litblogs.net aktuell http://www.litblogs.net/?bdprssfeed=1 BDP RSS Aggregator version 0.6.1 Nymphenbad : Die Reise SANDSTEINBURG http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/die-reise-sandsteinburg.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/die-reise-sandsteinburg.html
12 Jahre : 7 Fassungen: die um die 10 Entwürfe brauchten. 7 Fassungen, die notwendig waren, um nun in zwei dickwandigen grauen Ordnern lose zu liegen, im Keselground, auf meiner Bettseite. Ich erinnere mich noch gut, wie ich die vorletzte Fassung in den Händen hielt, oder war es die vorvorletzte?, die ich zu lesen begann. Stück für Stück. Kapitel für Kapitel (: und wieder von Neuem beginnend, da du von vorne begannst, umstelltest, verwarfst: hadertest.). Dir meine Eindrücke schilderte, mich dir als Leserin vorstellte, die dir erzählte, wie es ihr erging. Spannend für beide Seiten. Zumal du zuvor gelobt hattest: Mit dir schreibe ich die SANDSTEINBURG fertig. Gesagt. Und tatsächlich getan. Ich ahnte, was für eine Kraft sie bisher gekostet hatte, erlebte in den letzten Etappen die Mühen, das Kreuz, die Zweifel, die Zerrissenheiten mit. Unzählige Gespräche folgten: über das "Absolute Buch", über Erzählformen und Strukturen, über den Roman als solches und was ein Roman eigentlich ist, über das Medium Schreibmaschine vs. PC, das zu wählende Format der Blätter, die Unterteilung der Kapitel und ihre nicht notwendigen Reihenfolgen, ... und noch vieles mehr. Das Auf und Ab. Das Für und Wi(e)der : Die von dir genommene Substanz, die sich in diesem Werk, in jener Sprache, dem inhärenten Kosmos in ihr entfaltet, der ersteht, sobald das erste Blatt von ersten Augen besehen wird, die sich auch einem der anderen Blätter hätten zuerst widmen können, wie es jederzeit und erneut möglich ist. Ganz gleich, ob ich sie in der Folge lese, wie sie nummeriert sind oder ob ich irgendwo eines herausnehme und dann ein nächstes. Oder ob ich sie in die Luft werfe, warte bis sie zu Boden gekommen sind und ich mir einen eigenen Reim machen darf: Ene mene Muh, und der schöne Schabernack mit der Bedeutung : Der Fingerzeig, das Schicksal, die Muster, der Zufall und die Wahl.

Es gibt keinen Anfang. Es gibt kein Ende. Kein Alpha. Kein Omega. Wie aufgeworfen so manches Wesen, das zu lesen imstande ist, sich vorfinden kann, wird so bereits in der Annäherung, dem Zur-Tat-Schreiten offenbar. Mit einer Wildvogelschleppe werde ich es tun. Mal auf diese, mal auf jene Weise, in Anordnung der Blätter, wie ich sie nummeriert in ihren Schlummer vorfinde, oder: wie es mir belieben wird. Phantastisch! Denn ich weiß es selbst noch nicht, darf mich freuen, mich kennenzulernen, mich preiszugeben und (p)feilzubieten. Denn anders als es dem Hl. Sebastian geschah, der, an den Stamm eines Baumes gebunden, von den numidischen Bogenschützen ins Visier genommen wurde und als Zielscheibe diente, steht es mir als Leserin frei, wie ich mich diesem Werk nähere, mich darin bewege, es aufnehme. Da es zum einen keine vorgegebene Leserichtung gibt, und zum anderen, soweit ich bisher sagen kann, es kein Werk ist, das den Leser bei der Hand nimmt, ihn führt, ihm die Flüsse eines Kosmos als ununterbrochene, linear und kausal fließende präsentiert. Da es keinen Plot entwirft, der mich in beschreibender Weise von A nach B lotst, um ein ACHSO zu generieren, das der Realität und was sie eigentlich ist, einen Filter vorschaltet, als wäre es möglich der Gründe Gründe jemals erreichen zu können.

Ich stehe also wieder am Anfang. Höchst fraglich, was das eigentlich ist: der Anfang. In meinem Fall ist es der Beginn einer Reise, von der ich erzählen möchte, da mich die Wucht dieses Werkes, von dem ich zuvor nur kleine Textanteile, die von mir sog. Chimären, die zuvor noch Tableaus hießen, kannte. Chimären wie diese (die sich jedoch nunmehr in der vorliegenden Endfassung der SANDSTEINBURG durchaus anders präsentieren):

Ich erträumte mir das letztliebliche Tal neben Pfannenstiel und Nachtberg, das die Historienmacher aufgegeben haben wie jeden paphischen Hain der Fürsten in abgelegenen Regionen, das Geheimnis eines Geheimnisses, im Traum wird hingebosselt, was der erlebte Körperschmied gar nicht wissen kann, was der Wachzustand vergrämt und vergrätzt, was ihn eng an einer Schnur in der Zeit behält. Ich plündere mich in den Kellern, verpuppe den Plunder dort, der ohne Herzberührung selbst keinen Puls mehr spüren ließe, ein jedes Symbol ist mir Tür ins Weite, einer neuen Verlorenheit entgegen, die sich anhauchen läßt, Farbtöpfe vor einer gilbgewordenen Leinwand; nur: nein, ich male nicht, ich schreibe Bilder ein ins Leben, ein Bücherfutteral. Niemals schläft die Welt, die in der Erfindung zu finden ist. Niemals schläft.
Wir müßten uns alle totmachen, um wie erfrischt und neu in unserer Einbildung nach einem Bilde zu leben, das wir uns vorbereitet in die Nachttischschublade oder einen verlegten Strumpf gestopft haben, der Entdeckung vorgreifend. Und: jetzt, ja, bin ich allein mit dem Bild, im Bild.
Ich greife vor und sehe bereits die ganze Erzählmaschine anrumpeln und abraspeln, was dann in diesen ledernen Teig fällt. Ich sehe dich gehen, ich sehe dich gegangen, ich weiß nicht wann, noch weiß ich wo. So suche ich, ohne mich augenscheinlich zu bewegen, vor (der) mir, hinter mir – gilt nicht – ich komme!
Als hätte ich jemals einschlafen können, schlief ich ein, muß wieder eingeschlafen sein, denn ich kann mich an eine kurze Phase des Wachseins erinnern, die mir die Konturen näher brachte, große graue Brücken, von denen nur die Pfeiler zu erkennen waren, die mein Domizil stützten.


Aus bisheriger Leseerfahrung weiß ich: ganz gleich, wo ich wieder zu lesen beginne, ich weiß nie, wo ich mich gleich befinden werde, wie lange mir dieser oder jener Augenaufschlag sein wird, wie lange ich mir und all dessen, was mich umgibt, gewahr sein kann. Ich weiß nur, dass es so kommen wird, dass diese oder jene Landschaft, Dorfschenke oder Brücke gleich nicht mehr sein wird. Die Brücke, die nur ist, um mich in ein Anderes zu stürzen, immer tiefer hinab, damit ich Zeiten später doch erneut zu ihr gelange, sie in einer anderen Vegetation, in einem anderen Licht wieder passiere. Mit einem anderen Augenaufschlag. Ich bin dann nicht mehr dieselbe. Wo nur war ich? Wo bin ich gewesen? Alles ist Traum, ist Erinnerung, ist Gedachtes. Flora und Fauna, Landschaften, Dörfer, Städte und ihre Architekturen sind selbst gewaltige Akteure. Alles ist beseelt. Noch jedes Haus, jeder Stein stülpt mir farbpsychosomatisch sein Innerstes, sein Dasein entgegen.

Das Bloße in diesem Werk, soviel kann ich als Pionierin bereits verraten, ist der Leser. ]]>
Sun, 24 Sep 2017 21:19:25 +0000
parallalie : ... http://parallalie.twoday.net/stories/1022633431/ http://parallalie.twoday.net/stories/1022633431/ ihr schwalbhin schwalbher
sich turm erbetendes
ein plötzlich auflohendes,
dem flämmlin nichts
unbedeutendes bedeutend,
als würden in ihrem
flügelflackern sie träge sich ergehen,
und alles schien ihm weiß-, geiß-,
geistergleißend.
"(heller als Stille sei)" (Egger)
denn es war nichts zu hören ]]>
Sun, 24 Sep 2017 20:40:00 +0000
Nymphenbad : Wir kommen nicht vom Dasein weg http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/wir-kommen-nicht-vom-dasein-weg.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/wir-kommen-nicht-vom-dasein-weg.html
Nein, wenn wir Bücher schreiben, schreiben wir keine vollständigen Bücher, wir reißen nur ein Stück aus der Ewigkeit heraus. Wir haben bereits erlebt, daß die Avantgarde in Form kleinerer und größerer Feuer die Ordnungshüter und Traditionalisten in helle Aufregung versetzte. Die Feuer verzehrten sich selbst oder wurden von den aufgeschreckten Bürgern erstickt. Vorher hatten sich jedoch manche an diesen Feuern gewärmt und am Spiel der Flammen erfreut, hatten miterlebt, daß verfestigte Strukturen aufgebrochen werden können, und hatten die zurückgebliebene Asche als Nährboden für Schreibweisen entdeckt, die sich immer weniger an literarische Traditionen gebunden fühlten. Künstler sein, das heißt ja nicht erst seit kurzem gegen jede Art von traditioneller Kunst zu Felde zu ziehen, weil es in der Welt, so wie sie ist, nichts Nachahmenswertes gibt.

Die Allmacht des Bewußtseins wird durch die Aufwertung des Traums und des Unbewußten in Frage gestellt, die religiösen, sozialen und sexuellen Tabus werden durch ein von den Instinkten gelenktes spontanes Handeln durchbrochen. Folgt der Schriftsteller dem magischen Diktat des Unterbewußten, so besteht Aussicht, den poetischen Urzustand des Menschen wiederzugewinnen. Der avantgardistische Dichter wird so zum Demiurgen, der aus dem Unbewußten neue Welten schafft. Es geht also weniger um die Übernahme bestimmter Inhalte und Ausdrucksformen als darum, daß der Drang nach völliger Erneuerung ansteckend wird in einer radikalen Abkehr von allem Überkommenen und dem bedingungslosen Einsatz für eine völlig neue Welt, einen völlig neuen Menschen und folglich eine völlig neue Kunst. Autoren und Leser sollen aus Worten neue Welten schaffen, und wer Welten schafft, nimmt dadurch göttliche Züge an. Von Huidobro stammt der Satz: Der Dichter ist ein kleiner Gott.

An die Stelle einer logischen tritt eine magisch-assoziative Verknüpfung, die das Gesetz des Widerspruchs ebenso außer Kraft setzt wie das von Ursache und Wirkung, eine Verknüpfung, die räumlich und zeitlich Getrenntes, Elemente des Mikro- und Makrokosmos, Konkretes und Abstraktes, Natur und Technik in eins setzt. Wenn wir das tun, haben wir in der Vorstellung eines Vogels mit ausgebreiteten Schwingen gleichzeitig ein Flugzeugs und ein Kreuz. Wir können von dem Tier als biologisches Attribut, als Symbol (Amsel, Rabe, Nachtigall) oder als Nachfahre der Flugechsen sprechen, vom Flugzeug als Transportmittel, dem Traum des Menschen, fliegen zu können, vom Kreuz als religiöses Zeichen, als geometrische Figur, und schließlich wieder als Vogelscheuche.

Wenden wir uns vom abstrakten Vogel des Beispiels zum konkreten Raben, können wir gar eine Sprache schaffen, in der die Wörter ihren Status als arbiträre Zeichen zugunsten einer engeren Verbindung zwischen „Bezeichnendem“ und „Bezeichnetem“ aufgeben. Das funktioniert folgendermaßen: Für Morpheme gilt die Semantik der Arbitrarität, der zufälligen, aber konventionalisierten Verbindung von Lautvorstellung und Objektvorstellung. Daß man Hunde Hunde nennt und nicht etwa Globen oder Teppiche, hat keinen anderen Grund als den, daß sich Hund durchgesetzt hat. Das Wort Hund hat nichts Hundiges an sich. Daß man Jagdhunde Jagdhunde nennt, hat dagegen System: Das Wort erweitert die Bedeutung von Hund um die Bedeutung von Jagd. Hier greift das Prinzip der Kompositionalität.

Nehmen wir uns jetzt einmal den Raben vor. Jeder weiß, was ein Rabe ist, zumindest weiß jeder, daß dies irgendein Vogel ist. Wir können nun die jeweils bekannten Schöpfungen nehmen: Rabenschwarz, Rabennacht, Rabenmutter, und gehen über in die Kühnheiten: Rabhalla, Rabhaarig, Rabmystisch; warum nicht sogar Rabelais? Moderne Poesie hat mit dem Irrealen und der Magie in Verbindung zu stehen, mit Reinheit, Lust, Gewalt, Freiheit, Leben und Tod. Die eigentliche Bestimmung des Menschen ist das Unterbewußte, wo die Dichtung die Verbindung zwischen dem Leben und Phänomenen wie Traum, Hellsehen und Wahnsinn aufzeigen soll. Es ist nicht neu, daß sich manche avantgardistische Bewegungen hierzu bestimmter poetischer Mittel, wie des Delirium, des unkontrollierten Sprechens, der Liebe, des Zufalls oder des Verbrechens bedienten – also all dessen, woran juristische, medizinische oder religiöse Normen den Menschen zu hindern suchen. Wir dürfen niemals vergessen: Die Dichtung ist der höchste Ausdruck der Freiheit, da sie allein in der Lage ist, alle sozialen, moralischen und mentalen Fesseln zu sprengen.

Der Dichter kann sich seiner Überlegenheit gegenüber Politik, Philosophie und Geschichte gewiß sein, er repräsentiert die Menschheit, keine anderer ist Mensch wie er. Das Poetische gründet sich auf ein Spannungsgefüge aus Rhythmus, Bild und Analogie, das, im Gegensatz zum segmentierenden, rationalistischen Denken und der teleologischen Auffassung von Geschichte, prinzipiell subversiv ist. In der poetischen Inspiration manifestiert sich die Ontologie der Andersheit. Das erotische Begehren und die Grenzerfahrung werden mit dem Hier und Jetzt der körperlichen Erfahrung verbunden, wodurch sich die Selbstbehauptung des Poetischen gegen die Diskurse der Gesellschaft und der Politik artikulieren soll. ]]>
Sun, 24 Sep 2017 10:32:36 +0000
isla volante : konfekt und torten http://feedproxy.google.com/~r/volante/~3/RQ9mrVgWU7M/ http://feedproxy.google.com/~r/volante/~3/RQ9mrVgWU7M/

„du hast ein schönes haus!“

„danke schön! es ist auch mein arbeitsplatz.“

„was arbeitest du – backst du pflaumenkuchen?“

milla lachte. führte tarik in ihre backstube und erzählte, was es in ihrer pâtisserie alles zu kaufen gab. dass sie all die köstlichkeiten höchstselbst anfertige und wie die kunden bei ihr schlange standen. von der schlanken dame, die mit abgespreiztem kleinen finger vor dem konfekt stand und eine praline nach der anderem zu kandierten früchten und fondants wählte bis zum pummeligen metzger, dem ihr schokoladenkuchen lieber war als jede leberwurst. der junge stand staunend da, von der vielfalt der köstlichen düfte und dem anblick all der leckerbissen überwältigt, mit offenem mund. aufmunternd zwinkernd schob milla die eine oder andere köstlichkeit hinein.

„und torten!“

tarik traute sich kaum an die gläsernen verkaufsvitrinen heran, unter denen mit leisem surren die kühlaggregate auf vollen touren liefen.

milla dachte bei sich, dass ihre pâtisserie dem jungen wie ein traum erscheinen müsse. ein schlaraffenland. und in der tat hatte sie den ausdruck, der jetzt in tariks augen lag, bereits oft in den augen solcher kunden gesehen, die ihren laden hungrig betraten.

„torten!“

tarik kam aus dem staunen nicht mehr heraus. milla erzählte ihrem gast von den hochzeitstorten und der legende, die sich um sie und ihre verführungskünste rankten.

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Sun, 24 Sep 2017 08:44:24 +0000
Nymphenbad : Die Antwort http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/die-antwort.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/die-antwort.html

Mir bleibt noch etwas Regen in diesem
aufgeräumten Gefäß, weggeschlossen zwar,
aber nicht unerreichbar, wenn ich einen
Stuhl auf den anderen stelle.

Die Trockenheit unter der Zunge ist
für ein besonderes Klima verantwortlich.
Als könnte man leise eine Treppe
hinab schweben, keine Spuren im Staub.

Mittags schälten sich die Passanten aus dem Laub,
die Straße aber blieb bestehen.
Die Folgen eines Bisses,
ein Fetzen Luft zwischen den Zähnen,
mit allen brillanten Brechungen vereint.

Jetzt endlich kaufte sie den Stuhl,
um den Ereignissen beizuwohnen.
Heute weiß ich es nicht,
aber morgen werde ich mich gefragt haben.


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Sun, 24 Sep 2017 07:43:11 +0000
Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : "Wie ein Thriller!" Das Arbeitsjournal des Sonntags, den 24. September... http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wie-ein-thriller-das-arbeitsjournal-des-sonntags-den-24-september-2017/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wie-ein-thriller-das-arbeitsjournal-des-sonntags-den-24-september-2017/ [Max-Ernst-Zypresse im Nebel, bei Königswinter nahe Bonn, 7.39 Uhr]

Der beinah ausverkaufte Kammermusiksaal des Bonner Beethovenhauses, also die Menschheit darin, saß die gesamten 43 Minuten, die http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/am-sonnabend-in-bonn-beethovenfest-robert-hp-platz-viertes-streichquar/" target="_blank" target="_blank" > dauerte, konzentriert, teils versunken da; glitt eines' Aufmerksamkeit hinweg, oder einer, nahm Platzens Musik sie sanft, doch nicht ohne Suggestivität bei Ohr und Gehirn und sog sie wieder ein. Der Applaus war - im Wortsinn, Freundin - schlagend. Ich selbst hatte schon von den ersten Tönen an - Magie gespürt. Für mich bedeutet das Wort unterdessen "ohne Dogma", so daß Risse spürbar werden, durch die was hinausblühen kann. Und hier blühte.
Allein die Singstimme war zu tief. Die "gemeinte", weil auf sie hingeschrieben worden war - Platz sagte, er habe ihr die Partie nicht auf den Leib, nein, in die Kehle geschrieben -, hatte kurzfristig abgesagt, stellen Sie sich vor! eine Uraufführung absagen, für die alles schon steht! --- so war nun kurzfristig jemand zu suchen, die einspringen wollte und konnte. >>>> Eva Šušková hatte sich gefunden, eine, wie Sie hinter dem Link sich anhören können, tolle Sängerin, aber nicht Sopran, wie die Partitur vorsah, sondern ein Mezzo. Obendrein im achten Monat schwanger, so daß die Belastbarkeit schon aus menschlichen Gründen eingeschränkt war. Und die Partie hatte hinuntertransponiert werden müssen. Dadurch verändert sich der fast gesamte Klangcharakter.
Ich hörte es sofort, hörte quasi mit, was Robert eigentlich komponiert hatte, hörte es, weil es ja mein Text war, der dort erklang. Ja, ja! - dachte ich immer wieder, jetzt muß sie ganz hoch über dem h der Geige schweben! und ich hörte sie schweben, auch wenn sie es nicht tat, sondern die an sich zart zu singende Stelle notgedrungenermaßen dramatisch nahm. Wie oft habe ich nachher an >>>>> Laura Aikins Sophie gedacht! und Robert in der Nacht von ihr auch erzählt.
Mehr als nur phänomenal aber dieses Quartett, >>> Quatuor Béla. Wie phänomenal merkt sich bei bekannten Stücken, besonders des Repertoirs. Da nur spüren wir, wenn etwas anders ist. Beethovens selbst im Programmheft "heiter" genanntes spätes Opus 135 wurde zum Thriller. Es war schlichtweg atemberaubend, auch weil der klangliche Wille zum Ausdruck - geradezu eine Performance aus Klang - nicht etwa unter Verzicht auf Analytik ging, sondern ganz im Gegenteil: Ausdruck ward Analyse, Analyse Ausdruck. Ich bin gespannt, ob meine, tja, Empfindung sich nachher wiederholen wird, wenn ich zurück in Berlin den Mitschnitt abhören werde. Hier sei sie aus der Erinnerung aber schon konstatiert. (Dann werde ich Ihnen, Verehrte, auch ein paar Bilder zeigen. Ich bin hier, bei der Zypresse, zu weit von jedem komoden Netz entfernt und habe gestern nacht verabsäumt, mir ein WLan-Paßwort geben zulassen.)


Mein Flieger hebt um 11.45 auf Kölnbonn ab; ich muß auch irgendwie dort hin. Robert will mich zur Eisenbahn fahren, schläft aber noch. Nu' hoff ich, ihn, den Flieger, nicht zu verpassen. Das wäre schon deshalb blöd, weil ich dann nicht wählen könnte. Allerdings müßten mir Hand und Stift dann nicht zittern.

[Arbeitswohnung, 14.17 Uhr]
Zurück.
Caffè.
Erst einmal den Mitschnitt von gestern auf den Musikcomputer überspielen, formatieren und schneiden. Es regnet hier in Berlin.

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Sun, 24 Sep 2017 07:26:21 +0000
Vom räudigen Leben, der Wucht und dem Nimbus : Wo Geld ein Piss ist http://500beine.myblog.de/500beine/art/10583053 http://500beine.myblog.de/500beine/art/10583053
Ja.

Intern nennen wir Rita auch schon mal "Krich-krich-krich". Die Gräfin und ich haben sie so getauft, weil sie ihrer Shiva, als die noch ein niedlicher Welpe war, immerzu Stöckchen geworfen hat, begleitet von geradezu soldatisch strammen Anfeuerungsrufen: "Krieg den Stock, Shiva! Krieg! Krieg! Krieg!" Aber eben auf die verkürzende bergische Art, also mit -ch statt -g und einem kurzem i:

"Krich! krich! krich!"

Sie ist mal wieder übel gelaunt. Sie ist immer übel gelaunt. Sie ist einsam, sie hat keinen Mann, keinen Job, sie hat nur einen Hund, den sie nicht mehr leiden kann, seitdem er kein Welpe mehr ist und jedes Stöckchen verschmäht, das sie ihm wirft, sie hat eine tiefe soldatische Stimme und sie wäscht sich nicht mehr. Wozu auch? Für einen Hund, dem sie nichts mehr abgewinnen kann?

Die Augen tief in den Höhlen, wie die einer Eule, grade vom Baum gestiegen, stiert sie mich an, an diesem frühen Morgen im Januar, als sie mit Schaum vorm rissigen Mund von den Sheriffs vom Ordnungsamt erzählt, die sie in den Anlagen ertappt haben, als Shiva nicht angeleint war.

Fünfundzwanzig Euro Strafe, bar zu berappen.

Was sind schon fünfundzwanzig Euro in einem Land, wo Siegerinnen gern oben schwimmen und tote Frau spielen, damit die Verliererinnen nicht an sie herankommen? Wo man gern unter sich bleibt, unter Seinesgleichen. Wo Geld entweder ein Piss ist oder ständiges Hochwasser.

„Fünf-und-zwan-zig Eu-ro!“ rupft Rita die Zahl empört auseinander.

Die Sache mit dem Ordnungsamt hat Rita bereits zweimal der Gräfin erzählt, mit Schaum vorm rissigen Mund, was wiederum die Gräfin mir erzählt hat. Ich weiß also Bescheid, tue aber so, als wüsste ich nichts davon, damit Rita was zu erzählen, was zum Abladen hat, wir brauchen alle hin und wieder ein Gegenüber zum Abladen, mit Schaumbällchen vorm Mund, zwei, drei Tage hintereinander oder ein Leben lang.

Ich bin eine fröhliche Müllhalde, als ich weiterziehe

Punkt ]]>
Sun, 24 Sep 2017 07:23:14 +0000
litblogs.net - Wochenspiegel : Kurztitel & Kontexte bis 2017-09-23 http://www.litblogs.net/kurztitel-kontexte-bis-2017-09-23/ http://www.litblogs.net/kurztitel-kontexte-bis-2017-09-23/
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  • parallalie : Ibn Hamdîs, Diwan, VI https://t.co/PPVqxq4MKk 2017-09-17
  • Nymphenbad : Nymphentag 74 https://t.co/2wYP14Gfmw 2017-09-17
  • Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Christopher Ecker und Marcus Braun.…… https://t.co/YPVopE2X0h 2017-09-17
  • Nymphenbad : Eins Zigarette & Eins Bier https://t.co/gfK8zkgqGw 2017-09-17
  • Nymphenbad : SSB – 3 – Der Elvegust, Einschub 1 (Der Böhmwind) https://t.co/0fnVOYpvyu https://t.co/in9QC5JH1L 2017-09-17
  • https://t.co/JU4nHY8Nqo – Wochenspiegel : Kurztitel & Kontexte bis 2017-09-16 https://t.co/cXcrp5ttcC https://t.co/Kjmi3Eb89D 2017-09-17
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    Sat, 23 Sep 2017 22:23:52 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : III, 329 - Querelle http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-329-querelle/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-329-querelle/ Ich saß gestern wieder im Kino. Ansonsten am Schreibtisch in einer arbeitslastigen Woche, die mir nicht viel Zeit für anderes ließ. Da nur wenige Leute gekommen waren, konnte ich wählen. Und wählte den Platz, den neulich die Blonde mit dem Hündchen eingenommen. Also ziemlich vorne rechts mit niemandem zwischen mir und der Leinwand. Weder Stein noch Bein noch Kopf. Aber da war gleich Atmosphäre, sehr körperlich, sehr weich gezeichnet. Man sprach Englisch mit italienischen Untertiteln. Wer im Spiegel erschien, erschien in Schwarzweiß, nicht aber die mit ihm gespiegelte Umgebung. Alles im Zeichen einer männlichen Körperlichkeit. Die einzige Frau, Jeanne Moreau, erscheint nicht als Körper, sinnlich nur in ihren Gesten, etwa beim Tanzen. Was sie auf Englisch sagt, klingt nicht englisch, sondern wie das Rezitieren von Resümees. So auch ihr refrainhaftes Singen. ‘Männer töten, was sie lieben.’
    Lektüre vom Nachmittag hallte nach. Brandig, der im zweiten Teil des Romans dem Ich-Erzähler einen Eulen-Spiegel vorhält beim Kneipengang in Paris, und ihm seine Geschichte mit der Guinetti erzählt, mit der der Roman beginnt, allerdings ist es in diesem Fall der Ich-Erzähler, der ihr im Moor einmal zufällig begegnet. Die merkwürdige Situation, sich an ein Lächeln zu erinnern.
    Was nicht unbedingt abwegig ist. Weil ein Lächeln uns als uns zurückgibt.
    Kurz, die Stellen am Nachmittag beim Lesen, die beschrieben, wie Brandig und die Guinetti ihre Körperlichkeit in allen möglichen Situationen und Positionen auslebten. Regelrechte Aufzählungen.
    De Sade, dachte ich manchmal deswegen, den ich mir reingezogen, bevor ich es wagte, mir abermals >>>> ‘Salò o le 120 giornate di Salò’’ anzusehen. Das war noch in Fornole. Katalog der Perversionen. Click and buy. Schau dir verwandte Artikel an. Viele andere Kunden haben auch noch dies gewählt.
    Kurz, ich haderte dann doch mit Eigner. Mir fehlt kurz vor dem Ende die Schlüssigkeit in diesem Spiegelsaal, den er da aufrichtet. Immerhin bin ich bis zur Hodenoperation gelangt, zu den Schlägen, die er ihr gibt, nachdem sie gesagt, seine Hoden seien nach der Operation nicht mehr wie vorher so groß.
    Und dann tanzen da im Film zwei Brüder mit gezückten Messern choreographisch umeinander herum, die mitnichten wie Brüder aussehen. Die durchaus poetische Szene der analen Penetration. Männerküsse. Das aber zwischen Männern, die jeweils schon einmal Halsschlagadern durchschnitten haben. Halsabschneider. Unter sich.
    Was ich sah, war >>>> ‘Querelle’’ von Fassbinder. Als ich und die anderen gingen, sagte ich noch zu Fulvio: “Ein Kunstwerk!” Das entwaffnet, wie es einem Kunstwerk zukummt. Er: “Das habe ich mir so auch nicht erwartet.” Ich auch nicht. Denn ich sah ihn das erste Mal.
    Heute abend: alle halbe Stunde ein Stück Ziegenkäse, einen Tarallo und ein Glas Wein.
    Unter der Woche auch viel bajuvarische Stimmen unterhalb der Fenster. Junge Menschen aus Odelzhausen (Kreis Dachau), der wahrscheinlich nächsten Partnerstadt Amelias. Untergebracht im Ostello gegenüber.

    Jetzt bin ich doch verschollen im Schwundland, der Stuf-sprachen Tage, die morgenbaren, Herbst zog ein (Egger, Herde der Rede), ein Flämmlein entbrennt dem Gas der Flasche, der ersten nun für die Ember-, Ober-, Uar-Monate. Ärzene Prile nicht ganz ausgeschlossen.

    III,328 <<<<

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    Sat, 23 Sep 2017 19:00:00 +0000
    parallalie : Ibn Hamdîs, Diwan, IX http://parallalie.twoday.net/stories/1022633339/ http://parallalie.twoday.net/stories/1022633339/ Die Liebe brach das Siegel der Tränen, die flossen dahin;
    mit ihnen wollte ich die glühenden Kohlen löschen, die dann erst recht glühten.

    2
    Und nicht sicher war ich mir, daß das Wasser, noch bevor sie liefen,
    das Feuer anlockt, das in den Eingeweiden brennt.

    [Ibn Hamdîs, Diwan, IX] ]]>
    Sat, 23 Sep 2017 17:37:00 +0000
    particles : dublin http://andreas-louis-seyerlein.de/air/dublin/ http://andreas-louis-seyerlein.de/air/dublin/ picping

    MELDUNG. Trotz behördlichen Verbotes wird am kommenden Abend in der Princess of Dublin weiteres Kampftrinken vollzogen. Gefochten werden schwere Benzine ab 22.15 Uhr. Mit Toten darf gerechnet werden. Pearse St., 8. Eintritt frei. – stop
    ping

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    Sat, 23 Sep 2017 15:14:07 +0000
    particles : nach dem zug http://andreas-louis-seyerlein.de/air/nach-dem-zug/ http://andreas-louis-seyerlein.de/air/nach-dem-zug/ 2

    echo : 22.02 UTC – Menschen, die glückliche Menschen sind, gehen im Grunde zunächst davon aus, dass sie von anderen Menschen verstanden, präzise, dass sie nicht missverstanden werden, ich meine in dem Sinne, dass Verständigung möglich ist, entweder sofort, auf der Stelle noch, oder mittels einer Nachfrage konstruktive Verständigung letztendlich gelingt, sagen wir Zivilisation, die nun auch in Mitteleuropa bedroht wird von Personen, die auf ihr Land stolz sein wollen in einer Weise, die Menschen fremder Sprachen herabsetzt. – Am Marienplatz verliess ich den Zug. Ich stand unter Wartenden, wartete selbst, beobachtete den Bahnsteig, auf dem wartende Menschen sich drängten. Sie standen sehr nahe an der Bahnsteigkante. Als der Zug einfuhr, dachte ich, wäre ich ein Lokführer, würde ich in dieser Situation meine Augen schließen. – stop

    ping

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    Der Beitrag nach dem zug erschien ursprünglich auf andreas louis seyerlein : particles.

    AndreasLouisSeyerlein?d=yIl2AUoC8zA AndreasLouisSeyerlein?d=dnMXMwOfBR0 AndreasLouisSeyerlein?d=qj6IDK7rITs
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    Sat, 23 Sep 2017 15:14:07 +0000
    Nymphenbad : Crash (Cronenberg) http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/crash-cronenberg.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/crash-cronenberg.html Fixateur externeDer Druck auf meine rechte Körperseite,
    auf diese Extremitäten,
    die Knochen,
    die äußeren Flächen.
    Das Hervortreten der Schulterblätter.
    Die Unterbindung des Blutflusses der Beine.
    Das Gras berührt,
    die Wange den Boden.
    Das Klaffen der oberen Lippe.
    Die Beckenschaufel wieder und wieder in Erde bewegt.
    Die starkschnellen Schläge. Links, unter meiner Brust.
    Unter den Rippenbögen, die flache Atmung.
    Die Weite von vorn,
    von hinten Wärme.
    Die Haut deiner Hand.
    Das Blut schmeckt eisern.

    „Maybe the next one. Maybe the next one.“ ]]>
    Sat, 23 Sep 2017 09:23:28 +0000
    Nymphenbad : Das mag wirklich alles gewesen sein http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/das-mag-wirklich-alles-gewesen-sein.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/das-mag-wirklich-alles-gewesen-sein.html Sat, 23 Sep 2017 09:23:27 +0000 taberna kritika - kleine formen : @etkbooks twitterweek (20170923) http://www.abendschein.ch/etkbooks-twitterweek-20170923/ http://www.abendschein.ch/etkbooks-twitterweek-20170923/ ich wähle die 7.5 booster packs für meine zweistündige spracharbeit. fun geht vor. Sep 22, 2017 / RT @christianbok: Conceptual literature has acquired its readership in part by telling readers that, to like the work, they do not have to… Sep 22, 2017 /im keller war das licht an und die katzenscheisse hellwach. Sep 22, 2017 / * Balance II https://t.co/IKbTbDmMYm https://t.co/kzKX8IUTTV Sep 22, 2017 / das buntverklebte, angegraute unreadable. https://t.co/a9ZyS3fvql Sep 22, 2017 /0RT @purelypoetry: QWERTYUIOP: poem written only using the top row letters of the keyboard. https://t.co/cdXJ2CpRHK Sep 21, 2017 / * kk003: [Ohne Titel] (Une matinée de M. Buronfle) https://t.co/Rqce3S7bGe https://t.co/pdZ8HZngbx Sep 21, 2017 /* 20130704 https://t.co/EolgjiZ40z https://t.co/fCUKJWDj6l Sep 20, 2017 / das umwickelte, verschnürte unreadable. https://t.co/BpgqSjcbdy Sep 20, 2017 / * (AN739N996:) https://t.co/VMq0PhPBud https://t.co/OdaUbLw8MV Sep 19, 2017 / für den rebel dude: patchrope boogieman. https://t.co/1Bnkeg9ZMt Sep 18, 2017 / lustige alternative. Sep 18, 2017 / das entkernte unreadable. https://t.co/4Z5feSZnQ2 Sep 18, 2017 / S01E03, 18.9., https://t.co/GtTiUhzzi5, 10h #tpc https://t.co/HKZIVTR4Xx Sep 18, 2017 / das gefaltete unreadable. https://t.co/df2mkhORSO Sep 16, 2017 /


    (lustige alternative.)

