Archiv der Kategorie: Zur Person

Phyllis Kiehl

Phyllis Kiehl, Künstlerin, geboren 1966 in Bensheim, Bergstraße, Studium an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, lebt und arbeitet in Frankfurt und Paris.

Medien: Text, Zeichnung, Fotografie, Skulptur/Installation.

Veröffentlichungen von Erzählungen und Prosatexten, u.a. bei Stroemfeld/Roter Stern, Metronome Press und die horen, Atelierstipendium d. Hessischen Kulturstiftung in Paris, Veröffentlichung des Romans „Fat Mountain“ bei Metronome Press 2004. Ausstellungen und Lesungen u.a. Literaturhaus Frankfurt, Fridericianum Kassel, Historisches Museum und Schirn Kunsthalle Frankfurt. Konzipiert und hält im Auftrag mehrerer Stiftungen Schreibseminare für ausländischstämmige Jugendliche. Betreiberin des Weblogs „Tainted Talents – Ateliertagebuch“. 2010 erschien bei die horen „Der Sprung über die Kante / Das Schreiben als Kunst“ die Erzählung „Lamu Tamu“.

Ich hab gerade eine schnelle Idee für eine Frage, die Millionen Sporen abwerfen würde: Aber verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht hier nicht um Beziehungen. Schon gar nicht um Grobmaschiges. Es ist nur ein Beispiel. Also: Gesetzt den Fall, ich erhöbe mich abends um neun vom Schreibtisch. Nähme meinen Wohnungsschlüssel vom Haken, packte ihn in einen Briefumschlag und schriebe darauf: ‚Phyllis Kiehl. Bleiben Sie fünfzehn Minuten. Sprechen Sie nicht mit mir. Nehmen Sie nichts mit. Hinterlassen Sie mir eine Frage, bevor Sie gehen. Jetzt!‘

Ich verschlösse den Umschlag, öffnete mein Fenster und würfe den Umschlag samt Schlüssel hinunter auf den Gehweg.

Wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einträte, der verstünde? Was gäbe es denn zu verstehen? Schläft die bestmögliche Frage in jedem Menschen, bedürfte es nur eines Zauberworts, einer unwägbaren Situation, um sie zu extrahieren? Wie hoch wäre das Risiko, so etwas zu tun?

Sie sehen, haufenweise Sporen.

Litblog / URL:
Tainted Talents
http://taintedtalents.twoday.net/
https://taintedtalents.de/

J. S. Piveckova

J. S. Piveckova (aka Melusine Barby) wurde 1965 geboren. Sie studierte Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Politikwissenschaft in Gießen und Frankfurt. Sie promovierte über den Physiker G. C. Lichtenberg und den englischen Maler William Hogarth. Sie ist in der beruflichen Aus- und Weiterbildung tätig und lebt in der Nähe von Frankfurt a. M.

Das Auge zu zähmen, hatte ich versprochen. Das Auge zu zähmen, heißt jedoch nicht, sich die Welt vertraut machen. Wer zur Augen-Zähmung antritt, muss sich arg hüten, nicht mit den Hütern der Sittlichkeit an einem Strang zu ziehen. Es darf nicht darum gehen, die Augen zu verbinden. Oder ihr Sichtfeld durch Scheuklappen einzuschränken.

Das Auge zu zähmen heißt vielmehr: die Welt als Unvertraute wahrnehmen. Das Geheimnis der Liebe. Blickwechsel. Die nichts durchschauen. Die nichts aufdecken. Die aber sich erkennen im schimmernden Spiegel des anderen Auges. Das fremd doch immer bleibt. Das Auge soll nicht abbilden, sondern einbilden. Die Freisetzung einer ungeheuren Kraft. Die aus dem Dienst genommen wurde durch den aufklärerischen Impetus, in den sie ein Jahrtausend gestellt war: mit den „Augen der Einbildungskraft“ schrieb Loyola in den „Betrachtungen über die Hölle“ sollten „die unermesslichen Feuergluten und die Seelen wie in feurigen Körpern“ gesehen werden. Was der Jesuit beschwor, um zu ängstigen und zu unterwerfen, könnten wir freisetzen, um Lust zu empfinden.

Wir kämpfen an zwei Fronten: gegen die Wächter der Sittlichkeit, die unsere Einbildungskraft in Bahnen lenken wollen und gegen die Wächter der Sicherheit, die uns die Schau stehlen wollen durch ihre gleißenden Scheinwerfer, die alles durchleuchten.

