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Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen! » Zum Drunter und zum Drüber des Urheberrechts
18.04.2012, 20:37 … Lesen ▼
Die Zeiten, in denen die staatliche Gemeinschaft Sorge dafür trug, daß alle Bewohner dieses Landes Zugang zu Kunst, Wissen und Kultur haben, sind vorbei. Nicht etwa, daß das alles immer wunderbar funktionierte, denn keine westliche Gesellschaft sieht so sehr auf die Herkunft wie die deutsche, wenn es um Zugänge zu höherer Bildung geht, die in den besagten vergangenen Zeiten zugleich den Zugang zu höherem Einkommen garantierte. Einrichtungen wie Stadtbibliotheken und Volkshochschulen lassen sich aber getrost als Folge dieser Sorge betrachten. Nun, die aus diesen Bibliotheken und Volkshochschulen bestehenden Kulturlandschaften haben sich verändert, sind aber immer noch lebendig, denn ziemlich viele Menschen möchten an diesen Orten immer noch etwas sehen, lesen und lernen. Die in diesen Einrichtungen zur Verfügung gestellten Medien sind gemeinhin gut durchdachte und sorgsam hergestellte Produkte, die auf dem Markt frei verkauft werden, entweder an Einzelpersonen oder an Institutionen. Letztere stellen diese Werke dann denjenigen Menschen gegen kleine Gebühr zur Verfügung, die sich das Buch, die CD oder die DVD nicht leisten können oder möchten. So weit, so gut, so bekannt, so eingeschliffen, so langweilig. Klar ist, es gibt einen freien Zugang zu Kunst, Kultur und Wissen, er ist aber weder kostenlos noch ohne eigene Anstrengung zu haben, so wie dies im Leben generell gilt für alles, was der Mensch braucht und haben will.
Was hat das Ganze nun mit dem Urheberrecht zu tun? Ganz einfach: der Urheber eines künstlerischen Werks, einer ausgeführten Idee sozusagen, hat das Recht, mit seinem Werk in den Markt einzutreten und es dort anzubieten. Will es niemand kaufen, so kann das die mannigfachsten Gründe haben, doch bleibt der Künstler nicht erfolglos, so verkauft er entweder das Original, weil es per definitionem nur ein einziges Stück geben kann, oder er verkauft eines von vielen Originalen, von Kopien, weil es kein materielles Original gibt (allenfalls ein Manuskript, ein Mutterband oder ein “Erstexemplar”). Alle Kopien beruhen aber auf einer Idee, die, wie man so sagt, in ihrer Verwirklichung eine gewisse Schöpfungshöhe haben muß, um etwa als Kunstwerk zu gelten. So weit, so gut, so einfach, so bekannt.
Was aber geschieht nun, wenn dieses Kunstwerk, etwa ein Roman oder ein Lied, nicht mehr zwingend als ein mit Materie verbundenes Gut auf den Markt gebracht wird, wenn es also immateriell als solches ebenso vollkommen ist wie materiegebunden, die erzählte Geschichte auf dem Bildschirm ebenso berührend ist wie zwischen zwei Buchdeckeln? An sich dürfte dies keinen Unterschied machen, denn niemand hat zuvor ein Buch mit dem Bewußtsein gekauft, gebundenes Papier zu erstehen, sondern er oder sie zahlte für die Geschichte, so daß am Ende der Urheber seinen Teil bekam, wenn auch vielleicht nicht den wirklich angemessenen – doch das ist eine andere Diskussion. Ist also etwas verlorengegangen, ist die Geschichte unlesbar geworden, der Film unsehbar, die Musik unhörbar, nur weil das bisher verwendete Trägermaterial unnötig geworden ist? Nein, keineswegs. Wechsel hin zu neuen Formen der Darreichung oder der Speicherung hat es schließlich immer gegeben.
