Archiv der Kategorie: Ausgabe 04/2017

unreadables!

 

Dokumentation einer Ausstellung
Digitales Objekt, Download PDF, 2.8 MB, 36 S.:
„unreadable books – unlesbare bücher“
etkcontext 041, doi: 10.17436/etk.c.041

Aus dem Call for Submissions:

Aus einer Fehldruck-Auflage eines Buches sollten Exemplare unlesbar gemacht werden. Diese Edition dokumentiert einen Beispielkorpus unterschiedlicher Löschstile, aber auch verschiedenste Verfahren und Techniken der Übermalung, Text- bzw. Papiermanipulation, die das Ur­buch in neue “Editionen” übersetzen.

Eigentlich sollte der gesamte Buchtext, inklusive Covertext und Zeich­nung, unkenntlich gemacht werden und nur die Logos auf Frontseite bzw. Buchrücken noch erkennbar sein, ansonsten aber der Kreativität der Textauslöschung freien Lauf gelassen werden. Doch auch die Anweisungen des Calls und der Begriff der Unlesbarkeit wurden mitunter kreativ interpretiert. Die Exemplare wurden im November 2017 im etkbooks store in der «reihe showcase » präsentiert.

 

 

 

Der achtspurige Gehsteig

Es ist nicht ausgeschlossen, daß die
Wahrheit im Einkaufskorb dieser Frau
Zu finden ist. Gerne erlaubt sich das Produkt
Einen Spaß, indem es fleißig winkt, ohne
Einen Blinker zu setzen. Das ist die falsche

Richtung, denkt man und steigt nicht wieder ein.
Wozu auch? Der Lebenslauf führt etwas anderes im
Schilde, mit mehr Enthusiasmus, versteht sich.
Da es manche ohne ihr Zutun wissen, als stecke es
In den Genen einer jeden publizierten Arbeit,

Schlagen wir es nicht in einem Lexikon nach.
Der Tanz stoppt wegen der viel zu schlechten
Schuhe. Gestern waren sie noch schwarz.
Auch die Fotos von früher haben Hängetitten, manche
Sind sogar barfuß. Auffällig ist der rechte Rand,

Der einem Schafott gleicht, die Klinge mit Sojamilch
Gereinigt. Wenn die Linse das gesehen hat, was
Hindert uns daran, alles zu wiederholen?

Der Fahrtwind kommt von oben –

Aber kann das sein?

Die Rache steckt noch im Kühlschrank, der
Verdichterspirale, fest, neben der Butterdose
Ein Zelt aus Polymeren. Mit einem Mal löste die
Schrift ihre Knoten und hinterließ einen sehr
Langen Regenwurm, der sich durch ein Komma stülpte.

Der Text war augenblicklich nicht mehr zu gebrauchen,
Selbst das Papier hatte aufgehört, sich mit
Gedanken zu beschäftigen. Durch ein Radio konnte man
Kontakt mit dem Zimmer nebenan bekommen. Peilsender
sind das Ziel einer Yagi=Antenne. Im Spiegel

Wirken sie unnötig wiederholt. Nur achtet niemand auf
Dieses zweite Lied. Ein Fehler, wie sich schon oft
Herausstellen ließ. Die künstlichen Felle sind
Wahrscheinlicher. Auf einer Leine sterben sie in ihrer Haut.
Eine Zehntelsekunde lang wird alles wieder wie früher sein,

Oder aber die Täuschung ist mehr als gelungen. Auch
Der blaue Fleck auf dem Stuhl kehrt wieder. Es handelt
Sich um eine Wunde, mit Pfennigen geschlagen.
Ödland ist von der Terrasse aus zu sehen,
Gold wächst heran in eisernen Kisten, zerschossen,

Aber unbenutzt. Könnte je ein Hammer (Impuls und
Energie) so etwas anrichten? War es vielleicht
Etwas anderes? Nehmen wir den Wiesenfleck dort –
Er könnte das ganze Kapitel für sich beenden.
Der Philosoph arbeitet mit seinem Bart,

Stahlseile hängen von Kinn und Wangen,
Worte tropfen aus dem fiebrigen Mund,
hinterlassen einen Teller voll Buchstabensuppe.
Die Umkleidekabine ist angefüllt mit Wäsche,
Ein einsamer Badeanzug hängt an der

Klinke und stampft mit den Füßen auf. Später
Gesellt sich die Verwandtschaft hinzu.
Der Dorfkrug weint, weil er kein Geld mehr hat,
Die Reise zu bezahlen. Andere trachten ihm
Nach seiner Bleibe. Irgendwann wird er sie