Litblog / URL:
Gleisbauarbeiten
http://gleisbauarbeiten.blogspot.com/

Guido Rohm

Guido Rohm wurde 1970 in Fulda geboren, wo er heute auch lebt und arbeitet. Er schreibt u.a. Buchrezensionen für verschiedene Onlinemagazine. Dabei entdeckte er auch den amerikanischen Kultautor Tom Torn für den deutschsprachigen Raum. Sein Debüt, der Kurzgeschichtenband „Keine Spuren“, erschien 2009 im Seeling-Verlag (Frankfurt). Der deutsch-französische Schriftsteller und Übersetzer Georges-Arthur Goldschmidt schrieb das Vorwort zu „Keine Spuren“. Sein erster Roman – „Blut ist ein Fluss“ – erschien im Frühjahr 2010 ebenfalls im Seeling-Verlag. Im Textem-Verlag (Hamburg) wurde seine Erzählung „Eine kurze Geschichte der Brandstifterei“ veröffentlicht. Außerdem betreibt und betrieb er diverse literarische Weblogs.

… ich bleibe stehen, das ist ja ein Buch, sage ich zur Seraphe, Buch, fragt die, klar, sage ich, da liegen lauter Geschichten, die müsste man nur ausgraben und aufschreiben, die warten förmlich darauf, dass man sie aus ihren Gräbern reißt und in eine Datei packt, du scheinst das Essen nicht vertragen zu haben, sagt die Seraphe, ein herrlicher Ort, sage ich, atme mal die Luft ein, die Seraphe schüttelt den Kopf und geht weiter, ich gehe noch ein paar Gräber ab, ist eine Riesennummer für einen Autoren hier, ich fühl mich großartig, ja, so einen Herbst sollte man auf den Friedhöfen verbringen, da hin, auf eine Bank setzen, Laptop raus und tippen, die Blätter beschreiben, die alten Frauen, die langsam zu den Gräbern ihrer Männer schlurfen, die Gesichter sind von der Kälte zerschnitten, ist das die Lebenskälte, frage ich mich …

Litblogs / URL:
Der Wortbruchstellenverursacher
http://wortbruchstellenverursacher.wordpress.com/
Aus der Pathologie
http://guidorohm.wordpress.com/
Guido Rohms gestammelte Notizen
http://guidorohmsgestammeltenotizen.wordpress.com/

roughblog / Urs Engeler (Hrsg.)

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roughbooks und das roughblog sind aus dem Verlag Urs Engeler Editior entstanden. Mit diesen Projekten setzt Urs Engeler seine Tätigkeit fort.

“roughbooks sind Bücher, der roughblog ihre Erweiterung in der Welt weit weg. Wir pfeiffen auf „klein aber fein“ – rough wolln wir sein!“ (Mehr …)

LIED ZUR GESELLENREISE DER ROUGHBOOKS

Die Ihr einem neuen Grade
der Erkenntnis nun Euch naht,
wandert fest auf Eurem Pfade,
wißt, es ist des Roughen Pfad.
Nur der unverdroß‘ne Mann
mag sich unsern roughbooks nah’n!

Nehmt, o Leser, zum Geleite
Der Verleger Segen mit!
Vorsicht sei Euch stets zur Seite;
Wißgier leite Euren Schritt!
Prüft und werdet nie dem Wahn
träger Blindheit untertan!

Rough ist zwar des Lebens Reise,
aber süß ist auch der Preis,
der des Lesers harrt, der weise
seine Fahrt zu nützen weiß.
Glücklich, wer einst sagen kann:
Es war rough auf meiner Bahn!

Nach Joseph Franz von Ratschky
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

Litblog / URL:
roughblog
http://roughbooks.wordpress.com/

Anatol

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1977 in Wien (AT) geboren. Studium der Medieninformatik an der TU-Wien. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die konkrete und visuelle Poesie, die Kombination von Bild und Text. Anatol ist Mitglied der „Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs“.

Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften:
2010 „The Last Vispo“
2010 „Ein Alphabet der visuellen Poesie“ edition ch
2010 „Klartext 2“, Bildungshaus Schulbuch
2009 „Kartext 6“ Westermann-Verlag
2007 „Kürschners Handbuch der bildenden Künstler“, Saur Verlag
2007 „Papiertiger Sprachlesebuch 4“ Diesterweg Verlag
2007 „Navi deutsch 4“ Bildungsverlag EINS
2005 „Comma Magazin – Zeitschrift für Literatur – Kunst – Philosophie“
2003 „Vernissage – das Magazin für aktuelles Ausstellungsgeschehen“

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Litblog / URL:
Visuelle Poesie
http://visuelle-poesie.blogspot.com/

Aléa Torik

Aléa Torik, geb. 1983 in Siebenbürgen, Rumänien. Bilingual aufgewachsen. Studium der Linguistik und Literaturwissenschaften in Bukarest und Berlin. Derzeit Promotion zum Thema „Identität, Authentizität und Illusion“ an der HU in Berlin. Roman über einen Blinden („Das Geräusch des Werdens“).