Neu ist nur, daß sich die Werke nun viel leichter klauen lassen, und da kommt die staatliche Gemeinschaft wieder zu ihrer Rolle, denn diese hat zur Hauptaufgabe, die Staatsbürger und überhaupt die Bewohner zu schützen, auch davor, beklaut oder beraubt zu werden. Auch neu ist es, daß die Räuber sich keineswegs mit ihrem Raubgut dünne machen und sich der staatlichen Gewalt entziehen, nein, sie behaupten nun, das kulturelle Gut mit eigenem Recht ohne Bezahlung genommen zu haben, weil es einen uneingeschränkten Zugang zu Wissen und Kultur geben müsse, vielleicht nicht in allen Bereichen, im Internet aber schon. Sie stürmen also nicht die Konzerthallen oder Museen, wohl aber die Hallen der immateriell speicherbaren und (auch) immateriell darbietbaren Kunst. Sind dieses Menschen, Banditen, Räuber und Piraten, verrückt geworden? Ebenso gut könnte man behaupten, aus einem Haus mit offen stehender Türe alles straffrei mitgehen lassen zu dürfen, weil dasjenige, was so ein Haus beherbergt, nun mal ganz allgemein nützlich ist und imgrunde jedem Menschen zusteht. Was einfach zu klauen ist, so die dem zugrunde liegende Ansicht, ist gemeinfrei. Natürlich würde die Polizei in einem solchen Falle eingreifen, nicht mal völlig unbrauchbar gewordene Gegenstände dürften mitgenommen werden und natürlich auch keine Kunstwerke, ob nun einmalige oder die als Kopien vorhandenen.
Im Internet soll dies nun alles anders sein, denn die Fünfte Kolonne* der Internetriesen Google, Facebook und so weiter will geschütztes Gut benutzen dürfen, ganz ungeachtet der sogenannten Schöpfungshöhe und der für die Herstellung des Produktes aufgewendeten Arbeitsleistung, frei nach dem Motto, wer nachts mit seinen Klunkern durch die Gegend läuft muß sich nicht wundern, wenn er überfallen wird – der Räuber kann da nix zu! Also weg mit dem Recht am geistigen Eigentum, sofern es sich als leicht entwendbar herausstellt, oder wenn das den gewählten Vertretern des aus Piraterie Nutzen ziehenden Volkes nicht gelingen sollte, dann muß dem Künstler wenigstens das Recht an seinem Werk nach ein paar Jahren genommen werden, denn daß jemand aus seiner Arbeit so lange Nutzen zieht wie diese Künstler, das hat die Weltgeschichte ja noch nicht gesehen! Sollen die doch am Ende froh sein, wenn ihre Werke von Internetfirmen, die sich um alles kümmern, verbreitet werden, denn so haben ja alle was davon. Oder? Oder doch nicht?
* Niki Stein, Regisseur und Drehbuchautor, schreibt: “Warum eigentlich hat sich diese neue, junge Partei so auf uns Urheber eingeschossen? Warum bekämpfen die Netzaktivisten nicht die Netzmonopolisten Apple, Google, Facebook und Amazon, die längst ihre Vorlieben und Freunde, ihr Seh- und Leseverhalten gespeichert haben, die totalitäre Giganten geworden sind in einer Welt, in der die Herrschaft über Information ein ähnlich großes Erpressungspotential besitzt wie die Atombombe?”
Der lesenswerte Artikel von Niki Stein findet sich in der FAZ.
e.a.richter » A-001 THE ARTIST/IL ARTISTA
18.04.2012, 20:00 … Lesen ▼
nur mit Block ausgestattet und Filzstift
ist Fausto the artist/il artista, der allen
sofort etwas schenkt: seinen Namen, ein
Schnellporträt, einen Satz, eine Pointe,
einen Witz, einen Blick, winzige Fundstücke,
blitzschnell in immer neuer Konstellation.
Am Gitterzaun Anfang und Ende zugleich.
Du und ich, wir alle, wir kommen und gehen.
Wenn du von rechts kommst, empfängt dich
ein lang gezogener Kreidemann, zittrig,
doch mit schmaler ausufernder Hand.
Es ist Faustos etwas klebrige Rechte,
die er nicht aufhält. Die Cent-Münzen
kommen aus der eigenen Tasche,
in einem Schiffchen aus Alufolie
oder einer schäbigen Börse, von wo sie dir
scheinbar von selbst in die Hand wachsen.
Narcissus! Wenn du Narcissus sein willst jederzeit;
hol dir eine Porträtscherbe aus der Plastikdose!
Alles von ihm und doch Eigentum aller anderen.
Jetzt bist du zufällig der andere, der nur immondizia erbt,
rubbish, wie die desparate Nackte auf dem Blatt
gegenüber an der Mauer der Akademie,
die eine schnell hingeworfene Strichfigur mit ihrem
langen Fernrohr ununterbrochen beäugt.