Teilen oder sich verändern. Nur nicht heute.
Die Stadt heißt uns willkommen, auch wenn
Sie uns nicht einläßt. Noch schlafen die Menschen
Auf den Tischen, sorgen für einen Geräusch-
Pegel, der Insekten vertreibt. Der Ortswechsel
Kommt mir vor, als wäre ich schon einmal da gewesen,

Zwischen all den Kisten aus Glas, dem Taubenreigen,
Der Präsenz ominöser Bilder an den eingekerbten Wänden,
Taschenbücher ohne Rückgrat. Eine Wiege schaukelt
Im Foyer, hängt träge in einer unwirklichen
Stellung fest, bis ich komme, eine Hand unter die

Kufen klemme, die Dielen loslasse, sozusagen die
Fangarme spreize, um zu fangen, was aus dem Anzug rinnt.
Das Schaukelpferd ist nur ein Steckenpferd, das Kajak
Eine Luftmatratze. Wer die Stimme hört, verschafft sich die
Argumentation. Dazu gehört ein lang anhaltender Atem,

Ein Sirenenton, von Rippen erzeugt, durch das unbewegliche
Ausmaß gepumpt. In Teilen bleibt der Eindruck bestehen,
Hier sei etwas heimisch. Originalität ist ein Pfeifen in den Ohren.

 

 

Fotografie | Randzone Wien | Car Wash | 3

Fotografien sind Objets trouvés, sind dem öffentlichen Raum abgetrotzte Ansichten, sind konkrete Versionen aus dem potentiell unendlichen Treibgut möglicher Perspektiven. Für mich ergeben sich Motiv und Blickwinkel zwingend. Deshalb rekurriert meine Fotografie auf ein, wie ich weiß, limitiertes Spektrum von Themen.

Stets funktionieren meine Kameras als Botanisiertrommeln kultureller Marginalien, allenfalls als Sammellinsen für kulturelle oder naturale Strukturen. Mein Kamera-Auge agiert in vollständiger Isotopie mit meiner Sammelleidenschaft, welche auf „Trivia & Ephemera“ fokussiert.

Exil im Lexik der Fotografie
American Places Vienna

EntdeckenSichernRetten, sind Impulse ebenso wie das Aufklauben von Geschichten. Schichten und Geschichten, Leitmotiv der Archäologie. SpecimenTokensGenres. Deshalb: Kein Drang und/oder Zwang, etwa „originell“ sein zu sollen.

Von Bedeutung sind dabei öffentliche Räume, Stadtlandschaften, Lieux Communs. Privaträume interessieren mich weitgehend nicht.

Assoziationen an das Thema der „geraubten Küsse“ sind dabei durchaus am Platz. Fotografien gehören mit Fug und Recht zum Thema der „Beute“, sind Trophäen auch.

⇐ Fotografie | Randzone Wien | Car Wash | 2

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funkendes buch

alpha : 20.02 UTC – Letzte Nacht träumte ich von Fran­coise Sagan. Sie stürmte im Traum wie eine Furie in mein Arbeits­zimmer, stellte sich auf einen wacke­ligen Holz­stuhl und begann in höher gele­genen Reihen meines Regals nach einem bestimmten Buch zu suchen. Indessen zeterte sie unfreund­lich, dieser elende Roman Ulim Triers funke aus meinem Arbeits­zimmer selt­same Sätze, die nun überall in ihren Romanen sichtbar oder lesbar geworden seien, als wären sie von ihr, der Sagan, persön­lich geschrieben. Ich versuchte die alte Dame zu beru­higen, über­haupt sah sehr gefähr­lich aus, was sich vor meinen Augen ereig­nete. Sie trug ein schnee­weißes Hemd­chen, das ihr bis zu den Knien reichte, spin­del­dürrr war sie und zitterte, auch der Stuhl unter ihren Füßen zitterte. Ich füsterte: Ich kenne keinen Schrift­steller namens Ulim TrierAch, Papper­la­papp, antwor­tete Fran­coise Sagan, Sie haben doch über­haupt keine Ahnung von diesen Büchern, die sich überall einmi­schen. Schlafen Sie weiter. Also schlief ich sofort ein und bin seither nicht wieder wach geworden. – stop

 

 

 

 

Brahmselnatz

Ich bin verwirrt. Der Schnee von draußen wiegt.
Der Kirchturm schlägt sich Schneisen in die Luft
mit seinem schweren Ton von anno dazumal.
Die Mischungen der Töne in c-moll und der Gesänge
im Wohnraum zum dritten Advent: leise und laut.
Und immer wieder wird die Alltagssinfonie,
die sich in den Dezembermorgen schmiegt,
von einem frechen Hundetext durchjault.