle des Stammtischs nebenan ging ihr Stöhnen unter.
WAIDWUND Es schauderte selbst den Mutigen vor dem Elbengeschlecht. Drum mied er die Lichtung und mähte eine Schneise ins Dickicht. Als ahnte er, was ihm blühte in den Hainen. Doch brauchte er die blasshäutige Gebieterin der nächtlichen Tänzer im Mondenlicht nur hinzuwerfen, dacht´ er: So war die Wilde ungezähmt ihm zwischen den Wurzeln unterworfen. Den fauligen Geruch aus dem Maul des prolligen Löwen suchte er zu vergessen in dieser Umarmung. Aber da hatte er doch schon längst von der Beute des verwegenen Kumpanes blutig getrunken.
Den ganzen Herbst über blieb sie dem Waldesrand fern, wo ihre Herolde den Wildermuth zerrissen hatten. Erst als gnädig der Schnee die blutgetränkte Erde bedeckte, setzte sie ihren Fuß zurück auf den gefrorenen Boden und benetzte das Grab mit Tränen. Wo die Elbenkönigin weinte, sollen die Früchte und Blumen in den Äckern gedeihen.
Mich ekelt vorm Kuss deines toten Mundes, Mann, den ich rief, Wildermuth, doch wie kann ich ohne dich sein ?
WILDWECHSEL Jahr um Jahr war hingegangen und sie hatte geliebt. Als das Dach eingestürzt war im Feuer und sie gestählt davon geritten in die Nacht, hatten die Äste der Linde ihre Arme gestreift und die Blätter ihr Haupt gestreichelt. Sie mied die Städte und blieb dunkel im Waldgestöber. Unbereut den einen gefreit und mit jenem sich wilden Muts im Laub gewälzt.
Mann, den ich rief, Wildermuth.
Liegt erlegt jetzt zu meinen Füßen für immer. Wie kalt und weiß die tödlichen Hände des Jägers auf ebenem Holz. Das Blut so purpurn aus deiner Kehle rann. Was trankst du dem rothen Löwen zu, der seine Zähne in meiner Schwester Kehle grub? Arg sprechen meine Elben von dir.
Und doch jammerst du mich, mein Unglücksmann.
Noch nach deiner Leiche gelüstet es mich. So sinke ich hin, dein Blut zu trinken feurigen Sinns.
WILDE BRUT Der Elbin erwuchs aus Wildermuths Liebe ein Sohn. Den hielt sie über des Vaters schaurigem Grab. Sie flohen alsbald die Stätten ihres Volkes und tauchten ins Neonlicht. Wo sie sich bückte unter die Leute, doch dem Kinde den Rücken streckte. Wie raubte die Liebe ihr jegliche Kraft. So zog´s sie mit Macht unter die Kuppel des Doms. Elben-Wort lässt Lügen schweben. Auch die Meinen gaben nach, als ich sie verließ, und beugten die Knie vor dem Kreuz. Dort droben ist keiner mehr. Fort tanzen sie wie je zwischen den Bäumen nun auf dem Asphalt.
Gäbe ich dir die Flügel, Knabe des wilden Mannes, flögest du mir davon. Noch müssen wir unter der Löwenbrut hausen, bis deine Wildheit sich vermännlicht hat. Dann gehst du dahin, Wildermuth, und ich dort ins Gebälk unter dem hohen Altar. Wo alles von Neuem beginnt, Sohn der Unmenschlichen, in feurigem Schein. Auch Steine werden schmelzen.
Seine Hand in der ihren hasteten sie durch die menschliche Flut.
WETTERWENDISCH Die Luft war nebulos. Es fröstelte die Elbin im Morgengrauen. Ein Wetter zog auf, ahnte sie. Draußen vor den Toren, wo des Wildermuths Blut den Boden tränkte, wollte sie den Boten ihres Volkes treffen. Sie blähte die Nüstern und roch den Wald. Sehnsüchtig rieb sie ihre Wange an der Rinde der alten Linde. Hinterlistig griff da eine Hand in ihren Schenkel. „Das Kreuz“, flüsterte es an ihrem Ohr und sie erkannte die Stimme des Königs. „Du selbst….“ Mit seinen Zähnen durchbiss er die Kette an ihrem Hals. Das Zeichen glitt zwischen ihren Brüsten hinab. „Dreimal krähte auf dem Dach schon der blecherne Hahn. Rück das Wechselbalg heraus.“ Er bohrte sich tiefer in ihr Fleisch. „Waide mich…“ Sie roch das modrige Baummoos und ersehnte den Fall. „Mein Sohn.“ „Du kennst das Wort.“ Entblößt, wusste sie, lagen ihre Lebensnerven vor ihm. „Daher kommts….“ Ein Gewitterwind riss sie endlich ins sprossende Gras hernieder.