Du beäugst ihn, Fausto, er dich. Sie ihn, er sie,
im Licht aus den Strahlern im Boden.
Die Alubarke entgleitet dir nicht. Eine Weile
bleibt sie Bestandteil deiner Ideen. Münzen, Blätter,
Stifte, frische Luft. Als Studio genügt dir, wie ihm,
der Betonrand des Durchgangs, und dort
ein paar Kreidestummel, schwarze und weiße
Kartone, zerquetschte Farbtuben.
Und wenn du einen Doppelgänger suchst
nimm ihn, Fausto, als Divus Augustus in einen
zusammengeschusterten Rahmen gepreßt,
vor einem Foto mit römischen Lettern!
Willst du aber gehen, dann benütz einfach the long jump/
il grande salto: zwischen drei Absprungpositionen
kannst du wählen. Wo auch immer du landen willst –
jede entfernt dich jäh und ganz
(Dienstag, 27.03.2012, 2.08, Rom) [Link/Kommentar]
isla volante » litblogs lesezeichen
18.04.2012, 9:07 … Lesen ▼
in dieser ausgabe:
vorbehaltflächen und dunkelstromschiffe, arthur schnitzlers „der schleier der pierrette“, die wärme möglicher briefe, die etymologische abstammung des wortes „fiets“, die verfallsgeschichte der systeme, der central park zur mittagszeit, harter gummi und lostuckernde boote, ein leipziger buchmesse-rückblick, überwundenes und übermaltes, alabasterdöschen und hefeteig, eine herde von schafen, ein dramolett der traum-haus-frauen, funktionierendes leben, rohms blutbild, ein vorstellungstermin in einem alten wuppertaler gewerbegebiet, eine klangfuge ohne bestimmbare folge, errötende mädchen, ausnüchterungszellen, schwingende texte uvm.
in|ad|ae|qu|at » Litblogs.net – Lesezeichen 1 | 2012
18.04.2012, 8:49 … Lesen ▼
||| QUARTAL- ANTHOLOGIE | LESEZEICHEN 1 -2012 | LESE – LISTE – PROBEN | LESEZEICHEN BACKLIST | KLANGAPPARAT
QUARTAL- ANTHOLOGIE
Vierteljährlich erbittet das Forum litblogs.net von seine Contributorinnen und Contributoren den Vorschlag eines persönlich bevorzugten ( besten , bösesten , repräsentativsten … ) Beitrages für die quartalsmässig erscheinende Anthologie “ Lesezeichen” .
Nun ist es wieder so weit und mit dem “ Lesezeichen 1 | 2011 “ ist die ( per RSS- Feed abonnierbare ) Querlese aus mittlerweile 21 literarischen und bildkünstlerischen Weblogs sowie aus dem Forum “der goldene fisch” zu präsentieren .
Neu hinzugekommen ist mit dem “Traxler- Leseblog” ( aka “Garderobenmarken” ) ein Blog , dessen Autoren Autorinnen sich ausschliesslich mit Martin Traxlers im März bei kookbooks erschienenem Band poetischer Aufzeichnungen You’re welcome . Gedichte | Aufzeichnungen kookbooks 2012 . Aléa Torik hat sich inzwischen verabschiedet .
Neu und unbedingt beachtenswert sind die Jahresbände 2008 bis 2010 : In dieser Darstellung ist der Archivband wie eine Zeitung layoutet und kann bequem per Mausclick durchgeblättert werden .
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LESEZEICHEN 1 | 2012
In Dieser Ausgabe :
Vorbehaltflächen und Dunkelstromschiffe, Arthur Schnitzlers „Der Schleier der Pierrette“, die Wärme möglicher Briefe, die etymologische Abstammung des Wortes „fiets“, die Verfallsgeschichte der Systeme, der Central Park zur Mittagszeit, harter Gummi und lostuckernde Boote, ein Leipziger Buchmesse-Rückblick, Überwundenes und Übermaltes, Alabasterdöschen und Hefeteig, eine Herde von Schafen, ein Dramolett der Traum-Haus-Frauen, funktionierendes Leben, Rohms Blutbild, ein Vorstellungstermin in einem alten Wuppertaler Gewerbegebiet, eine Klangfuge ohne bestimmbare Folge, errötende Mädchen, Ausnüchterungszellen, schwingende Texte uvm.