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    Sat, 23 Sep 2017 07:50:48 +0000
    Nymphenbad : Schwerkraft zum halben Preis http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/schwerkraft-zum-halben-preis.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/schwerkraft-zum-halben-preis.html

    Nebenan, beinahe in der Hinterstube, so aber doch noch im Wintergarten, verkaufte Frau Emsrente Schwerkraft zum halben Preis. Es ist da in den letzten Jahren gehörig etwas ins Wanken geraten, und da man zu keinem Zeitpunkt wußte, was Schwerkraft überhaupt ist, wußte freilich auch niemand, wie man ihr Fehlen kompensieren sollte. Aber Frau Emsrente hatte einen Schwerkraftmixer, eigentlich ein zylindrisches Haushaltsgerät, das von außenliegenden Solarringen umschlossen wurde, und auf dessen Innenseite eine mit Sauerstoff gefüllte Biosphäre angelegt war. Man kaufte Frau Emsrentes Schwerkraft, wenn man etwas im Umland spazierengehen wollte.


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    Sat, 23 Sep 2017 06:54:54 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Auf zur Uraufführung! Das Arbeitsjournal des Sonnabends, den 23. September 2017.... http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/auf-zur-urauffuehrung-das-arbeitsjournal-des-sonnabends-den-23-septemb/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/auf-zur-urauffuehrung-das-arbeitsjournal-des-sonnabends-den-23-septemb/ [Arbeitswohnung, 8.07 Uhr
    Parisien, Peirani, Schaerer, Wollny, >>>> Out of Land]

    „Die mir naheste Einspielung eines neuen Jazz‘“ werde ich meine freilich noch zu schreibende Rezension über Out of Land beginnen; jedenfalls habe ich das vor. Aber Texte gehen, läßt man sich von ihnen leiten, bisweilen andere Wege. Lassen Sie sich, Freundin, deshalb überraschen. Ich denke, in der nächsten Woche werde ich dazu kommen.


    Heute steht anderes an. Ich bin tatsächlich leicht nervös. >>>> Robert HP Platz, strings: Viertes Streichquartett mit Singstimme zu zwei Gedichten von ANH. >>>> Dort. Mein Flieger startet um 12.20, Boarding 11.40, um kurz vor zehn werde ich das Haus verlassen.
    Da mein Nettbückerl bei Freund M. zur ‚Bearbeitung‘ liegt, habe ich gestern das iPad für Reisen vorbereitet; jetzt soll es sich bezahlt machen, daß ich bereits in Paris nur noch an ihm gearbeitet habe. Ich brauchte aber meine Musik, jedenfalls ein wenig davon, da doch Apple meine Windows-Musik-FP nicht liest. Da war dann doch einiges zu überspielen. Auch die oben verlinkte Musik habe ich mir auf das Pädchen gepackt: mehr- und mehrmals wiederhören, dann vielleicht schon am Sonntagnachmittag schreiben, wenn ich vom Wählen zurücksein werde.
    Nur was wählen? Für meinen poetischen Beruf wäre es selbstmörderisch, den Grünen, der SPD oder der Linken meine Stimme zu geben, und die Piraten, für die ich mich sonst immer entschieden hatte (und denen ich eine zeitlang sogar beitreten wollte), zeigen unterdessen eine jämmerliche Gestalt – schon gar nicht taugen sie, der Action pour les alboches etwas entgegenzusetzen. Aber mein Hand wird zittern, wenn ich mein(e) Kreuzchen in die CDU zeichnen sollte.

    Gezittert hat auch Christopher Ecker, >>>> als er gestern aus dem Fenster sah. Dafür erzählte er mir heute von einem Museum, das mit einer Borges-Motivik spielt. Morgen werde ich ihm erst wieder nach meiner Rückkehr zuhören können und deshalb Ihnen, liebste Freundin, erst später als gewöhnt meinen Kurzbericht erstatten können.

    Zwei meiner Gedichte, wieder einmal, vertont! Wie wird es klingen? Platz arbeitet viel mit Elektronik. Bleibt der mir so wichtige Schmelz der Verse erhalten? Ja, ich habe einen Partiturauszug schon hier – aber das Klangerleben ist immer doch anders; es fällt mir schwer, visuelles Erkennen in den akustischen Eindruck zu übersetzen; die Verbindung von Auge und Ohr ist in mir nicht sehr innig. Etwas anderes ist‘s, wenn ich Buchstaben sehe: da höre ich die Wörter und die Rhythmik ihrer Aufeinanderfolgen. Streng genommen lese ich sowieso nur, höre immer. Es kommt auch vor, daß ich, während ich schreibe, die Wörter mitspreche oder gar singe. Ist mir schon gesagt worden.

    Na gut, vielleicht schaffe ich es sogar, Ihnen gegen Abend ein Bild einzustellen. Bitte? Ja, selbstverständlich! Ich werde das Konzert mitschneiden.
    So drücken Sie uns, >>>> bewunderte Frau, nun die Daumen! : den Musikern, dem Robert und mir. Um 16 Uhr geht es los.

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    Sat, 23 Sep 2017 06:44:00 +0000
    particles : max http://andreas-louis-seyerlein.de/air/max/ http://andreas-louis-seyerlein.de/air/max/ 2

    charlie : 20.45 UTC – Ich habe meinen Freund Max besucht, der in München wohnt in der Briennerstraße unter dem Dach in einem Loft, das derart weiträumig ist, dass man darin Hallenfußball spielen könnte. Seine Vögel, zwei Kakadus, fliegen dort gern frei herum, sie sollen, so Max, niemals bislang irgendeinen Schaden an seinen Möbeln angerichtet haben. Das liegt vielleicht auch daran, dass Max’ Vögel möglicherweise nicht ganz echt sind, ich meine, dass sie kühle Tiere von äußerst leichtem Metall sein könnten unter dichtem Federkleid verborgen, dass sie also nur vorgeben, Vögel zu sein, während sie vielmehr Drohnen sind, die sich von Max’ Computer gesteuert durch die Wohnung bewegen, als wären sie natürliche Wesen. Ich habe beide Tiere immer nur im Flug beobachtet, nie aus nächster Nähe, denn wenn sie einmal nicht fliegen, sitzen sie in einem Käfig, der dicht unter der Decke des Raumes unerreichbar weit entfernt montiert wurde. Wunderbare Algorithmen steuern den Flug der Kakadus, auch ihre Gespräche, die sie beständig führen. Es ist spät geworden, eigentlich wollte ich eine ganz andere Geschichte erzählen, von Max’ Computer, der über eine Taste für Cappuccino verfügen soll. Diese Geschichte werde ich im nächsten Jahr erzählen. – stop

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    Fri, 22 Sep 2017 20:11:16 +0000
    parallalie : Ibn Hamdîs, Diwan, VIII http://parallalie.twoday.net/stories/1022633260/ http://parallalie.twoday.net/stories/1022633260/ Wer denn verschafft mir das Vergnügen eines Mädgens,
    voll in den Brüsten, dem das Ergrauen ein Makel?

    2
    Mit Henna färbt es schwarz seine Hand,
    aus Liebe zum schwarzen Schnauzbart der Jugend.

    3
    Laß den Kampher: es ist die schwarze Farbe,
    an der mir das Erkennen erblüht.

    [Ibn Hamdîs, Diwan, VII] ]]>
    Fri, 22 Sep 2017 17:46:00 +0000
    particles : eine lampe http://andreas-louis-seyerlein.de/air/eine-lampe/ http://andreas-louis-seyerlein.de/air/eine-lampe/ 2

    nordpol : 10.28 UTC – Gestern, ehe ich das Haus der alten Menschen besuchte, dachte ich noch, das Altwerden, das Alt- oder Uraltsein habe mit Unruhe zu tun, mit Schlaf, dessen Zeiträume kürzer und kürzer werden. Heute nun würde ich sagen, das Alt- oder Uraltsein hat etwas mit Schlaf über lange Zeiträume hin zu tun, auf einem rollenden Stuhl sitzen und schlafen oder dämmern. Da war wieder eine Frau im Licht einer gelben Lampe, die im Wohnsaal vor einem Tisch saß und einen Telefonhörer in der Hand hielt. Der Telefonhörer war mit einem Telefon mit Wählscheibe verbunden, ein derart altes Telefon, dass man, um eine Nummer zu wählen, eine kreisende Bewegung ausführen muss. Dieses Telefon nun war nicht mit der Wand in Verbindung, vielmehr ragte aus dem Gehäuse des Telefons ein kurzes Stück Kabel, das anzeigte, dass das Telefon einmal tatsächlich mit der elektrischen Welt verbunden gewesen war. Als ich an der alten telefonierenden Dame vorbeikam, dachte ich für einen Moment, vielleicht liest ihr gerade jemand vor, vielleicht Hrabal, der aus seinem Roman Ich habe den englischen König bedient zitiert. Es wird Herbst, in jeder Hinsicht. 288P, ein Doppelasteroid wurde entdeckt. Hurrikane Maria verwüstet die Karibik. Mr. Un droht mit Wasserstoffbombentest. – stop

    ping

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    AndreasLouisSeyerlein?d=yIl2AUoC8zA AndreasLouisSeyerlein?d=dnMXMwOfBR0 AndreasLouisSeyerlein?d=qj6IDK7rITs
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    Fri, 22 Sep 2017 12:08:17 +0000
    der goldene fisch : Konstantin Ames : Im Emoticonmuseum in der Troneck-Allee hatte Conni neulich eine sangbare Meinung http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13469 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13469 Ich möchte nichts von Leuten lesen, die nicht lächeln können und die nichts und niemand überlegen sind, aber so tun als ob. Das sind doch Minusgesichter!
    Ich habe darüber nachgedacht, warum mich schmallippige Jungs mehr anekeln als schmallippige Mädchen. Das Ergebnis würde meinen Eltern sicher nicht gefallen.
    War neulich mit Opa im Stadion. Bananen schmeißen und Urwaldlaute abfeuern. Ich habe mich nie schwarz-weißer gefühlt.
    Stolz ist eine schöne Sache. Stolz macht auch schön. Ich sollte womöglich auch die anderen Lippen endlich einmal schminken.
    Oma fragte mich einmal, warum ich eigentlich keine Punkerin bin. Oma ist jetzt im Heim. In ihrem Leben hat sie sich keiner einzigen Frage gestellt, denke ich.
    Ich denke, ich bin so schlank, weil ich so schnell denken kann. Der Trick ist ganz einfach: Es denkt immer wer vor mir her. Ich habe gelernt, das zuzulassen. Eines ist immer schneller als anderes. Das Tier heißt Zitier. Es gibt keinen Vegetarismus der Seele.
    Mein Geschwister liebt Modellbau. Der Tiger sei ihm wirklich gut gelungen, sagt Opa (Poesie ist so ähnlich wie Lyrik, aber viel zu kompliziert für unsere Deutschleerer), der es wissen muss. Auch er trägt so lustige Dackelkrawatten wie der Onkel im Fernsehen. Der aber viel zu jung sei, sagt Opa, um Dinge zu wissen. Alte Menschen sind albern. Ich frage mich, was geschähe, – Mutti fragt sich das übrigens auch – wenn dem Fernsehonkel vor laufenden Kameras die Dackel plötzlich aus dem Gebinde entflöhen. Würde er dann bescheiden oder weise?
    Wir brauchen Literatursportgruppen, ganz in echt jetzt! Nie verstanden, warum sich Leute noch immer Krawatten umbinden und sitzend lesen. Es muss doch raus, nein?
    Traue keinem Dichter, sagt Papa, den nicht wenigstens zwei Bewunderer anhimmeln; Niederlassungen zu seinen Füßen. Für ihren neuen Mann gebraucht Mutti gern das Wort «soigniert». Können auch Worte erdrosselt werden? Ich bete darum zu meinem im Schrank versteckten Frosch. Verwest recht rasch.
    Ich habe gestern Kinderbücher verbrannt. Seitdem schreibe ich mehr als jede schmallippige Showmasterin. Ich mag schmallippige Showmasterinnen. Ich bewundere sie. Obwohl das schon zu weit geht. Ich hasse schmallippige Showmasterinnen. Noch ihr Haar ist schüchterner als sämtliche Brokerinnen Ochtrups zusammen.
    Papa möchte, dass ich ihn George nenne. Seine Vorfahren seien als Flüchtlinge aus Frankreich gekommen. Mutti wird immer dicker. Ich nenne ihn Schorsch. Schorsch bräuchte einen Privatsekretär. Aber das weiß nur ich. In seiner Jugend liebte er das Spiel Worms.
    Ich hasse mich dafür, nirgend anders als hier leben zu wollen und immer am Platz zu sein. Meine Klugheit lässt mich schneller altern. Innen bin ich schon 16 Jahrzehnte alt. Ich bin so vielseitig begabt, dass ich nichts richtig vermag. Ich sollte nicht sein, sagt der Spiegel. Nach einer Stunde Wischen in Zeitungen verfliegt das Gefühl zuverlässig.
    Jeden Tag. Ich. Höchststrafe. — Meine Stimme jeglicher Partei, die so würbe.

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    Fri, 22 Sep 2017 11:19:49 +0000
    Nymphenbad : Die Mädchen wehen die Bäume http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/die-madchen-wehen-die-baume.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/die-madchen-wehen-die-baume.html die Mädchen wehen die Bäume. Schließen Sie die Augen und versuchen Sie sich zu erinnern. Um was ging es? Warum wehen die Bäume? Wir müssen wissen, warum die Bäume wehen.

    Ich weiß nicht so genau. Erinnere mich nur an diese eine Patientin, über Fünfzig war sie. Sie hat mir davon erzählt. Es ging um irgendwelche Mädchen, die über ihr wohnten bzw. vorbeikamen, um dort eine Radiostation zu betreiben, mit der sie das Wetter beeinflussen konnten und durch die sie sich mit ihr unterhielten, sie aber auch beschimpften. Die Mädchen wehen die Bäume, hat sie immer wieder gesagt. Die lackieren sich die Nägel auf Russisch. Das wären nämlich Russinnen, die sie „fertig machen“ wollen. Sie wäre ihr Hund oder so. Hat auch recht viele Redewendungen benutzt, nur immer sehr eigensinnig abgewandelt. Das Interessante war, so abstrus das alles klang, nach einer Weile kamen immer mehr Informationen hinzu, die die Lebensgeschichte dieser Frau dahinter durchschimmern ließen. Sie hatte Germanistik studiert und war mal Lehrerin in einer reinen Mädchenklasse. Das hat auch viel über ihr Selbstbild als Frau und aus dieser Zeit erzählt. Sie sagte immer wieder: Die Mädchen. Die Mädchen wehen die Bäume. Ich weiß nicht, wieso. Was wollen Sie von mir? ]]>
    Fri, 22 Sep 2017 09:57:00 +0000
    Nymphenbad : Holzwurm http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/holzwurm.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/holzwurm.html Wish You Where Here, wozu sie Jim Beam aus einer Dreiliterflasche soffen und den Tränen immer näher kamen; aus der Kneipe herauf quoll der Blues wie Hirsebrei aus dem Topf. „Töpfchen koch!“
    Oh, ihr Gäste, ihr fremden Menschelgen, heute abend schob ich keine Pizzableche in den Feuerschein, verzupfte nicht Salat, schlug keine Filets, zerstieß kein angetrocknetes Mehl, heute versoff ich das Geld, das ich gestern in der Küche verdient hatte, vor Feuerschein und Gurke. Setzt euch doch!
    „Setzen wir uns doch!“
    Auf die Stühle, die ich mir borgen mußte, genauso wie den Tisch, den wir nicht brauchten, weil wir alles auf den Boden schmissen; oh Hasi, Hasi, der feiste Baß : „Töpfchen steh!“
    Dann unten : alles voll, die lange Theke : nur noch für mich ein Platz zwischen den rauchenden, schwelgenden Leibern. Du unnahbares Objekt meiner Begierde, mit Augen wie Bambi (Bam Bam Bambi), du Körper der Lust, du Heizdecke (ich widdere dich), rauchiges Universum (der Blues).

    Now I left home this mornin’, I swore I've stopped and think
    Made my friends a promise, I wouldn't even take a drink
    Of that bad, bad Whisky. ]]>
    Fri, 22 Sep 2017 09:49:00 +0000
    taberna kritika - kleine formen : Balance II http://www.abendschein.ch/balance-ii/ http://www.abendschein.ch/balance-ii/

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    Fri, 22 Sep 2017 07:22:53 +0000
    Nymphenbad : v.Ision - Zum f.Enster hinausschauender m.Ann, hineinspähender Doppelgänger http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/vision-zum-fenster-hinausschauender.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/vision-zum-fenster-hinausschauender.html

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    Fri, 22 Sep 2017 06:05:19 +0000
    tempo.fugato : 34/17 -Eden http://mariannebuettiker.ch/tempo-fugato/3417-eden/ http://mariannebuettiker.ch/tempo-fugato/3417-eden/

    Unterschiedliche Passagen: Entwürfe und Aufzeichnungen
    aus dem Projekt -Eden- eine Rauminstallation:
    Labyrint IV

    Seitlich, vom Licht zu sprechen, habe ich unterlassen,
    es bleibt eine Ahnung, unwirklich, träumerisch
    in den Räumen, durch diese es zieht und liebäugelt
    mit dem Garten, dem Wald und dem Ungewissen.

    Eben, streift es durch das Geviert, das Reh, der Wind,
    im Tamangur vergisst sich die Zeit, die Zeit den König,
    die Milchstrasse neben dem Rosengarten und das Alphabet,
    zwischen den letzten Resten des ersten Schnees.

    So ist es nicht, sagt der König, er liest im Plan
    für gefaltete Schiffe, Pegasus schüttelt den Kopf,
    was habe ich mir nur gedacht, mich ohne Konzept
    über die Träume zu erheben und sie zur Wirklichkeit zu erklären.

    Ich bin der König, sagt sie, des Fuchses Ohr zuckt
    im Schlaf stellt er sich träumend, hinter der Kulisse
    knistert Orpheus mit dem Zellofan,
    wir werden sehen, orakelt Pan.

    Unter dem Blätterdach schweben die Vögel hinab,
    der Engel im Kostüm und mit wirrem Haar
    zupft Moos aus dem wirbelnden Mühlebach,
    wir sind Gefangene unserer Monologe.

    Klagt die Elfe und sucht nach der weisse Katze,
    im Mondschein leuchtet sie sanft
    ruft die Amsel die Nachtigall,
    Oberon schliesst die Augen.

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    Thu, 21 Sep 2017 19:45:09 +0000
    der goldene fisch : Andreas H. Drescher : 6 GESCHICHTEN OHNE PERSONAL 5 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13458 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13458 Das einzig Problematische ist dieser Ernst der Fingerspitzen. Jedes Detail stört aus sich selbst. Felder von Misstrauen. Der Hagerkeit entgegen. Eine Strippe, schwer Zitat. Was für ein leiser, eiseskalter Rabenflug! Das Waagerechte schon am Himmel. So hält sich das aus, auch noch im Raffen. Halle, Vorgekicher. Vor- und Frühgekicher. Dies Fagott, das sich sein Grinsen bringt und diese große, weise Weiße hinterm Weg. Entgegengesetzt, aber zurück. Wer hat hier wen unter den Tisch getrunken? Ein, hinein in den Geruch nach Fisch. Herzlich, aber nicht für wen. Die Glocke. Doch der Esel hört sie nicht. Bis auf den Fußtritt. Einen Fußtritt hört er über zwei Oktaven. Segen ausgesetzt und zugeschrieben. Womit geliebäugelt? Mit diesem alten Raffen? Ist das neu? Spuren ja! Sterben nein! Das ist ein vorbereitetes, wenn auch nicht Was! Wütende Schwärme von Entdeckungen. Mantische Gelegenheiten unterm Vorzelt. Bis es auch da noch muffig wird. Ganz rund, vom Becken an. Die Frage ist: ist dieser Fidibus jetzt oben oder unten angezündet? Natürlich: dieses Leuchten lebt sich rituell! Schnell sinkt das ab ins Kakophone zwischen Blech und Holz. Das war nicht echt gedacht, noch nicht. Geröstete in Pfeffer. Fußtritte, hübsch abwechselnd in jede Hinterbacke. Das wohligste Getrete. Zur Sache nicht, nicht mal zur Sache. Wachen, Wachton, Wachston, flugs mit Augen aufgezogen. Eingefüttere und umgekert, auch vor dem Blick. Fast im Stand schon, fast im Stand, zuunterst diese Säcke. Ein letzter Fußtritt noch, denn sonst ist leider nichts bewiesen.

    WIEPERSDORF-EINSPIELUNG 5 ///// KOMPOSITION UND PIANO: JONATAN FIDUS BLOMEIER

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    Thu, 21 Sep 2017 17:45:20 +0000
    der goldene fisch : Andreas H. Drescher : 6 GESCHICHTEN OHNE PERSONAL 6 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13462 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13462 Holzbläser, ein ganzes Leben lang. Hölzerne Wolken. Ja, sie regnen sich als Köpfe. Die Gesichter nun mit Jahresringen. Es kam nur darauf an, das gut zu deuten. Das Denken eingezähnt von Eselsfleisch und Milch. Das ist die Rückkehr zum verschneiten Weg. Gelängt, gelangt, getauft, geblieben. Ausgegerbt und deshalb kostbar. Kostbarer noch als Pfefferkörner. Ohne Rülpsen jetzt, ganz ohne Rülps. Etwas anderes: gewählte Monstrositäten. Pfiffe und Fische, bruzzelnd vor diesem Pack, das guten Willen geht. Das kam, das ging, das glitt sich auf. Fließend und eingesunken. Scharf. Gerollter Kontinent. Reiner Geschmack als Zunge und als Röhre. So ein Name kann das, doch sonst nichts. Diese abgeschiedene Entdeckung, die die Silben teilt. Was war das jetzt, quer durch die Schräge? Traum? Gesetz? Gelachweint bunt, in Holz. Weiche, überweiche Gräser, ein Pochen darin. Das Gleiten vor den Wochen. Ohne Aufbruch. Gibt es etwas hinter der Schlaffheit? Etwa diese letzte Höhlung unterm Tisch? Das braucht keine Erklärung mehr. Einverfall und zwei: Das Heilige als Zuchtverein. Karnickel, letzte Flüsterung. Damit sich jeder seinen Kopf greift und ihn auf Flöten steckt zur guten Überwachung. Alles, alles Überraschung dieser weißen Weisen. Nicht mal die leiseste Verkrüppelung. Hunger, Prügel, dennoch Gelächter. Also schon wieder dieses eingetauschte Spiel. So winkt das uns. So wirkt sich das aus. Frische Wolken noch einmal, bewährte Zufälle. Das waren sie von nun an und bis bald: diese sechs Geschichten ohne jedes Personal.

    WIEPERSDORF-EINSPIELUNG 6 ///// KOMPOSITION UND PIANO: JONATAN FIDUS BLOMEIER

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    Thu, 21 Sep 2017 17:21:06 +0000
    Glumm : Herr Langsamstift an den Buchstaben https://glumm.wordpress.com/2017/09/21/herr-langsamstift-an-den-buchstaben/ https://glumm.wordpress.com/2017/09/21/herr-langsamstift-an-den-buchstaben/ Es gibt Dinge auf Erden, die sollten einem klar sein: Wer sich selbst nicht sonderlich mag, nimmt andere zu wichtig.

    *

    Im Grunde bin ich immer ein bisschen versteckt, ein bisschen heimlich – so ist meine Natur. In meiner Kindheit, wenn wir in den Sommerferien auf langen Autoreisen zum Gardasee unterwegs waren und in der Ferne glitten die Berghänge und Pinienwälder vorüber, sehnte ich mich dorthin, auf die Bergkuppen, ins grüne Dickicht – dieses ganze Gestrüpp zog mich magisch an. Um mich verstecken zu können. Zu verbergen. Um ich selbst sein zu können.

    Dieses Hinwünschen in fremde Wälder, das bin ich.

    *

    Das Schicksal ist wie ein kräftiges Gummiband, das einem mal hierhin, mal dorthin Auslauf gestattet und in einem gewissen Rahmen ausbüxen lässt, doch am Ende gibt es einen trockenen kurzen Ruck und du schnackst zurück zum Ort deiner Bestimmung.

    Du kannst deinem Schicksal nicht entgehen – es ist ja deins.

    *

    Als vor Jahren die ersten Freisprecheinrichtungen aufkamen, hatte ich davon zunächst nichts mitbekommen. Ich wunderte mich nur, warum mir zunehmend Leute begegneten, die augenscheinlich Selbstgespräche führten, ja, die dauerhaft und lustvoll monologisierten, ohne sich dafür auch nur im geringsten zu schämen. Im Gegenteil, sie schienen sogar stolz darauf zu sein, im Gehen mit sich selbst zu quatschen. Eine neue Angewohnheit, die Mut machte. Wenn es immer mehr Menschen nichts ausmachte, ungewöhnlich aufzutreten in aller Öffentlichkeit, war das ein Anlass für vorsichtigen Optimismus.

    Als mir nach und nach der Hintergrund klar wurde, war ich enttäuscht. Mal wieder hatte sich die Menschheit nicht geändert, es war nur ein neuer technischer Kniff hinzugekommen.

    Es dauerte seine Zeit, bis ich erkannte, dass solche Freisprecheinrichtungen auch für einen Nicht-User wie mich gewisse Vorteile boten. Plötzlich war es nicht mehr nötig, schnell wegzublicken, wenn man beim Singen von Liedern von einem anderen Planeten ertappt wurde am helllichten Tag in der Innenstadt.

    Ich telefonierte ja nur.

    *

    „Wie die alle damit rumlaufen den ganzen Tag und aufs Display starren, als könnten sie ohne nicht mehr leben. Wenn die ihr Smartphone ausstellen, fallen die um. Überall Strippen im Ohr, als würden sie künstlich ernährt. Das ist pathologisch, die Handysucht.“

    – Die Gräfin –

    *

    Ach wo, das ist überhaupt kein Telefon, was die Leute da in ihrer Hand halten! Das ist ein Handspiegel! Die Leute kontrollieren unentwegt ihre eigene Fresse! Die gucken sich an, ob sie sexy genug sind für die Welt, die tun nur so, als drückten sie irgendwelche geheimnisvollen Tasten oder riefen Whatsapp-Videos ab!

    *

    Ich habe gestern Nacht zufällig einen schönen iranischen Spielfilm gesehen, „Das Lied der Sperlinge“ aus dem Jahre 2008. Es war wie im Märchen, die Bilder aus der Großstadt Teheran, wo Zehntausende von Motorradfahren in den Straßen unterwegs sind, ohne Helm. Bilder, wie es sie hierzulande noch in den Siebzigern gab. Da war dieses strenge Blumenkind mit langem dünnen blonden Haar, das ich aus der Teestube an der Kasernenstraße kannte. Ein ungemein blasses Geschöpf, nahe am Albino, also die feminine Version, Albina. Sie hatte einen Freund, der war ziemlich klein und hatte langes schwarzes Haar und fuhr Moped. Er also vorn mit dem flatternden dunklen Haar, sie auf dem Sozius mit ihrem flatternden blonden Haar und dem flatternden Maxi-Rock. Die langen Haare wie Seidenvorhänge im Wind, beide Rücken gerade durchgedrückt, stolz auf die geapfelshampooten Matten.

    *

    Was auch immer in meinem Leben geschehen war, es trat mit Verzögerung ein. Wenn Eric Clapton der Mister Slowhand des britischen Bluesrock war, war ich der Herr Langsamstift an den Buchstaben.

    „Red nicht. Du bist das Faultier unter den Schreibkräften“, sagte sie.

    *

    Worte wie Modul und Cluster gingen mir auf den Sack, Worte, denen der Duft des Business anhaftete und die doch nichts bedeuteten, die keinen Inhalt hatten, nicht wirklich jedenfalls, Worte, wie in den Nullkorridor der deutschen Sprache gedrückt.

    *

    „Die meisten Deutschen haben doch eine… eine…. na, wie nennt man das noch.. was bis jetzt geschah… eine…?“

    „Hm..? Vergangenheit?“

    „Genau. Vergangenheit.“

    *

    Samstagabend, es ist schon dunkel. Auf dem Spielplatz sitzt ein einsamer Teenager auf der Schaukel und schaukelt. Es hat sein Handy an, und das bläuliche Licht des Displays schwingt in der Finsternis vor und zurück wie ein betont höfliches UFO.

    *

    Es gibt Dinge auf Erden, die sollten einem klar sein. Etwa die Tatsache, dass auch das teuerste und exklusivste Captains Dinner der Welt IM ENDEFFEKT nichts anderes ist als der Vorläufer eines dicken fetten braunen Kackhaufens. Auch der Captain macht so einen.

    *

    Die Heizperiode geht los. In den Heizkörpern grollt und bläst die Luft, wie im Straflager. Allerdings nicht in unseren. Der Heizkessel ist nämlich kaputt. Er gibt keinen Mucks mehr von sich. Ein neuer muss eingebaut werden. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. „Wir haben brutal viel zu tun“, stöhnt der zuständige Klempnermeister. Der Schornsteinfeger ist auch involviert. Er hat gute Zähne. Vielleicht fällt das Weiß seiner Zähne auch nur so brutal gut auf, weil alles andere an ihm kohlrabenschwarz ist. Ein cleveres Bürschchen.

    *

    Ich: „He! Es ist schon viertel vor zehn!“

    Sie: „Bei dir vielleicht.“


    Einsortiert unter:Biografie ]]>
    Thu, 21 Sep 2017 16:30:02 +0000
    tempo.fugato : 33/17 – Eden http://mariannebuettiker.ch/tempo-fugato/3317-eden/ http://mariannebuettiker.ch/tempo-fugato/3317-eden/

    Unterschiedliche Passagen: Entwürfe und Aufzeichnungen
    aus dem Projekt -Eden- eine Rauminstallation:
    Die Rose III

    Lichter sind ewig, spricht der König, in seinem Land
    verliert sich der Garten im Wald, die Fische schweben,
    im Grün wachsen Rosen, Bäume, sage ich dir, einen Lotos,
    seine Blätter sind Schiffe.

    Der König, lächelnd geht er über das Wasser und winkt
    einen Sommernachtstraum herbei,
    Kulissen werden verschoben, Feen
    und das Gebüsch neu trapiert, Lavendel gezupft,
    der Nebel über dem See nieselt, Reiher kommen auch vor.

    Bis der Wecker klingelt, dann schweigt der König,
    die Fische segeln durch das Fenster, ein Falter,
    eine Abstraktion, Fragen, Fragen sind wie der Wind,
    Winde wenden nicht nur die Dinge, ich wende das Blatt.

    Wir sind, sagt der König, weiter und deutet die Sterne,
    über ihm ein gleissender Funke im Abend,
    den er zur Wolke erhebt, Wolken sind so, Könige ebenso,
    ein See über dem Berg, unendlich, mit dieser Blumengirlande.

    Über dem Hügel liegt Tau, das Grün flirrt, das Wort Welt,
    immer und immer wieder bleibt sie unsichtbar, einzigartig,
    der König schläft, die Vögel fliegen auf,
    der Regen fällt in die Arven, Noa winkt, ich staune, Pan tanzt,
    das Gebüsch zittert, ohne ein Wort, schweigt der König.

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    Thu, 21 Sep 2017 12:52:31 +0000
    Vom räudigen Leben, der Wucht und dem Nimbus : Wo man auch hinging, Hirsche und Haarwuchs http://500beine.myblog.de/500beine/art/10577581 http://500beine.myblog.de/500beine/art/10577581
    Mich begeisterte zum Beispiel: Auto-Quartett. Auch wenn mir nicht recht einleuchtete, was ein Wankel-Motor in einem sportlichen NSU zu suchen hatte. Flugzeug-Quartett war eine Granate, ich sage nur Messerschmitt. Schiffs-Quartett faszinierte mich wegen den abertausend Bruttoregistertonnen und den riesigen Flugzeugträgern der US-Navy, bei deren Anblick ich das Gefühl nicht loswurde, die Navy hätte einfach einen Kilometer Highway aus Kalifornien rausgeschnitten und aufs offene Meer verschifft.

    Ich verschlang alle Sportbücher, die mir der Freund meiner Schwester überließ, er hatte einen großen Fundus an Büchern und war für mich wie ein großer langhaariger Bruder. Sein Wort hatte Gewicht. Seine Bücher auch. Es waren ältere, ein bisschen angegilbte Bücher, die von vergangenen deutschen Zehnkampfhelden wie Graf von Moltke handelten, aber das machte nichts, im Gegenteil. Die Vergangenheit schien stets einen Tick feierlicher und nobler zu sein als die Gegenwart, trotz der vergilbten Seiten, das gefiel mir. Selbst wenn die Gegenwart neuer war. Und von Moltke hatte fast 8000 Punkte geholt. Damals schon. Im Zehnkampf.

    Am liebsten waren mir natürlich alte Fußballgeschichten, so wie der Roman ELF JUNGENS UND EIN FUSSBALL aus dem Jahr 1950. Oder das Buch der Fußball-WM 1958 in Schweden. Darin gab es Passagen, von denen ich nicht genug bekam. Ich las wieder und wieder, wie das einheimische Publikum seine Mannschaft anfeuerte, mit frenetischen He-Ja, He-Ja-Rufen.

    So wie der Verfasser des Buches es beschrieb, lag ein unheilvolles Dröhnen über der Göteburger Arena, als im Halbfinale Schweden auf Deutschland traf. Immer wieder hörte ich beim Lesen, wie das heisere He-Ja, He-Ja aus fünfzigtausend Kehlen stieg, (skandinavisches Adrenalin), ich sah den Einpeitscher mit seinem Megaphon, wie er am Zaun hochkletterte und den nordischen Bienenstock anfütterte. Es herrschte ausgelassene Stimmung in meinem Schädel. Ausverkauftes Haus. Der Schwarzmarkt brummte. Deutschland ging unter gegen Schweden und schied aus.

    Dann wurde ich 14 und plötzlich war alles anders.

    Die Sexualität krachte in unser Leben. Anderer Leuts Genitalbereich. Der Stimmbruch. Eben noch gepiepst, röhrte jetzte die halbe Klasse. Wo man auch hinging, Hirsche und Haarwuchs.

    Im Konfirmanden-Unterricht im Gemeindeheim Margaretenstraße verbrachte ich ganze Nachmittage damit, die schwarzen Haare auf dem Arm meines Banknachbarn zu studieren. Dass ich sie nicht zählte lag nur daran, dass ich ständig durcheinanderkam beim Zählen, es waren einfach zu viel Haare. Er sah aus wie ein Gorilla. Wenn er untenrum auch so einen Busch hat, dachte ich, kann ich einpacken. Dieser blöde Stelzbock.