Schön sein wollen, Nägel lackieren, Lippenstift auflegen. Schöner sein wollen als man ist. Um aufzufallen. Um das Begehren anderer zu wecken. Das Begehren derer, die einem sagen sollen, dass man schön ist. Schönheit, die Angst verdeckt. Die eigene und die des anderen. Die Angst vor allem und jedem. Und dazu die ganz große Angst, die nämlich, die hinter allem und jedem lauert. Die Angst vor dem Tod. Das ist vielleicht die wichtigste Funktion der Schönheit: den Tod vergessen zu machen.

Litblog / URL:
Aleatorik
http://www.aleatorik.eu/

mitSprache unterwegs

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Das Weblog in|ad|ae|qu|at wird weniger als persönliches Journal geführt , denn als Mitschrift und Reflexion des literarischen Lebens . Autorinnen und Autoren stellen ihre Arbeiten im wöchentlichen “Salon Littéraire” vor und werden bio- bibliographisch kontinuierlich begleitet . Während des Jahres 2010 betreut in|ad|ae|qu|at das von den österreichischen Literaturhäusern initiierte Autoren- und Reiseprojekt “mitSprache unterwegs” : Zehn Autorinnen und Autoren sind als Reise- und Reportage- Stipendiaten unterwegs , ihre Reisenotizen , Fotos und aktuelle Textproben werden in Blogpostings unter dem Motto „mitSprache“ dokumentiert .

Links :
mitSprache allgemein | übersicht
mitSprache autorInnen
mitSprache weblogs

Autorinnen & Autoren :
Christoph W. Bauer, Clemens Berger, Eugenie Kain, Anna Kim, Radek Knapp, Lydia Mischkulnig, Martin Pollack, Peter Rosei, Sabine Scholl, Doron Rabinovici.

Der goldene Fisch

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Autoren:
Hartmut Abendschein
Konstantin Ames
Christoph W. Bauer
Mirko Bonné
Carolin Callies
Andreas Drescher
Karin Fellner
Claudia Gabler
Sylvia Geist
Mathias Jeschke
Christine Kappe
Björn Kiehne
Gerald Koll
Thorsten Krämer
Norbert Lange
Christine Langer
Sünje Lewejohann
Christian Lorenz Müller
Fernando Offermann
Martin Piekar
Oliver Platz
Kerstin Preiwuß
Hendrik Rost
Tobias Schoofs
Andreas Louis Seyerlein
Markus Stegmann
Hans Thill
julia Trompeter
Nikolai Vogel
Carsten Zimmermann
Martin Zingg

Mit Beiträgen von:
Johannes Ottmar
Britta Höper
Sudabeh Mohafez
Nadja Einzmann
Liu Xiaobo
Christine Marendon
Marjana Gaponenko
Arne Rautenberg
Katharina Höcker
Rebecca Maria Salentin
Jochen Schimmang
Aleš Šteger
Guido Graf
Andreas Münzner

(Stand 03/2017, Mehr zu den Schreibenden)

Litblog / URL:
Der goldene Fisch
http://www.der-goldene-fisch.de/

Stan Lafleur

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Geboren 1968 in Karlsruhe. Lebt in Köln als freier Autor, Journalist, Regisseur, Spoken Word-Performer. Zuvor diverse Studien, Reisen und Erwerbstätigkeiten.

Zahlreiche literarische Veröffentlichungen (Lyrik, Prosa, Hörspiel) in Print, auf Audio- und Videodatenträgern, in Radio, TV und Internet. Hunderte Live-Auftritte. Ausgewählte Gedichte wurden für Zeitungen, Zeitschriften, Anthologien und Festivals ins Arabische, Englische, Französische, Italienische, Kroatische, Persische, Polnische, Rumänische, Russische und Spanische übersetzt. Erhielt für sein Schaffen verschiedene regionale, nationale und internationale Auszeichnungen.

Rheinsingsang

durch eine zielrohrähnliche Tunnelanlage
von einer vielflügeligen Fräse getrieben
die wahwahlastige Musik der Weißfische
kommt in auslaufenden Druckwellen
mit splitternden kleinen Grätenpfeilen
Wildlife abseits der Genfer Konvention
die ewigen formschönen Kiesel über
die schon Goethe schritt, schon Heine
das schönste Vermächtnis der Nation
besteht aus Wellen, Aufbau und Zerfall
Altare im zeitlosen Dämmer des Gerölls
in den Jahresringen riesiger Welse
freigelegt von Schiffsschrauben und
der Tiefenschärfe des Fachjournalismus
im Gries der Strömung lauern Grauwerte
auf Grauwerte, das stumme Dröhnen
der Jahrmillionen, wie easy es schwingt
und dann die Einschläge der Kormorane
als Filmsequenz für die Menschheit
sie wachsen dem Fluß aus den Ohren
aus dem Mund, überlagert von einer
nur äußerlich blond wirkenden Melodie

Litblog / URL:
rheinsein
http://rheinsein.de/