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LESE | LISTE | PROBEN
Hier die Liste der Blogs , ihrer Menschen und deren ausgesuchte Stich- und Streifproben :
ENDE ENDES
von Andreas Drescher
in der goldene fisch
DAS TASTENDE
als Rad im Blick
zen
trip
et
al
EIN TASTENDES
das sich nur immer mit sich selber füllt
wieder und wieder
er
neu
er
t
mit dem harten Gummi der sich abreibt
ohne sich zu schmecken
Nichts gleicht dieser
Straße Ach Ja welcher Straße
ver
t
e
e
r
t
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ein Herz ist noch übrig vom Tag
von Dana Buchzik
in Ze zurrealism itzelf
findet da ein Kribbeln statt zwischen uns,
sag, sind wir Passanten
oder sprechen wir uns einen Schritt
nach vorn?
zwischen uns ist Wetter, schlohweiß
legt es sich über die Wärme
deiner möglichen Briefe.
Fußspuren einer Fotografie: dein Sepiablick,
deine ungekämmten Augen, grobkörniger Gruß
und Morgen: ein stumpfes Gefühl. ( … )

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Wolfram Malte Fues in Karlsruhe
von Matthias Kehle
in Matthias Kehles Lyrik-Blog
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Trümmermaul
von Michael Perkampus
in Die Veranda
Eine neue Poesie breitet ihren Mantel über den Strom: Rhythmus ist Maschinentakt, Inhalt ist Arbeit, Melodie – vielleicht Akkordeonklang zum Sonntagstanz, lotrechte Kurven, aufrechter Untergang. Bannt Honoré Daumier mit flinkem sicherem Stift die Badenden, Pudelscherer, Angler an den Kais in sein Sketchbook (der Bouquinisten=Tratsch, und ich erstand Arthur Schnitzlers „Der Schleier der Pierrette“ mit Autograph des Verfassers und seines Illustrators für 20 Francs). Hier ist keine Zeit, hier ist Allzeit ( … ) .
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über wunden
von Anatol
in Visuelle Poesie


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Belgisch-rheinische Sprachforschung
von Stan Lafleur
in rheinsein
Im Folgenden geben wir einen Bericht des belgischen Publikationsorgans de redactie vom 21. Februar 2012 wider, der sich mit einem der letzten Rätsel der niederländischen Sprachwissenschaft befaßt hat – und wieder von einem Zufall gesteuert wurde. Es geht um die etymologische Abstammung des Wortes „fiets“ (dt: Fahrrad):
„Gunnar de Boel, Professor für vergleichende Sprachwissenschaft an der Genter Universität, kippte mit einem deutschen Freund aus dem “südlichen Rheinland” zusammen Apfelwein. Im Gespräch nannten sie das Getränk „Viez“ (ein uns bekannter saarländischer Begriff für den Most, Anm. rheinsein): „Vize-Wein“ sozusagen, befanden die Trinker, bzw: Weinersatz. De Boel stellte dabei die Verbindung zum niederländischen Wort „fiets“ her und vertiefte die Hypothese gemeinsam mit seinem Kollegen Luc de Grauwe: im Deutschen sei das neuartige (in seiner Urform, der Draisine, am Rhein erfundene, Anm. rheinsein) Fahrrad laut der bahnbrechenden Theorie seinerzeit „Vize-Pferd“ (also: „Zweiterklasse-Pferd“, „Ersatz-Pferd“) genannt und später mit „Viez“ abgekürzt worden, ganz so wie „Automobil“ später zu „Auto“ wurde. Das Wort müsse dann nach Belgien und in die Niederlande geschwappt sein. 1870 sei „fiets“ zum ersten Mal im Niederländischen aufgetaucht, seit 1886 aber stritten sich die Sprachkundigen über dessen Herkunft, ohne eine angemessene Theorie hervorgebracht zu haben – was nun endlich der Vergangenheit angehöre.“
(Wenn wir an dieser fantastischen Hypothese etwas zu bemängeln haben, dann allenfalls, daß der erhellenden Kraft des Apfelmosts in der Berichterstattung deutlich zu wenig Referenz erwiesen wird. Desweiteren hätten wir eine eigene Schnelletymologie in die Debatte zu werfen, eine Idee, die uns auf gleichsam belgische Weise während einer Trance zufiel: könnte sich aus dem weithin bekannten Urbegriff “Vize-Pferd” nicht direkt das Wort “Fahrrad” entwickelt haben? Man achte nur auf den jeweils gemeinsamen An- (V gesprochen wie F) und Ablaut (d). Nein? Aber dann gewiß doch der Begriff Veloziped (Pääd: rheinisch für Pferd, Velozi enthält dieselben Buchstaben wie Vize). Und jetzt belegen Sie mal, wie Sie vor rheinsein auf diesen sensationellen sprachwissenschaftlichen Zusammenhang gekommen sind!)