    In der Schule liessen die Leistungen nach. Wir waren die letzte reine Jungs-Klasse, wir liessen es noch mal richtig krachen. Im abgedunkelten Physik-Saal ging es jetzt darum, wer den Längsten hatte, wer den eregierten Vogel abschoss. Ich hörte was von 18, 4 Zentimeter. Das war der Topwert, den es zu schlagen galt. Ich nahm das Lineal zur Hand und setzte diesmal an der Schwanzwurzel an, ganz unten, wenn man den Sackanfang wegliess und Dinge mitrechnete, die noch gar nicht richtig zum Schwanz dazugehörten – irgendwie musste man ja an 18 Zentimeter rankommen.

    Und dann verkündete Thomas Belly gut dokumentierte 19 Zentimeter. Die Zahl wurde von Bank zu Bank weitergereicht, machte kurz bei manchem Mitfavoriten halt, es wurde eine zweite Messung eingefordert.

    Ausgerechnet Belly.

    Er saß zwei Sitzreihen hinter mir. Ein Zwerg von einem Kerl, aber mit kochiger großer Nase und einem gewaltigen Eumel in der Hose. Selbst der Haarwuchs auf seinen Armen übertraf den des Gorillas im Gemeindezentrum. Belly setzte sich unangefochten an die Klassenspitze. Ein kleiner Mann, er lächelte viel in diesen Tagen.

    Wobei erwähnt werden muss, dass längst nicht alle mitmachten. Von dreißig Klassenkameraden zeigte nicht mal ein Drittel den Steifen her. Der Rest kicherte blöd oder versuchte dem Unterricht zu folgen und die verdammte 19 aus dem Kopf zu kriegen. Spätestens zu Hause holte jeder den Zollstock raus, jede Wette.

    Horst S. zählte zum Favoritenkreis, ohne dass er sich je bei der Latten-Trophy engagiert hätte. Doch schon die anatomisch sichtbaren Merkmale überzeugten. Eins fünfundneunzig groß, 100 Kilo schwer, eine Nase wie aus dem Unterholz. Horst S. stammte aus einer gläubigen Familie, er wollte Priester werden. Klar, dass er da schlecht das Monster unter der Bank hervorholen konnte, ausserdem war Prahlen nicht sein Ding. Ein bescheidener Junge. Doch was er nach dem Sportunterricht unter der Dusche herzeigte, sorgte für Aufsehen. Was, wenn dieses Gerät noch eregierte? Die Vorstellung sprengte jeden Rahmen. Wie auch immer. Frauenwelt und Schwanzvergleich durften aufatmen, wenn der Zölibat dafür sorgte, dass dieser Flugzeugträger aus dem Rennen genommen wurde.

    Wir waren wie junge Fohlen, die ungestüm über die Weide sprangen und mit den ersten Erektionen aneinanderrasselten. Die ersten Erektionen mussten gefeiert werden, ob daheim unter der Bettdecke oder im abgedunkelten Unterricht. He-Ja, He-Ja-Rufe brausten über den Flur und begleiteten das Championat, Jungsmotoren jaulten auf, knatterten. Eigentlich wusste niemand, was los war und was das alles zu bedeuten hatte. Na gut, wir hatten plötzlich stramme Knüppel in der Hose und zeigten sie stolz den anderen Jungs. Aber konnte man die Dinger auch Mädchen zeigen?

    Die Diskussion kam gerade erst in Gang. ]]>
    Thu, 21 Sep 2017 11:01:19 +0000
    Nymphenbad : Julio Cortázar - Erzählungen http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/julio-cortazar-erzahungen.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/julio-cortazar-erzahungen.html Viele phantastische Geschichten kommen um eine thematische Ähnlichkeit nicht herum. Es scheint oft so, als stünden sie in Beziehung zueinander, wären verbrüdert und verbunden durch eine Röhre. Viele solcher Geschichten haben gemeinsame Einflüsse wie Arthur Machen oder H.P. Lovecraft, während andere unheimliche Elemente benutzen um zeitgenössische Stimmungen einzufangen. Manchmal sind diese Verbindungen offenkundig, in anderen Fällen braucht es mehrmaliges Lesen, bevor sie verstanden werden. Das ist der Fall bei Julio Cortázar.
    Nehmen wir das Beispiel 'Axolotl' und daraus den ersten Absatz, der die Transformation vorwegnimmt:
    "Es gab eine Zeit, in der ich viel an die Axolotl dachte. Ich besuchte sie im Aquarium des Jardin des Plants und brachte Stunden in ihrer Betrachtung, der Betrachtung ihrer Unbeweglichkeit, ihrer dunklen Bewegung zu. Jetzt bin ich ein Axolotl."
    Der Schlüssel an dieser Stelle ist nicht die ausgesprochene Transformation, sondern die Beobachtung und das andächtige Schauen. Man kann die Geschichte als eine Absonderung und einen symbolischen Abstieg in einen schizophrenen Zustand lesen, vor allem durch die Schlusssätze, in denen Cortàzar das erzählerische "uns" (Axolotl) mit dem menschlichen "ihn" (der Mensch) vertauscht.

    Am Anfang der Geschichte geht der Erzähler angefangen von der Faszination dieser Amphibien im Larvenstadium dazu über, mehr und mehr Informationen über sie zu sammeln. Tag für Tag besucht er sie im Jardin des Plantes.
    "Ich stützte mich auf die eiserne Stange, die die Aquarien einfasst, und widmete mich ihrer Betrachtung. Daran ist nichts Besonderes, denn ich hatte vom ersten Augenblick an begriffen, dass wir miteinander in Verbindung standen, dass etwas wenn auch grenzenlos Verlorenes und Fernes uns offenbar vereinte."
    Hinter dem Gefühl der Obsession lauert etwas anderes. Es ist die Schärfe der Selbstidentifikation mit etwas Fremden. Im Laufe der Geschichte beginnt sie mit wiederholten Verweisen auf ihr Ursprungsland Mexiko, zurück zu den Azteken, die über das Land herrschten, bevor die Spanier kamen, Formen anzunehmen. Der Erzähler scheint verrückt zu sein, zumindest könnte man die Erzählung so deuten. Und doch könnte das alles auch eine Metapher sein für die Faszination für eine fremde Kultur, die soweit geht, komplett in sie eintauchen zu wollen, und zwar soweit, dass sie mit der ursprünglich eigenen Kultur getauscht wird. Dieses Gefühl fremder Akkulturation taucht in vielen Geschichten und Romanen Cortázars auf. Emigranten in surrealistsichen Geschichten, wie in seinem brillanten und epochemachenden Roman "Rayuela".

    In seinen Geschichten verwendet Cortázar das Unerklärliche, um die Wirren des Lebens zu erforschen. In "Das besetzte Haus". Die alternden Geschwister, die in Abgeschiedenheit im Haus ihrer Großeltern leben, spüren, dass etwas in ihren abgeschlossenen Lebensraum eindringt und sie dazu zwingt, das Haus zu verlassen. Es ist ein langsames, schleichendes Grauen, das durch die Erzählung sickert.

    "Südliche Autobahn" ist weniger eindeutig. Die Erzählung beginnt mit einem endlosen Stau im kafkaesken Stil. Die im Stau steckenden versuchen, sich irgendwie zu beschäftigen. Einige schlafen miteinander, andere versuchen, sich soweit wie möglich von allem und jedem zu entfernen. Beide Erzählungen ähneln "Axolotl", indem sie von eindeutiger Realität in seltsame, surreale Landschaften hineinrutschen. was real ist und was Ausgeburt der Phantasie, verschmilzt unentwirrbar miteinander, wird zu einer halluzinatorischen Einheit.

    In den "Hüpf- und Sprungszenen" seines grandiosen Anti-Romans "Rayuela" zeichnet Cortázar das Leben eines argentinischen Emigranten in Paris und seine Suche nach seiner einstigen Geliebten Maga. Auch hier kommt es zum Zusammenprall der Kulturen, zu einer verschwommenen Linie zwischen Halluzination und Realität. In Horacio Oliveira erkennen wir den fast wahnsinnigen Erzähler aus "Axolotl". Sein Taumel durch Paris und Buenos Aires, auf der Suche nach Maga, kann ebenso für die Suche nach einer schwer fassbaren Realität stehen. Die Anti-Struktur des Romans dient dazu, das Gefühl des Halluzinatorischen der Suche zu verstärken. Da gibt es Momente der stillen Bedrohung, ähnlich der des "besetzten Hauses"; und dann sind da die Momente, in denen Oliveiras Suche Quixotische Züge annimmt.

    Im Laufe seiner 35 Jahre währenden Karriere als Schriftsteller hinterließ Cortázar eines der mächtigsten und unvergesslichsten Werke der Literatur des 20. Jahrhunderts unter Verwendung des Surrealismus, des Kulturkrachs, Selbstidentität und der Frage, wo Realität endet und Halluzination beginnt. Seine instabilen, aber schmerzhaft aufmerksamen Erzählerfiguren erlaubten ihm, durch das Unerklärliche Aussagen über das heutige Leben zu machen, wie es ein 'Realismus' niemals zu Wege bringen kann. Cortázar taucht tief in die Psyche seiner Protagonisten und offenbart dadurch beunruhigende Wahrheiten darüber, wie wir die verrückte Welt um uns herum wahrnehmen. Manchmal wird das durch den Verlust der Identität und der Trennung von unserer Vergangenheit ausgedrückt wie in "Axolotl" oder "Das besetzte Haus".

    Das Unheimliche dient Cortázar als Kanal und seine Geschichten funktionieren auf mehreren Ebenen. Es ist beinahe unmöglich, diese unglaubliche Nuanciertheit bei einem ersten Lesedurchgang zu erfassen und er ist einer jener wenigen Autoren, die man wieder und wieder mit Genuss lesen wird. ]]>
    Thu, 21 Sep 2017 09:35:00 +0000
    Tainted Talents (Ateliertagebuch.) : Feinkost http://taintedtalents.twoday.net/stories/feinkost/ http://taintedtalents.twoday.net/stories/feinkost/


    Am Sonntag mein Kreuzchen werde ich wohl mit Tusche und Pinsel machen.
    Und auch wenn TT inzwischen zum Bilderbuch gemorpht ist: Ich bin noch da! : ) ]]>
    Thu, 21 Sep 2017 07:15:28 +0000
    Nymphenbad : Olga und der Ring http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/olga-und-der-ring.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/olga-und-der-ring.html

    Olga öffnete die Tür und fand einen Ring. 'Natürlich', wird jetzt jeder sagen, 'natürlich fand sie einen Ring. Das ist ein Märchen, und da findet irgendjemand, der dann vielleicht auch noch die Hauptfigur ist (oder mit ihr in direktem Kontakt steht), ihr Gegenspieler sein mag, immer einen Ring oder ein anderes Artefakt.' Trotzdem hatte es etwas Besonderes mit diesem Ring auf sich: Er war nämlich gewöhnlich.


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    Thu, 21 Sep 2017 07:02:05 +0000
    der goldene fisch : Andreas H. Drescher : 6 GESCHICHTEN OHNE PERSONAL 4 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13453 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13453 Ein Festgelage vor dem Eis. So ausgestummt und fern und frei verfügbar. Mit nur einem Auge. Das Zeichen berichtet. Selbst Licht ist das nicht. Vom Himmel nicht und sonst und sonst. Ein Paar, das sich so nach und nah noch selber hat. Der Strudel hier, aus Kresse und Zweigen. Die Unterirdische Empfehlung. Aufgezogene Gefäße voller Stumm. Gesetz und Tisch. Hier sind die Holz- und hier die Blechbläser. Raffend, hochgebaute Jahre. Zerlesener Rumpf mit Kühen. Bist du das? Noch bis zum Hals, doch weiter keinesfalls. Die Strömungen so heimisch wie ein Buckel voller Buschland. Ein Tanz. Zweierlei Leben heben aber eben Eber einen Krüppel. So ein Gegaukel, Heulsusen in Ei. Den Nichtsnutz vorgestohlen. Eingearmter Schreck. Umsonst, bis auf die Münzen, die auf der schmalen Seite stehn. In Schüsseln vor dem Stroh. Noch eine Ecke. Eine hinter und eine hinterhinter einer. Leichter Bezirk, prall voller zwölfbeiniger Tiere. Vorgehobelter Geruch nach Brot. Da kommen sie: Milchzapfer, Profiteure, alle eingepackt in ihren Grind. Der erste Sand steigt auf und färbt die Spiegel schwarz. Eselsdung, so ist das zugegangen. Diebe aus Glück. Ihr heimlicher Gesang. Lass kommen, wer noch kommen will. Wenn auch keiner weiß, woraus sein Weiß besteht. Gedrängtes Licht, Geklapper. Wieder ein Tropfen in der Hose. Offener Wald und dieser Esel, der sich fast vergeblich an der ersten Faust versucht. Gut tut, wenn das Lachen noch sich selber lacht. Eis gesetzt ins Wahre. Vogelschrei vor dampfendem Kristall. Also ein großes Spiel aus Zeit.

    WIEPERSDORF-EINSPIELUNG 4 ///// KOMPOSITION UND PIANO: JONATAN FIDUS BLOMEIER

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    Thu, 21 Sep 2017 06:27:26 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Frühstück mit der Contessa. Nach dem Arbeitsjournal des Donnerstags, den 21. September... http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/fruehstueck-mit-der-contessa-nach-dem-arbeitsjournal-des-donnerstags-d/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/fruehstueck-mit-der-contessa-nach-dem-arbeitsjournal-des-donnerstags-d/ [Arbeitswohnung, 7.25 Uhr
    Lars Danielsson, >>>> Liberetto (2012)]
    Selbstverständlich reise ich >>>> zur Uraufführung des Vierten Streichquartetts von Robert HP Platz. Hatten Sie da, Freundin, Zweifel? Der Flieger am Sonnabend startet um 12.20 Uhr. „Aber kurz bevor ich einschlief, begriff ich, wie sehr es mich mit einer tiefen, düsteren Zufriedenheit erfüllte, daß die Kätzchen sich gewehrt hatten.“ So endet mein heutiger >>>> Eckertext. Indessen ich >>>> mit Blauzahn & Bose nicht weitergekommen bin. Stand gestern kurz davor, das Nettbückerl zu zertrümmern.
    Weil ich nicht weinen wollte, gab ich‘s auf und wandte mich dem Ghostroman zu, bekam tatsächlich noch hin, was ich mir vorgenommen hatte, aber netbookshalber nicht mehr glaubte: bekam die Korrekturen in der neuen Contessasendung fertig. Allerdings fehlt noch eine neu zu schreibende Szene, über die ich mit meiner edlen Auftraggeberin nachher sprechen werde. Sie möchte von meiner schönen Erfindung zur, nun jà, Wahrheit zurück. Denn ganz die Wahrheit dürfen wir ja nicht erzählen.
    Wir werden uns um 10.30 Uhr im Kempinski zum Frühstück treffen.

    Der Tag will einen grauen Anzug.

    Für den zweiten Latte macchiato ist mir die Milch ausgegangen.

    Ich muß den neuen Vertrag noch unterzeichnen, dafür auf dem Weg zum Kempinski Halt im Kopierladen. (Sich angewöhnen, nicht ‚Copyshop‘ zu sagen, wenn wir doch ein eigenes Wort dafür haben. Nicht nachlässig werden! Ich will auch nicht ‚open‘ sagen, wenn ich ‚offen‘, besser noch ‚geöffnet‘ meine).

    Die Kark-Jonas-Erzählung stockte computerhalber also wieder. Aber nachts kam hier noch eine SMS von M., dem Freund, an, der mir schon einige Male bei Computerproblemen geholfen hat. Er werde heute nachmittag vorbeischauen. Möglicherweise müssen wir das komplette System neu aufsetzen. Wirklich eingreifen ins nette Bückerl darf er nicht; andernfalls wäre mein Versicherungsschutz dahin. Oder ich laß es drauf ankommen. Notfalls muß ich mir ein ganz neues kaufen, dann hätte das „alte“ grad ein Jahr gehalten... Aber nicht das ist das Problem, sondern daß ich zu meinen Arbeitsgeräten sentimentale Beziehungen entwickle, jedesmal. Daß ich sie liebhab. Daß ich mit ihnen manchmal als mit vertrauten Freunden spreche. Daß ich denke, sie wissen, an welchem Unterfangen sie teilhaben, und daß sie sich dafür entschieden haben.
    Nein, ich bin ganz und gar nicht frei vom Animismus. Aber rettet uns das nicht auch ein bißchen? Ich meine, wir gehen dann nicht so sorglos mit Dingen und Geschöpfen um. Daß sich die zwei Kätzchen gewehrt haben: nein, lieber Ecker, Ihre Zufriedenheit war alles andere als düster. Immerhin waren es Geschöpfe.

    In zehn Minuten die Löwin wecken, dann schnell Milch besorgen. Zweiter Latte macchiato danach, kurz wieder an Kark-Jonas. Und aufs Radl zur Contessa.

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    Thu, 21 Sep 2017 05:52:43 +0000
    taberna kritika - kleine formen : kk003: [Ohne Titel] (Une matinée de M. Buronfle) http://www.abendschein.ch/kk003-ohne-titel-une-matinee-de-m-buronfle/ http://www.abendschein.ch/kk003-ohne-titel-une-matinee-de-m-buronfle/ F: E: 003 BT: kk003: [Ohne Titel] (Une matinée de M. Buronfle) S: BeM AAL BF19.1 A: – V: – J: [Ca. 1979] M: 1 Tonband-Kompaktkassette (4) TD: 24 Diapositive R: (Une matinée de M. Buronfle) SN: [001396599] MN: 1801809 BS: 599 (1) / 167 (2) BE: 201 (2) ER: 9 [-6/0.3/0/5] (- 9 – 5) FN: kk_003_001396599_matinee_1.mp3 DA: 2:34 ]]> Thu, 21 Sep 2017 05:43:57 +0000 Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : HEUTE IN BONN. Beethovenfest. Robert HP Platz, Viertes Streichquartett mit Singstimme.... http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/am-sonnabend-in-bonn-beethovenfest-robert-hp-platz-viertes-streichquar/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/am-sonnabend-in-bonn-beethovenfest-robert-hp-platz-viertes-streichquar/



    Sonnabend, den 23. September 2017

    BEETHOVENFEST BONN 2017
    Beethovenhaus


    U r a u f f ü h r u n g

    Robert HP Platz

    s t r i n g s
    Viertes Streichquartett

    mit Singstimme auf zwei Gedichte
    von Alban Nikolai Herbst

    >>>> wie Federn, die, wie Saiten hart
    gespannt, der Engel gleichsam glattstreicht

    Quatuor Béla
    Frédéric Aurier (Violine)
    Julien Dieudegard (Violine)
    Julian Boutin (Viola)
    Luc Dedreuil (Violoncello)
    Eva Šušková (Sopran)

    SWRExperimentalstudio (Live-Elektronische Realisation)
    Maurice Oeser und Simon Spillner (Klangregie)

    >>>> Beethoven-Haus
    Bonngasse 24-26
    53111 Bonn
    16 Uhr

    Die Programmfolge:
    Leoš Janáček, Streichquartett Nr. 2 (»Intime Briefe«, 1928)
    Robert HP Platz, »strings« für Streichquartett und Singstimme (Streichquartett Nr. 4)
    Ludwig van Beethoven, Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello Nr. 16 F-Dur op. 135

    >>>> Karten


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    Thu, 21 Sep 2017 05:29:00 +0000
    Vom räudigen Leben, der Wucht und dem Nimbus : Ich telefoniere ja nur http://500beine.myblog.de/500beine/art/10576669 http://500beine.myblog.de/500beine/art/10576669
    Als mir nach und nach der Hintergrund klar wurde, war ich enttäuscht. Mal wieder hatte sich die Menschheit nicht geändert, es war nur ein neuer technischer Kniff hinzugekommen.

    Es dauerte seine Zeit, bis ich erkannte, dass solche Freisprecheinrichtungen auch für einen Nicht-User wie mich gewisse Vorteile boten. Plötzlich war es nicht mehr nötig, schnell wegzublicken, wenn man beim Singen von Liedern von einem anderen Planeten ertappt wurde am helllichten Tag in der Innenstadt.

    Ich telefonierte ja nur.

    *

    "Wie die alle damit rumlaufen den ganzen Tag und aufs Display starren, als könnten sie ohne nicht mehr leben... Wenn die ihr Smartphone ausstellen, fallen die um. Überall Strippen im Ohr, als würden sie künstlich ernährt. Das ist pathologisch, die Handysucht."

    - Die Gräfin -

    *

    Ach wo, das ist überhaupt kein Telefon, was die Leute da in ihrer Hand halten! Das ist ein Handspiegel! Die Leute kontrollieren unentwegt ihre eigene Fresse! Die gucken sich an, ob sie sexy genug sind für die Welt, die tun nur so, als drückten sie irgendwelche geheimnisvollen Tasten oder riefen Whatsapp-Nachrichten ab!

    *

    Ich hab gestern Nacht zufällig einen schönen iranischen Spielfilm gesehen, "Das Lied der Sperlinge" aus dem Jahre 2008. Es war wie im Märchen, die Bilder aus der Großstadt Teheran, wo Zehntausende von Motorradfahren in den Straßen unterwegs sind, ohne Helm.

    Bilder, wie es sie hierzulande noch in den Siebzigerjahren gab. Da war dieses strenge Blumenkind mit langem dünnen blonden Haar, das ich aus der Teestube an der Kasernenstraße kannte. Ein ungemein blasses Geschöpf, nahe am Albino, also die feminine Version, Albina. Sie hatte einen Freund, der war ziemlich klein und hatte langes schwarzes Haar und fuhr Moped. Sie auf dem Sozius mit ihrem flatternden Haar und dem flatternden Maxi-Rock. Was 1 Bild. Das lange blonde Haar wie ein Seidenvorhang im Wind, den Rücken gerade durchgedrückt, stolz auf die Matte.

    *

    Was auch immer in meinem Leben geschehen war, es trat mit Verzögerung ein. Wenn Eric Clapton der Mister Slowhand des britischen Bluesrock war, war ich Herr Langsamstift an den Buchstaben.

    "Red nicht. Du bist das Faultier unter den Schreibkräften", sagte sie.

    Eben.

    *

    Worte wie Modul und Cluster gingen mir auf den Sack, Worte, denen der Duft des Fortschritts anhaftete und die doch nichts bedeuteten, nicht wirklich jedenfalls, Worte, wie in den deutschen Nullkorridor gedrückt.

    *

    "Die meisten Menschen haben doch eine.... eine.. na, wie heißt das noch.. was bis jetzt geschah.. äh?"

    "Hm..? Vergangenheit?"

    "Genau. Vergangenheit."

    *

    Samstagabend, es ist schon dunkel. Auf dem Spielplatz sitzt ein einsamer Teenager auf der Schaukel und schaukelt. Es hat sein Handy an, und das bläuliche Licht des Displays schwingt in der Finsternis vor und zurück wie ein höfliches UFO. ]]>
    Wed, 20 Sep 2017 16:39:15 +0000
    Nymphenbad : Nymphentag 77 http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/nymphentag-77.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/nymphentag-77.html Sonderausgabe IF sind heute angekommen, und ich muß sagen: das ist ein fettes, umfassendes Kompendium, das jetzt schon Kultfaktor besitzt. Tobias Reckermann, selbst Autor und kurzzeitig im Nymphenbad als Rumor zugange, hat hier hervorragende Arbeit geleistet. Natürlich unterscheidet sich das Nymphenbad von den Anforderungen des Magazins. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leser mit einer gehörigen Portion Unverständnis auf das reagieren, was sie im Weblog lesen, nur muß ich anmerken, daß ich, um mental dorthin zu gelangen, wo noch niemand gewesen ist, keine Grenzen der Sprache anerkenne. Überhaupt sind die Machenschaften einer Konsensliteratur für mich ein steter Quell des Zorns, der an Dummheit nicht mehr zu überbieten ist. Das phantastische Element, das wir in der gegenwärtigen Hochphilosophie vorfinden (wo es auch hingehört), darf nicht durch künstliche Grenzen des Sagbaren aufgehalten werden. Die Strukturen des Phantasmas begründen eine Wirklichkeit, die wesentlich ernster genommen werden muß als das grenzdebile Geschwätz von "Realität" oder "Realismus". Mensch lernt natürlich nichts im Laufe der Zeit, und Akademiker lernen in der Regel am wenigsten, sie gehören meist zu den "schlausten Deppen" des Planeten. Wir benutzen unsere Sprache falsch, wir benutzen eine falsche Sprache. Das ist der Ansatzpunkt. Unmögliches ist nicht zu beschreiben, dazu braucht es eine "unmögliche Sprache". Diesbezüglich bin ich natürlich ein Sprachpionier, ein notwendiger, geächteter Solitär der deutschen Sprache.
    Aber ich habe hin und wieder auch etwas zu erzählen, und wenn das so ist, werde ich es mit Inbrunst tun. Jetzt aber werde ich mir die "Bibel des Horrors" durchlesen und mich daran erfreuen, etwas Wertschaffendes in Händen halten zu können, es kommt ja selten genug vor. ]]>
    Wed, 20 Sep 2017 12:10:43 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Blauzahn ohne Bose. Das Arbeitsjournal des Mittwochs, den 20. September 2017. https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/blauzahn-ohne-bose-das-arbeitsjournal-des-mittwochs-den-20-september-2/ https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/blauzahn-ohne-bose-das-arbeitsjournal-des-mittwochs-den-20-september-2/ [Arbeitswohnung, 8.57 Uhr]
    Tatsächlich den ganzen Tag gestern gebraucht, um das Nettbückerl wieder einzurichten. Dann aber scheiterte ich. Es wollte sich partout nicht mit meinem Reiselautsprecher verbinden, Blauzahn erkannte ihn lange Zeit nicht, dann immer mal kurz, aber eine Verbindung kam nicht zustande.
    Also heute morgen seit sechs herumgeforscht, woran es liege könne. Und dann, vor einer dreiviertel Stunde zeigte mir der >>>> Driver Booster Jetzt werden die Treiber grad aktualisiert, was alles viel Zeit kostet. Aber an einem Gerät, das gerade bei Musik versagt, habe ich keine Freude.
    Noch kann ich nicht absehen, wie lange der Prozeß insgesamt während wird, auch wenn es mich andererseits zur Arbeit... ja, treibt. Neue TS-Seiten von der Contessa sind da; da ich mich morgen früh mit ihr im Kempinski zum Frühstück treffe, hätte ich sie gerne fertig.
    Wir werden sehen.

    Eckers heutiger Text, der >>>> dem neuen Band den Titel gab, ist einigermaßen kafkaesk. Ein Schiff wird beladen, das niemals kommt... „und wenn nicht einmal deine Verwandten dir helfen können, wer dann?“

    [*: Wenn ich schon ein Programm verwende, das mir kostenkos hilft, ist es nur fair, es auch zu bewerben, und sei's nur durch wie oben den Link.]

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    Wed, 20 Sep 2017 11:55:55 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Nettbückerl. Im Arbeitshournal des Dienstags, dem 19. September 2017. https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/netbueckerl-im-arbeitshournal-des-dienstags-dem-19-september-2017/ https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/netbueckerl-im-arbeitshournal-des-dienstags-dem-19-september-2017/ [Arbeitswohnung, 7.10 Uhr
    >>>> France musique contemporaine: Berio, Sequenza VI]
    Bin dabei, das Nettbückerl komplett neu einzurichten, das gestern zurückkam, nachdem es in Paris kaputtging und zur Reparatur gegeben werden mußte. Ich habe quasi ein neues Gerät, wenn auch mit alter Abdeckung zurückbekommen, auf dem nun keines meiner Programme mehr ist.
    Schöbe ich es hinaus, stünde ich am Wochenende ohne das mir wichtige Reisegerät da, wenn es nach Bonn zur Uraufführung von Robert HP Platz' Viertem Streichquartett mit Singstimme geht, die zwei meiner Gedichte, von Platz vertont, vortragen wird. Tolles Konzertprogramm sowieso: Janáceks Lettres intimes, Platzens Streichquartett, Beethovens op. 135.
    Also, habe zu tun.

    >>>> Ecker
    s Stück heute früh beginnt mit Als wer wir erwachen. Jedes Mal sei es ungewiß.
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    Wed, 20 Sep 2017 11:55:54 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Sand. Das Arbeitsjournal des Montags, den 18. September 2017. https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/sand-das-arbeitsjournal-des-montags-den-18-september-2017/ https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/sand-das-arbeitsjournal-des-montags-den-18-september-2017/ [Arbeitswohnung, 7.10 Uhr
    >>>> France musique contemporaine: Miroglio, Edinger, Prin, >>>> Magnetiques et tremplins]
    Heute habe ich Zeit, die Arbeit an der Kark-Jonas-Erzählung fertig zu bekommen; ich schloß gestern die Korrekturübertragung des Ghostromans ab, soweit ich Typoskript hatte. Der nächste Stoß geht heute in die Düsseldorfer Post, wird vor übermorgen nicht hier sein. Hatte gestern in Whatsapp den Eindruck, es werde der Contessa die Angelegenheit allmählich zu zäh. Wegen der vielen Rückänderungen zieht sie sich tatsächlich, zieht sich und zieht sich. Doch mit etwas Glück wird die lektoratsfertige Fassung zur Buchmesse vorliegen.

    Ein neues Gedicht begonnen: en route; bisher aber nur vier Verse, auch nur skizziert: um den Lufthauch einzufangen. Konkretion, schrieb ich meiner Lektorin, sei das Fundament, immer.

    Dabei hatte ich erst mit abermals Verdi anfangen wollen: La forza del destino. Schnell wurde es mir zu, wie sag ich? weich? und surfte zu France musique, siehe oben, hinüber. Aber auch dort kommt immer der Moment, da ich den Kitsch nicht aushalte – stets dann, wenn es „minimal“ wird, wenn die ewige Wiederholung droht, die den neuen „Schön“klang, so mein Instinkt, rechtfertigen soll. Ich will ihn, diesen Klang, einmal „flaches Pathos“ nennen. Weil nur die dünne Fläche bleibt. Dann doch lieber Verdi wieder. Auch Gänsechöre werden, wenn modern, nicht besser. Selbst Presley bekam einen Lachanfall dabei, freundlich aber höhnisch.

    Mein Zustand hat einen durchgezogenen grauen Grund. Bisweilen springe ich lachend über ihn hinweg und steige dann für Momente hoch über ihn auf; dann wieder spüre ich ihn an mir ziehen, und ich verliere die Höhe. Etwa der mir so wichtige Mittagsschlaf funktioniert derzeit gar nicht. Ich lege mich für eine Stunde hin, drehe mich nach fünfzehn Minuten aber wieder vom Lager, unruhig ungut, will dann arbeiten. Arbeit ist ein Sand, um den Kopf hineinzustecken – eigentlich aber, um mit ihm das Herz zu bedecken. Nicht die Pumpe, nein, sondern das metaphorische.
    Gut tut >>>> die Huxley-Lektüre. Welch Reichtum an Bildung, an Stil, an vollendeter Charakterzeichnung! Welch böser Witz oft! Und welche Wahrheiten!

    „Modern leben heißt rasch leben“, fuhr sie fort. „Du kannst heutzutage nicht eine Wagenladung Ideale und Romantik mit dir herumschleppen. Wenn man im Flugzeug reist, muß man sein schweres Gepäck zurücklassen. Die gute altmodische Seele war etwas ganz Schönes, als die Leute noch langsam lebten, aber heutzutage ist sie zu gewichtig. Es ist kein Platz für sie im Flugzeug.“

    Und sieben Seiten weiter:

    „ (...) Sicherheit über alles. Schmerzlose Literatur. Keine Vorurteile extrahieren oder Ideen einhämmern ohne ein anästhetisches Mittel. Die Leser beständig unter einer Art Narkose halten. Ihr seid alle eine hoffnungslose Gesellschaft.“

    1928 ! wohlgemerkt, bzw. auf Deutsch 1951.

    Aber nun, bevor ich an den Kark-Jonas weitergehe, >>>> den seit gestern täglichen Ecker. Das heutige Stück heißt „Für ein Lesebuch der Oberstufe“ und beginnt folgendermaßen: „In ihrem angeborenen Bedürfnis, sich nützlich zu machen, stößt man bisweilen auf die alten Götter. Einmal sah ich Prometheus, der auf dem Bahnsteig der Untergrundbahn für Ordnung sorgte.“


    Ich könnte sagen, Lampes >>>> Egger sei mein Ecker. Übrigens wieder >>>> ein sehr schöner Tagebucheintrag von ihm, Lampe. Doch erst einmal wird es Zeit für den zweiten Latte macchiato.

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    Wed, 20 Sep 2017 11:55:53 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : III, 328 - Mouches https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-328-mouches/ https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-328-mouches/ Was ich neulich aus Eigners ‘Brandig’ über die Verwahrlosung zitiert, war nicht wirklich etwas, was ich mir bewußt vornehme, es geschieht zuweilen. Das ja. Ich empfand die Verwahrlosungsepisode als den Versuch einer Beschreibung von Glück. Eine griechische Remiszenz, ein Matala hallte nach, auch wenn keine Namen genannt werden. Dennoch die sofortige Assoziation: Kreta. Leserverhängnisse. Aber das auch wieder nur: Deine Stiefel? Meine Stiefel.
    Mittlerweile hat sich alles geändert. Und es stiefelt weiter. Wie meinethalben im >>>> ‘Tagebuch einer Kammerzofe’ da muß sie, die Kammerzofe, sich hohe Lederschuhe anziehen, auf das Geheiß des alten Patrons und vor diesem auf und ab gehen. Man findet ihn dann tot in seinem Bett mit diesen hohen Lederstiefeln, als umarmte er sie, die sie getragen. Wen? Sie oder sie?
    Und wieder eine Dame mit Hündchen. Ich saß während des Films mit ihr allein in einer Reihe vor der Leinwand (die anderen Reihen nicht mitzählend). Was schon aufregend genug war. Eine mit hoher Gestalt, die ihr Gesicht verbarg hinter einer Riesenbrille und aufgebauschtem blondem Haar. Im oberen Gang vor dem Saal über dem Chiostro drehte sie mit ihrem Kommunikationsgerät eine nie enden wollende langsame vollständige Runde, während ich den Versuch eines Small Talks unternahm, der dann an falschverstandenen Wikipedia-Artikeln scheiterte. So ein Quatsch, insomma. Sie aber saß außen rechts. Ich außen links. So daß der Ausgang mir näher war, ich auch einen Vorschlag ausschlug (einen Ausschlag vorschlagen), zu Valda zu gehen. Und schaffte es, den Chiostro zu verlassen, noch bevor Peter Stein aus ihm hervorstürmte, der ebenfalls außen rechts, aber in der ersten Reihe saß, diesmal in Begleitung eines jüngeren Mannes, der eine hübsche Stirn hatte.
    Es war auch noch einer weiterer Minihund unter den Zuschauern am Freitag. Der gehörte einem Paar. Im Film begann es zu bellen, und man hörte das Knurren der anwesenden Hündchen. Sie rechts hielt ihres beschwichtigend in ihren Armen.
    Es wäre ein hübscher Übergang zum sabbernden Hündchen, daß Eigners Ich-Erzähler bei sich hat, als er da sitzt auf dem Giordano-Bruno-Denkmal auf dem Campo de’ Fiori.
    Entre le deux coup de feu qui décidèrent de son destin, il eut le temps d’appeler une mouche: “Madame”. (René Char: Feuillets d’Hypnos)
    Auch nur aufgeschlagen wegen “Hypnos”. Fiel mir grad so ein. Dieses Wort.
    Denn seiner, des Hypnos vel Brandig, den er, der Ich-Erzähler, nicht erkennt, was sein Aussehen betrifft, wohl aber seine Stimme, wird er da ansichtig, weil von diesem angesprochen. Ich bin noch nicht am Ende. Es beginnt ein unbestimmbares Zugfahren, auf die er, der Ich-Erzähler, auf Brandigs Einladung sich eingelassen. Im Liegewagen. Paris? Immerhin geht’s an Civitavecchia vorbei. Wie aus dem Nichts ein ‘Rouge et Noire’.
    Ich wollte auch heute ins Kino gehen. Es gab ‘Die Braut trug schwarz’ von Truffaut (nunja Moreau-Retrospektive, nächste Woche ist sogar Fassbinder dabei), aber schon um achtzehn Uhr, die Arbeit hinkte ihn statt ins Hinab lediglich ans Spülbecken in der Kochecke. Es war schon zu spät. Und auch gar nicht wirklich wichtig.
    Morgen weiter in ‘Brandig’. Es ist diese merkwürdige Beziehung, die mich beschäftigt. Die eher als Vorwand dient, doch eigentlich über etwas anderes zu reden als über Brandig. Bei der Wiederbegegnung mit diesem hat er, der Ich-Erzähler auf dem Giordano-Bruno-Denkmal, Bücher unter einem Armen, von denen Brandig erst einen Bruno-Band, dann den Zarathustra hervorfischt und blätternd daraus vorliest.