WUNDSTARRE Als der Schatten einer Wolke über das Gesicht der Elbin zog, schlug sie die Augen auf. Würzig duftete das Gras, in dem sie sich ausstreckte. Wohlig wollte der Leib sich auf dem feuchten Boden wenden. Wie ein Blitz aber fuhr das Erkennen in ihre Glieder. Während ich mich dem Sturm hingab, verriet ich den Sohn des Jägers. Auf dem Alten Berg ließ ich wiederum geschehen, wovor ich zu fliehen nur vorgab. Schon klatschten ihre nackten Füße auf den Beton. Keuchend erreichte sie die menschliche Bleibe. Vergebens war ihre Eile. Das Kind des Wildermuth, das sie zurück gelassen, war nicht mehr daheim. Nur durch meine Schuld gewinnt der Leidensmann, der alles vergibt, seine Macht über das alte Volk. Weil ich nicht treu bleiben kann, führte mich schon die Mutter fort. Weiß verbindet sie meine blutigen Wunden; erstarrt ruhe ich im steinernen Schiff aus wie eine Tote. Immerdar.
* He would gladly suffer sweet exile The roads to the land of high love Would find his beloved and his country at the end; Of this, fidelity gives seal and pledge. [Link/Kommentar]
500beine » Ich hab mal ein Buch gelesen
13.02.2012, 12:10 … Lesen ▼
Ich hab mal ein Buch mit nach Hause gebracht, es stand unter Neuerscheinungen. Ich weiss nicht mehr, wie es hiess, ich hab den Namen des Autors vergessen, ich weiss nicht mal mehr, worum es in dem Buch ging, ich weiss nur noch, es hatte ein blaues Cover und es spielte in Lateinamerika. In Uruguay, Montevideo. Ein Roman aus der GroÃstadt, am Rande des Sumpfes, eine verhängnisvolle Liebe. Das weiss ich noch. Die Eckdaten. Einmal angefangen, hab ich das Buch nicht mehr weggelegt, und nachdem ich den letzten Absatz erreicht, die letzte Zeile, das letzte Wort gelesen hatte, nahm ich das Buch und pfefferte es gegen die Zimmerwand, im Zorn, mit vorrückenden Tränen in den Augen. Weil alles so gekommen war, wie man es befürchten musste, weil der beschissene Tod die Geschichte besiegelte. Ein tolles Buch, und ich hab alles vergessen. Es hatte ein blaues Cover. So wie der Himmel um den zehnten Mai rum.
*
Auf Glumm: Es war ein Ritual geworden [Link/Kommentar]
Gleisbauarbeiten » SNOWDROP by Janet Frame
13.02.2012, 9:19 … Lesen ▼
Snowdrop where the slugs chewed
your body in half.
the time has spread oil
your wounds to heal.
You and I will never know
this year´s flower. It is
like a lost vision that will swell
to fill all seasons.
I hear the heavy white bell
begin to toll.
I see the sad procession move
towards the white cathedral.
The sun shining on the green spires
is so beautiful.
[Link/Kommentar]
isla volante » veränderungen
13.02.2012, 8:27 … Lesen ▼

kleine veränderungen bringen oft alles durcheinander…
immerhin der kobboi träumt immer noch das gleiche, wie vor tausend jahren.
wir werden beobachtet.
rheinsein » köln durch 11
13.02.2012, 7:33 … Lesen ▼
Am heutigen 13. Februar 2012 erscheint, mit einer Präsentation im Kölner Literaturklub im Theater die wohngemeinschaft, die von Christian Heinrici herausgegebene Anthologie köln durch 11.
Wir zitieren aus dem Presseinfo: “In dem ungewöhnlichen Literatur- und Foto-Band werden elf Kölner Stadtviertel von elf Kölner Schriftstellern porträtiert, bebildert mit Fotografien von Heike Frielingsdorf und Cornelia Olligs. Der Band zeigt die skurrilen Seiten Kölns, „einer Stadt, die sicher nicht an allen Stellen schön, aber vielerorts liebens- und erlebenswert ist“, (…) ein etwas anderes Köln-Buch – jenseits von Kitsch und Kommerz – mit Beiträgen von Chrizz B. Reuer, Julja Schneider, Adrienne Brehmer, Christian Heinrici, Armin Bings, Gerrit Wustmann, Marie T. Martin, Bettina Hesse, Alexander Bach, Adrian Kasnitz und Stan Lafleur als literarische Veedelspaten.”
Die Veranstaltung heute abend beginnt um 20 Uhr. Es wird ein Unkostenbeitrag von 5 Euro erhoben. Wir können leider nicht zugegen sein, da wir uns seit vergangenem Samstag und noch auf unabsehbare Zeit in der Stadtbahnlinie 18 mit Kurs auf Istanbul befinden. Der Band trägt eine ISBN-Nummer (welche, wissen wir nicht) und kann somit über den Buchhandel erworben werden. Basisverkaufsstätte ist das Nippeser Lädchen vielFACH. Der Preis beträgt 9,90 Euro. Wir kennen die Druckqualität nicht, auf den Fahnen sahen die Fotos sehr ansprechend aus.
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