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central park : grammophon
von Andreas Louis Seyerlein
in particles

foxtrott : 0.15 – Im Central Park zur Mittagszeit ein betender Mann, Moslem, Rikschafahrer, der Höhe 61. Straße unter einer mächtigen, weitverzweigten Ulme kniet, vielleicht unter einem jener Bäume, deren Setzlinge im Jahr 2008 nach Oregon geschickt wurden, um sie dort groß zu ziehen und wieder nach Manhattan zurückzuholen. Das klagende Singen der Kinderschaukeln. Ein Eichhörnchen hetzt über eine Wiese. Bald kauert das Tier in der Nähe des betenden Mannes, scheint ihn zu beobachten. Ich könnte jetzt warten, bis der Mann mit seinem Gebet fertig geworden ist. Ich könnte mich zu ihm in seine Rikscha setzen. Wir könnten gemeinsam durch den Park fahren. Ich könnte ihm eine Geschichte erzählen. Ich könnte erzählen, dass ich gerade eben noch in einem Cafe gehört hatte wie eine junge, lustige Mutter von ihrer Absicht berichtete, ihren Sohn, der noch nicht geboren worden ist, mit dem Namen Grammophon zu versehen. Das ist eine wirklich aufregende Geschichte, die ich tatsächlich sofort erzählen sollte. Ich sollte den jungen Mann weiterhin fragen, ob er mir vielleicht erklären wolle, weshalb es lebensgefährlich für mich werden könnte, sobald ich mich öffentlich kritisch fragend über Mohammed, den Propheten, äußern sollte. Vielleicht würde der junge Mann bremsen, vielleicht sich unverzüglich von seinem Fahrrad schwingen. Wir würden uns auf eine Bank setzen und Geschichten erzählen von Grammophonen, von Propheten und wie es ist, im Winter Rikscha zu fahren. Ich würde ihm vielleicht eine weitere jener Geschichten erzählen, die ich seit Wochen auf Fährschiffen suche, und vom Schnee, den ich als Kind fangen wollte. Ja, so könnten wir das machen, sofort, gleich wenn der betende Mann sich erheben wird. – stop
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Brigitta Falkner : collection #03
hrsg. von Christiane Zintzen
in in|ad|ae|qu|at
collection #03 (06:00) from brigitta falkner on Vimeo.
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Jede Negation beginnt mit einer Bejahung der Zeit.
von Rainer Hoffmann
in taberna kritika
In uns tobt so vertraut die Angst, daß es uns gelang, den einst heiligen Wahn ins Fürchterliche, Kranke zu verschieben.
Verfallsgeschichte der Systeme: von Großgehegen zu Laufställen am Abgrund.
Das Helle zieht mich tiefer hinab.
Wie trunken, wie gierig malt uns das Lebendige die Wirklichkeit! Wie schematisch und routiniert skizziert der Realist das Leben.
Jede Negation beginnt mit einer Bejahung der Zeit.
Das Unmittelbare ist eine komplizierte fixe Idee.
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Inside Passage I
von Sylvia Geist
in der goldene fisch
Kein Archiv für den Vogel.
Für den hellen Fleck auf dem Dunst,
seinen Kopf, den nickenden Wipfel,
als er abhob,
zwischen drei, vier Flügelschägen
das lostuckernde Boot vielleicht.
Gedächtnis verliert, Gegenwart wird
die Verbrennung und das gelöste Eisen
in dir, wenn die nackten Fächer der Hände
von einem anderen Motor an
seinen Herzton erinnert, sich auftun.
Aufgehoben in seiner Nussschale wie du
in deiner schlingernden
Erfindung, träumt das Gewebe,
dass du die Finger von der Reling löst.