    Brandig hüstelte, er stützte sich mit der freien Hand auf dem Sockelabsatz ab, auf dem ich saß.
    Die Zukunft,
    fuhr er fort,

    und das Fernste sei dir die Ursache deines Heute: in deinem Freunde sollst du den Übermenschen als deine Ursache lieben.
    Das muß man sich mal vorstellen! Sowas betete Brandig mir vor.


    Im Grunde aber suche ich selber nach Worten, die aber nicht hier, sondern ihm zu schreiben und dennoch an mich gerichtet wären. Ich türme Gebäude und schaue in die Luft, bis sich wieder alles verquickt. Es geht, Sie geht, Er aber steht in der Tür, wenn das kurze Gewitter sein strömendes Naß herniederläßt und komische Handlungen bewirkt. Wie gestern abend. Hinterher war ihm wohl.
    Und er gedachte der Schwalben, die immer noch hier sind und flatternd den Kirchturm von Sant’Agostino, wahrscheinlich Insekten fressend, haufenweis’ anbeteten.

    Wie die Erde, so die Rede --- Ein Homotop von Namen (Egger, Herde der Rede, 143)

    III,327 <<<<

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    Wed, 20 Sep 2017 11:55:52 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Christopher Ecker und Marcus Braun. Im Verdijournal des Sonntags, den 17. September... https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/christopher-ecker-und-marcus-braun-im-verdijournal-des-sonntags-den-17/ https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/christopher-ecker-und-marcus-braun-im-verdijournal-des-sonntags-den-17/ [Arbeitswohnung, 8.33 Uhr
    Verdi, Rigoletto]
    लक्ष्मी, gestern in der Küche, heizte bereits. Bei mir sind immerhin die Kohlen gekommen; vor November habe ich aber den Ofen anzuwerfen nicht vor. Und nachts mit dem Sohn gewhatsappt, der mit Freunden auf der Suche nach etwas zu essen durch Rom streifte.
    Heute früh erst kurz nach sieben raus.
    Hatte es gestern wieder einmal mit Verdis Macbeth versucht. Müßiges Stück wie der Trovatore: So schrieb ich‘s meiner Lektorin nach Wien. An Simon Boccanegra, Otello und vor allem den späten Falstaff reiche bei Verdi nichts heran – elenderweise, weil Verdi mir persönlich sehr sehr viel näher als der sich dauerselbst heroisierende Verklemmling Wagner.
    Dann nahm ich mir den Rigoletto vor. Da packte mich plötzlich was, ein ganz bestimmter, ich will einmal sagen, tragischer Schmelz. Eigentlich nicht zu fassen, daß Verdi dieses Stück vierzehn Jahre vor dem elenden Macbeth schrieb. Allerdings fällt auch die Traviata für mich aus den Ödnissen heraus. >>>> Eigners Satz fiel mir ein, daß man im Leben nur vier große Romane schreiben könne. Vielleicht gilt das für Opern auch – wobei wir darüber streiten können, ob es der Romane, bzw. Opern nicht vielleicht auch fünf oder sechs sein können.
    Jedenfalls höre ich den Rigoletto nun noch einmal. Fesselnd wird er ab der zweiten Szene – musikalisch; die Inhalte (der „Plot“) interessieren mich immer erst an zweiter, manchmal sogar dritter Stelle.
    Tätiges Hören: Ein Begriff, den ich für mich selbst gerne einführen möchte. Benn spricht von Zusammenhangsdurchdringung. Sich ein Stück nach dem anderen erhören. So, wie sich >>>> Parallalie ein Buch nach dem anderen erliest.

    Als ich mein Bett machte (baute), dachte ich darüber nach, was ich Ihnen heute schreiben solle, bevor ich mich an die Arbeit setzen würde (wobei Ihnen zu schreiben, auch schon eine Arbeit ist).
    Zwei Bücher fielen mir ein, zu denen ich mich eigentlich erst äußern wollte, wenn ich sie gelesen hätte. Da ich aber erst mit >>>> Huxleys Kontrapunkt fertig werden möchte, annonciere ich sie hier schon mal vorweg. Es kann auch gut sein, daß ich über beide oder wenigstens eines eine Rezension schreiben werde.

    Die Bücher stammen von zwei Autoren, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber in der Leidenschaft für das, was sie tun, quasi aufeinanderlegen. Ich spreche (schreibe) von Christopher Ecker, über den ich mich in Der Dschungel schon häufiger geäußert habe, ausführlich siehe >>>> dort, sowie von Marcus Braun, zu dessen Roman Nadiana ich mich >>>> da geäußert habe – siebzehn Jahre ist das her!
    Anders als Ecker gibt Braun nur selten Neues heraus. Ecker ist eine Austoßmaschine wie ich, Braun ein langsam schreibender, wägender, sozusagen undöblinscher Romandichter. Ich sprach mit Thomas Böhm auf dem vergangenen LCB-Sommerfest lange über ihn, bzw. über sein gerade erschienenes Buch:


    Es sei schlichtweg nicht zu begreifen, daß es nicht wenigstens auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis gesetzt worden sei. „Aber du kennst doch die Szene. Die Leute lesen in die ersten zwanzig Seiten rein, verstehen nicht gleich, was das soll, und legen es beiseite.“
    Dabei dräut schon ganz am Anfang ein Absatz:
    Die Mönche kamen. Sie sangen. Er erkannte das Mantra nicht. Sie kamen mit geschmortem Hammelfleisch und einer Kanne Bier. Er hatte das Gefühl, noch nie einen Menschen gesehen zu haben. Er trank das Bier und aß den Hammel mit den Fingern, kalte Augen von Fett auf der Brühe, die er an seinem Gaumen mit der Zunge zerdrückte, ließ sich zurück in die Stadt, das Kloster führen, bekam Magenschmerzen, schlief irgendwann ein. Er hatte einen Alptraum, in dem er seinen toten Eltern mit einem kleinen stumpfen Messer das Fleisch von den Knochen der Beine schnitt.
    Wen hier die kalten Fettaugen nicht anstarren, dem ist nicht zu helfen (auch wenn ich selbst sie, aus grammatischen Bezugsgründen, der Brühe nachgestellt hätte).

    Das andere Buch, Eckers – erst hielt ich es für den von ihm angekündigten Erzählband – ist eine Sammlung von, sagen wir, Feuilletons. Die sind in den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts eine unterdessen fast durchweg zur Glosse heruntergekommene Kunstform gewesen. Bei Ecker werden sie zu Anderen Häfen:


    Ich schlage eine Seite auf und lese:
    Ein Roman ist eine Kugel, in die alles hineingepackt wird, was einem wichtig scheint. Rollen muß sie, die Kugel, rollen, rollen, als ginge es eine schiefe Ebene hinab. Blind. Vorwitzig. Eine Magd. Oder besser (Konfliktpotenzial:) die Tochter des Herbergswirts. Von Andreasberg sieht, wie sie sein Pferd striegelt, einen Rappen, weil ich das Wort mag, und das nasse Fell glänzt wie blaues Metall (...)
    Ganz offenbar schiebt einem dieser Dichter in seinen Einschüben eine komplette Romantheorie ein & unter. Aber achten Sie darauf, mit welch lässig-frecher Eleganz! Ich werde jetzt wohl täglich eines dieser Feuilletons lesen. Sò, Vornahme. Es sind 87 Stücke, wenn ich mich nicht verzählt habe. Durch gerundet dreißig Tage wird meine Lektüre also knappe drei Monate brauchen und in dieser Zeit wohl immer mal wieder eine Erwähnung in Der Dame Dschungel finden. Vielleicht lese ich drin je zu Tages-, – und jetzt, au weh, lieber Ecker, ein Reim! – -beginn. Verboten, verboten. Die Germknödelanisten werden es hassen.

    Jetzt aber muß ich denen Weitres geben. Dem es aber auch mir, dies nur nebenbei, immer wieder den Magen umdreht: wenn ich wenn ich vor die Stirn geknallt bekomme, daß die „Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft“ die Geschmacklosigkeit begangen hat und sie in alle uns denkbare Zeit weiterbegehen wird, sich nach dem Komponisten des Falstaffs zu benennen. Um zum Anfangsthema zurückzukehren, dessen Name heute das „Arbeits“ ersetzt hat.

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    Wed, 20 Sep 2017 11:55:51 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Irrealis. Das Arbeitsjournal des Sonnabends, den 16. September 2017. https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/irrealis-das-arbeitsjournal-des-sonnabends-den-16-september-2017/ https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/irrealis-das-arbeitsjournal-des-sonnabends-den-16-september-2017/

    [Arbeitswohnung, 7.19 Uhr
    Walton, Troilus & Cressida]

    Wie sich, für Romanfiguren, auf Namen kommen läßt, die es noch nicht gibt. Zum Beispiel suchst du, um Information zu gewinnen, nach „Beatrix Katharina Langnee“ und erhältst selbst über Google nicht ein einziges Ergebnis. Dann stellst du fest, dich im letzten Buchstaben vertippt zu haben. Und hast nach der Korrektur sogar noch den Link >>>> auf eine ostwestfälische Buchhandlung, die allerdings nicht physischer Natur ist, sondern allein im Netz handelt, ein Amazon en miniature mithin, von dem ich mir wünschte, es würde als Konkurrent auch gesehen. So sind freilich die Zeitläufte nicht.
    Weiteres Nachsehen ergab, es handele sich – also hinten mir „r“ – um eine freie Literaturjournalistin für einmal quer durch die deutschsprachigen Kulturblätter und -sender von FAZ bis Deutschlandradio. Was paßt, denn auf meine argumentative Facebook-Replik kam selbstverständlich keine Antwort.
    Sie hat mir da gestern die falsche Grammatik der Arbeitsjournaltitel vorgeworfen: daß ich „des Freitags, dem 15. September“ schriebe; diese falsche Datumsformulierung verleide ihr, Zitat, seit Jahren, die darunterstehenden Texte auch zu lesen.
    Ich mag >>>> meine Antwort hier nicht wiederholen, dachte mir eben aber, was soll‘s? Wenn es die Leute abhält, dann tu ihren Empfindlichkeiten doch gut und kick den Kiesel des Anstoßes kurz mal beiseite. Darum heute die, sagen wir, eingeführte Zeittitulierung. Wobei ich Frau Langners hochgeklappte Zehennägel aber verstehen kann; mir geht es ähnlich bei fehlenden Genitiven im Titel: Im Zeichen des Steinbock zum Beispiel, da mag eigentlich auch ich nicht mehr lesen. Der Beispiele, wollte ich sie aufführen, wären aber so sehr Legion, daß ich mich fragen müßte, was ich vielleicht verpasse, wenn ich solchen Idiosynkrasien nachgebe. Um von „wegen“ mit „dem“ ganz zu schweigen oder erst recht der ständigen Verwechslung von „müsse“ mit „müßte“, also dem Dahinschwinden des Irrealis in seiner Inflation durch falsche Verwendung.

    Auch meine Lektorin, das mag ich nicht verschweigen, äußerte Bedenken wegen meines „Datumdem“s. Vielleicht wird mir Frau Langner nun – also weniger mir, als meinem Werk – etwas weniger ungewogen sein.

    Zweiter Latte macchiato, erster Morgencigarillo.

    Der neue Vertrag mit der Contessa ist unterschrieben; das nächste Buch wird aber, schrieb ich es schon?, ein „rein“ privates sein. Ja, ich schrieb es schon. Für den ersten Roman die ersten 56 Seiten gestern letztkorrigiert.
    Meine „eigene“ Arbeit geht schleppender voran, besonders jetzt die an der alten Kark-Jonas-Erzählung. Ich muß ein neueres Muster aus einem bejahrten Text wieder herausribbeln, ohne daß er selbst zerfällt. Bei der engen Eindrehung meiner Motiviken ist das nicht leicht. Gestern habe ich fünf Seiten geschafft, dann zog mich die Nervosität in Gefilde, über die ich hier mal besser nicht spreche. Es werden die Stricke doch eh schon geknüpft, da muß ich nicht noch eigenhändig Fasern hinzureichen, selbst wenn es Naturfasern sind.

    Also Morgenarbeit, dann hinüber zur Familie. Mein Sohn geht heute auf Kunstfahrt nach Rom und Neapel. Ich möchte ihn vorher noch einmal sehen. Außerdem liegen seine Reiseunterlagen hier bei mir. Die müssen rübergeradelt werden. Ab mittags wieder Ghostroman, und abends, denke ich, fange ich mit der Thetis-Durchsicht für die zweite Auflage an.

    Sonne. Und ein Himmel in oktobrigem Strahlblau.

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    Wed, 20 Sep 2017 11:55:49 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Kark-Jonas. Das Arbeitsjournal des Freitags, dem 15. September 2017. https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/kark-jonas-das-arbeitsjournal-des-freitags-dem-15-september-2017/ https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/kark-jonas-das-arbeitsjournal-des-freitags-dem-15-september-2017/ [Arbeitswohnung, 7.50 Uhr
    Wagner, Walküre (Régine Crespin), Vinyl]
    Seit sechs auf, im Netz rumgeguckt wegen eines alternativen Browsers. Auch sonst im Netz gelesen. Bruno Lampes >>>> neuen Beitrag verlinkt, ein „ihm“ drin in das gemeinte „im“ verwandelt, ein gedoppeltes „aber“ gelöscht. Interessant, wie Lampe in >>>> Brandig einige eigene Merkmale, eine Art Vorstufe zu Haltungen, findet: die Idee des Rückzugs, die auch mich in den letzten Monaten beschäftigt hat. Aber ich bin noch nicht bereit; weder will der Geist noch gar der Körper.

    Die Pavoni spinnt. Hat sie schon mal getan. Ich mußte sie einzwei Tage in Ruhe lassen, dann ging sie wieder. Also auf den italienische Espressokocher zurückgegriffen und die Milch im Topf auf dem Herd erhitzt. Dazu übers Reise>>>>bös‘chen, das, wenn ich in Berlin bin, die Küche beschallt, den gestern neu begonnenen Nibelungenring weitergehört. Irgend etwas, obwohl ich doch >>>> nicht mehr wollte, lockte mich hin. Daß ich oben Régine Crespin nenne und nicht Karajan, ist so eine Art Ausrede, eine leise Rechtfertigung dafür, daß mein Wagnerunwille sich abgeschliffen hat. Es ist aber auch so, daß die Musik, hör ich sie ohne Bewußtsein über ihre unselige, teils dämliche, teils unangenehme Handlung, rein über ihr klangliches Genie wirkt, im Wortsinn ungeheuer wirkt. Man darf einfach nicht die Tölpel und Verbrecher vor Augen haben, die Wagner mit ihr heroisiert hat. Ich kann es auch anders sagen: Es klingt durch diese Musik etwas gegen Wagner hindurch: es war eben sein Genie, es gegen den eigenen, wie Liszt aufseufzte, schlechten Charakter aus dem Welt- und Zeitfluß aufgefangen und notiert zu haben. Das ist dem widerlichen Genie Céline durchaus ähnlich. Vielleicht, denke ich gerade, gehört ein Teil Schlechtigkeit sogar dazu, so etwas zu können. In der Kunst kann Moral durchaus ein Hindernis sein; die Menschen sind, wenn kunstgütig, angenehm, aber verwehen nach ihrem Tod im Geschichtsstaub.

    Kunst ist Ausgraben. Sagte ich gerade der Löwin beim Wecken. Es ist der wohl wichtigste Satz in >>>> Meere. Wir graben aus, was wir weggesteckt und bedeckt haben. Alle Kunst, sozusagen, ist Enthüllung und Bekenntnis. Deshalb geht intentionale Kunst – eine, die Botschaften vermitteln will – grundsätzlich fehl. Die Botschaft muß sie selbst sein; sie kommt nicht aus einem „Vorhaben“, sondern findet in sich selbst Gestalt: Dann können wir sie hören, ohne den Autor/die Autorin zu hören. Was zeigt, wie fehl dieser Begriff, Autor, geht. Hier ist nichts Selbst; das Selbst löst sich in der Gestaltung auf; es ist allerdings die notwendige Voraussetzung dafür, daß dies geschieht. Möglicherweise ist die Egozentrik, die Künstlern oft und meist mit Recht vorgeworfen wird, ihre Art der Notwehr – weil sie doch spüren, wie sie sich in dem, was sie tun, auflösen. Sie brauchen der täglichen Alltagsverrichtungen wegen Konturen, erst recht, wenn sie Familie und also Verantwortung haben.

    Verantwortung.
    Kinder haben.

    Mein Sohn, der gestern kam und von seiner Musik erzählte – wie leidenschaftlich er erzählte!
    Wir saßen beisammen, kurz nach fünf, ich mit dem Sundowner, er mit dem obligaten Espresso.
    Er komponiert die Musik zu Raps, hat einen neuen Sängerkontakt. Wie klug er argumentiert! Er hatte den Kontakt zu einem Label, das seine Sachen veröffentlichen würde, eventuell. „Aber dann wäre ich stilistisch festgelegt, das will ich nicht werden und sein.“
    Zwei Stücke spielte er mir über Youtube vor. Und ich spürte, obwohl es nicht meine Musik ist, wie doch, was mir ästhetisch wichtig, durch ihn in ihr mit aufgefangen wird: bestimmte Werte, bestimmte Überlegungen zur Komplexität von Kunst. Auch daß er jetzt sein Cello in die neuen Formen integriert, das er eine Zeit lang beiseitegelegt hatte.
    Morgen fährt er mit seiner Klasse nach Rom und Neapel; nach Neapel hatte auch ich kurz reisen wollen, um die Truppe zu treffen. Ist ja >>>> „meine“ Stadt. Aber die Flüge sind teuer geworden; außerdem muß ich am 29. zu dem neuen Ghostauftrag reisen. Also habe ich den Plan fallen lassen, auch zum Bedauern meines Sohns. Und hier liegt derart viel Arbeit an! - gestern >>>> schrieb ich ja dazu.

    Kark-Jonas. „Die Sache mit Kark-Jonas“. An der Erzählung sitze ich grade und versuche, so etwas wie eine Urfassung wiederherzustellen. Ich schrieb das Ding, als ich sechzehn war. Es ist der für meine spätere Arbeit wahrscheinlich entscheidende Text. Er war so wichtig, daß ich ihn Anfang der Neunziger noch einmal komplett umbaute, mit weiteren Motiven versah und dann in den >>>> Wolpertingerroman implantiert habe. Also eigentlich ist die Erzählung schon veröffentlicht. Dennoch gehört sie in eine Ausgabe Sämtlicher Erzählungen unbedingt mit hinein – und eben möglichst in der frühen Form, d.h. ohne die späteren motivischen Zusätze. Gleichzeitig bringe ich den Text aber – wie alle anderen – auf mein sprachliches Gegenwartsniveau.
    Das macht solche Überarbeitungen heikel; Verfälschung legiert mit Wahrheit. Es geht aber eben um Kunst, nicht um Dokumentation. Womit ich wieder bei Wagner bin.
    Außerdem werde ich auf meine Lektorin hören, der ich künstlerisch vertraue, wie ich es vorher bei niemandem tat. Wenn sie sagt, das besser nicht, werde ich es herausnehmen. Sie muß nicht einmal Gründe nennen. Wobei es mir schon wichtig war, daß die Löwin, als ich ihr in Paris die erste der Erzählungen – „Svenja“ von 1971 – vorlas... daß sie knapp sagte: „großer Text“. An seinem Ende habe ich aber noch einigermaßen herumknibbeln, und so wirklich zufrieden bin ich noch nicht. Als Lektoratsvorlage mag es freilich reichen. Allerdings habe ich aus Wien noch keine Rückmeldung.

    Kark-Jonas gab dem Wolpertinger übrigens seinen leitmotivisch zentralen Satz:

    Das Mittelalter ist ewig

    Daran, mithin, sitze ich jetzt und werde ich bis etwa mittags sitzen. Danach nehme ich mich der letzten Korrekturen des Ghostromans an; die von der Contessa letztkorrigierten Seiten bis 198 lagen gestern in meinem Briefkasten.

    Ohne scharfe Einteilung der Tagesarbeit wird es in den nächsten Wochen also nicht gehen. Denn noch bis Jahresende will >>>> Elfenbein auch von >>>> Thetis mindestens das ebook auf dem Markt haben. Also Früharbeit: Arbeitsjournal und Erzählungen; Vormittags- bis Nachmittagsarbeit: Contessa; Abendarbeit: Thetis.
    Inofern läuft es wieder. Sorgen allerdings, nach wie vor, bereiten mir meine Gedichte, weil ich einfach keinen Verlag für sie finde. Aber ich schiebe sie, die Sorgen, unter den Schreibtisch. Da mögen sie schlafen. Für sie ist jetzt wirklich kein Raum.

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    Wed, 20 Sep 2017 11:55:48 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : III, 327 - Verwahrlosung https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-327-verwahrlosung/ https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-327-verwahrlosung/ Nein, ---> Absprachen gab es keine. Ich wartete einfach auf ANH. Und erteilte mir dadurch die Erlaubnis, mal nichts aus meinen Fingern zu saugen, aus denen nichts zu saugen, aber von denen immerhin zuweilen etwas abzusaugen. Und seien es Knoblauchrückstände. Pfefferrückstände spüle ich lieber gleich ab, man reibt sich sonst damit die Augen. Jedenfalls solange die Hundstagswärme anhielt, bekam ich vorm Bildschirm dauernd feuchte Augen, als weinte ich. Zwar ist einem zuweilen zu heulen zumut’, wenn man meinetwegen wegen einer Arbeit auf >>>> ‘Fahrstuhl zum Schafott’ verzichten muß, den ich tatsächlich gern gesehen hätte (ich meine natürlich den Film und nicht den Fahrstuhl). Und kam somit zu nichts Wirklichem außerhalb der Arbeit, unbeschadet der Lektüre, aber ZT muß wieder leiden und die ganze Badeteichangelegenheit, bei der ich gerade war. In der Verwahrlosungszeit zu augusteischen Zeiten kam ich noch auf fünf Seiten, schraubte es dann runter vier, dann auf zwei, um beim derzeitigen Nullpunkt zu verharren. Während ich mir vorm Bildschirm ständig die Augen trocknen mußte.
    Gestern eine unheimliche Nervosität. Vor zwei-drei Wochen ward über die üblichen Amelia-Seiten bei FB ein kostenloser Japanisch-Kurs angekündigt. Da war ich gleich spontan begeistert und kontaktierte die Ankündigende. Die mir allerdings beschied, daß wegen der Kostenlosigkeit die verfügbaren Plätze ruckzuck in Beschlag genommen worden seien. Die Neugier halt. Hängt zusammen mit meinen Überlegungen damals, was ich studieren sollte. Japanisch gehörte dazu. Aber daraus wurde dann nichts. Mein Nervössein entstand dann durch die Nachricht der Ankündigerin, es sei ein Platz frei geworden. Hilfe! Jeden Donnerstag, hieß es im beiliegenden Anmeldeformular, zwei Stunden von Oktober bis Juni. Schriftzeichen malen. Und wenn dann eine Arbeit abzuliefern ist? Ich dachte an den verpaßten Film. Auch an Unpäßlichkeiten wie die Hautgeschichte im Spätwinter und Frühling. Ich habe also abgesagt. Gut, daß ich die Ankündigerin nicht persönlich kenne. Aber plötzlich stellte ich mir dann doch Schulsituationen vor, in die ich nicht unbedingt hineingehöre: “Hey teacher, leave us kids alone!”
    Und sie, die Ankündigerin, sieht man auf ihrem FB-Foto schwerbusig auf einem Pferd reiten. Was, bitte, hätte mich da erwartet? Jeder Schreibfehler ein ‘kuce, kuce’ ohne die Möglichkeit einer Retourkutsche.
    Lassen wir’s also: mir möge genügen Barthes’ ‘Im Reich der Zeichen’. Und meinetwegen >>>> ‘Genji Monogatari’ (tolles Buch, las es auf Italienisch (die Anschaffung beruhte darauf, daß ich zu meinem 40. von ihr eine Swatch mit japanischen Ziffern geschenkt bekam, die sinnigerweise unter dem Namen ‘Genji’ vertrieben wurde, sowie darauf, daß ziemlich gleichzeitig dieser Roman auf Italienisch erschien)).
    Soweit sogut sohalb und viertelsmäßig. Denn in derselben Zeit plagte mich die Vorstellung, zur Post gehen zu müssen wegen eines Briefes, den ich geschrieben, weil mir jemand ein Buch von sich geschickt, worüber ich mich gefreut. Aber die Post liegt unten und bedeutet einen mühseligen Rückweg hügelauf. Ich erledigte das dann mit dem Auto. So!
    Mir aus meiner Nervosität herauszuhelfen, eilte dann Eigner mit seinem >>>> ‘Brandig’ herzu. Eigentlich wollte ich meinen Eintrag zunächst auf diese Hymne auf die Verwahrlosung beschränken, in deren Strudel ich hineingeriet, ohne mich im geringsten zu wehren, anzi! Zunächst hatte ich mir notiert: “Ging in die Steine. Nach oben.” Das bezog sich auf die Aufwärtspflaster auf dem Weg von der Post zu mir. Aber dann kam’s gleich ein paar Zeilen weiter:

    Es ist nicht zu glauben, wie heilsam Verwahrlosung, vor allem gezielte, tätig strebsame, auf eigene Faust betriebene Verwahrlosung ist. Ich kann sie jedermann nur wärmstens ans Herz legen - und auf die Haut. Auch solchen, die nicht gerade unter spezifischen krankhaften Veränderungen der Epidermis leiden wie ich. Verwahrlosung hilft jedem. Ich weiß, wovon ich spreche. Nichtsdestoweniger weiß ich, wie schwer - wenn nicht schier unmöglich - es ist, sich die einmal erkämpfte Verwahrlosung zu erhalten. Einmal glücklich die alten Regeln und Gewohnheiten überkrustende Verwahrlosung ist keine Garantie. Nicht einmal die Einverleibung der Verwahrlosung ist eine Garantie. Früher oder später kehrt ein jeder zu den unausrottbar in die Bodenlosigkeit seiner zartesten Anfänge gepflanzten Tugenden zurück. Umso nötiger ist Verwahrlosung. Auch wenn sie alles andere ist als ein Geschenk. Verwahrlosung ist ein Geheimnis. Ein Geheimnis doppelten Glanzes. Eines, in das es einzudringen gilt, und eines, das es gilt, eindringen zu lassen in sich. Was auf der Hand liegt. Denn es geht sowohl um äußere als auch um innere Verwahrlosung. - Eigner, Brandig, 178 f.
    Dies aber erst das Präludium zur Hymne auf die Verwahrlosung.

    III,326 <<<<

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    Wed, 20 Sep 2017 11:55:47 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Was wir können sollten. Das Arbeitsjournal des Donnerstags, dem 14. September 2017. https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/was-wir-koennen-sollte-das-arbeitsjournal-des-donnerstags-dem-14-septe/ https://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/was-wir-koennen-sollte-das-arbeitsjournal-des-donnerstags-dem-14-septe/ [Arbeitswohnung, 7.30 Uhr]
    Gewiß steht nun einiges unter dem >>>> Meerezeichen von >>>> vorgestern bis gestern. Da die Angelegenheit objektiv wichtig ist, werde ich neue Arbeitsjournale erst einmal nicht auf die Hauptsite stellen, sondern sie in ihrer Rubrik lassen. Ich spüre auch, daß >>>> Bruno Lampe sich momentan zurückhält; nein, eine Absprache haben wir nicht getroffen. Er wird aber ganz sicher schreiben. Doch hat sein Alter ego (Altrego) Parallalie auf >>>> der eigenen Site begonnen, seine ersten >>>> Nachdichtungen von Ibn Hamdîs einzustellen, eine Arbeit, zu der ich hinzustoßen werde. Es wird das nächstes Projekt unserer >>>> Aneignungen werden.

    Erst einmal ist selbstverständlich in die Normalität der täglichen Arbeitsabläufe zurückzukehren. Der Ghostroman ist beinahe fertig; die Contessa und ich sitzen an der letzten Überarbeitung. Nahezu siebenhundert Buchseiten sind es geworden, vielleicht sogar etwas mehr, sofern wir nicht noch kürzen. Ob wir‘s müssen, möchte ich der Agentur überlassen sehen. Und Ende des Monats läuft ein neuer Auftrag an, diesmal aber nicht für den öffentlichen Markt. Es soll einfach die Familiengeschichte der Contessa sein, aufgeschrieben für ihre Kinder. Anders als beim Ghostroman werde ich da auch wieder Zeit für meine eigenen Bücher haben, zuerst für die Überarbeitung meiner auch sehr alten Erzählungen, die mit den danach entstandenen im Frühjahr 2019 bei >>>> Septime als Sämtliche Erzählungen herauskommen werden. Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, aber des Verlagsleiters mündliches Wort gilt genauso. - Dann ist, für >>>> Elfenbein, >>>> Thetis komplett zu sichten und ein satzfertiges Typoskript für die Zweite Auflage abzugeben; die Bücher sind tatsächlich ausverkauft. Und selbstverständlich will ich >>>> Die Brüste der Béart weiterschreiben und auch beenden; dies freilich ohne schon einen Verlag. Schließlich sind auch die >>>> Briefe nach Triest wieder aufzunehmen. Gleichsam im Gegenzug zu den Erzählungen möchte Septime von mir für den Herbst 2020 einen Roman haben.

    Als ich wegen der Erzählungen in den Stößen uralter Manu/Typoskripte wühlte – oh der Staub! – , die unter die Borde unterm Fenster gestopft sind, fand ich sogar zwei von mir selbst vergessene Romane, deren einer wichtig sein könnte, weil sich der >>>> Wolpertinger auf ihn bezieht. Ich muß einmal sehen, ob auch er sich nicht doch noch zur Überarbeitung eignet, ob nicht vielleicht sogar er das Buch sein könnte, das Septime sich wünscht. Jedenfalls würde dann aus der Pentalogie Verwirrung | Wolpertinger | Anderswelt 1-3 eine Loge für die Hexen werden. Nettes Wortspiel.
    Das Ding hieß ursprünglich Janus; wenig später hatte ich es in „Destrudo“ umbenannt. Seitdem blieb es liegen. Ich schrieb es noch vor meinem ersten, später auch publizierten Roman >>>> Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger (der eigentlich „Die Erschießung des Ministers“ hieß), also mit etwa siebzehn. Davor noch, mit etwa fünfzehn, schrieb ich einen Roman namens Judex – eine wüste Rebellen- und Abenteuergeschichte in vier Bänden, allein das Typoskript hat vierhundert einzeilig betippte Seiten. Auch dieses existiert noch. Man könnte wohl ein Mainstream-Kitschbuch draus machen. Die stilistischen Erfahrungen dafür habe ich mir zähe errungen. Aber ob es das wert ist? Keine Ahnung.

    Zur eigenen Arbeit kam ich während des Ghostromans nicht. Die Aufgabe war tatsächlich komplexer, als ich gedacht hätte. Was vor allem an der, sagen wir, einfachen Sprache lag, die gewählt werden mußte. Jegliche Rhythmisierung wurde runtergebrochen auf plane, möglichst kurze Sätze, Anspielungen verboten sich; Perspektivwechsel verwirrten. Es durfte keinerlei Ambivalenzen geben. Kurz, alles, was ich als Kunst geschrieben hatte, mußte wieder weg – ein teilweise schmerzhafter Prozeß für mich, aus dem ich unterm Strich aber extrem viel gelernt habe. Nein, auch für meine Dichtung war dieses Jahr nicht verloren – einfach auch deshalb, weil ich begriff, wie die meisten Leser:innen funktionieren. Das punktet aufs Handwerk einiges drauf, und zwar auch dann, wenn man es für die eigene Arbeit nun erst recht vermeidet. Können aber sollte man‘s schon.

    Wenn ich mir dies hier alles noch einmal durchlese, weiß ich überhaupt nicht, wie es zu schaffen ist. Denn auch der Zweite Friedrich ist mir nach wie vor im Kopf.

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    Wed, 20 Sep 2017 11:55:46 +0000
    isla volante : Erinnerungen http://feedproxy.google.com/~r/volante/~3/Q2jGioi89hg/ http://feedproxy.google.com/~r/volante/~3/Q2jGioi89hg/

    irgendwie wie beim ersten mal und doch fühlt es sich anders an.
    wind wasser wellen wetter wogen wie immer über die insel.

