den unsichtbaren

text: elke 18. Mai 2011

zeichnung

zwei unsichtbare schauen zum meer, sehen in die finsternis eines hellen tages.
sie gewöhnte sich schnell daran unsichtbar zu sein sie sagte sich, wer unsichtbar ist, der trägt keine geschichte mit sich. sie wusste dass sie sich irrte,
sie fragte sich ob er es auch bemerkte, sie schaute ihn nicht an, sie bemerkte ihn, aber sie sah ihn nicht, während auch er sie nur erahnen konnte.
er hätte gerne etwas aus ihrem gesicht geschnitten, irgendeine geschichte, die es lohnte erzählt zu werden, aber alles was er dort sah, war das grauen eines morgens, ein pistolenschuss, ein körper auf dem boden, ihre kinder die diesen körper sahen, sahen überrascht aus, die ihre schnürsenkel nicht richtig gebunden hatten und dann die flucht, die sie aus ihren augen reißen wollte.
nie würde sie mir diese geschichte erzählen, dachte er und niemand sieht uns an was geschehen ist, so schützen wir uns davor für lügner gehalten zu werden für westpropaganda, die den armen nationalisten ans leder wollen.
ganz still wird es um sie. das meer lauscht, es kennt all diese geschichten, es kann erinnerungen nicht vergraben, es kann sie verwässern, es kann mit ihnen versinken, aber vergraben kann sie nichts.
an einem morgen war er lange unterwegs, er fürchtete von ihnen gefangen zu werden, erschossen zu werden, obwohl es sie doch nicht gab, sie waren doch nichts anderes als westliches geschwätz, propaganda die wollte, dass man die nationalisten hasste.
er riss seinen mut zusammen, er biss sich selbst in die angst, er wollte nicht, dass das verlassen wiederkommen sollte und doch kam es immer wieder, genauso wie bei ihr.
jeden tag stand ihr nachbar vor ihrem mann sah ihn an, sagte, hauen sie ab und ihr mann sagte aber warum, wir sind doch hier geboren, das spielte sich jeden tag ab und natürlich gab es diesen mann nicht und als ihr mann eines tages von ihrem nachbarn erschossen wurde und ihr nichts anderes blieb als die flucht, da wusste sie, das ist der westen der macht dass ich glaube, dieser mann habe meinen mann umgebracht und die kinder verstanden nicht, sie verstanden nicht, dass es das was es nicht gab, mit einer pistole vor ihnen stand und dass es einfach geschehen konnte, dass der himmel breit genug war, dass das meer ein sammelbecken für solche geschichten war und immer würde es menschen geben, die das nicht glaubten, denen der zweifel genügte weiterzuleben, während die gesänge der schweigenden nicht aufhörte, während das verstummen der toten nicht aufhörte.

sn

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