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Pinocchio in Leipzig
von Benjamin Stein
in Turmsegler
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neue farbe
von Rittiner & Gomez
in logbuch isla volante

herr kobald sucht eine neue farbe für seine wohnungsräume. wir sind gerne bereit zu helfen. so kann er uns gleichzeitig zeigen, wie wir das mit dem kaffee rösten verfeinern können.
auf der anderen seite der klippe hat es auch ein haus.
heute kommt das letzte bild der übermalungs- und überzeichnungsversuchsreihe.
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Tagaus
von Phyllis Kiehl
in Tainted Talents
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die gewitterziege (tierische komposita #1)
von Sudabeh Mohafez
in zehn zeilen
mit fest in den boden gestemmten beinen, steht sie vorm waldsaum auf der wiese. ihr fell ist weiß. ihre hörner sind spitz. zwischen ihnen tobt ein funken, ein feiner, heftiger funken, immer hin und her. die kleine gewitterziege vibriert konzentriert und wie aufgespannt. mit den vorderbeinen stampft sie ins gras, ein einziges mal, schlägt zweimal mit den hinterbeinen aus: weit über den spitzen der lärchen, der buchen fährt ein licht durch den himmel. dann noch eins und wieder eins, in zacken aus weiß. beiläufig sieht das tier zum zenit, wo es grollt und donnert. der wind fegt vom wald her über die wiese, dass der mickrige borstenbart krummsteht im sturm. endlich ein kurzes meckern. dann entspannt sich, beim ersten regentropfen, ihr leib, und sie trollt sich zur herde von schafen, unter denen sie, zu gewöhnlichen zeiten, beinahe unerkannt lebt.
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“WIR SIND KEINE FRAUEN FÜR LOCKERE TREFFEN” (oder: Die neue Nachbarin)
von J. S. Piveckova
in Gleisbauarbeiten
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N21/V2
von Marianne Büttiker
in tempo.fugato

Notate: taggeträumt…
Wie erfasst es sich blau? Wortausrichtung; die Blauheit,
in ihre Formlosigkeit gefasst; ein Weltplan, ein partikulares Geschwader, ein Summen, eine, sich tiefende Oberfläche, eine verdichtete Auflösung, eine formierte Formlosigkeit, eine flüchtige Erscheinung, eine Klangfuge ohne bestimmbare Folge, eine mehrteilig mehrschichtige Meervervielfältigung.
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Wolfgang Schlenker – knappe bedenkzeit
von roughbooks
in roughblog
was immer hier jetzt ist
mehr wird es nicht
das leben scheint zu funktionieren
wie ein tausch
was man gibt
bekommt man wieder
mit verzögerung allerdings
und manchmal aus zweiter hand
aber wie ein prinzip
dieses stirb und werde
und das negativ davon:
wenn ich nicht sterbe
dann sterbe ich
auf der dunklen erde
und siehe da:
der freie wille
ist vielleicht nicht das
wofür man ihn gerne gehalten hätte
aber das ist kein grund
ihn zu verspotten
freier wille
ist ein geschenk
und schenken heißt:
die vergangenheit gibt es nicht.
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27. März 2012, Über mein Blutbild, auch über den internationalen Kunstmarkt, 5.56 Uhr
von Guido Rohm
in Aus der Pathologie
Kaffee, Zigarette. Ich war gestern beim Arzt, der ein Blutbild von mir hatte malen lassen, das er nun interpretierte. Ein modernes Kunstwerk aus Zahlen. So wird man, ohne dass man es will, zu einem Mitglied der internationalen Kunstszene. Ich kann es bereits vor mir sehen: Rohms Blutbild, ausgestellt in den wichtigen, den bekannten Galerien. Mit einem Weinglas in der Hand bauen sich Menschen (nein, keine Menschen, sondern Kunstfreunde) davor auf, nicken wissend, verstehen, was das Labor (und ich) im Moment der Entstehung gedacht haben.
Kunst kommt von “Leben wollen”. Überleben wollen. Die richtigen Werte im richtigen Moment.
Museen könnten Interesse an meinem Blutbild bekunden. Große Kunstwerke sind ursprünglich und archaisch. Blut ins Spiel zu bringen, kann da nie ein Fehler sein.