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    Wed, 20 Sep 2017 09:12:43 +0000
    Glumm : Die Dinge ändern sich, und niemand weiß, warum gerade jetzt https://glumm.wordpress.com/2017/09/20/die-dinge-aendern-sich-und-niemand-weiss-warum-gerade-jetzt/ https://glumm.wordpress.com/2017/09/20/die-dinge-aendern-sich-und-niemand-weiss-warum-gerade-jetzt/ Hilden liegt auf der Flachetappe zwischen Solingen und Düsseldorf, hat 50.000 Einwohner und veranstaltet jeden Frühsommer den Künstlermarkt 100 Künstler in der Stadt. Vor einigen Jahren, am 8. Künstlermarkt, nahm die Gräfin daran teil, versuchsweise, um ein bisschen Geld zu verdienen und die Reaktionen des Publikums auf ihre Werke zu testen, sozusagen unter Live-Bedingungen. Und da ich zu ihrer Unterstützerszene zähle, war ich auch daran beteiligt. Nicht an den Bildern, die malt sie schön selbst, aber am Marktgeschehen. Unser Stand trug ein kleines Schild mit der No. 102 und lag am westlichen Ende der Hildener Fußgängerzone.

    Der Veranstalter stellte jedem der ausgesuchten Künstler, man musste sich um einen Platz bewerben, ein weißes Baldachin-Zelt, drei mal drei Meter groß, und kassierte für die Organisation sechzig Euro, zusätzlich fünfzig Euro Kaution fürs Zelt. Soweit das Geschäftliche.

    Aber nun zur Pleite.

    Samstagmorgen. „Acht Uhr acht, die Straßen sind menschenleer“, trompetete die Gräfin noch ganz aufgeräumt, als sie Platz nahm hinterm Steuer ihres Wagens, und das trotz des über Nacht gewucherten Herpes, „schreib das mal auf.“ Wenn es darum geht, etwas aufzuschreiben, macht mir keiner was vor. Ich schreibe alles auf. Ich bin ein Allesaufschreiber. Ich fresse Sprache. Ich bin niemals satt. Ich schlecke den Teller ab. Noch in düsterster Nacht, gerade erwacht, setze ich mich auf und notiere das letzte mir bekannte Traumbild, wo fünf üppige Italienischlehrerinnen mit Töpfen voller Spaghetti um mich herumstehen.

    „..Uhr acht, Straßen leer..“, kritzelte ich ins Notizbuch.

    „Nee, nicht das. Du sollst das mit dem Herpes aufschreiben, damit ich weiß, wann es angefangen hat.“

    Den Wagen bis unters Dach vollgepackt mit Staffeleien, gerahmten und ungerahmten Öl- und Kohle-Bildern sowie Kisten voller Zeichnungen und kleinen Gips-Figuren brachen wir auf Richtung Hilden. Ohne den Hund, für den sich kein Platz mehr fand im Auto, aber darum ging es nicht. Das Gewusel auf dem Markt hätte Frau Moll ohnehin nur nervös gemacht, da ließen wir sie lieber zuhause.

    Nun war sie es aber nicht gewohnt, länger als fünf, vielleicht sechs Stunden allein zu bleiben, spätestens dann begann sie in einer solch herzzerreißenden Welpen-Manier zu jaulen und zu fiepen, dass Nachbarn sich gedrängt fühlten, beim Tierheim anzurufen, „hier murkst jemand seine Kätzchen ab!“ Wir einigten uns auf einen Kompromiss. Ich würde mich am Nachmittag auf ein Stündchen nach Hause absetzen, um dem Hund etwas Gesellschaft und Bewegung zu verschaffen.

    Nächstes Problem.

    Da ich keinen Führerschein habe, (und selbst wenn ich einen hätte, ich würde jedes noch so gepanzerte Fahrzeug kontinuierlich in den Abgrund führen), musste ich per Bus und Bahn von Hilden nach Solingen und zurück fahren, und das dauerte seine Zeit. Ging aber nicht anders, denn die Gräfin, die Führerschein, Auto UND Beine besitzt, hatte als Künstlerin laut Veranstalter durchgängig am Stand präsent zu sein, um Kunst-Interessierten Rede und Antwort zu stehen, konnte sich also nicht verdünnisieren. Außerdem war ich froh, mal für ein paar Stunden nicht unter 100 Künstlern zu sein.

    „Sind sogar über hundert“, sagte ich schlau. „Wenn wir Nummer 102 haben.. und es sogar noch eine Nummer 103 gibt…“

    Ein begabter Mathematiker offenbarte sich seiner Zeit.

    Punkt neun begannen wir unter unserem Baldachin-Zelt mit der Nr. 102 mit dem Aufbau der beiden Tapeziertische, direkt vorm örtlichen Penny-Markt und der Filiale einer Schuhladenkette. Jetzt mussten wir nur noch all die mitgebrachten Werke der Gräfin unterbringen. Auf einem mit roten Tuch drapierten Tapeziertisch platzierten wir zwei ihrer großen und kleinen Präsentationsmappen mit Illustrationen, daneben die zwanzig extra für diesen Markt gefertigte schräge Froschkönige und Froschköniginnen aus Gips. Im Hintergrund lauerten größere Öl-und Acryl-Bilder, kleinere Tisch-Staffeleien lockten mit Tuschezeichnungen, und das war noch nicht alles. An einer Wäscheleine von Zeltstange zu Zeltstange befestigte sie eine Handvoll Zeichnungen, jede einzeln in Zellophan eingetütet.

    Die Nachbarn von Stand 101 kamen aus Xanten. Freundliche Leute, im Gegensatz zu den beiden vom Leben enttäuschten Mitdreißigerinnen von Stand 103. Sogar ihr großes schwarzes Gelände-Auto strahlte Verbitterung aus. Sie hielten sich für großartige Fluxus-Künstlerinnen, dabei war das einzige, was sie auf die Reihe kriegten, ihre unnachahmliche Art, die Nase hoch zu tragen, trotz der winzigen Stupsnäschen.

    „Na, immerhin“, so die Gräfin.

    Der Nachbar aus Xanten erinnerte mit seinem Vollbart an einen gemütlichen Kneipenwirt, und tatsächlich sahen wir ihn in den folgenden beiden Tagen meist gegenüber im italienischen Eis-Cafe sitzen, doppelte Espresso schlürfen und herzhaft gähnen wie ein verdienter alter Trüffelhund.

    „Meine Frau ist die Künstlerin“, erklärte er.

    Seine Frau bemalte Kartons mit rosa Ferkeln für 7 Euro das Stück. Die gleichen Motive fanden sich auch auf viereckigen Tafeln in Fliesengröße, für je 3 Euro. Das Ganze war talentfreier Humbug, aber was solls. Wahrscheinlich verkaufte sich der Kram sogar. Die Beiden hatten ein kleines Radio dabei, das leise und beinah unbeachtet im Hintergrund lief, bis plötzlich Elvis Presley anhob, „Viva Las Vegas!“

    „Lauter!“ rief die Gräfin sofort.

    Die Live-Version klang so rasend schnell, als wären bei der Aufnahme sämtliche Instrumente in den Windkanal geraten, und doch befand sich alles an seinem gewohnten Platz. Und genau in diesem Augenblick stapfte, wie gerufen, ein Cowboy durch die Fußgängerzone, stilecht in Brokat-Weste und Stiefeln mit Sporen, einer engen roten Jeans sowie einem High Noon-Gang, als wäre er auf dem Weg zur nächsten Whiskey-Bar.

    „Genialer Gang“, lobte ich, doch die Gräfin hatte den besseren Blick und schwächte ab.

    „Der kann nicht anders. Der muss so gehen.“

    „Wieso?

    „Na, der hat einen Klumpfuß.“

    Sie weiß ja überhaupt eine Menge Sachen, von denen ich keinen Schimmer habe. So kennt sie zum Beispiel den Grund, warum selbstgemachter Kräuterquark so viel besser schmeckt als die Fabrikvariante von Milram: es fehlt der anerkennende Pfiff der Hausfrau, den sie beim Abschmecken mit Gewürzen und Kräutern ausstößt, wenn es GENAU JETZT recht ist.

    „Ich meine, woher soll so eine Maschine in der Milchfabrik von Milram denn auch wissen, dass sie JETZT pfeifen muss? Die hat doch keine Lippen zum Pfeifen, die Maschine.“

    Auch weiß ich oft nichts von den profanen Dingen des Alltags, an denen man merkt, dass die Welt sich ändert. Da wäre das veränderte Verhalten von Nudeln, wenn man aus Versehen zu wenig Wasser in den Kochtopf gibt. Noch vor wenigen Jahren kam dabei eine ungenießbare Pampe heraus, die Teigwaren pappten aneinander und das wenige Wasser war komplett verdampft. Wenn einem so ein Fauxpas heute unterläuft, mit der neuen Generation von Teigwaren, verhalten sich die Nudeln auf engstem Raum so aggressiv, dass sie sich gegenseitig verhackstücken und auffressen: Nudeln weg, Wasser weg, Topf angebrannt, Rauchmelder spielt verrückt

    „Die Dinge ändern sich“, erklärte die Gräfin geduldig, „und niemand weiß, warum gerade jetzt.“

    Um die Mittagszeit tauchte an Stand 102 der Vater der Gräfin nebst Lebensgefährtin auf. Der Vater der Gräfin mit seiner wunderbar krumm gewachsenen Nase, einer Bogenlampe, wie mit Effet geschossen direkt aus dem Gehirn. Er erwarb zwei Froschköniginnen aus Gips sowie eine lustige Maske aus Gips, das sogenannte Arschmündchen.

    Punkt 13 Uhr kaufte eine Kundin aus Saarbrücken die Schwarz-Weiß-Zeichnung „Warten“ für lausige sechzig Euro. Lausig, weil ich am liebsten jede Zeichnung der Gräfin selbst aufkaufen würde, damit alles schön in der Familie bleibt, und sechzig Euro war sowieso ein Witz. Die Saarbrücker Dame wünschte eine extra Signierung. Für Erika.

    „So, jetzt haben wir auch in Saarbrücken eine Zeichnung von mir“, sagte die Gräfin. Das fand sie wichtiger als Geld. „Obwohl Geld auch gut ist.“

    Wie abgemacht, fuhr ich mittags mit dem Bus nach Hause, um Frau Moll zu befreien. Weil die Verbindungen nicht so klappten, wie sie hätten klappen können, benötigte ich geschlagene zwei Stunden, bis ich den Schlüssel endlich ins Schloss steckte und der Hund von innen co-schnaubend die Türe aufstieß, wie ein wilder Stier, wütend und beleidigt.

    Und mollig.

    Wir gingen eine Runde spazieren und trafen den alten Rumänen mit seinem Schäferhund Spikey, der sich gleich über Frau Moll her machte. Die beiden hatten ein ruppiges Spiel, das in dieser Art nur von den beiden gespielt wurde: sie rasselten aneinander, dass die Rippen nur so krachten.

    „Spikey ist ein ganz aktiver Bursche“, sagte der Rumäne, das sagte er eigentlich immer, wenn wir ihn trafen. „Der ist seit zwei Wochen steif, der arme Bursche. Der hat eine Dauerstange.“

    Der Ton, in dem er das sagte, war nicht die Bohne anzüglich, es klang eher, als schwärmte er von Kartoffeln, die eingekellert immer noch am besten schmeckten. Und dass Frau Moll nicht läufig war in diesen Tagen beruhigte ungemein.

    Als ich gegen halb fünf wieder das westliche Ende der langgestreckten Hildener Fußgängerzone erreichte, sah ich schon aus einiger Entfernung neben der Gräfin zwei Gestalten am runden Campingtisch sitzen, bei uns unterm Baldachin. Erst vermutete ich potente Bildaufkäufer, die ihre Scheinchen zählten und verhandelten, doch dann erkannte ich die beiden, es waren Pia und Moritz. Ausgerechnet. Wo kamen die denn her?

    „Aus der Paar-Therapie!“ grölte Pia, Pulle Export in der Hand. Sie zeigte auf ein Sixpack unterm Tisch. „Es gab kein Weizen im blöden Penny!“

    Sie drückte mir nassforsch ein Küsschen aufs Maul.

    „Lang nicht mehr gesehen“, sagte ich zurückküssend.

    „Na, euch sieht man ja überhaupt nicht mehr“, meinte Moritz, krebsrot im Gesicht von der ungewohnten Junisonne. Sein Haar hing fettig und strähnig herab. Er kriegte kein Küsschen.

    „Wasch dir mal die Haare“, sagte ich.

    „Die SIND gewaschen!“ dröhnt Pia. „Das ist ja die Scheiße!“

    „Wie, mit Hühnersuppe?“ gab ich zurück.

    Ich stand hinter der Gräfin und kraulte ihr durchs Haar. Sie sah angestrengt aus. Müde. Der Herpes war größer geworden und rot wie lange nicht, ein Feuerknubbel an der Oberlippe.

    „Hier, nimm eins“, meinte Moritz und reichte eine Flasche Bier rüber.

    Die Gräfin hatte Pia Wochen zuvor erzählt, dass sie dieses Jahr auf dem Hildener Kunstmarkt mitmachen wolle, und da Moritz und Pia zufälligerweise in der Nähe eine ambulante Drogen-Therapie machten, hatten sie sich gedacht, „gucken wir einfach mal bei euch vorbei. Sonst sieht man euch ja nicht mehr.“

    Die Therapie war in der sechsten Woche. Sollte sie nicht erfolgreich abgeschlossen werden, war Moritz seinen Job an der Musikschule los, wo er seit zwanzig Jahren ununterbrochen beschäftigt war.

    „Ich bin dauernd eingepennt, das fand mein Chef irgendwann nicht mehr lustig und hat mir die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder du gehst in Therapie oder du bist draußen.“

    In sechs Wochen war er beim Drogen-Screening fünfmal positiv gewesen.

    „Müsst ihr unter Sicht pinkeln?“ fragte ich.

    Moritz nickte. „Ist ja die Scheiße. Sonst wär ich bestimmt nicht so oft aufgetitscht.“ Er nahm einen Schluck Bier. „Überhaupt wäre ich schon dreimal rausgeflogen, würde Pia nicht so einen straighten Eindruck auf die Therapeuten machen. Fast so, als hätte sie zu nichts mehr Bock auf der Welt als auf das Cleansein.“ Er gluckste. „Und aufs Cleanbleiben.. Vor allem aufs Cleanbleiben.“

    „Na, wenn ich darauf warte, dass du so weit bist und aufhören willst, kann ich lange warten“, gab Pia zurück.

    Moritz hatte also zwei Gewehrläufe im Genick, den von seinem Chef und den von Pia. Wobei das Gewehr von Pia eine doppelläufige Schrotflinte war, jede Wette. Während ich mit Moritz ein Bier trank, das ich kaum runterkriegte, beschwerte sich Pia bei der Gräfin über ihr Leben. Das hatte sie schon immer gern gemacht. Damit verschaffte sie sich Luft, um über die Runden zu kommen.

    „Mein Leben besteht nur aus warten. Immer nur warten, warten, warten. Und dann bin ich trotzdem zu spät dran.“

    „Sag mal, ist deine Brille enger geworden oder wird dein Schädel allmählich dick?“ grinste Moritz mich an.

    „Wieso?“

    „Weil sich der Bügel der Brille in deine Schläfen eingräbt. Das ist ja ne richtige Furche geworden. Ne richtige.. Fett-Furche.“

    „Was fürn Fett, du Blödmann?“

    „Na, da an deiner Schläfe! Das Fett!“

    „Soviel Fett wie du in deinem Haar hast, krieg ich im Leben nicht zusammen.“

    Pia und die Gräfin, die sich von Kindesbeinen an kennen, holten sich gegenüber beim Italiener ein Eis und kehrten verschworen kichernd zurück.

    „Der Moritz geht alle vier Wochen duschen, wenn’s hoch kommt. Der hat ne Haut wie ein alter Dattel-Opa.“

    „Alle vier Wochen..? Niemals!“ protestierte Moritz und wechselte das Thema. Die Gräfin zwinkerte mir zu: so viel hatten wir den Moritz seit Jahren nicht mehr reden gehört, nicht am Stück. Pia und er schienen tatsächlich clean zu sein, wenn man mal vom Bier absah. Ein bißchen erinnerten sie mich an früher, bevor alles losging, bevor das Heroin Trottel aus uns allen machte. Reduzierte Trottel, reduziert auf die Suche nach dem Schoß der Ur-Mutter. Obwohl es nicht falsch war, Heroin zu nehmen. Es fühlte sich gut an.
    Es war eine runde Sache, bis auf den Schluss. Als plötzlich klar wurde, dass der Körper unter Einfluss von Heroin nichts anderes im Sinn hat als Sterben üben.

    Moritz lachte sich scheckig über das Wort „nassforsch“, das in irgendeinem Zusammenhang fiel, und doch war alles eine Spur zu überdreht, die Atmosphäre am Stand war nicht echt, und plötzlich, er saß außerhalb des Zeltdachs in der knalligen Sonne, kippte Moritz vom Campingstuhl und kotzte noch im Fallen im hohen Bogen aufs Pflaster. Erst dachte ich, er erleidet einen Herzinfarkt oder einen Augeninfarkt oder was weiß ich, was so ein Körper so alles an Infarkten hergeben kann, wenn man so vehement vom Stuhl fliegt, doch die Bierkotze zeigte rasch, woher der Wind wehte.

    „Wenn Moritz schon mal das Maul aufreißt, muss er natürlich gleich kotzen, ist klar“, sagte ich und Pia dröhnte los mit ihrer rauen Blueslache, noch verstärkt von Speiseeis, „hohoo hooh, ich hab vielleicht einen Männe geheiratet, echt, ho hooh..!“

    Seltsamerweise bekam niemand etwas davon mit. Weder das samstägliche Penny Markt-Publikum, das sich immer zahlreicher durch die City schob, noch die Kundschaft beim vollbesetzten Italiener. Auch die übrigen Leute, die durchs Bild liefen und weder der einen noch der anderen Fraktion angehörten, störten sich am mit Kotze besudelten Asphalt.

    Erst als Pia sich lauthals darüber aufregte, was das für ein Pack sei, das sich außer Moritz und ihr in der Paar-Therapie tummelte, (und wo sie schon mal dabei war, zog sie gleich über Hunde in der Stadt her, große Hunde, denen es tatsächlich gelang, in der Fußgängerzone auf einen meterhohen Begrenzungsstein zu kacken: „Sag mal, wie schafft so eine Dreckstöle das eigentlich?! Kann mir das mal jemand bitte erklären, wie die ihren Arsch so hoch kriegen!?“), da erst da blickten zwei potentielle Käuferinnen von Kunst pikiert auf, die in einer Präsentationsmappe der Gräfin schmökerten. Und dann rasch Leine zogen. Worauf Pia rot wurde.

    Zumal die Nachmittagssonne just in diesem Augenblick ihren Spot auf die leeren Export-Pullen lenkte, vermutlich weil sie nun leer waren. Voll waren solche Flaschen weit weniger sensationell. Für die Sonne.

    Pia und Moritz blieben bis Marktschluss um sechs, wobei die beinah schon hysterisch gute Stimmung der beiden nach Moritz‘ Kotzattacke, der noch drei weitere, eher kleine Sprüher folgten, („Eh, du Lama, hör mal auf!“), ins Gegenteil umschlug: massives gegenseitiges Anschweigen.

    Dann:

    „Seid ihr jetzt etwa sauer..?“ fragte Moritz und schien es kaum zu fassen. Ausgerechnet der Glumm, der früher ins Mumms gepisst hatte, so wie Gott ihn schuf. Nicht heimlich in die Ecke oder unter den Tisch, nö, mitten im Gespräch und von den umstehenden Leuten unbemerkt öffnete ich den Hosenstall, hing den Lümmel raus und ließ laufen, ausgerechnet der Glumm schämte sich für seine alten Freunde und einen kleinen Kotzer??

    „Quatsch!“ entgegnete ich, aber so ganz sicher war ich mir da nicht, denn immerhin, „du hättest ja eins von den Bildern vollkotzen können. Oder das Skizzenbuch.“

    „Ja, hätte ich, hab ich aber nicht“, gab Moritz zurück.

    Das Skizzenbuch der Gräfin, aus dem dieser wunderbare Ledergeruch stieg, wenn man es aufschlug, ähnlich dem Butterbrot-Täschchen, das sie als kleines Mädchen täglich mit in den Kindergarten genommen hatte, war ihr heilig, und mir auch. Ihr Skizzenbuch war mein Notizbuch. Mir gefiel nicht, wie wenig Pia und Moritz das alles wert zu sein schien, was die Gräfin hier ausstellte. Wieviel Arbeit dahinter steckte. Das war auch der Grund, warum wir uns so entfernt hatten von vielen alten Leuten. Die Gemeinsamkeiten waren nicht mehr da. Aber sicher war ich mir nicht bei alledem, ich wusste nicht, ob ich auf dem richtigen Dampfer war. Oder wie die Gräfin zu sagen pflegte: Ich bin mir selbst zutiefst suspekt. Wenn ich mich treffen würde da draußen, ich hätte alle Alarmglocken an!

    „Es ist dieser leckere Mix aus Brot und Leder, der mich so glücklich macht und jedes Mal an die Kindheit erinnert, wenn ich das Skizzenbuch aufschlage“, meinte sie jetzt, „glücklich und auch ein bißchen hungrig.“

    „Hat er ja nicht vollgekotzt“, lenkte Pia ein. „Ist ja nichts passiert. Es riecht nicht mal nach Kotze hier.“

    Pia, die keine Spur Reaktion gezeigt hatte, als Moritz vornüber vom Stuhl gekippt war. Sie hatte es sich angeguckt wie einen Spot gegen Alkohol am Steuer, den man nicht ernst nehmen kann, weil man zu oft schon blau gefahren ist und alles war gut gegangen. Dennoch ging es auch Pia irgendwann auf, dass zorniges Auskotzen an Stand No. 102 geschäftsschädigend war für die Künstlerin, und versuchte Wiedergutmachung.

    „Müssen Sie mal überlegen, so ein Bild hält doch ewig“, versuchte sie einer Dame eine Zeichnung der Gräfin schmackhaft zu machen. „Ein Paar Schuhe fällt irgendwann auseinander, selbst wenn es gut verarbeitet ist und 250 Euro kostet.“

    „Da sagen Sie was“, murmelte die Dame und eilte weiter, damit man sie nicht darauf festnageln konnte, womöglich.

    „Scheiße Mann, bist du vernünftig geworden“, beschwerte sich Moritz bei mir, weil ich kein Bier mehr trank, nicht mal die Flasche Export bekam ich auf. Ich mochte kein Bier mehr. Ich konnte den Geschmack nicht mehr ab, ich mochte die Wirkung nicht mehr. Ich wünschte mir zwar manchmal, voll zu sein, mich nochmal richtig abzuschießen, aber ich bekam es nicht mehr hin. Es war vorbei. Drogen entspannten mich nicht mehr. Nur das Methadon ließ ich mir nicht nehmen.

    „Alkohol deprimiert mich nur noch“, sagte ich, und Moritz blinzelte in die Sonne.

    „Das Leben müsste eine B-Seite haben“, murmelte er.

    „Genau! Einmal umdrehen die Platte!“ rief die Gräfin.

    Im übrigen erwachte ich schon nach dem kleinsten Besäufnis mit einem Mordskater. Das war die Rache der Enthaltsamkeit. Hat der Körper sich eine Droge erstmal abgewöhnt, kann man ihm nicht mehr damit kommen, oder man büßt es fürchterlich.

    Moritz, der jüngere Bruder von Karlos, erzählte von seinem ersten Rückfall nach der vierzehntägigen Entgiftung, die man standardmäßig vor einer Therapie absolvieren muss.

    „Zu Hause hab ich mir erstmal einen Zwanni geholt“, sagte er, den Zwanni betonend, weil er zuletzt schon einen Hunni brauchte, um überhaupt so etwas ähnliches wie Euphorie zu spüren. „Einen beschissenen ZWANNI, musst du dir mal vorstellen. Davon bin ich so abgekackt, dass ich die ganze Nacht im Auto gesessen hab und mich nicht mehr rühren konnte. Die Sonne ging schon auf, da bin ich endlich wach geworden und nach Hause gefahren.“

    „Und, was meinte Pia dazu? War sie sauer?“

    „Sauer? Pfft! Ihre erste Frage, als ich zu Hause reinkomm: Hast du noch was übrig?“

    Wir gackerten alle vier.

    Nacht von Samstag auf Sonntag. Die Forscher, die heute noch darüber rätseln, wie das Leben auf die Erde gekommen ist, sollten einfach mal früh aufstehen, im Juni, gegen vier Uhr dreißig, wenn die Sonne aufgeht. Es sind die Vögel, die mit dem Licht kommen und das erste Lied des Tages zwitschern. Leben beginnt mit Gezwitscher, jeden Tag aufs Neue. Das ist alles.

    Sonntag, elf Uhr und neun Minuten. Zweiter Markttag. Sobald etwas Wind aufkam, kippten Leinwände um, kleine Staffeleien folgten auf dem Fuße. Immerhin, die in durchsichtigen Hüllen eingetüteten Zeichnungen, die wir am Sonntag auf Stange präsentierten, an einem Kleiderständer von IKEA, an der linken Standseite, hielten den Windböen stand.

    Es begann zu regnen, dicke einzelne Tropfen zunächst, dann wurde der Regen stärker, begleitet von Windböen. Wir waren eine Stunde lang nur damit beschäftigt, alle Bilder, eben erst aufgestellt und großzügig um den Stand herum verteilt, unter den Baldachin verstauen, damit nichts nass wurde.

    „Dieser scheiß Herpes, das schillert und pocht vielleicht in meiner Lippe..“, murmelte die Gräfin. „Überhaupt, ich glaub, das mit dem Markt war keine gute Idee. Alles ist zu hektisch hier, und in mir ist ein Schrei nach Ruhe, nach Mäßigung, nach wenig – dieses Wenige aber richtig machen.“

    Genau da trafen wir uns, die Gräfin und ich, wie wir uns in den vergangenen Jahren schon so oft getroffen hatten, am gleichen Punkt. Nach den Neunzigern, verbraten mit Stoff und Warten, waren nun die Nuller an der Reihe, der Start der Ochsentour. Die schönen Jahre.

    Als die Gräfin gerade nicht am Stand war und ein Passant des Weges kam und sich erkundigte, ob die ausgestellten Bilder von mir wären, sagte ich, nee, die sind von meiner.. ja, was? Wenn man so lange zusammen ist mit jemand, aber nicht verheiratet ist, was sagt man dann? Meine Freundin? Klingt zu teeniemäßig. Zu vorübergehend. Nein, Freundin passt nicht nach mehr als zwanzig Jahren Zusammensein. Meine Frau? Ist am ehesten richtig, stimmt aber nun mal nicht, seid wann seid ihr denn verheiratet, warum habt ihr nicht Bescheid gesagt? Und meine Partnerin, meine Lebensabschnittgefährtin? An sich okay, doch…

    Die erste unbemannte Rakete, von den Russen geschossen in den Weltraum, hieß Sputnik. Zu deutsch Weggefährte, Begleiter. Genau.

    Sie ist mein Sputnik.

    Vielleicht lag es am Wetter, dass es mit ihrem Herpes an diesem Samstag genausowenig besser wurde wie mit den Verkaufsziffern. Meine Prophezeiung, dass der Sonntag der finanztechnisch stärkere der beiden Markttage werden würde, („weil dann die Penny Markt-Laufkundschaft wegbricht“, „mehr Kunstinteressierte unterwegs sind“) entpuppte sich als Trugschluss. Die Deutschen hielten 2009 ihre Kröten beieinander, so kurz nach dem Crash, als wären es glitschige grüne Viecher, die, einmal aus der Hand gegeben, niemals wiederkehrten.

    Überall standen Künstler und steckten die Köpfe zusammen und stänkerten über das maue Einspielergebnis. Sie sahen aus wie Höhlenmenschen, die man in ein Kaufhaus geschubst hatte, und jetzt war das Geschrei groß. Oder klein. Einzig ein Kalligrafie-Stand, wo man seinen Vornamen auf Chinesisch mitnehmen konnte, sahnte ordentlich ab, und ein zweiter Stand, an dem eine wohlfeil kommunizierende Dame mittleren Alters irgendwelche Skulpturen verhökerte, lief auch gut.

    Was mich überraschte: dass die kleinen, mühsam angefertigten Froschköniginnen und Könige der Gräfin nicht weggingen. Darauf hätte ich jede Wette angenommen.

    „Zwölf Euro das Stück? Nee, das ist zu teuer, um mal eben so mitzunehmen“, hatte Pia schon gemeint.

    „Dabei hätte ich eigentlich 30 Euro je Figur nehmen müssen“, sagte die Gräfin. „Hauptform aus Modelliermasse, Silikonabdruck, mit Gips gefüllt, Voranstrich mit Emaille-Lack, Nachanstrich, die Korrekturen, und keine Figur ist wie die andere. Jede ist ein bißchen anders. Einzigartig, und kein Maschinenguss.“

    Das wechselhafte Wetter trug nicht gerade dazu bei, dass Besucherekorde purzelten. Wir hatten Zeit, eine Zigarette zu rauchen und uns zu unterhalten.

    „Meinst du, wir haben noch fünfzehn Jahre Zeit?“ fragte sie.

    Sie hatte irgendwo gelesen, dass es fünfundzwanzig Jahre braucht, um seine Ziele zu erreichen, und fünf Jahre waren schon um. Fünf Jahre, die wir uns abmühten mit der Kunst.

    „Aber Ziele erreichen..? Haben wir denn Ziele?“

    „Ja denn nicht!??“ sagte sie.

    Na gut. Ich rechnete im Kopf.

    „Das wären noch zwanzig Jahre Zeit, das könnte eng werden, rein rechnerisch, aber wenn wir Glück haben.. viel Glück, ja dann .. könnte es klappen..“

    Die Skepsis beruhte auf die Einbeziehung der vergangenen Drogenjahre. Drogenjahre zählen doppelt. Oder dreifach, je nach Theorie und Ansatz. Doch sie war schon woanders mit den Gedanken. Sie zählte ihren Pulsschlag. Das tat sie täglich. Es gehörte zu ihrem neuen Gesundheitsbewusstsein: wissen, was los ist im Körper. Dazu brauchte sie meine Hilfe.

    „Sag Bescheid, wenn fünfzehn Sekunden um sind.“

    Die Zahl der Pulsschläge, die sie in dieser Zeitspanne zählte, multiplizierte sie mit vier, so kam sie auf ihren Minutenwert.

    „Wann? Ab jetzt?“

    „Nein.. ab……………………………………. jetzt!“

    Fünfzehn Sekunden, fünfundzwanzig Jahre. What a difference a day makes. Vom Überbrühen der Zeit.

    Gegen 13 Uhr machte ich mich auch am Sonntag auf nach Solingen, um Frau Moll zu befreien. Kaum daheim ging ein kurzes heftiges Gewitter nieder. Auf dem Weg zum Sportplatz fanden der Hund und ich tote Frösche und eine abgestürzte Libelle im Schattenwurf der Häuser. Die Flügel der toten Libelle glitzerten im Sonnenlicht. Sie war im Sturzflug gecrashed. Die Frösche eher schockgetötet. Seltsamerweise arrangierte sich Frau Moll schneller mit der ganzen ungewohnten Situation als gedacht. Als ich mich verabschiedete, mit einem Kalbsknochen, lag sie auf ihrer Decke und war schon eingeschlafen

    Auf dem Rückweg begann es erneut zu regnen, aber so vereinzelt, als schämte sich der Regen, uns Menschen zu belästigen. Als wäre er lieber entweder gar nicht vorhanden oder ein echter, ein authentischer Regenschauer, aber nicht so ein unentschiedenes Getröpfel. Mann, war der Regen mies drauf an diesem Sonntagmittag im Juni 2009.

    16 Uhr 16, Ausstieg Hilden-Süd. Der Regen hatte sich verzogen. Übrig blieb ein graues Tuch, das sich übers Land legte – wattierte Luft in Hilden. Wo ich geboren wurde. Ich bin aufgewachsen in Solingen, aber geboren, wie viele meines Jahrgangs, im Hildener Kreiskrankenhaus, das von schweigsamen Nonnen betrieben wurde. Hilden war DIE Geburtsklinik der frühen 60er Jahre. Hier bin ich aus der Mutti geschlüpft im September 60, und wenn man sich tief bückt, ganz tief, bis man mit der Nase bald das Pflaster erreicht, dann, so meine ich, riecht man sogar heute noch davon, von der Geburt des Glumm.

    Rückstände.

    Zurück an Stand 102. Hallo, Schatz. Endlich. Ich hab keine Lust mehr. Sollen wir aufbrechen? Geht nicht. Die Kaution gibt’s erst zwischen fünf und sechs zurück. Solang müssen wir noch ausharren. Der Sonntag, Totalausfall. Wir hätten Drucke anbieten sollen. Keine teuren Originale. Nächstes Mal.

    „Gibt kein nächstes Mal.“

    Was auffiel: die Leute, die stehen blieben und die Muße hatten, sich auf die Bilder und Illustrationen einzulassen, (oder die einfach mal in der Mappe blätterten und die eingetüteten Zeichnungen durchsahen), waren durch die Bank allein unterwegs. Es sind die Einzelgänger, die Augen im Kopf haben. Die allein unterwegs sind, allein wie dieser junge Typ in Sporthöschen und Schlappen, der nur eine Abendrunde drehen wollte und sich, ein bisschen eingeäschert noch in der Wahrnehmung vom vielen Nachmittags-Fernsehen, plötzlich im Witz der Gräfin verfing: er blickt immer wieder aufglucksend hoch von ihrer Mappe und suchte den Blick der Künstlerin.

    Schön auch die doofe Kuh, die, als die Gräfin mal wieder gegenüber beim Italiener war und Kaffee holte, auf mich zusteuerte und fast aufsässig fragte, ob das eigentlich Absicht wäre.

    „Hm? Was?“

    „Na, das Bild da! Dass die Frau mit der Zigarette im Mund wie ein kleines Mädchen aussieht!“

    Als wäre es der Gipfel der zivilisatorischen Unverfrorenheit, im Jahre 2009 ein Mädchen (Tusche/Ölkreide/Pastellkreide, 80 x 60 cm) zu zeigen, das lasziv an einer Zigarette saugt, auf einem Barhocker sitzend.

    „Hm, ja, ich schätze, das ist Absicht.“

    Ich ging auf das Bild zu, das auf einer Staffelei ruhte, und guckte es mir aus der Nähe an.

    „Wenn Sie mal ganz nah rankommen, können Sie sogar sehen, die Sau trägt nix drunter.“

    Doch da war sie schon weg.


    Einsortiert unter:Biografie ]]>
    Wed, 20 Sep 2017 09:12:32 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Blauzahn ohne Bose. Das Arbeitsjournal des Mittwochs, den 20. September 2017. http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/blauzahn-ohne-bose-das-arbeitsjournal-des-mittwochs-den-20-september-2/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/blauzahn-ohne-bose-das-arbeitsjournal-des-mittwochs-den-20-september-2/ [Arbeitswohnung, 8.57 Uhr]
    Tatsächlich den ganzen Tag gestern gebraucht, um das Nettbückerl wieder einzurichten. Dann aber scheiterte ich. Es wollte sich partout nicht mit meinem Reiselautsprecher verbinden, Blauzahn erkannte ihn lange Zeit nicht, dann immer mal kurz, aber eine Verbindung kam nicht zustande.
    Also heute morgen seit sechs herumgeforscht, woran es liege könne. Und dann, vor einer dreiviertel Stunde zeigte mir der >>>> Driver Booster Jetzt werden die Treiber grad aktualisiert, was alles viel Zeit kostet. Aber an einem Gerät, das gerade bei Musik versagt, habe ich keine Freude.
    Noch kann ich nicht absehen, wie lange der Prozeß insgesamt während wird, auch wenn es mich andererseits zur Arbeit... ja, treibt. Neue TS-Seiten von der Contessa sind da; da ich mich morgen früh mit ihr im Kempinski zum Frühstück treffe, hätte ich sie gerne fertig.
    Wir werden sehen.

    Eckers heutiger Text, der >>>> dem neuen Band den Titel gab, ist einigermaßen kafkaesk. Ein Schiff wird beladen, das niemals kommt... „und wenn nicht einmal deine Verwandten dir helfen können, wer dann?“

    [*: Wenn ich schon ein Programm verwende, das mir kostenkos hilft, ist es nur fair, es auch zu bewerben, und sei's nur durch wie oben den Link.]

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    Wed, 20 Sep 2017 07:18:28 +0000
    Nymphenbad : Kältekontainer http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/kaltekontainer.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/kaltekontainer.html

    Sprecher: Michael Perkampus / Sarina Mira

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    Wed, 20 Sep 2017 06:38:27 +0000
    taberna kritika - kleine formen : 20130704 http://www.abendschein.ch/20130704-2/ http://www.abendschein.ch/20130704-2/

    not
    strom
    proben rolltreppenprobleme schnellstmögliche behebungen des zwickens an haut und haar zeitschmerzen erfährt man schwaben ohne schwaben gegen bayern ohne bayern sprechen der sprache ohne sprache leichtes weissbier
    raucher vor der tür
    alles
    friert

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    Wed, 20 Sep 2017 06:15:19 +0000
    der goldene fisch : Andreas H. Drescher : 6 GESCHICHTEN OHNE PERSONAL 3 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13447 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13447 Ein leises Wanken in der Wirkung. Zwei Paare schon im Pansen. Hoch balsamisch, besser als die Krümel auf Oliven. Immer eine Handbreit vorwärts. Nach Belieben dieser Traum der Wiederholung. Belagerungen, drei Mal durch die Güte, dann aber doch starr. Die Narbe eingestanzt vor der Erregung. Noch einmal balsamisch. Vor dem roten Band. Die Zunge. Eingeritztes Auszerreissen. Fröhliche Stände, jährig, schiffend, prächtig, doch versehrt. Zutritt. Wer diesen Duft echt macht, wird bald zu einer Pfote. Einbedeutet, ausgeschlafen. Neue Ziele, beidseitig der Schrein. Milch und Kohle. Und das Dritte auch, das nicht zu sagen ist. Glaubmüde Städte. Vorgetrocknet, als die Vogelscheuchen vor dem Tritt. Der wirkliche Name. Andere. Ein Berg mit einem in den Himmel aufgesetzten Fuß. Gutgut. Pistazien. Gutgut. Unnötig rote Lippen. Ein bisschen Augenschmalz nach einem tiefen Blick. Privateste Apokalypsen. Hyazinthen, Schrecken auf und ein. Unverdauter Schrecken, zweimal höher als es selbst. Nur durch diesen Strohhalm. Weil es klimpert. Prustendes Vergnügen, bevor die Lilie sich unter oder umgekehrt. Der Form nach hager, oder eingefroren. So stockt die Milch ihr Flussbett aus. Das flüstert querer durch die Krypta als: Karfunkel, Gift, goldene Säulen. Rund wird das irgendwie. Vielleicht durch diesen Spiegel unterm Wolkenbauch. Ganz gestützt. Zwölftausend Briefe. Kinderschleudern. Liegt es daran? Getunkt und wieder eingetunkt, bis in das Knacken unterm Knie beim Aufstehn. Ein Vorfall hinterm Rücken muss ja noch kein Rückfall sein.

    WIEPERSDORF-EINSPIELUNG 3 ///// KOMPOSITION UND PIANO: JONATAN FIDUS BLOMEIER

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    Tue, 19 Sep 2017 20:30:22 +0000
    taberna kritika - kleine formen : (AN739N996:) http://www.abendschein.ch/an739n996/ http://www.abendschein.ch/an739n996/ I16 B612 D278I35
    D812 B621t M514
    D441 S688st D812 G292W816 S457n.
    D812 B621t B365S338O84E56
    I35 M514E53 H531Z54;
    V473L865E56 I87 D229 S346sS464E34n;
    N972 M989t D812 I31M552
    D213I58E56 S457n

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    Tue, 19 Sep 2017 19:20:05 +0000
    tempo.fugato : 32/17 – Eden http://mariannebuettiker.ch/tempo-fugato/3217-eden/ http://mariannebuettiker.ch/tempo-fugato/3217-eden/

    Unterschiedliche Passagen: Entwürfe und Aufzeichnungen aus dem Projekt -Eden- eine Rauminstallation: Der Wind II

    Der König ist sprachlos, der Wind spricht für ihn,
    er wendet, was ist, er durchweht was wird, er ist Wirbel,
    Winde sind so, Könige ebenso, lautlos, im Sturm.

    Lese ich Wind, lese ich Raum, sehe ich die Dinge fliegend,
    die sonst unter der Erde wachsen, wo kein Licht sie erreicht,
    fliehen die Schatten, leise, im Sturm, höre ich sie rufen.

    Unsichtbar ist alles, sage ich dir, spricht der König,
    erheben sich die Dinge aus den Winkeln der Erde,
    diese schwebenden Lichter, wie Schiffe, die Worte.

    Wachsen sie, wendet sich Zeit, der Wind,
    kehrt sie um und ein und vorüber, in mir,
    in diesem Land, durch die Jahre, ist es geworden.

    Was wir nicht sehen, ist so geblieben,
    unsichtbar, in unseren Augen, wie die Schatten
    die uns stehen lassen, wo die Farbe fehlt,
    entfacht sie das Licht.

    ]]>
    Tue, 19 Sep 2017 14:41:13 +0000
    Nymphenbad : Ball & Bällin http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/ball-ballin.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/ball-ballin.html
    Was tat sie dir? Gib es zu, sie leckte!

    Leckte sofort drauf los. Leckte deinen Bauch, leckte über deinen mons pubis, rollte wild auf dir umher. Saugte an deiner linken Brustwarze. Ich legte mich auf meinen Bauch. Du nahmst mir deinen aus der Hand, gabst ihn mir auf Steißhöhe in die Mulde meiner Wirbelsäule. Mein Nebelball stand dabei still auf dir. Glomm im Innern. Deiner rollte sich mehrmals meine Mulde hinauf und hinab, nahm Schwung auf, erklomm meinen Hintern. Biss mich.

    Wie das denn?

    Meine Bällin hüpfte auf dir. Und wie sie es tat! Zerließ sich beim fünften Aufkommen auf deinem Bauch, rann wieder zusammen, floss zu deinem Mund hinauf. Das tat deiner meiner nach, floss aber in die Spalte meines Hinterns, langsam und nach vorn. Ich schloss die Augen, fasste nach dir. Du fasstest nach mir. Mein Stimme, sie tropfte von dir auf mich, tropfte als du über mich kamst. Ich hob meinen Oberkörper an. Sie sammelte sich auf mir, umlief meinen Rücken zu beiden Seiten, küsste meine Zitzen und tropfte herab. Ich hörte dich stöhnen. Ich hörte mich. Wir hörten uns. ]]>
    Tue, 19 Sep 2017 11:53:00 +0000
    Nymphenbad : Der Pionier http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/der-pionier.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/der-pionier.html

    Da es ihm nun schon einmal passiert war, wollte er es natürlich auch
    verschweigen.
    Daß sich vor ihm Brücken bildeten, wenn er auf ein Hindernis
    zusteuerte,
    das kam erst später. Also saß er auf der Küchenbank, drückte
    sein Gesicht in die Suppe und erinnerte sich an all seine Taten,
    bei denen er die rechte Hand nicht eingesetzt hatte, verschluckte
    sich an mehreren Wintern, trug diesmal jedoch nicht so dick auf.
    "Ich sterbe", dachte er, was immer das zu bedeuten hatte.
    "Ich sterbe im Saloon zu Memphis." Und damit war der Fall erledigt.


    ]]>
    Tue, 19 Sep 2017 06:48:49 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Nettbückerl. Im Arbeitshournal des Dienstags, dem 19. September 2017. http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/netbueckerl-im-arbeitshournal-des-dienstags-dem-19-september-2017/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/netbueckerl-im-arbeitshournal-des-dienstags-dem-19-september-2017/ [Arbeitswohnung, 7.10 Uhr
    >>>> France musique contemporaine: Berio, Sequenza VI]
    Bin dabei, das Nettbückerl komplett neu einzurichten, das gestern zurückkam, nachdem es in Paris kaputtging und zur Reparatur gegeben werden mußte. Ich habe quasi ein neues Gerät, wenn auch mit alter Abdeckung zurückbekommen, auf dem nun keines meiner Programme mehr ist.
    Schöbe ich es hinaus, stünde ich am Wochenende ohne das mir wichtige Reisegerät da, wenn es nach Bonn zur Uraufführung von Robert HP Platz' Viertem Streichquartett mit Singstimme geht, die zwei meiner Gedichte, von Platz vertont, vortragen wird. Tolles Konzertprogramm sowieso: Janáceks Lettres intimes, Platzens Streichquartett, Beethovens op. 135.
    Also, habe zu tun.

    >>>> Ecker
    s Stück heute früh beginnt mit Als wer wir erwachen. Jedes Mal sei es ungewiß.
    ]]>
    Tue, 19 Sep 2017 05:38:00 +0000
    particles : shenzhen http://andreas-louis-seyerlein.de/air/shenzhen/ http://andreas-louis-seyerlein.de/air/shenzhen/ 2

    nordpol : 15.12 UTC – An diesem heutigen Tag beginne ich zu beobachten, welche und wie viele Informationen meine Schreibmaschine verlassen oder in sie hineingeholt werden, von deren Kommen und Gehen ich nichts bemerke. Das ist nämlich eine sehr seltsame Sache, gestern, während ich im Regen spazierte, wurden von meiner Schreibmaschine 187 Millionen Byte Information lautlos aus der Luft entgegengenommen, ich weiss nicht von woher präzise und warum. Tatsächlich lebe ich in einer beinahe geräuschlosen Schreibmaschinenzeit, auch das Notieren auf gläserner Tastatur ist kaum noch zu hören. Geräusche, zur Erzeugung von Information auf meiner Schreibmaschine notwendig geworden, werden nur in großer Entfernung hörbar gewesen sein, das Rauschen oder Brausen der Server irgendwo an geheimen Orten. Oder das helle Sausen und Heulen der Turbinen in Kraftwerken, die Strom für das Herz meiner Schreibmaschine erzeugen. Das Murmeln einer schlaflosen Arbeiterin nahe Shenzhen. – stop
    ping

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    AndreasLouisSeyerlein?d=yIl2AUoC8zA AndreasLouisSeyerlein?d=dnMXMwOfBR0 AndreasLouisSeyerlein?d=qj6IDK7rITs
    ]]>
    Tue, 19 Sep 2017 00:23:38 +0000
    parallalie : Ibn Hamdîs, Diwan, VII http://parallalie.twoday.net/stories/1022632918/ http://parallalie.twoday.net/stories/1022632918/ Er besingt die Liebe

    1
    Ich hab’ euch verlassen, und die Trennung von euch war hart,
    die auszuhalten weder der Körper noch das Herz vermag.

    2
    Gestorben sind die Fernen. An welchen Rat soll ich mich klammern
    jetzt, da unsere Verwandten in alle Winde zerstreut?

    3
    Wirst du bleiben, nachdem die Reiter fort sind? Wie ohne dich
    bleiben? Die Reiter sind fort.

    4
    Wie viele suchen nicht das Meer auf, Meer des Schmerzes,
    deren Auge sich für dich mit frischen Perlen füllt!

    5
    Nicht aus Haß verließ ich deine Heimstatt,
    denn die Liebe stirbt erst, wenn man sie ausgelebt.

    6
    Ich erhoffe keinen Frieden von der Zeit,
    die den Krieg entflammen ließ.

    7
    Und ist das Schicksal wohlgesinnt, oh! wie oft wird nicht
    umgänglich der Unbezähmbare und zahm der Widerspenstige.

    [Ibn Hamdîs, Diwan, VI] ]]>
    Mon, 18 Sep 2017 17:09:00 +0000
    Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen! : Tillmans Wahl-Werbung! https://nwschlinkert.de/2017/09/18/tillmans-wahl-werbung/ https://nwschlinkert.de/2017/09/18/tillmans-wahl-werbung/ Immer wenn ich einen Kulturpessimisten sehen wollte, stellte ich mich vor den Spiegel. Meistens sah er mich nur an, der Kulturpessimist, bis ich aufgab und wegguckte. Ich weiß, was Du denkst, dachte ich jedesmal, aber das half mir dann auch nicht weiter. Einmal aber guckte ich nicht weg. „Unter der dünnen Schicht Zivilisationsschminke“, sagte ich, „scharrt doch die Barbarei mit den Hufen.“ Er guckte mich verächtlich an, als wäre er völlig anderer Meinung, drehte mir seine Hinteransicht zu und ging einfach weg. Das kann er doch nicht machen, dachte ich. Kurzentschlossen folgte ich ihm, ich sprang einfach in den Spiegel hinein, rollte mich gekonnt ab und lief ihm hinterher, packte ihn an der Schulter und riss ihn herum. Er grinste mich an. „Reingetappt!“, sagte er, machte sich mit einem Ruck los und ging seiner Wege. Ich aber war hinter den Spiegel geraten, das wurde mir erst jetzt richtig klar. „Verdammt!“, rief ich verdruckst in mich hinein. Ich sah mich um. Ich befand mich in einer Location in Berlin-Mitte, wie es aussah, überall lümmelten schicke Kulturschickeristen herum, tranken angesagte Getränke aus Pfanddosen, schleckten das beste Eis der Stadt von glutenfreien Hörnchen, pusteten nach Minze duftende, nikotinfreie Wasserwölkchen aus ihren wie kubanische Zigarren aussehenden E-Zigaretten teils selbst gezeugten Kindern mitten ins fröhliche Gesicht, präsentierten ihre Tätowierungen mittels extra zu diesem Zwecks in den Designerklamotten gelassenen Löchern, bewunderten sich selbst in den rundherum angebrachten Spiegeln, wiesen wie besoffen immer wieder mit aufgestülpten Lippen schwer nickend auf die wahrscheinlich mit speziellem Klebeband auf die Spiegel geklebten Plakate, … oha, dachte ich, was mochten diese wohl bedeuten? Schwungvoll trat ich näher heran. Blumen sind schön, las ich, Wählen gehen auch. Ein Foto von der Sorte Nicht-der-Rede-wert zeigt eine Blume, Wasser, Schiff und Berge, ich trat noch näher heran und, aha, im Kleingedruckten stand es, darum geht es also, dachte ich, zum Wählengehen am 24. September des Jahres 2017 wird hier aufgerufen, Bundestagswahl! Und es wird voll durchgeduzt, ergo ist die Jugend gemeint. „Geht wählen“, schallt es also von all den Plakaten, „wählt!, aber um der Gottheiten willen nicht die AfD!“ Ein weiteres Plakat der gleichen Sorte zeigt Menschen in einer angesagten Location, die angesagte Getränke aus Pfanddosen trinken und sicher irgendwo das beste Eis der Stadt von glutenfreien Hörnchen schlecken, naja, und so weiter, Sie wissen schon. Mannomann, dachte ich, da wird die Jugend es angesichts dieser Plakate aber schön bleiben lassen, die AfD zu wählen, denn schließlich kommt diese allerbestens gemeinte Aufforderung in der für die allgemeine Aufmerksamkeitsspanne genau richtigen Länge, Breite, Höhe und Größe daher, ist nicht weiter kompliziert und außerdem von eben den Menschen aus eben den Kreisen verfasst, in die doch alle Jugend hinein will. Feiern gehen, pastellfarbene Plakate angucken, angesagte Locations besuchen, das beste Eis der Stadt schlecken und so weiter. Welch herrliche Aussichten! Geht wählen! Und da rede noch einer von Kulturpessimismus, donnerwetternocheins!

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    Mon, 18 Sep 2017 11:36:11 +0000
    Nymphenbad : SSB - 4 - Nach dem Sturm, Einschub 1 (Der Böhmwind) http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/ssb-4-nach-dem-sturm-einschub-1-der.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/ssb-4-nach-dem-sturm-einschub-1-der.html


    Die Augenbirnen in den Nußschalen, in regengebadeten Prismen, also ein künstliches Land. Ohne mich zu kennen, bin ich gerannt und schüttelte Hände im Sturm Alabasters, die Sagen vergessen das Land unbekannt. So stehen die Ritter bei Grabe und schmettern Gewölk vom Gesicht in die Tiefe aus den Höhlen der Mesmerei, dort hatten sie einst Schafe erschaffen mit Wolle durch silberne Lettern und Angst an der Wand stets in Blei. Es scheint mir alles zu sein und ich weiß nicht : es scheint eine Art Stille zu sein, die uns in ein Vakuum fließen läßt und ich weiß nicht : es scheint eine Art Verzweiflung zu sein, die uns einander näher bringt.

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    Mon, 18 Sep 2017 07:50:00 +0000
    Nymphenbad : Empfinden und Loch http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/empfinden-und-loch.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/empfinden-und-loch.html Mon, 18 Sep 2017 06:47:00 +0000 Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Sand. Das Arbeitsjournal des Montags, den 18. September 2017. http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/sand-das-arbeitsjournal-des-montags-den-18-september-2017/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/sand-das-arbeitsjournal-des-montags-den-18-september-2017/ [Arbeitswohnung, 7.10 Uhr
    >>>> France musique contemporaine: Miroglio, Edinger, Prin, >>>> Magnetiques et tremplins]
    Heute habe ich Zeit, die Arbeit an der Kark-Jonas-Erzählung fertig zu bekommen; ich schloß gestern die Korrekturübertragung des Ghostromans ab, soweit ich Typoskript hatte. Der nächste Stoß geht heute in die Düsseldorfer Post, wird vor übermorgen nicht hier sein. Hatte gestern in Whatsapp den Eindruck, es werde der Contessa die Angelegenheit allmählich zu zäh. Wegen der vielen Rückänderungen zieht sie sich tatsächlich, zieht sich und zieht sich. Doch mit etwas Glück wird die lektoratsfertige Fassung zur Buchmesse vorliegen.

    Ein neues Gedicht begonnen: en route; bisher aber nur vier Verse, auch nur skizziert: um den Lufthauch einzufangen. Konkretion, schrieb ich meiner Lektorin, sei das Fundament, immer.

    Dabei hatte ich erst mit abermals Verdi anfangen wollen: La forza del destino. Schnell wurde es mir zu, wie sag ich? weich? und surfte zu France musique, siehe oben, hinüber. Aber auch dort kommt immer der Moment, da ich den Kitsch nicht aushalte – stets dann, wenn es „minimal“ wird, wenn die ewige Wiederholung droht, die den neuen „Schön“klang, so mein Instinkt, rechtfertigen soll. Ich will ihn, diesen Klang, einmal „flaches Pathos“ nennen. Weil nur die dünne Fläche bleibt. Dann doch lieber Verdi wieder. Auch Gänsechöre werden, wenn modern, nicht besser. Selbst Presley bekam einen Lachanfall dabei, freundlich aber höhnisch.

    Mein Zustand hat einen durchgezogenen grauen Grund. Bisweilen springe ich lachend über ihn hinweg und steige dann für Momente hoch über ihn auf; dann wieder spüre ich ihn an mir ziehen, und ich verliere die Höhe. Etwa der mir so wichtige Mittagsschlaf funktioniert derzeit gar nicht. Ich lege mich für eine Stunde hin, drehe mich nach fünfzehn Minuten aber wieder vom Lager, unruhig ungut, will dann arbeiten. Arbeit ist ein Sand, um den Kopf hineinzustecken – eigentlich aber, um mit ihm das Herz zu bedecken. Nicht die Pumpe, nein, sondern das metaphorische.
    Gut tut >>>> die Huxley-Lektüre. Welch Reichtum an Bildung, an Stil, an vollendeter Charakterzeichnung! Welch böser Witz oft! Und welche Wahrheiten!

    „Modern leben heißt rasch leben“, fuhr sie fort. „Du kannst heutzutage nicht eine Wagenladung Ideale und Romantik mit dir herumschleppen. Wenn man im Flugzeug reist, muß man sein schweres Gepäck zurücklassen. Die gute altmodische Seele war etwas ganz Schönes, als die Leute noch langsam lebten, aber heutzutage ist sie zu gewichtig. Es ist kein Platz für sie im Flugzeug.“

    Und sieben Seiten weiter:

    „ (...) Sicherheit über alles. Schmerzlose Literatur. Keine Vorurteile extrahieren oder Ideen einhämmern ohne ein anästhetisches Mittel. Die Leser beständig unter einer Art Narkose halten. Ihr seid alle eine hoffnungslose Gesellschaft.“

    1928 ! wohlgemerkt, bzw. auf Deutsch 1951.

    Aber nun, bevor ich an den Kark-Jonas weitergehe, >>>> den seit gestern täglichen Ecker. Das heutige Stück heißt „Für ein Lesebuch der Oberstufe“ und beginnt folgendermaßen: „In ihrem angeborenen Bedürfnis, sich nützlich zu machen, stößt man bisweilen auf die alten Götter. Einmal sah ich Prometheus, der auf dem Bahnsteig der Untergrundbahn für Ordnung sorgte.“


    Ich könnte sagen, Lampes >>>> Egger sei mein Ecker. Übrigens wieder >>>> ein sehr schöner Tagebucheintrag von ihm, Lampe. Doch erst einmal wird es Zeit für den zweiten Latte macchiato.

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    Mon, 18 Sep 2017 06:16:00 +0000
    Glumm : Mutter https://glumm.wordpress.com/2017/09/18/mutter-2/ https://glumm.wordpress.com/2017/09/18/mutter-2/ OLYMPUS DIGITAL CAMERA

    Mutter, Susanne Eggert


    Einsortiert unter:gemalt von Susanne Eggert ]]>
    Mon, 18 Sep 2017 05:37:59 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : III, 328 - Mouches http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-328-mouches/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-328-mouches/ Was ich neulich aus Eigners ‘Brandig’ über die Verwahrlosung zitiert, war nicht wirklich etwas, was ich mir bewußt vornehme, es geschieht zuweilen. Das ja. Ich empfand die Verwahrlosungsepisode als den Versuch einer Beschreibung von Glück. Eine griechische Remiszenz, ein Matala hallte nach, auch wenn keine Namen genannt werden. Dennoch die sofortige Assoziation: Kreta. Leserverhängnisse. Aber das auch wieder nur: Deine Stiefel? Meine Stiefel.
    Mittlerweile hat sich alles geändert. Und es stiefelt weiter. Wie meinethalben im >>>> ‘Tagebuch einer Kammerzofe’ da muß sie, die Kammerzofe, sich hohe Lederschuhe anziehen, auf das Geheiß des alten Patrons und vor diesem auf und ab gehen. Man findet ihn dann tot in seinem Bett mit diesen hohen Lederstiefeln, als umarmte er sie, die sie getragen. Wen? Sie oder sie?
    Und wieder eine Dame mit Hündchen. Ich saß während des Films mit ihr allein in einer Reihe vor der Leinwand (die anderen Reihen nicht mitzählend). Was schon aufregend genug war. Eine mit hoher Gestalt, die ihr Gesicht verbarg hinter einer Riesenbrille und aufgebauschtem blondem Haar. Im oberen Gang vor dem Saal über dem Chiostro drehte sie mit ihrem Kommunikationsgerät eine nie enden wollende langsame vollständige Runde, während ich den Versuch eines Small Talks unternahm, der dann an falschverstandenen Wikipedia-Artikeln scheiterte. So ein Quatsch, insomma. Sie aber saß außen rechts. Ich außen links. So daß der Ausgang mir näher war, ich auch einen Vorschlag ausschlug (einen Ausschlag vorschlagen), zu Valda zu gehen. Und schaffte es, den Chiostro zu verlassen, noch bevor Peter Stein aus ihm hervorstürmte, der ebenfalls außen rechts, aber in der ersten Reihe saß, diesmal in Begleitung eines jüngeren Mannes, der eine hübsche Stirn hatte.
    Es war auch noch einer weiterer Minihund unter den Zuschauern am Freitag. Der gehörte einem Paar. Im Film begann es zu bellen, und man hörte das Knurren der anwesenden Hündchen. Sie rechts hielt ihres beschwichtigend in ihren Armen.
    Es wäre ein hübscher Übergang zum sabbernden Hündchen, daß Eigners Ich-Erzähler bei sich hat, als er da sitzt auf dem Giordano-Bruno-Denkmal auf dem Campo de’ Fiori.
    Entre le deux coup de feu qui décidèrent de son destin, il eut le temps d’appeler une mouche: “Madame”. (René Char: Feuillets d’Hypnos)
    Auch nur aufgeschlagen wegen “Hypnos”. Fiel mir grad so ein. Dieses Wort.
    Denn seiner, des Hypnos vel Brandig, den er, der Ich-Erzähler, nicht erkennt, was sein Aussehen betrifft, wohl aber seine Stimme, wird er da ansichtig, weil von diesem angesprochen. Ich bin noch nicht am Ende. Es beginnt ein unbestimmbares Zugfahren, auf die er, der Ich-Erzähler, auf Brandigs Einladung sich eingelassen. Im Liegewagen. Paris? Immerhin geht’s an Civitavecchia vorbei. Wie aus dem Nichts ein ‘Rouge et Noire’.
    Ich wollte auch heute ins Kino gehen. Es gab ‘Die Braut trug schwarz’ von Truffaut (nunja Moreau-Retrospektive, nächste Woche ist sogar Fassbinder dabei), aber schon um achtzehn Uhr, die Arbeit hinkte ihn statt ins Hinab lediglich ans Spülbecken in der Kochecke. Es war schon zu spät. Und auch gar nicht wirklich wichtig.
    Morgen weiter in ‘Brandig’. Es ist diese merkwürdige Beziehung, die mich beschäftigt. Die eher als Vorwand dient, doch eigentlich über etwas anderes zu reden als über Brandig. Bei der Wiederbegegnung mit diesem hat er, der Ich-Erzähler auf dem Giordano-Bruno-Denkmal, Bücher unter einem Armen, von denen Brandig erst einen Bruno-Band, dann den Zarathustra hervorfischt und blätternd daraus vorliest.

    Brandig hüstelte, er stützte sich mit der freien Hand auf dem Sockelabsatz ab, auf dem ich saß.
    Die Zukunft,
    fuhr er fort,

    und das Fernste sei dir die Ursache deines Heute: in deinem Freunde sollst du den Übermenschen als deine Ursache lieben.
    Das muß man sich mal vorstellen! Sowas betete Brandig mir vor.


    Im Grunde aber suche ich selber nach Worten, die aber nicht hier, sondern ihm zu schreiben und dennoch an mich gerichtet wären. Ich türme Gebäude und schaue in die Luft, bis sich wieder alles verquickt. Es geht, Sie geht, Er aber steht in der Tür, wenn das kurze Gewitter sein strömendes Naß herniederläßt und komische Handlungen bewirkt. Wie gestern abend. Hinterher war ihm wohl.
    Und er gedachte der Schwalben, die immer noch hier sind und flatternd den Kirchturm von Sant’Agostino, wahrscheinlich Insekten fressend, haufenweis’ anbeteten.

    Wie die Erde, so die Rede --- Ein Homotop von Namen (Egger, Herde der Rede, 143)

    III,327 <<<<

    ]]>
    Sun, 17 Sep 2017 18:54:54 +0000
    parallalie : Ibn Hamdîs, Diwan, VI http://parallalie.twoday.net/stories/1022632841/ http://parallalie.twoday.net/stories/1022632841/ Er beschreibt das Meer

    1
    Ich seh‘ dich sturmumtost durchfahren ein riesiges
    Meer, auf dem man vor Fährnissen nie sicher sein kann.

    2
    Dein Schiff wird hin- und hergeworfen nach Ost, nach West,
    vorwärts getrieben vom Süd- und vom Nordwind.

    3
    Mehr aber noch als die Überquerung des Meeres, dünkt mich,
    ist hart zu ertragen, was dich genötigt, es zu tun.

    [Ibn Hamdîs, Diwan, V] ]]>
    Sun, 17 Sep 2017 16:59:00 +0000
    Nymphenbad : Nymphentag 74 http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/nymphentag-74.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/nymphentag-74.html
    Zeit ist der Träger der Qualität eines Ereignisses im Raum. Raum entsteht erst durch Zeit, und wenn man eines Tages ihre Dimensionen anerkennt, wird das Modell eines Raums nicht mehr benötigt. Synchronizität ist nicht durch Dimensionsausweichung des Raumes zu erklären, zumindest nicht befriedigend. Die Koexistenz von Raum und Zeit, ihre gegenseitige Bedingung (etwa durch eine Raumzeit) ist eine weitere Illusion. Ein zeitloser Raum ist undenkbar. Eine raumlose Zeit nicht. ]]>
    Sun, 17 Sep 2017 11:17:44 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Christopher Ecker und Marcus Braun. Im Verdijournal des Sonntags, den 17. September... http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/christopher-ecker-und-marcus-braun-im-verdijournal-des-sonntags-den-17/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/christopher-ecker-und-marcus-braun-im-verdijournal-des-sonntags-den-17/ [Arbeitswohnung, 8.33 Uhr
    Verdi, Rigoletto]
    लक्ष्मी, gestern in der Küche, heizte bereits. Bei mir sind immerhin die Kohlen gekommen; vor November habe ich aber den Ofen anzuwerfen nicht vor. Und nachts mit dem Sohn gewhatsappt, der mit Freunden auf der Suche nach etwas zu essen durch Rom streifte.
    Heute früh erst kurz nach sieben raus.
    Hatte es gestern wieder einmal mit Verdis Macbeth versucht. Müßiges Stück wie der Trovatore: So schrieb ich‘s meiner Lektorin nach Wien. An Simon Boccanegra, Otello und vor allem den späten Falstaff reiche bei Verdi nichts heran – elenderweise, weil Verdi mir persönlich sehr sehr viel näher als der sich dauerselbst heroisierende Verklemmling Wagner.
    Dann nahm ich mir den Rigoletto vor. Da packte mich plötzlich was, ein ganz bestimmter, ich will einmal sagen, tragischer Schmelz. Eigentlich nicht zu fassen, daß Verdi dieses Stück vierzehn Jahre vor dem elenden Macbeth schrieb. Allerdings fällt auch die Traviata für mich aus den Ödnissen heraus. >>>> Eigners Satz fiel mir ein, daß man im Leben nur vier große Romane schreiben könne. Vielleicht gilt das für Opern auch – wobei wir darüber streiten können, ob es der Romane, bzw. Opern nicht vielleicht auch fünf oder sechs sein können.
    Jedenfalls höre ich den Rigoletto nun noch einmal. Fesselnd wird er ab der zweiten Szene – musikalisch; die Inhalte (der „Plot“) interessieren mich immer erst an zweiter, manchmal sogar dritter Stelle.
    Tätiges Hören: Ein Begriff, den ich für mich selbst gerne einführen möchte. Benn spricht von Zusammenhangsdurchdringung. Sich ein Stück nach dem anderen erhören. So, wie sich >>>> Parallalie ein Buch nach dem anderen erliest.

    Als ich mein Bett machte (baute), dachte ich darüber nach, was ich Ihnen heute schreiben solle, bevor ich mich an die Arbeit setzen würde (wobei Ihnen zu schreiben, auch schon eine Arbeit ist).
    Zwei Bücher fielen mir ein, zu denen ich mich eigentlich erst äußern wollte, wenn ich sie gelesen hätte. Da ich aber erst mit >>>> Huxleys Kontrapunkt fertig werden möchte, annonciere ich sie hier schon mal vorweg. Es kann auch gut sein, daß ich über beide oder wenigstens eines eine Rezension schreiben werde.

    Die Bücher stammen von zwei Autoren, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber in der Leidenschaft für das, was sie tun, quasi aufeinanderlegen. Ich spreche (schreibe) von Christopher Ecker, über den ich mich in Der Dschungel schon häufiger geäußert habe, ausführlich siehe >>>> dort, sowie von Marcus Braun, zu dessen Roman Nadiana ich mich >>>> da geäußert habe – siebzehn Jahre ist das her!
    Anders als Ecker gibt Braun nur selten Neues heraus. Ecker ist eine Austoßmaschine wie ich, Braun ein langsam schreibender, wägender, sozusagen undöblinscher Romandichter. Ich sprach mit Thomas Böhm auf dem vergangenen LCB-Sommerfest lange über ihn, bzw. über sein gerade erschienenes Buch:


    Es sei schlichtweg nicht zu begreifen, daß es nicht wenigstens auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis gesetzt worden sei. „Aber du kennst doch die Szene. Die Leute lesen in die ersten zwanzig Seiten rein, verstehen nicht gleich, was das soll, und legen es beiseite.“
    Dabei dräut schon ganz am Anfang ein Absatz:
    Die Mönche kamen. Sie sangen. Er erkannte das Mantra nicht. Sie kamen mit geschmortem Hammelfleisch und einer Kanne Bier. Er hatte das Gefühl, noch nie einen Menschen gesehen zu haben. Er trank das Bier und aß den Hammel mit den Fingern, kalte Augen von Fett auf der Brühe, die er an seinem Gaumen mit der Zunge zerdrückte, ließ sich zurück in die Stadt, das Kloster führen, bekam Magenschmerzen, schlief irgendwann ein. Er hatte einen Alptraum, in dem er seinen toten Eltern mit einem kleinen stumpfen Messer das Fleisch von den Knochen der Beine schnitt.
    Wen hier die kalten Fettaugen nicht anstarren, dem ist nicht zu helfen (auch wenn ich selbst sie, aus grammatischen Bezugsgründen, der Brühe nachgestellt hätte).