Der Besitzer der örtlichen Arztgalerie erklärte, mein Porträt sei in Ordnung, mit dem könne ich leben. (Was soll das heißen? In Ordnung? Kein neuer van Gogh? Kein Jackson Pollock? Ich dachte, mein Blutbild würde den Kunstmarkt aufmischen. Ich hätte mehr trinken sollen, saufen, ein abgeschnittenes Ohr hätte ihn überzeugt.) ( … )
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Die Dinge waren Honig im Sommer 88
von Andreas Glumm
in Glumm. Nebenan, in der Wirklichkeit
Die Tussi blieb unbeeindruckt. Beim Ausfüllen des Personalbogens hatte ich wahrheitsgemäß angegeben, bereits seit über drei Jahren arbeitslos zu sein, doch das kümmerte sie nicht, ebenso wenig wie die Tatsache, dass ich weder den Führerschein besaß noch Spanisch sprach oder CNC-Fräsen beherrschte, TÜV-Zertifiziert. Erst als sie die Rubrik Stundenlohnvorstellung erreichte, blickte sie hoch.
“Sechzehn Mark..? Nee, junger Mann, das können wir gleich vergessen. Wir hatten an elf gedacht. Elf Mark, nicht sechzehn.” ( … )
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milde des mittags
von Jörg Meyer
in pödgyr
blinzelnde lüfte, erstes zwitschern / während ich flüstere noch mit gevatter schlaf, / verhandele den traum von morgen. // durch das offen gebliebene des fensters geht das eine / heraus, das andere herein. / das erwachen ist kein moment, / es hat eine geschichte / der nacht, // bevor der mittag sich zum tag formt. / singe ich noch? / oder schlaf’ ich schon? bin ich / lebendig oder tot auf anruf? / trunken war ich / in die ausnüchterungszelle des erwachens / gegangen. // nun stehe ich nieder, / lege mich auf / die bahre dieses sonnigen tags, / einer der ersten des frühlings. //
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Die Leser der Zukunft. Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (138).
von Alban Nikolai Herbst
in Die Dschungel. Anderswelt.
Dieses geschah wie unvermerkt. Es ist ein LesePhänomen. Als prägte die tägliche Beschäftigung tatsächlich den Modus der Aufmerksamkeit um.
Zum ersten Mal las ich einen ganzen Roman am Bildschirm, ohne mich nach dem Buch zu sehnen. Das war frappierend, ist es noch; wie so viel näher mir der Text in seiner quasi amateriellen Erscheinung kommt, wie viel quasi unmittelbarer er in mich eingeht, Wörter und Sätze zu Bildern werden, Zusammenhängen, auch logischen Schlüssen, gegen die sich, las ich zuvor in Büchern, allein die fremde Materie sperrte, das fetischhaft Dinghafte. Ja, es hätte mich gestört, wären noch Seiten umzuschlagen gewesen. Das wäre gewesen, als stünde ich in Rom und versuchte, die nicht mehr leicht lesbaren lateinischen Schriften an Säulen zu entziffern oder die nachgelassenen Botschaften Hinterbliebener auf Grabsteinen. – Seltsam, wie sich die Wahrnehmung verschiebt – wie schleichend, in einem, daß plötzlich der, sagen wir, E-Text bedeutsamer erscheint als einer in Druckform. Wobei der am Bildschirm erscheinende (!) Text in der Tat näher an der religiösen Idee des Wortes ist, als der in einem Buch. Das Buch ist immer auch Goldenes Kalb, um das die Aaronscharen tanzen, ist Götze, der zur Ware verkommt, wenn ihm nicht, wie die Alchemiker taten, ein Geheimnis beigeflüstert wird, das sich nirgends manifestiert: also eben das Wort ohne Bild wieder. In diesem Sinn wird in >>>> Wolpertinger und >>>> Thetis die Diskette verwendet; gerade deren technische Überkommenheit – zu der gehört, daß es kaum noch Lesegeräte für sie gibt oder bald mehr geben wird – verleiht ihr eine Aura, die vordem das Buch immer wieder umkreist hat: geheimes Buch, unsichtbares Buch, zu entschlüsselndes Buch, Necronomicon, Kabbala usw. ( … )
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LESEZEICHEN BACKLIST Litblogs.net – Lesezeichen 4 | 2011 Litblogs.net – Lesezeichen 3 | 2011 Litblogs.net – Lesezeichen 2 | 2011 Litblogs.net – Lesezeichen 1 | 2011 Archivband 2010 ( print | pdf ) Litblogs.net – Lesezeichen 4 | 2010 Litblogs.net – Lesezeichen 3 | 2010 Litblogs.net – Lesezeichen 2 | 2010 Litblogs.net – Lesezeichen 1 | 2010 Archivband 2009 ( print | pdf ) Litblogs.net – Lesezeichen 4 | 2009 Litblogs.net – Lesezeichen 3 | 2009 Litblogs.net – Lesezeichen 2 | 2009 Litblogs.net – Lesezeichen 1 | 2009 Archivband 2008 ( print | pdf ) Litblogs.net – Lesezeichen 4 | 2008 Litblogs.net – Lesezeichen 3 | 2008 Litblogs.net – Lesezeichen 2 | 2008 Litblogs.net – Lesezeichen 1 | 2008
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isla volante » windstill
18.04.2012, 7:59 … Lesen ▼

windstille, im park ist es ruhig, kein mensch zu sehen. heute ist nur vogelgezwitscher zu hören.