    Das andere Buch, Eckers – erst hielt ich es für den von ihm angekündigten Erzählband – ist eine Sammlung von, sagen wir, Feuilletons. Die sind in den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts eine unterdessen fast durchweg zur Glosse heruntergekommene Kunstform gewesen. Bei Ecker werden sie zu Anderen Häfen:


    Ich schlage eine Seite auf und lese:
    Ein Roman ist eine Kugel, in die alles hineingepackt wird, was einem wichtig scheint. Rollen muß sie, die Kugel, rollen, rollen, als ginge es eine schiefe Ebene hinab. Blind. Vorwitzig. Eine Magd. Oder besser (Konfliktpotenzial:) die Tochter des Herbergswirts. Von Andreasberg sieht, wie sie sein Pferd striegelt, einen Rappen, weil ich das Wort mag, und das nasse Fell glänzt wie blaues Metall (...)
    Ganz offenbar schiebt einem dieser Dichter in seinen Einschüben eine komplette Romantheorie ein & unter. Aber achten Sie darauf, mit welch lässig-frecher Eleganz! Ich werde jetzt wohl täglich eines dieser Feuilletons lesen. Sò, Vornahme. Es sind 87 Stücke, wenn ich mich nicht verzählt habe. Durch gerundet dreißig Tage wird meine Lektüre also knappe drei Monate brauchen und in dieser Zeit wohl immer mal wieder eine Erwähnung in Der Dame Dschungel finden. Vielleicht lese ich drin je zu Tages-, – und jetzt, au weh, lieber Ecker, ein Reim! – -beginn. Verboten, verboten. Die Germknödelanisten werden es hassen.

    Jetzt aber muß ich denen Weitres geben. Dem es aber auch mir, dies nur nebenbei, immer wieder den Magen umdreht: wenn ich wenn ich vor die Stirn geknallt bekomme, daß die „Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft“ die Geschmacklosigkeit begangen hat und sie in alle uns denkbare Zeit weiterbegehen wird, sich nach dem Komponisten des Falstaffs zu benennen. Um zum Anfangsthema zurückzukehren, dessen Name heute das „Arbeits“ ersetzt hat.

    ]]>
    Sun, 17 Sep 2017 08:44:37 +0000
    Nymphenbad : Eins Zigarette & Eins Bier http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/eins-zigarette-eins-bier.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/eins-zigarette-eins-bier.html all over the great white north der Körperkuppeln, die sich ungestüm auftürmen und Lechzer fahren lassen über das Tal des Raumes (denn links in der Ecke fehlt die Erhebung des Lagers); aber bald wird Draht; und bald werden die Windungen der Ornamentik Einzug halten. Es war: die Magd die Körperkulisse ("Und wirst du ...?!" - "Ich werde ...!" - "Und ob du wohl ...!"), die Herrschaft die Grafschaft die Zeitverschiebung der Körpertau die Mitte der Draperie.
    In den Pausen: Morgen bekommst du.
    Eins Zigarette & Eins Bier. ]]>
    Sun, 17 Sep 2017 07:35:29 +0000
    Nymphenbad : SSB - 3 - Der Elvegust, Einschub 1 (Der Böhmwind) http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/ssb-3-der-elvegust-einschub-1-der.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/ssb-3-der-elvegust-einschub-1-der.html


    Ich bin im Schloß gewesen, denn dort lebten wir neben der schmerzlindernden Kanzblume am Flußrad, überginstert mit diesem morschen Zaun, der sich die Zähne aushob, frisch gebrochene Latten, von den Fähen im Trittbild wechselnder Schrittlängen mit dem Wildwuchs Hand in Hand (am Johannistag steckt in den Mulden Bergwohlverleih, um den Bilmenschneider zu verschrecken). Schandhaube oder Hahnenkamm, das Geschenk an dich. Es biegt sich um deine Nase, läßt sich für immer Frühling nennen, für immer aufgetanes Wunder, immer First auf Firsten, ochsenköpfig schneebebergt.
    Die Novelle : hört es sagen von der abgerollten Rolle gelesen (als stünd’ er da in Stulpen) mit diesem Erlaß (und kann die Kurrentschrift schlecht lesen) scharrt auf dem Podest, ein Knopf weist auf eine Schublade hin die unter dem Rhetor andere Rotuli enthält, Frikative Labiale (hier etwas Speichel in den Backenofen fahren lassen, an der Zunge zunken, wie eine Zitze zutzellen, schnaupen durch ein einziges Nasenloch, Atem pfeifend ausstoßen, Luft anhalten um einen roten Kopf). ]]>
    Sun, 17 Sep 2017 06:20:00 +0000
    litblogs.net - Wochenspiegel : Kurztitel & Kontexte bis 2017-09-16 http://www.litblogs.net/kurztitel-kontexte-bis-2017-09-16/ http://www.litblogs.net/kurztitel-kontexte-bis-2017-09-16/
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    Sat, 16 Sep 2017 22:37:06 +0000
    parallalie : Ibn Hamdîs, Diwan, V http://parallalie.twoday.net/stories/1022632740/ http://parallalie.twoday.net/stories/1022632740/ Die Finsternis lag wie schwarze Tinte ausgegossen auf der Erde,
    und mit der nächtlichen Reise zerriß ich ihren Schleier,

    2
    die Freundinnen zu besuchen. In deren Dickicht verbargen sich
    die Feinde gleich wütenden Löwen, die den Blick schärfen.

    3
    Der Stamm wußte nichts davon, und ich ging auf glühenden Kohlen der Feindschaft,
    die den, wäre er denn aus Eisen, schmelzen ließen, der den Fuß darauf setzt.

    4
    So groß meine Leidenschaft, daß mein Haar davon weiß wurde, daß selbst
    ein Jüngling in der Blüte der Jahre, davon ergriffen, weiße Haare bekäme.

    5
    Ich ritt eine Kamelstute, die den Weg nur so verschlang,
    in deren Adern reines Rassenblut floß;

    6
    mit smaragdgrünen Klauen an Hufen, die sie im Laufen
    auf Steine setzte, ohne sich zu verletzen.

    7
    Zum Beweis reckte sie den Hals, so daß sie fast das Wasser
    zu trinken bekam, das die Winde in den Wolken vorwärts peitschen.

    8
    Sie schreckte mit mir die Eule auf, als hätt’ ich sie, die Stute,
    eigens um sie, die Eule, zu jagen, bestiegen.

    9
    Begleiter war mir ein Schwert, dessen Maserung wie Ameisengewimmel,
    damit sich Fliegen ihm zugesellen.

    10
    In seinem Wasserglanz schien’s, als hätte die Sonne
    mit ihren Strahlen ihren Speichel darauf gespien.

    11
    Der Morgenröte Schlange hatte die Sterne verjagt
    wie ein Sturzbach, dem die Luftblasen zum Opfer fallen.

    [Ibn Hamdîs, Diwan, IV] ]]>
    Sat, 16 Sep 2017 17:15:00 +0000
    Nymphenbad : Komposita über das Sterben im Gemäuer http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/komposita-uber-das-sterben-im-gemauer.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/komposita-uber-das-sterben-im-gemauer.html Ultima ThuleDie möglicherweise bekannteste Daguerreotypie von Edgar Poe ist die ›Ultima Thule‹ genannte vom 9. November 1848, entstanden vier Tage nach seinem Selbstmordversuch. Dieses Portrait wurde nach einem Zitat aus Poe’s Gedicht ›Traumland‹ (orig. ›Dream-Land‹) so bezeichnet, weil man in ihm einen Ausdruck trotziger Verzweiflung am Rande des Todes gesehen haben will. Für die meisten Poe-Liebhaber ist dies das Bildnis, das am ehesten zum Charakter des Werkes zu passen scheint.
    Baudelaire bescheinigt dem Bildnis, dass Poe dort ein recht französisches Aussehen an den Tag lege, in Wahrheit war der Dichter vom Alkohol gezeichnet. Das ursprünglich recht feminine Gesicht weißt tiefe Furchen auf, die Augenpartien zeichnen sich unsymmetrisch ab.

    Doch nun geschieht etwas Merkwürdiges in einem Leben voller Merkwürdigkeiten. Am 13. November, also vier Tage später, sieht Poe bereits wesentlich erholter aus. Zu sehen auf dem ›Whitman-Daguerreotypie‹ bezeichneten Portrait.

    Whitman-Daguerreotypie
    1849 wirkt Poe dann beinahe wieder hergestellt. Er sieht gesund aus, steckt voller Pläne für die Zukunft, beabsichtigt sich sogar neu zu verheiraten — und stirbt in Baltimore unter mysteriösen Umständen, unter deren Sternen sich sein ganzes düster-tragisches Leben entfaltet hatte.

    Poe war, als ich ihm begegnete, etwas älter als ich. Er befand sich wohl, wenn auch die Schatten einer schweren Melancholie die tiefen Augen wie Vorhänge einrahmten. Es faszinierte mich nicht wenig, zu beobachten, wie er nahezu täglich sein Aussehen änderte, ohne jedoch seine charismatische Persönlichkeit einzubüßen. Für uns beide war die Zeit ein Instrument der Willkür, weswegen wir uns nicht an sie zu halten brauchten. Von ihm lernte ich zwei bedeutende Dinge, die er mir, jetzt, wo er auf niemanden mehr Rücksicht zu nehmen hatte, anvertraute. Das eine war das ›richtige Trinken‹ des Absinth. Er bemängelte, dass es sich in der heutigen Zeit allenthalben nur noch um ein Naschen handeln konnte. Er aber, der Künstler des Rausches, gab sich nicht mit den einfachen Genüssen ab. Er scheute sich zu keiner Zeit, in das Innerste eines jeden Tempels vorzudringen, auch wenn das bedeutete, die Kontrolle zu verlieren.

    Das andere war das Konzept, sich durch die Geisteskraft immer tiefer in sich selbst hineinzubewegen. Er sprach in diesem Zusammenhang nicht selten von einem Labyrinth mit dem Minotaurus in der Mitte. Das gab er mir als Grund an, warum er niemals einen Roman geschrieben habe, auch wenn er, wie er zugab, oft daran denken musste.

    »Die meisten Romane«, sagte er, »sind wie der Faden der Ariadne. Zum einen scheinen sich die Dichter auf sicherem Boden bewegen zu wollen, um den Weg in jedem Fall wieder zurückzufinden. Zum anderen hängt selbst alles an diesem Faden und jeder könnte ihm folgen, wie viel Verwicklungen und Abzweigungen es auch immer geben mag.«
    Er selbst wolle jedoch jeden einzelnen Schritt so ausleuchten, dass man sich auf diesen Faden nicht erst konzentrieren müsse, sondern vielmehr den Ort und dessen Atmosphäre im Auge behalten könne. Neben dem Gedicht gäbe es nur eine einzige Vollendung innerhalb der Poesie. Und das wäre die kurze Erzählung. Diese allerdings nahm er in die Pflicht, das Arabeske und das Groteske so herauszustellen, dass sie dem Spiel einer flackernden Kerze ähnele, deren Licht über die Wände des Labyrinths irrlichtert.

    »Es geht nichts über die Strategie einer analytischen Logik«, sagte er. »Nur so geschrieben kommt die Erzählung einer Komposition gleich.« »Die Erzählungen der Ratiocination nehmen – obwohl Sie doch jeder mit Ihrem Namen in Verbindung bringt, dann wohl doch den geringsten Teil Ihres Oeuvres ein. Im Gegenteil strapazieren Sie die Logik dort gehörig!« sagte ich, schon etwas trunken ob der späten Stunde.

    »Was zerschmettert uns mehr als das Hinscheiden einer geliebten Frau? Was wäre poetischer als der Tod eines blassen Schwans, so dass unser Geist die wildesten – wohlgemerkt tief purpurnen – Blüten treibt?

    Ist die Komposition mit einem ästhetischen Gemäuer verknüpft, das wie im Zusammenspiel von Grundton, Terz und Quinte nur auf ein Ziel zusteuern kann: den Wahnsinn, aus Schmerz und tiefer Verzweiflung erlangt, dann ist sie nichts anderes als der Kontrapunkt. Denn der Wahnsinn und die Dekadenz, aus der die Empfindungen sprießen, die wir jenseits vermuten, sind gerade der Gipfel einer analytischen Logik, die sich darin gleich wieder selbst karikiert. Denn dass die Liebe über den Tod hinaus akut bleibt, ist keine Zutat der reinen schwärmenden Phantasie, sie ist das Monströse unserer eigentlichen Einsamkeit.«

    Mr. Poe war oft sehr schwer betrunken, was man ihm nicht eindeutig ansah. In diesen Momenten trieben seine Dämonen ihm Blüten auf die Wangen und seine Augen zeugten von erhöhter Nervosität. Die Qual der Besessenheit indes wusste er nur zu mildern, indem er die Feder zur Hand nahm, was er aber nur vermochte, sobald die Wirkung des Alkohols im Abklingen begriffen war. Es galt ihm, den richtigen Moment zu erkennen, denn sobald der Zenit des Rausches überschritten war, kam sehr schnell der Kater über ihn, den er nur mit Opium zu lindern vermochte.

    Wie alle Lebenselixiere, ist gerade das Feuerwasser das Gefährlichste. Es stärkt den Geist durch flüssig gewordenes Blut, das Leben rast durch die Adern und bringt alle Eindrücke, die der Körper kaum mehr zu archivieren weiß, in magische Aufruhr. Sie werden überdacht und neu zusammengesetzt.

    Was also der Körper dort am Grabe von ihrem Geist empfing, hat weder das Auge bemerkt, noch vermochte das Gefühl durch die Kleidung zu dringen, so dass ich hätte seufzen mögen: »Virginia ist’s dort im Windhauch.« Und doch: es blieb dem bisschen Leben nichts anderes, als nur sie wahrzunehmen. Vielleicht hing die Erinnerung zuletzt gar nicht im Hirn, sondern außerhalb von uns. ]]>
    Sat, 16 Sep 2017 09:45:58 +0000
    Nymphenbad : Dok1 / to wait http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/dok1-to-wait.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/dok1-to-wait.html

    Ein mit Propofol gefüllter milchweißer Kubus schwebt in der Mitte des Teilnehmerparkours. Wer ihn als erster erreicht und auf die richtige seiner sechs Flächen stellt, darf, nach 30 Jahren Abwesenheit, das, bei geführter Hand, selbst signierte Selbstportrait „Happy“ in einer eigenen Ausstellung betrachten, in der jeder vom Himmel geholte Black Hawk der protokollierten Kriegsgeschichte der Menschheit von der Decke herunter ragt. Die anderen entfallen. Das zu tragende Flügelhemd wird dem Sieger zuvor an der Garderobe ausgehändigt.

    Ist dies geschehen, wird zu seinen Füßen der Schatten eines Falken erscheinen, der ihn, begleitet von kräftigen Ovationen, zu seinem Empfang führt. Tief dort unten im Eise. Dort, wo es dunkel ist, sind die Empfänge heller.
    ]]>
    Sat, 16 Sep 2017 07:56:11 +0000
    taberna kritika - kleine formen : @etkbooks twitterweek (20170916) http://www.abendschein.ch/etkbooks-twitterweek-20170916/ http://www.abendschein.ch/etkbooks-twitterweek-20170916/ herbstlicht. https://t.co/yr1FQpx7u1 Sep 15, 2017 / #1word1title. Pillycock von Momus https://t.co/7sxOU29UvY #NowPlaying Sep 15, 2017 / der gratulations-komplex. Sep 15, 2017 / ein weites feld. aber irgendwo muss man ja mal anfangen. vorab die dokumentation für den cassette store tribute day… https://t.co/iKwQl17EK8 Sep 15, 2017 /S01E02, 15.9., 10h, https://t.co/GtTiUhzzi5 #tpc https://t.co/xGh8t4kehZ Sep 14, 2017 / * kk002: Der Ton https://t.co/7qbvgeVSax Sep 14, 2017 / das ausgeriebene, kolorierte unreadable. https://t.co/zViSfs6smh Sep 14, 2017 / https://t.co/AFjdorU4Jm Sep 13, 2017 / quatschdigitalisierung quatscharchivierung quatschkompetenz Sep 13, 2017 / Merci, Felix Philipp Ingold! Weg damit! https://t.co/OoechtTlaM Sep 13, 2017 / * 20130703 https://t.co/qPCdvwLO1k https://t.co/2Dh63C0UjQ Sep 13, 2017 / RT @textmaschine_ch: Wenn man #Gedichte codiert, erübrigt sich das #Übersetzen. #Kryptolyrik, Beispiele hier: https://t.co/IoaQpj50VZ Sep 13, 2017 / der kryptolyrische korpus wird übrigens her- und zusammengestellt von @textmaschine_ch. merci! Sep 13, 2017 / * C743R124 F347I35A543 M612E65: D427 R715I77H432 B897E56 https://t.co/ONCC3FuPuX https://t.co/Imtd8cdJY1 Sep 12, 2017 / das umklebte unreadable. https://t.co/M8YbCTmqFo Sep 12, 2017 / #tpc – das konzept. https://t.co/vnZCw2DVdO Sep 11, 2017 / wir starten heute mit dem twin peaks cinema im etkbooks store. s01e01. montags und manchmal freitags. 1 folge. ab 10h. updates hier… Sep 11, 2017 / das zukünftige unreadable. https://t.co/OKn9lBbsV4 Sep 10, 2017 / RT @jusupi: Dummheit ohne Poesie #Gomringer #KonkretePoesie #AliceSolomonHochschule https://t.co/bGLfqYZHfD Sep 09, 2017 /


    (dummheit ohne poesie.)

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    Sat, 16 Sep 2017 06:57:49 +0000
    Nymphenbad : Eruptogenius (Haltbarer Kristall) http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/eruptogenius.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/eruptogenius.html

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    Sat, 16 Sep 2017 06:42:00 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Irrealis. Das Arbeitsjournal des Sonnabends, den 16. September 2017. http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/irrealis-das-arbeitsjournal-des-sonnabends-den-16-september-2017/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/irrealis-das-arbeitsjournal-des-sonnabends-den-16-september-2017/

    [Arbeitswohnung, 7.19 Uhr
    Walton, Troilus & Cressida]

    Wie sich, für Romanfiguren, auf Namen kommen läßt, die es noch nicht gibt. Zum Beispiel suchst du, um Information zu gewinnen, nach „Beatrix Katharina Langnee“ und erhältst selbst über Google nicht ein einziges Ergebnis. Dann stellst du fest, dich im letzten Buchstaben vertippt zu haben. Und hast nach der Korrektur sogar noch den Link >>>> auf eine ostwestfälische Buchhandlung, die allerdings nicht physischer Natur ist, sondern allein im Netz handelt, ein Amazon en miniature mithin, von dem ich mir wünschte, es würde als Konkurrent auch gesehen. So sind freilich die Zeitläufte nicht.
    Weiteres Nachsehen ergab, es handele sich – also hinten mir „r“ – um eine freie Literaturjournalistin für einmal quer durch die deutschsprachigen Kulturblätter und -sender von FAZ bis Deutschlandradio. Was paßt, denn auf meine argumentative Facebook-Replik kam selbstverständlich keine Antwort.
    Sie hat mir da gestern die falsche Grammatik der Arbeitsjournaltitel vorgeworfen: daß ich „des Freitags, dem 15. September“ schriebe; diese falsche Datumsformulierung verleide ihr, Zitat, seit Jahren, die darunterstehenden Texte auch zu lesen.
    Ich mag >>>> meine Antwort hier nicht wiederholen, dachte mir eben aber, was soll‘s? Wenn es die Leute abhält, dann tu ihren Empfindlichkeiten doch gut und kick den Kiesel des Anstoßes kurz mal beiseite. Darum heute die, sagen wir, eingeführte Zeittitulierung. Wobei ich Frau Langners hochgeklappte Zehennägel aber verstehen kann; mir geht es ähnlich bei fehlenden Genitiven im Titel: Im Zeichen des Steinbock zum Beispiel, da mag eigentlich auch ich nicht mehr lesen. Der Beispiele, wollte ich sie aufführen, wären aber so sehr Legion, daß ich mich fragen müßte, was ich vielleicht verpasse, wenn ich solchen Idiosynkrasien nachgebe. Um von „wegen“ mit „dem“ ganz zu schweigen oder erst recht der ständigen Verwechslung von „müsse“ mit „müßte“, also dem Dahinschwinden des Irrealis in seiner Inflation durch falsche Verwendung.

    Auch meine Lektorin, das mag ich nicht verschweigen, äußerte Bedenken wegen meines „Datumdem“s. Vielleicht wird mir Frau Langner nun – also weniger mir, als meinem Werk – etwas weniger ungewogen sein.

    Zweiter Latte macchiato, erster Morgencigarillo.

    Der neue Vertrag mit der Contessa ist unterschrieben; das nächste Buch wird aber, schrieb ich es schon?, ein „rein“ privates sein. Ja, ich schrieb es schon. Für den ersten Roman die ersten 56 Seiten gestern letztkorrigiert.
    Meine „eigene“ Arbeit geht schleppender voran, besonders jetzt die an der alten Kark-Jonas-Erzählung. Ich muß ein neueres Muster aus einem bejahrten Text wieder herausribbeln, ohne daß er selbst zerfällt. Bei der engen Eindrehung meiner Motiviken ist das nicht leicht. Gestern habe ich fünf Seiten geschafft, dann zog mich die Nervosität in Gefilde, über die ich hier mal besser nicht spreche. Es werden die Stricke doch eh schon geknüpft, da muß ich nicht noch eigenhändig Fasern hinzureichen, selbst wenn es Naturfasern sind.

    Also Morgenarbeit, dann hinüber zur Familie. Mein Sohn geht heute auf Kunstfahrt nach Rom und Neapel. Ich möchte ihn vorher noch einmal sehen. Außerdem liegen seine Reiseunterlagen hier bei mir. Die müssen rübergeradelt werden. Ab mittags wieder Ghostroman, und abends, denke ich, fange ich mit der Thetis-Durchsicht für die zweite Auflage an.

    Sonne. Und ein Himmel in oktobrigem Strahlblau.

    ]]>
    Sat, 16 Sep 2017 06:32:00 +0000
    particles : laufen http://andreas-louis-seyerlein.de/air/laufen/ http://andreas-louis-seyerlein.de/air/laufen/ 9

    delta : 15.12 UTC – Ich mag Menschen, die Verzeichnisse anlegen, die Verzeichnisse beschriften nach geheimen oder nach Regeln, die sofort erkennbar sind. Mein Vater führte Verzeichnisse seiner Wetterbeobachtungen, auch welche Vögel er im Garten beobachtet hatte, wurde akkurat mit Bleistift in Listen eingetragen, Amseln, Meisen, Sperlinge, Zaunkönige und Dompfaffen und Rotkehlchen. Daran erinnerte ich mich gestern als ich einen Film beobachtete, der von den Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachtern des Central Parks erzählt. Eine alte Dame legt dort ähnliche Verzeichnisse an wie mein Vater als er noch lebte. Ich selbst notiere nicht selten, welche Filme ich betrachte während ich auf einer Laufmaschine laufe wenn es regnet oder nicht. Unlängst lief ich mit Kopfhörern, folgte Gene Hackman in den Film French Connection. Zuletzt wurde ich immer schneller in meinen Bewegungen. Anstatt 10 Kilometern, die ich bereits notiert hatte, lief ich 14 Kilometer. Ich radierte im Notizbuch. Es war an einem Samstag gewesen. – stop

    ?feed-stats-post-id=32176

    Der Beitrag laufen erschien ursprünglich auf andreas louis seyerlein : particles.

    AndreasLouisSeyerlein?d=yIl2AUoC8zA AndreasLouisSeyerlein?d=dnMXMwOfBR0 AndreasLouisSeyerlein?d=qj6IDK7rITs
    ]]>
    Sat, 16 Sep 2017 00:01:11 +0000
    particles : = http://andreas-louis-seyerlein.de/air/32180-2/ http://andreas-louis-seyerlein.de/air/32180-2/ 2

    alpha : 15.58 UTC – p y r a m i d e n b a h n
    ping

    ?feed-stats-post-id=32180

    Der Beitrag = erschien ursprünglich auf andreas louis seyerlein : particles.

    AndreasLouisSeyerlein?d=yIl2AUoC8zA AndreasLouisSeyerlein?d=dnMXMwOfBR0 AndreasLouisSeyerlein?d=qj6IDK7rITs
    ]]>
    Sat, 16 Sep 2017 00:01:11 +0000
    parallalie : Ibn Hamdîs, Diwan, IV http://parallalie.twoday.net/stories/1022632658/ http://parallalie.twoday.net/stories/1022632658/ Er singt von der Liebe

    1
    Sie kam mich besuchen, obwohl sie fürchtete, gesehen zu werden,
    sie schien ein Zicklein, das der Wolf erschreckt.

    2
    Der Kampfer war im Weiß ihrer Farbe,
    der Moschus im Duft ihres Parfüms.

    3
    Als wollt‘ sie den Durst einer geplagten Liebe zu löschen,
    für die sein Herz sich entflammt,

    4
    mit einem Kühleborn, dessen Kiesel
    wie aufgereihte Perlen schimmerten.

    5
    Aber als ich mich durch einen Schluck daran laben wollte,
    flatterte, ein umsichtig Vögelchen,

    6
    sie hinfort. Nun sag’ mir einer von einer Sonne,
    die untergeht, wo sie aufzugehen pflegt:

    7
    sie zu treffen war kürzer noch
    als die Unterredung eines Predigers.

    [Ibn Hamdîs, Diwan, III] ]]>
    Fri, 15 Sep 2017 16:11:00 +0000
    panAm productions : Boiler Room Roams Reich Contemporarily http://panamproductions.blogspot.com/2017/09/boiler-room-roams-reich-contemporarily.html http://panamproductions.blogspot.com/2017/09/boiler-room-roams-reich-contemporarily.html
















    This is exactly what I anticipated when I used this piece for my dance-workouts @ Prater in early 2015: Advanced House-Compositions follow the path layed out by Minimal Music, Serial Composition, Phasing Experiments in Contemporary Music.

    So we expect Boiler Room - Mecca-Medium of actual DJ-culture - to come up with some J. S. Bach to get to the very source of House Music.

























    ✩✩✩✩✩
    ]]>
    Fri, 15 Sep 2017 15:29:16 +0000
    Nymphenbad : Die Rückläufigen Ängste der Konz http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/die-rucklaufigen-angste-der-konz.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/die-rucklaufigen-angste-der-konz.html

    Tanze, Konz,
    Tanze in der Milch menschlicher Kindheit!

    Brosamen-Skizze, Katarakt-Design, Wildflächenstraße,
    Reh-Hirsch kreuzt beim Rasieren das Waschbecken des
    Grauens. Her mit der Hand, du Wildwuchs der
    Posaune! An den Schunkel-Liedern erstickt die
    Gefällige Masse, der Spasmen-Fanclub. Das
    Blöde Licht spottet der Morgenwäsche, dem
    Eingeölten After, der rasierten Zwetschge.

    So ein Tag, so butterbroten wie heute. Im Porno
    Kino : Minnie Maus mit Dildo.

    Das Veloziped ronderte und rumpte über die
    Schlank anzusehende
    Straße ohne Kurve, ohne Gerade, ohne Teer, ohne Fuß
    Gänger, überhaupt gab es keine Straße &
    Das Veloziped war vielmehr ein Bein in Socken,
    Oder zwei Beine, vom Rumpf getrennt, die über
    Ein Waschbrett stompten & Geräusche machten,
    Als würde Seifenlauge gemischt. Aber hinten
    Krächzte ein Hahn, stellen Sie sich das vor!

    Fand der Metzger seinen Dollar wieder, den er
    In einer Schweine-Fud vor dem Finanzamt versteckt hatte?
    Aber ja, Konz, aber ja! Gegrillt
    Eines Tages & ganz speckig.

    „Kettjupp!“

    Worte der Freude, auch bei einem, der
    Mit dem Messer tapeziert
    Blutwände & Bänke, Tische, Spülbecken, Eimer,
    Nußschalen, Girlanden, Nähnadeln, Zwirnkammern,
    Büchsengemüse, mexikanische Hemden, Politikerfratzen,
    Scharniere, Windeln, Tagträume & Wochenenden.

    Setze dich nieder
    Mit einer Dose Bier &
    Quantisiere!

    Die Klospülung betätigen, um das
    Meer rauschen zu hören, eine Palme
    Aus Scheiße modellieren. Das bist du,
    Der aus der Ordnung für die Ordnung
    Wieder in der Ordnung unterkam. Du

    Befehligst eine Armee; die Soldateska besteigt
    Dich königlich, spritzt das Fieber unter deine
    Haut & wartet, bis du zum Transport bereit bist.

    Gummistern in den Himmel,
    Wenn kein Stern da ist, ein
    Gummistern zu sein, oder
    Wenn kein Himmel da ist, das
    Licht ausknipsen.

    Knipsen & schalten sind Geschwister,
    Gummistern ist nur ein Wort wie
    Jedes andere. Kennen Sie Hui Buhs
    Gesammelte Werke? Dort steht der
    Verwandlung nichts im Wege.


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    Fri, 15 Sep 2017 09:52:34 +0000
    Nymphenbad : IF#666 - das Magazin für angewandte Fantastik http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/if666-das-magazin-fur-angewandte.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/if666-das-magazin-fur-angewandte.html
    IF Magazin #666 Horror: Fünfzehn Erzählungen schlagen einen Bogen von der klassischen Geistergeschichte hin zum Horror des Realen, ohne dabei den Boden des Fantastischen zu verlassen. Mit Stories von: Adam Nevill, Bernhard Reicher, Christian Weis, Erik R. Andara, Holger Vos, Ina Elbracht, Jörg Kleudgen, Markus Korb, Michael Buttler, Michael Perkampus, Philipp Schaab, Tobias Bachmann, Tobias Reckermann, Ulf R. Berlin und Uwe Durst. Artikel: Adam Nevill, Albera Anders, Björn Bischoff, Erik R. Andara, Frank Duwald, Karin Reddemann, Michael Perkampus und Tobias Reckermann. Illustrationen: Daniel Bechthold, Erik R. Andara, Jonathan Myers, Jürgen Höreth, Peter Davey, Serhiy Krykun, Thomas Hofmann und Ulf R. Berlin.
    Philosophisch in den Herbst hinein geht es mit der Sondernummer des IF-Magazins, das just ab heute zu beziehen ist. Tobias R. hat sehr viel Mühe investiert, und ich kann noch nicht beurteilen, wie die anderen Beiträge sind, da es mir noch nicht vorliegt, aber über Alberas Essay: Die Erotik im literarischen Horror, oder das Zwiegespräch zwischen mir und Tobias: Horror denken, lässt sich sagen: Es sind Statements. Darüberhinaus gibt es neben vielen anderen und stilistisch abwechselnden Stories meine Dorothea zum ersten Mal in der Endfassung. Daß ich zudem das Vorwort beitragen durfte, ist mir eine besondere Ehre. ]]>
    Fri, 15 Sep 2017 09:41:00 +0000
    Nymphenbad : Nephele http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/nephele.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/nephele.html
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    Fri, 15 Sep 2017 08:40:00 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Kark-Jonas. Das Arbeitsjournal des Freitags, dem 15. September 2017. http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/kark-jonas-das-arbeitsjournal-des-freitags-dem-15-september-2017/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/kark-jonas-das-arbeitsjournal-des-freitags-dem-15-september-2017/ [Arbeitswohnung, 7.50 Uhr
    Wagner, Walküre (Régine Crespin), Vinyl]
    Seit sechs auf, im Netz rumgeguckt wegen eines alternativen Browsers. Auch sonst im Netz gelesen. Bruno Lampes >>>> neuen Beitrag verlinkt, ein „ihm“ drin in das gemeinte „im“ verwandelt, ein gedoppeltes „aber“ gelöscht. Interessant, wie Lampe in >>>> Brandig einige eigene Merkmale, eine Art Vorstufe zu Haltungen, findet: die Idee des Rückzugs, die auch mich in den letzten Monaten beschäftigt hat. Aber ich bin noch nicht bereit; weder will der Geist noch gar der Körper.

    Die Pavoni spinnt. Hat sie schon mal getan. Ich mußte sie einzwei Tage in Ruhe lassen, dann ging sie wieder. Also auf den italienische Espressokocher zurückgegriffen und die Milch im Topf auf dem Herd erhitzt. Dazu übers Reise>>>>bös‘chen, das, wenn ich in Berlin bin, die Küche beschallt, den gestern neu begonnenen Nibelungenring weitergehört. Irgend etwas, obwohl ich doch >>>> nicht mehr wollte, lockte mich hin. Daß ich oben Régine Crespin nenne und nicht Karajan, ist so eine Art Ausrede, eine leise Rechtfertigung dafür, daß mein Wagnerunwille sich abgeschliffen hat. Es ist aber auch so, daß die Musik, hör ich sie ohne Bewußtsein über ihre unselige, teils dämliche, teils unangenehme Handlung, rein über ihr klangliches Genie wirkt, im Wortsinn ungeheuer wirkt. Man darf einfach nicht die Tölpel und Verbrecher vor Augen haben, die Wagner mit ihr heroisiert hat. Ich kann es auch anders sagen: Es klingt durch diese Musik etwas gegen Wagner hindurch: es war eben sein Genie, es gegen den eigenen, wie Liszt aufseufzte, schlechten Charakter aus dem Welt- und Zeitfluß aufgefangen und notiert zu haben. Das ist dem widerlichen Genie Céline durchaus ähnlich. Vielleicht, denke ich gerade, gehört ein Teil Schlechtigkeit sogar dazu, so etwas zu können. In der Kunst kann Moral durchaus ein Hindernis sein; die Menschen sind, wenn kunstgütig, angenehm, aber verwehen nach ihrem Tod im Geschichtsstaub.

    Kunst ist Ausgraben. Sagte ich gerade der Löwin beim Wecken. Es ist der wohl wichtigste Satz in >>>> Meere. Wir graben aus, was wir weggesteckt und bedeckt haben. Alle Kunst, sozusagen, ist Enthüllung und Bekenntnis. Deshalb geht intentionale Kunst – eine, die Botschaften vermitteln will – grundsätzlich fehl. Die Botschaft muß sie selbst sein; sie kommt nicht aus einem „Vorhaben“, sondern findet in sich selbst Gestalt: Dann können wir sie hören, ohne den Autor/die Autorin zu hören. Was zeigt, wie fehl dieser Begriff, Autor, geht. Hier ist nichts Selbst; das Selbst löst sich in der Gestaltung auf; es ist allerdings die notwendige Voraussetzung dafür, daß dies geschieht. Möglicherweise ist die Egozentrik, die Künstlern oft und meist mit Recht vorgeworfen wird, ihre Art der Notwehr – weil sie doch spüren, wie sie sich in dem, was sie tun, auflösen. Sie brauchen der täglichen Alltagsverrichtungen wegen Konturen, erst recht, wenn sie Familie und also Verantwortung haben.

    Verantwortung.
    Kinder haben.

    Mein Sohn, der gestern kam und von seiner Musik erzählte – wie leidenschaftlich er erzählte!
    Wir saßen beisammen, kurz nach fünf, ich mit dem Sundowner, er mit dem obligaten Espresso.
    Er komponiert die Musik zu Raps, hat einen neuen Sängerkontakt. Wie klug er argumentiert! Er hatte den Kontakt zu einem Label, das seine Sachen veröffentlichen würde, eventuell. „Aber dann wäre ich stilistisch festgelegt, das will ich nicht werden und sein.“
    Zwei Stücke spielte er mir über Youtube vor. Und ich spürte, obwohl es nicht meine Musik ist, wie doch, was mir ästhetisch wichtig, durch ihn in ihr mit aufgefangen wird: bestimmte Werte, bestimmte Überlegungen zur Komplexität von Kunst. Auch daß er jetzt sein Cello in die neuen Formen integriert, das er eine Zeit lang beiseitegelegt hatte.
    Morgen fährt er mit seiner Klasse nach Rom und Neapel; nach Neapel hatte auch ich kurz reisen wollen, um die Truppe zu treffen. Ist ja >>>> „meine“ Stadt. Aber die Flüge sind teuer geworden; außerdem muß ich am 29. zu dem neuen Ghostauftrag reisen. Also habe ich den Plan fallen lassen, auch zum Bedauern meines Sohns. Und hier liegt derart viel Arbeit an! - gestern >>>> schrieb ich ja dazu.

    Kark-Jonas. „Die Sache mit Kark-Jonas“. An der Erzählung sitze ich grade und versuche, so etwas wie eine Urfassung wiederherzustellen. Ich schrieb das Ding, als ich sechzehn war. Es ist der für meine spätere Arbeit wahrscheinlich entscheidende Text. Er war so wichtig, daß ich ihn Anfang der Neunziger noch einmal komplett umbaute, mit weiteren Motiven versah und dann in den >>>> Wolpertingerroman implantiert habe. Also eigentlich ist die Erzählung schon veröffentlicht. Dennoch gehört sie in eine Ausgabe Sämtlicher Erzählungen unbedingt mit hinein – und eben möglichst in der frühen Form, d.h. ohne die späteren motivischen Zusätze. Gleichzeitig bringe ich den Text aber – wie alle anderen – auf mein sprachliches Gegenwartsniveau.
    Das macht solche Überarbeitungen heikel; Verfälschung legiert mit Wahrheit. Es geht aber eben um Kunst, nicht um Dokumentation. Womit ich wieder bei Wagner bin.
    Außerdem werde ich auf meine Lektorin hören, der ich künstlerisch vertraue, wie ich es vorher bei niemandem tat. Wenn sie sagt, das besser nicht, werde ich es herausnehmen. Sie muß nicht einmal Gründe nennen. Wobei es mir schon wichtig war, daß die Löwin, als ich ihr in Paris die erste der Erzählungen – „Svenja“ von 1971 – vorlas... daß sie knapp sagte: „großer Text“. An seinem Ende habe ich aber noch einigermaßen herumknibbeln, und so wirklich zufrieden bin ich noch nicht. Als Lektoratsvorlage mag es freilich reichen. Allerdings habe ich aus Wien noch keine Rückmeldung.

    Kark-Jonas gab dem Wolpertinger übrigens seinen leitmotivisch zentralen Satz:

    Das Mittelalter ist ewig

    Daran, mithin, sitze ich jetzt und werde ich bis etwa mittags sitzen. Danach nehme ich mich der letzten Korrekturen des Ghostromans an; die von der Contessa letztkorrigierten Seiten bis 198 lagen gestern in meinem Briefkasten.

    Ohne scharfe Einteilung der Tagesarbeit wird es in den nächsten Wochen also nicht gehen. Denn noch bis Jahresende will >>>> Elfenbein auch von >>>> Thetis mindestens das ebook auf dem Markt haben. Also Früharbeit: Arbeitsjournal und Erzählungen; Vormittags- bis Nachmittagsarbeit: Contessa; Abendarbeit: Thetis.
    Inofern läuft es wieder. Sorgen allerdings, nach wie vor, bereiten mir meine Gedichte, weil ich einfach keinen Verlag für sie finde. Aber ich schiebe sie, die Sorgen, unter den Schreibtisch. Da mögen sie schlafen. Für sie ist jetzt wirklich kein Raum.

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    Fri, 15 Sep 2017 07:51:30 +0000
    Nymphenbad : Nicht der sein http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/nicht-der-sein.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/nicht-der-sein.html
    Wie es mich beruhigt, wenn sich die Schatten legen, wenn sich die Nacht klart und schließlich aufhellt, wenn die Sonne der Lustfaktor ist, wenn ich mich mit den Schatten versöhne, die den Weg frei geben zur Rose, wenn Schmetterlingsflügel Transformationen ankündigen. Die Rose, die dem Blut des Adonis entsprang, dem schönen Liebhaber der Aphrodite, blüht noch dort, wo der Eber Ares ihn tötete.

    Hier ist es geschehen, hier überblickt man das Rosenbett, die Blüten, die sich zur Sonne hinwenden, weiblich, mit ihrem Duft erregenden Rosenduft zwischen den Schenkeln. ]]>
    Fri, 15 Sep 2017 07:01:20 +0000
    parallalie : Ibn Hamdîs, Diwan, III http://parallalie.twoday.net/stories/1022632609/ http://parallalie.twoday.net/stories/1022632609/ Er singt von einer Seerose

    1
    Du trinkst aus dem Becken der grünen Seerose
    mit den rötlichen Blüten.

    2
    Grad so, als züngelten sie
    Feuer aus dem Wasser.

    [Ibn Hamdîs, Diwan, II] ]]>
    Thu, 14 Sep 2017 19:55:00 +0000
    Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : III, 327 - Verwahrlosung http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-327-verwahrlosung/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/iii-327-verwahrlosung/ Nein, ---> Absprachen gab es keine. Ich wartete einfach auf ANH. Und erteilte mir dadurch die Erlaubnis, mal nichts aus meinen Fingern zu saugen, aus denen nichts zu saugen, aber von denen immerhin zuweilen etwas abzusaugen. Und seien es Knoblauchrückstände. Pfefferrückstände spüle ich lieber gleich ab, man reibt sich sonst damit die Augen. Jedenfalls solange die Hundstagswärme anhielt, bekam ich vorm Bildschirm dauernd feuchte Augen, als weinte ich. Zwar ist einem zuweilen zu heulen zumut’, wenn man meinetwegen wegen einer Arbeit auf >>>> ‘Fahrstuhl zum Schafott’ verzichten muß, den ich tatsächlich gern gesehen hätte (ich meine natürlich den Film und nicht den Fahrstuhl). Und kam somit zu nichts Wirklichem außerhalb der Arbeit, unbeschadet der Lektüre, aber ZT muß wieder leiden und die ganze Badeteichangelegenheit, bei der ich gerade war. In der Verwahrlosungszeit zu augusteischen Zeiten kam ich noch auf fünf Seiten, schraubte es dann runter vier, dann auf zwei, um beim derzeitigen Nullpunkt zu verharren. Während ich mir vorm Bildschirm ständig die Augen trocknen mußte.
    Gestern eine unheimliche Nervosität. Vor zwei-drei Wochen ward über die üblichen Amelia-Seiten bei FB ein kostenloser Japanisch-Kurs angekündigt. Da war ich gleich spontan begeistert und kontaktierte die Ankündigende. Die mir allerdings beschied, daß wegen der Kostenlosigkeit die verfügbaren Plätze ruckzuck in Beschlag genommen worden seien. Die Neugier halt. Hängt zusammen mit meinen Überlegungen damals, was ich studieren sollte. Japanisch gehörte dazu. Aber daraus wurde dann nichts. Mein Nervössein entstand dann durch die Nachricht der Ankündigerin, es sei ein Platz frei geworden. Hilfe! Jeden Donnerstag, hieß es im beiliegenden Anmeldeformular, zwei Stunden von Oktober bis Juni. Schriftzeichen malen. Und wenn dann eine Arbeit abzuliefern ist? Ich dachte an den verpaßten Film. Auch an Unpäßlichkeiten wie die Hautgeschichte im Spätwinter und Frühling. Ich habe also abgesagt. Gut, daß ich die Ankündigerin nicht persönlich kenne. Aber plötzlich stellte ich mir dann doch Schulsituationen vor, in die ich nicht unbedingt hineingehöre: “Hey teacher, leave us kids alone!”
    Und sie, die Ankündigerin, sieht man auf ihrem FB-Foto schwerbusig auf einem Pferd reiten. Was, bitte, hätte mich da erwartet? Jeder Schreibfehler ein ‘kuce, kuce’ ohne die Möglichkeit einer Retourkutsche.
    Lassen wir’s also: mir möge genügen Barthes’ ‘Im Reich der Zeichen’. Und meinetwegen >>>> ‘Genji Monogatari’ (tolles Buch, las es auf Italienisch (die Anschaffung beruhte darauf, daß ich zu meinem 40. von ihr eine Swatch mit japanischen Ziffern geschenkt bekam, die sinnigerweise unter dem Namen ‘Genji’ vertrieben wurde, sowie darauf, daß ziemlich gleichzeitig dieser Roman auf Italienisch erschien)).
    Soweit sogut sohalb und viertelsmäßig. Denn in derselben Zeit plagte mich die Vorstellung, zur Post gehen zu müssen wegen eines Briefes, den ich geschrieben, weil mir jemand ein Buch von sich geschickt, worüber ich mich gefreut. Aber die Post liegt unten und bedeutet einen mühseligen Rückweg hügelauf. Ich erledigte das dann mit dem Auto. So!
    Mir aus meiner Nervosität herauszuhelfen, eilte dann Eigner mit seinem >>>> ‘Brandig’ herzu. Eigentlich wollte ich meinen Eintrag zunächst auf diese Hymne auf die Verwahrlosung beschränken, in deren Strudel ich hineingeriet, ohne mich im geringsten zu wehren, anzi! Zunächst hatte ich mir notiert: “Ging in die Steine. Nach oben.” Das bezog sich auf die Aufwärtspflaster auf dem Weg von der Post zu mir. Aber dann kam’s gleich ein paar Zeilen weiter:

    Es ist nicht zu glauben, wie heilsam Verwahrlosung, vor allem gezielte, tätig strebsame, auf eigene Faust betriebene Verwahrlosung ist. Ich kann sie jedermann nur wärmstens ans Herz legen - und auf die Haut. Auch solchen, die nicht gerade unter spezifischen krankhaften Veränderungen der Epidermis leiden wie ich. Verwahrlosung hilft jedem. Ich weiß, wovon ich spreche. Nichtsdestoweniger weiß ich, wie schwer - wenn nicht schier unmöglich - es ist, sich die einmal erkämpfte Verwahrlosung zu erhalten. Einmal glücklich die alten Regeln und Gewohnheiten überkrustende Verwahrlosung ist keine Garantie. Nicht einmal die Einverleibung der Verwahrlosung ist eine Garantie. Früher oder später kehrt ein jeder zu den unausrottbar in die Bodenlosigkeit seiner zartesten Anfänge gepflanzten Tugenden zurück. Umso nötiger ist Verwahrlosung. Auch wenn sie alles andere ist als ein Geschenk. Verwahrlosung ist ein Geheimnis. Ein Geheimnis doppelten Glanzes. Eines, in das es einzudringen gilt, und eines, das es gilt, eindringen zu lassen in sich. Was auf der Hand liegt. Denn es geht sowohl um äußere als auch um innere Verwahrlosung. - Eigner, Brandig, 178 f.
    Dies aber erst das Präludium zur Hymne auf die Verwahrlosung.

    III,326 <<<<

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    Thu, 14 Sep 2017 19:24:46 +0000
    Glumm : Eine Hürriyet, Meister! https://glumm.wordpress.com/2017/09/14/eine-huerriyet-meister/ https://glumm.wordpress.com/2017/09/14/eine-huerriyet-meister/ Die Geschichte hat sich an einem Samstagmorgen im Jahre 2005 bei Mustafa zugespielt, oben auf der Oststraße. So winzig-klein und bis unter die Decke mit orientalischem Nippes vollgestopft war sein Kiosk, dass sich der bullige kleine Türke lieber draußen auf dem Trottoir aufhielt und auf Kundschaft wartete, als drinnen keine Luft mehr zu kriegen und zu ersticken. Die Kulisse erinnerte ein bisschen an Paris oder St. Pauli, wo man von Koberern zum Besuch einer Sex-Show animiert wird, nur dass mit Mustafa der Chef selbst draußen an der Front stand und süßsaure Schnüre feilbot, türkische Gazetten und Rauchwaren.

    Während ich mit Mustafa reinging und meinen Tabak kaufte, blieb die Gräfin vorm Laden stehen und wartete. Kam ein schidderig Kerlchen daher. Mitte Fünfzig, verschossene Jeansjacke, Trinkernase. Die Art Typ, die in den Siebzigern als Stielkamm-Luigi durchging.

    “Mensch, dahinten kommt meine Ex..!”, rief er erschrocken. “Und das am Samstagmorgen.”

    “Ach, du Scheisse”, pflichtete die Gräfin ihm bei.

    “Obwohl, na ja, ist nicht meine erste Ex, ist meine zweite Ex.”

    “Na, dann geht‘s ja”, meinte die Gräfin.

    Er winkte ab. “Siehst du den Kerl neben ihr, den Brocken?”

    “Ist ja nicht zu übersehen.”

    “Der wollte mich letztens vermöbeln, glaubst du nich?”

    “Wenn du das sagst.”

    “Der wollte mich richtig… vermöbeln! Komm ich nichtsahnend aus der Kneipe, unten aus dem Jägerstübchen, kennst du? Nee? Na, egal, jedenfalls steht der da an der Ecke. Ich denk noch, Mensch, was macht der denn hier, wieso steht der denn hier so blöd rum..?! Und wie ich das so denke, läuft der Spacko schon hinter mir her. Verfolgt mich richtig, glaubst du nich? Wie im Kino, voll auf Speed! Ja, hör mal, wie soll ich mich denn gegen so ein Biest wehren? Das ist doch ein Tier, oder nich! Ein Brocken! Ich kleines Männeken! Ich hab doch die Beine kaputt.” Er zeigte beiläufig nach unten. “Ich hab achtzig Prozent Schwerbehinderung. Mich grüßt jeder Busfahrer.”

    Im Kiosk verabschiedete ich mich von Mustafa und trat mit einer Packung frischem Tabak an die Sonne.

    “.. dabei wusste ich gar nicht, warum der mich vermöbeln wollte, ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Aber ich hatte Glück. Ich kleines Männeken darf auch mal Glück haben, ja? Oder nich. Denn plötzlich biegt da wer um die Ecke..? Na..??”

    Tusch.

    “Der Maik!”

    Pause. Ratlosigkeit.

    “Sag bloß, ihr kennt den Maik nich..!?”

    Die Gräfin blinzelte zu mir rüber.

    “Den kleinen Streifenpolizisten?” fragte ich.

    “Ja, genau! Der Maik! Der immer Streife läuft!”

    “Ja, den kenn ich”, sagte ich, “vom Sehen. Klar. Und?”

    “Na, das Riesentier will mir gerade eine reindonnern, die Faust steht praktisch in der Luft wie ein Fallbeil, fertig zum Runtersausen, da glotzt der Maik um die Ecke vom Jägerstübchen und ruft: Mensch, Roland! Was machst du denn hier?”

    “Ohh!” sagte die Gräfin. “Und wer ist Roland? Du?”

    “Ja klar! Ich bin der Roland! Halllooo!?”

    “Und dann?”

    “Na ja, meine Ex stand ja auch dabei, also im Hintergrund, und wie sie den Maik so sieht, zieht sie ihren Kerl schnell weiter. Klar, die wollte keinen Ärger mit der Schmiere, meine Ex..”

    “.. deine zweite Ex”, stellte die Gräfin richtig.

    “Wa?”

    “Na, das war doch die zweite Ex, oder nicht? Nicht die erste.”

    “Klar. Die zweite Ex. Danke, gut aufgepasst. Die erste ist tot. Hör mal, ich trink seit fünfzehn Jahren keine Kurzen mehr, nur noch Bier. Seit fuffzehn Jahren..! Ist wahr. Damit komm ich prima klar. Ungelogen. Nur die Füße..”

    “Mama, seit wann gibt es denn das Büdchen wieder?” blickte ein vorbeikommendes Mädchen zu seiner Mutter hoch, während Mustafas bulliger Kopf aus dem Kiosk äugte wie ein zu groß geratener Kuckuck.

    Roland klopfte ihm freundlich auf die Schulter.

    “Morgen, Meister! Eine Hürriyet!”


    Einsortiert unter:Biografie ]]>
    Thu, 14 Sep 2017 12:39:53 +0000
    der goldene fisch : Andreas H. Drescher : 6 GESCHICHTEN OHNE PERSONAL 2 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13429 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13429 Langsam kommt das vor: ein Schaben, umgekehrte Pausen. Knacks, da geht es aus. Die vorletzte Gelegenheit zum Hochzeitmachen. Und wie? Einen Finger in die Nase, einen in den Muskel dieser Frucht. Gewonnen, eingelobt. Gewandte Sänger. Und das schwere Ohrensausen fast perfekt. Diesmal wählen sie sich einmal seinen, einmal ihren Mund. Gesänge hintenaus, bis an die Grenze der Seide. Zweieinigkeiten, fast schon Zwie. Jaja, ein wenig Ketzerei umhin. Studierte Gänge, Nierenstein und Bein. Froh macht das. Die Wünsche kürzer in der Zeit, der Suche auf der Suche. Erfundene Behebung. Bettgeruch. Daher, woher die erste Kopfnuss kommt. Pfeifend, zur Betrachtung ohne Widerschein. Weg, ganz weg, ein Fernes. Kurz, so kurz zur Ankunft das. Eigens ist es nicht der Sieben Künste. Nötig, ohne Not genug. So rasch in prickelnden Himmeln. Nie endende Mühlen. Dort im Sack die Barschaft der Kniffe. Labsal der Pasteten, auch wenn sie gefälscht sind. Huf zurück. Gekritzel. Gekritzel und Fliegengekrakel. Beunruhigte zur Prüfung dieses Instruments. Ein Holzbauch voller Nachtigallen. Offene Länder. Zungen, nichts als Zungen. Kurios, doch abgesteckt. Flach und ohne Rand. Zusammengefasst: ein Schnalzen. Die Suche ein Gedächtnis. Größer geworden, noch größer. Wer hat schon gelernt auf einem Haar zu gehen? Eine Hoffnung, die sich fortrührt und verliert. Als Liebesbrief vom Pol. Hier das Arsenal: ein Mond, die Lügen, ein Quillen, Glück, der Morgenstern. Behütet dieses Ohr, sehr halb behütet. Vielleicht selbst Sonnen: treibend, luftig – schnell dahin.

    (WIEPERSDORF-EINSPIELUNG 2 ///// KOMPOSITION UND PIANO: JONATAN FIDUS BLOMEIER)

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    Thu, 14 Sep 2017 09:43:40 +0000
    Nymphenbad : Aiga und Hybris http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/aiga-und-hybris.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/aiga-und-hybris.html dir. So nahe, dass du eigentlich durch sie hindurchschauen konntest. Denn noch näher wäre nicht möglich gewesen. Unmöglich gar. Aber das Wunderbare am Unmöglichen ist ja, dass wir es wieder und wieder versuchen. Manchmal auch mit einer gewissen Hybris, egal ob beide Beine mitmachen oder nicht. Ob du einfach einen Fuß vor den anderen setzen kannst oder nicht. Bis es wieder in Ordnung ist und du über Schrittabfolgen nicht mehr nachdenken musst. So, wie zuvor.

    H y b r i s. Allein das Wort legte sich manchmal wie ein Kranz um ihren Kopf. Als wär´s ihr Haar. Dann ist es, als wolle sie nackt, nur mit einem Rock bekleidet, diese Nordwand erklimmen. Und sie tat es. Während Aiga, die felsige Trollin, herzlich darüber lachte. Ihr Handy trug sie dabei in ihrer Rocktasche, um ihre Mutter sprechen zu können, sollte es möglich sein. Ihr zu sagen, dass sie, immer wenn sie mit ihr telefonierte, wenn diese in den Bergen weilte, jedes Mal empfand, sie höre einem Mädchen zu, das noch ganz leicht seine Träume träumt.

    Oftmals, nach einem solchen Gespräch, stellte sie sich vor, dass sie irgendwann einmal ein Säugling war, den diese junge Frau gestillt hatte. Und so muss es ja auch gewesen sein. Nur kam ihr dieser Gedanke dermaßen seltsam vor. Sie. Ein Säugling? Denn tatsächlich war ihr jene hellklingende Stimme, die sie soeben auf der anderen Seite der Leitung gehört hatte, fern, irgendwo inmitten der Berge, derart real, dass es sie selbst - in diesem Moment - doch gar nicht geben dürfte. Eine Tatsache über die sie lächeln musste. ]]>
    Thu, 14 Sep 2017 09:41:31 +0000
    der goldene fisch : Konstantin Ames : Du kennst die Schokolade, sie heißt Collage http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13432 http://der-goldene-fisch.de/ping/archives/13432 Den Klimax in allen Ehren enteignend und den personallosen Geschichten von A.H. Drescher freundlich zugewandt

    Die Wende der Rede hast du hastig erlebt. Die Abschaffung von Gallensteinen.
    So wie so. Minne? Eher in Pinneberg als im Samteinband. Musik!
    Ein Hoch auf übermalte Gedichte und arg gebeutelte Sympathieblasen.

    Der dt. Herbst endet immer beim Kilometerstein 21. Verstehe das.
    Wem Poesie kein Zeitvertreib ist: Kein Baum ohne Lettern. Das steht alles so …

    Die Jungs jeglichen Geschlechts sind so zart und innen ganz schweinchenfarben.
    An die edelsten Anfänge des Erbringens von Bauernopfern werden die guten
    Wasserkriege erinnern. Frischesten Wassers gewiss und nochmal. Deshalb
    ist’s eine Sache von Wenigen, nicht des aufpoppenden Kalbs, sagt der Plebs.

    Das Y von Jetzt ist ein Baum ohne Blätter … schon im Musil. So nah die Meldungen.

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    Thu, 14 Sep 2017 09:34:59 +0000
    taberna kritika - kleine formen : kk002: Der Ton http://www.abendschein.ch/kk002-der-ton/ http://www.abendschein.ch/kk002-der-ton/ F: E: 002 BT: kk002: Der Ton S: BeM DT VT D0.2 : 2a A: Peter, Rico V: Aarau : AT Verlag J: 1980 M: 1 Tonband-Kompaktkassette TD: Der Ton: Volksmusik : der tönende Teil : 31 Beiträge zur Klärung der Frage: Volksmusik – was ist das eigentlich? : dazu ein Ausflug in das Mittelalter : 90 Min. Information mit 24 musikalischen Illustrationen R: (Enzyklopädie der Schweizer Volksmusik / Rico Peter ; Bd. 2, Kassette) SN: [000996302] MN: DSVN3965377 BS: 302 (2) BE: 325 (2) ER: 2 [max] – 0 [500 2000] – 3 FN: kk_002_000996302_derton_1.mp3 DA: 2:00 ]]> Thu, 14 Sep 2017 06:54:50 +0000 Die Dschungel. Anderswelt. (Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop) : Was wir können sollten. Das Arbeitsjournal des Donnerstags, dem 14. September 2017. http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/was-wir-koennen-sollte-das-arbeitsjournal-des-donnerstags-dem-14-septe/ http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/was-wir-koennen-sollte-das-arbeitsjournal-des-donnerstags-dem-14-septe/ [Arbeitswohnung, 7.30 Uhr]
    Gewiß steht nun einiges unter dem >>>> Meerezeichen von >>>> vorgestern bis gestern. Da die Angelegenheit objektiv wichtig ist, werde ich neue Arbeitsjournale erst einmal nicht auf die Hauptsite stellen, sondern sie in ihrer Rubrik lassen. Ich spüre auch, daß >>>> Bruno Lampe sich momentan zurückhält; nein, eine Absprache haben wir nicht getroffen. Er wird aber ganz sicher schreiben. Doch hat sein Alter ego (Altrego) Parallalie auf >>>> der eigenen Site begonnen, seine ersten >>>> Nachdichtungen von Ibn Hamdîs einzustellen, eine Arbeit, zu der ich hinzustoßen werde. Es wird das nächstes Projekt unserer >>>> Aneignungen werden.

    Erst einmal ist selbstverständlich in die Normalität der täglichen Arbeitsabläufe zurückzukehren. Der Ghostroman ist beinahe fertig; die Contessa und ich sitzen an der letzten Überarbeitung. Nahezu siebenhundert Buchseiten sind es geworden, vielleicht sogar etwas mehr, sofern wir nicht noch kürzen. Ob wir‘s müssen, möchte ich der Agentur überlassen sehen. Und Ende des Monats läuft ein neuer Auftrag an, diesmal aber nicht für den öffentlichen Markt. Es soll einfach die Familiengeschichte der Contessa sein, aufgeschrieben für ihre Kinder. Anders als beim Ghostroman werde ich da auch wieder Zeit für meine eigenen Bücher haben, zuerst für die Überarbeitung meiner auch sehr alten Erzählungen, die mit den danach entstandenen im Frühjahr 2019 bei >>>> Septime als Sämtliche Erzählungen herauskommen werden. Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, aber des Verlagsleiters mündliches Wort gilt genauso. - Dann ist, für >>>> Elfenbein, >>>> Thetis komplett zu sichten und ein satzfertiges Typoskript für die Zweite Auflage abzugeben; die Bücher sind tatsächlich ausverkauft. Und selbstverständlich will ich >>>> Die Brüste der Béart weiterschreiben und auch beenden; dies freilich ohne schon einen Verlag. Schließlich sind auch die >>>> Briefe nach Triest wieder aufzunehmen. Gleichsam im Gegenzug zu den Erzählungen möchte Septime von mir für den Herbst 2020 einen Roman haben.

    Als ich wegen der Erzählungen in den Stößen uralter Manu/Typoskripte wühlte – oh der Staub! – , die unter die Borde unterm Fenster gestopft sind, fand ich sogar zwei von mir selbst vergessene Romane, deren einer wichtig sein könnte, weil sich der >>>> Wolpertinger auf ihn bezieht. Ich muß einmal sehen, ob auch er sich nicht doch noch zur Überarbeitung eignet, ob nicht vielleicht sogar er das Buch sein könnte, das Septime sich wünscht. Jedenfalls würde dann aus der Pentalogie Verwirrung | Wolpertinger | Anderswelt 1-3 eine Loge für die Hexen werden. Nettes Wortspiel.
    Das Ding hieß ursprünglich Janus; wenig später hatte ich es in „Destrudo“ umbenannt. Seitdem blieb es liegen. Ich schrieb es noch vor meinem ersten, später auch publizierten Roman >>>> Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger (der eigentlich „Die Erschießung des Ministers“ hieß), also mit etwa siebzehn. Davor noch, mit etwa fünfzehn, schrieb ich einen Roman namens Judex – eine wüste Rebellen- und Abenteuergeschichte in vier Bänden, allein das Typoskript hat vierhundert einzeilig betippte Seiten. Auch dieses existiert noch. Man könnte wohl ein Mainstream-Kitschbuch draus machen. Die stilistischen Erfahrungen dafür habe ich mir zähe errungen. Aber ob es das wert ist? Keine Ahnung.

    Zur eigenen Arbeit kam ich während des Ghostromans nicht. Die Aufgabe war tatsächlich komplexer, als ich gedacht hätte. Was vor allem an der, sagen wir, einfachen Sprache lag, die gewählt werden mußte. Jegliche Rhythmisierung wurde runtergebrochen auf plane, möglichst kurze Sätze, Anspielungen verboten sich; Perspektivwechsel verwirrten. Es durfte keinerlei Ambivalenzen geben. Kurz, alles, was ich als Kunst geschrieben hatte, mußte wieder weg – ein teilweise schmerzhafter Prozeß für mich, aus dem ich unterm Strich aber extrem viel gelernt habe. Nein, auch für meine Dichtung war dieses Jahr nicht verloren – einfach auch deshalb, weil ich begriff, wie die meisten Leser:innen funktionieren. Das punktet aufs Handwerk einiges drauf, und zwar auch dann, wenn man es für die eigene Arbeit nun erst recht vermeidet. Können aber sollte man‘s schon.

    Wenn ich mir dies hier alles noch einmal durchlese, weiß ich überhaupt nicht, wie es zu schaffen ist. Denn auch der Zweite Friedrich ist mir nach wie vor im Kopf.

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    Thu, 14 Sep 2017 06:44:38 +0000
    isla volante : ein schöner name http://feedproxy.google.com/~r/volante/~3/vDIrnPpo0WI/ http://feedproxy.google.com/~r/volante/~3/vDIrnPpo0WI/

    ein schöner name. was er wohl bedeuten mochte? der bürgerkrieg in syrien hatte einen namen bekommen. ein gesicht.

    der krieg? nein, nicht der krieg. was neben ihr saß, dachte milla bei sich, waren ein kleiner junge und dessen schicksal. war bestimmung. hatte angeklopft an ihre tür. da waren zwei lebenslinien, die einander begegneten und miteinander pflaumenkuchen aßen. pflaumenkuchen, der auf der einen seite nun auf immer die freundliche geste millas, ihren blühenden garten – und auf der anderen seite die pflaumenbäume der gärten damaskus‘ und das bild eines kleinen jungen namens tarik in erinnerung rufen würde.

    „bist du noch traurig?“

    milla verneinte lächelnd. über der begegnung mit dem kind war ihre trübe stimmung in vergessenheit geraten. gewiss, sie erinnerte sich. der grund ihrer traurigen gedanken war jedoch weit, weit entfernt wie das andere ufer des sees. das gehörte zwar zum see und dessen ganzen wie das ufer, das an ihrem garten verlief, doch verlor es sich in der ferne wie das vergessen. etwas zu vergessen, macht es nicht ungeschehen, aber erträglicher. milla dachte an ihre katze und wie die auf der wiese vor einem mauseloch saß und es darauf abgesehen zu haben schien, bei den mäusen in vergessenheit zu geraten.

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    Thu, 14 Sep 2017 06:13:08 +0000
    Nymphenbad : Rauschhafte Zeremonien am Rande des Gartens http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/rauschhafte-zeremonien-am-rande-des.html http://nymphenbad.blogspot.com/2017/09/rauschhafte-zeremonien-am-rande-des.html Vor einem Jahr

    Der Einschlag geschieht in den richtigen Sektoren; die Woche hat ihren Mittwoch erreicht. Bereits jetzt schält sich aus gewissen Lichtungsergebnissen eine Reise in den neblichten Aspekt, anberaumt für das nächste Jahr, aus den Ereignissen heraus, die sich nicht nur mehr überschlagen, sondern, ganz famos, gleichzeitig sind. Ein Zustand also, den das Wort nicht erreicht, sobald es Raum betritt. Hier schichten sich Schichten zu neuen Schichten, verankern sich, bedingen sich und weben neues Sphärenmaterial.

    Frühstück auf dem Markt; im Künstlerhaus am Nachtmittag treffen wir Kokko. Das wir ist kein Zufall. Wie schnell man sich verdoppelt, wie schnell man sich wirklich verdoppelt und dann vierfach sieht. Ende für heute. ]]>
    Thu, 14 Sep 2017 06:04:58 +0000
    parallalie : Ibn Hamdîs, Diwan, II http://parallalie.twoday.net/stories/1022632483/ http://parallalie.twoday.net/stories/1022632483/ Er beschreibt das Ergrauen und erinnert sich an die Liebe zu seiner Heimat

    1
    Die Sorge ums Ergrauen schlug der Jugend Freude in den Bann,
    das Ergrauen, wenn’s erglänzt, läßt dunkle Nacht heraufziehen.

    2
    Ich hatte den Mittagsschatten der jugendlichen Kraft erreicht
    als sie, sich neigend, sich von mir entfernte.

    3
    Vermagst du meinen verlorenen frischen Jahren Trost zu spenden?
    Wer das Übel vorfindet, ist auf Abhilfe erpicht.

    4
    Soll ich meine grauen Haare schwarz färben,
    damit sich Nacht über die Morgenröte stülpt?

    5
    Wie soll ich den gefärbten Haaren trauen,
    wenn mir der Glaube in die Jugend fehlt?

    6
    Ein leichter Wind, ein Zephyrhauch
    murmelte frisch, lieblich verscheidend.

    7
    Wir, auf Reisen, und der Regen, ihm verschwistert,
    ließ den Himmel Tränen fallen auf das tote Land.

    8
    Hörtest Donnergrollen durch die Wolken rollen:
    als röhrte der Kamelhengst seinen Stuten zu.

    9
    Aus ihren Säumen zuckten Blitze
    funkelnd wie gezückte blanke Klingen.

    10
    Die Nacht umhüllte mich in ihre Finsternis:
    “O kommt, ihr, der Dämmerung Lichtbringer!”

    11
    Und du, oh Wind, wenn je du die Wolken in Regen auflöst
    und den durstigen Lagern davon zu trinken gibst,

    12
    weh mir die trockenen zu,
    damit ich sie tränke mit dem Wasser meiner Tränen,

    13
    und mein Weinen begieße die Wohnstatt der Jugend;
    denn nie, in der Trockenheit, hörte sie auf, von Tränen benetzt zu werden.

    14
    Mach, daß ihnen nicht dürstet, den Resten einer heimatlichen Wohnstatt,
    sei’s trächtige Wolke, die sich nähert, sei’s eine, die fortzieht.

    15
    Wenn du sie nicht kennst, wisse, daß von ihren Zweigen
    die Hitze der Sonne den Duft der Aloe ausströmt.

    16
    Das soll dich nicht wundern, denn in den Zimmern der Liebe
    erfüllt ihren Raum der Erde Wohlgeruch.

    17
    Es weilt unter ihnen mein verliebtes Herz;
    aus ihnen schöpf’ ich den letzten Seufzer meines Körpers.

    18
    Zimmer, denen meine Wünsche zustreben,
    wie die Wölfe, die in den Wald sich begeben.

    19
    Dort war ich den Löwen Gefährte im Dickicht;
    dort sucht’ ich die Gazellen in ihrem Lager auf.

    20
    Jenseits, oh Meer, von dir, hab’ ich ein Paradies,
    wo mich Wonne gekleidet und nicht des Unglücks Gewand.

    21
    Als ich auf den Morgen wartete,
    zogst du mir zum Trotz den Abend dazwischen.

    22
    Oh, wär’ es mir gelungen, meine Gelübde erhören zu lassen,
    als das Meer mich hinderte, sie zu erreichen,

    23
    ich hätt’, es zu überwinden, den Mondbogen als Boot benutzt,
    bis ich dort hätte umarmen können eine Sonne.

    [Ibn Hamdîs, Diwan, I] ]]>
    Wed, 13 Sep 2017 19:01:00 +0000