Gleisbauarbeiten » BOGEN (Dhanurasana) oder FLASH?
18.04.2012, 6:36 … Lesen ▼
You’ve no idea how long life goes on and how many, many changes it brings. Young people seem to imagine that it's over in a flash,
that they do this thing, or that thing, and then die, but I can assure you they are quite wrong. Nancy Mitford
10 Jahre zuvor Knupserknusperknäuschen, wer knuspert an mei´m Häuschen?
Die Hexe liegt auf dem Plumeau und schaut eine brasilianische Telenovela. Gemessen am Hexenmaßstab ist sie noch jung. Siebenundreißig Jahre alt ist die Hexe jetzt und man hat ihr prophezeit zwanzig Jahre zuvor, es blieben ihr – von daher, also jetzt, gerechnet – noch siebzehn Hexenjahre bis sie zur Hölle fahre. Das scheint viel, unerträglich viel, zumal weil eine brasilianische Telenovela ist wie die andere: „Nach allem, was du durchgemacht hast…“ Alle haben was durchgemacht, nur die Hexe nicht. Bei der Hexe ist immer alles gut gegangen, die Hexe hat ein vortreffliches Hexenleben, ein Hänselchen und ein Bertelchen, einen Mann sogar, der auf die krumme Hexennase steht, ein knuspriges Häuschen, ein grünendes Bäumchen und vor der Tür ein funktionsfähiges Hexenmobil. Die Hexe kann nicht klagen. Die Hexe liegt auf dem Plumeau und fühlt sich weh. Es ist das kein richtiges Hexenleben, weiß sie, das famose Hexenleben. „Dass du nie zufrieden bist…“, sagt der Mann und recht hat er, so ist sie eben. „Was willst du mehr?“ Nichts mehr, aber etwas anderes. Mit vierzig, seufzt die Hexe, ist´s dann eh alles egal.
Knupserknusperknäuschen, wer knuspert an mei´m Häuschen?
Und jetzt Der Safaripark lügt (nicht).
10 Jahre später Für: wenn sie einmal tot ist -, hat sie keine Verwendung. Von daher gerechnet sind die letzten vier Jahre Mist. Daran denken wir jetzt nicht. Wir bleiben mit dem Tod per Sie, selbstverständlich. „Hören Sie mal zu, da gibt´s doch ganz andere. Stimmt schon: Auch ich hatte es mal über, das Leben. Mit Ihnen habe ich aber keinen Pakt geschlossen, nicht einmal da. Nur ein bisschen viel gefressen und Telenovelas geguckt. Das ist kein Grund, davon stirbt man nicht. Schleichen Sie sich, Gevatter, und suchen Sie sich jemand, der Sie besser brauchen kann. Ich habe noch viel vor. Ich muss noch ein Gedicht schreiben und einen Satz finden und jemanden lieben. Für Sie habe ich nichts übrig und lang noch nicht.“ Für: wenn sie einmal tot ist -, gibt es keine Worte. Wenn sie einmal tot ist, soll die Welt still stehen und keiner mehr dicht(en).
![]() |
| Freestyle – und noch ein Schaf für Miss TT |
Monatsarchiv:
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Semantik (mehr):




