Archiv der Kategorie: Ausgabe 04/2014

GOLD, GLANZ, HEITERKEIT

Sie sagen, ich bin älter als mein Vater,
als er zu Gold wurde, womit Sie vielleicht
seine Kostbarkeit meinen, die er sich vorher
nicht verdient hat. Sie haben sie ihm nicht gegönnt,

nie an Glanz, Heiterkeit, Tanz und Beruhigung geglaubt,
wenn er Ihnen aus seiner erstaunlichen Entfernung
wieder an die Haut gerückt ist. Ihre Haut,
deutlich älter geworden, die Adern hervorspringend,

helle Dellen, Bluttupfen. So haben Sie Ihren Vater
nicht in Erinnerung. Nie kam er Ihnen physisch nahe,
Sie haben das aus dem Gedächtnis gelöscht.
Seine Haut auf der Ihren, Ihre plötzliche Einsicht:

er ist ein anderer, so nah, so nahe dem Gold.
Sie wollten seine Knochen nicht spüren, nichts
über seine Gichtfinger wissen, den Schmerz,
den er mit Mühe verdrängt hat. Gold auch die Augen,

mit denen er Ihnen immer noch unter die Lider schaut.
In der Dunkelheit, wenn in Ihren Augen etwas
aufblitzt, sein Gold; und der goldene Laut
seiner Stimme. Vielleicht ist sein Pfeifen

noch hörbar. Vielleicht sollten Sie selbst nach ihm
pfeifen, vielleicht auf ihn. Vielleicht sollten
Sie nicht an seinen Nacken denken,
den Sie gar nicht wahrgenommen haben wollen.

Jetzt denken Sie einen Augenblick an Schlachtvieh,
an dessen Tod er angeblich nicht beteiligt war.
Schweine nur aufgehängt, schon in blutlose
Hälften geteilt, und er der fleißige Zerfleischer.

Nie irgendetwas Blutgetränktes an ihm, immer gewaschen
ins Zimmer getreten, immer so karg sein Dasitzen
und verborgen, wenn er sich eine Entscheidung abrang.
Als Kind sieht man nur die Hosenbeine, den Schurz,

den Hut, die Schwielen auf der Hand, die Schuhe,
die sich von selbst zu bewegen scheinen.
Der Vater als ganzer Mann erschien erst viel später,
eigentlich immer aus der Entfernung, wenn Sie

Stadt und Land verlassen haben. Er lud keine Schuld
auf sich, Ihnen auch keine auf, auch wenn Sie sich
schuldig fühlen wollten und Schuld aus Ihrem Wortschatz
tilgten. An seinem Leben nur am Rand beteiligt,

so wollten Sie sich definieren: als vom Vater
völlig losgelöst, der Ihnen keinen Auftrag geben konnte,
eigentlich auch keinen Rat, keinen Einfluß ausüben sollte.
wenngleich Sie nur diese eine Spur vor sich hatten,

die sich nicht und nicht zeigen wollte. Es war dieses Gold,
das irgendwann durchschien, seine erstaunliche Kostbarkeit,
die sich langsam erhärtet hat, zugleich als Mischung
von Zärtlichkeit erkannt werden mußte und Weckruf

(Donnerstag, 25.12.2014, 8.17 Uhr, DZL-08 GOLD, GLANZ, HEITERKEIT)

 

Notizen von unterwegs

Auf der namenlosen Landzunge im Rhein unterhalb des Loreleyfelsens. Am Nordende die Loreleystatue, Touristen in Kleinbusladungsstärke tauchen auf, zeigen mit Fingern auf das Monument, klettern daran empor, fotografieren, posaunen in Zuständen der Rührung, fast schon der Erlösung ihre Begeisterung, den üblichen Klatsch, ihre Bildungslücken heraus, machen sich vom Acker, indes ein neuer Schwung herantrabt, die Bronze zu betrachten. Etwas weiter entfernt, im Gebüsch, eine Kleingruppe, erst drei, dann vier Personen, männlich, weiblich, gemischtes Doppel, lose aufgereiht, Hohlkreuze, Fischmäuler, weit aufgerissene Augen, hoch konzentriert. So starren sie in die Landschaft. Nach einigen Minuten erschlaffen ihre Körper, hörbares Ausatmen, Lockerungsübungen. “Was machen Sie da?” “Wir trainieren.” (Einer der Männer führt sich als Gruppensprecher auf. Trägt eine Armbinde, mit einem “C” für Captain.) Auf Nachfrage: für die Weltmeisterschaft im Staunen trainierten sie, seien ein eingespieltes Team, erstmals Deutscher Meister geworden dieses Jahr auf Neuschwanstein, damit qualifiziert als Nationalteam gleichermaßen. “Und dann staunen Sie einfach so?” “Das wäre in der Tat zu einfach!” (Die anderen schauen ihm konzentriert bei der Erklärung zu:) “Staunen ist eine erlernbare Technik; ein unvorbelasteter Erwachsener braucht mehrere Jahre, bis er ein solides, brauchbares Grundstaunen hinbekommt, die Fähigkeit zum konzentrierten Dauerstaunen im Alltag.” Der Sport (der Sprecher nannte die Beschäftigung tatsächlich so) sei im Zuge des Deutungswandels aufgekommen, ein postmodernes Fänomen. “Anfangs, als die Bestrebungen in Geistesleben und Politik begannen, uns, salopp gesagt, ein X für ein U vorzumachen, und diese Umwertung tatsächlich von vielen Menschen, häufig aus Angst um den Arbeitsplatz, akzeptiert wurde – da staunten wir nicht schlecht.” (Mit “wir” meint er offenbar seine drei KollegInnen, um die er mit dem Kinn einen angedeuteten Kreis zieht.) “Wir kamen dann auf die Idee, unser Staunen zu verbessern, das Gefühl stärker auszuleben. Wir machten uns kundig und erfuhren, daß es in vielen Orten Gleichgesinnte gab. Wir sind ja aus dem Osten. Das war damals ein kleiner Standortvorteil.” Die ersten Vereine gründeten sich um das Neunzigerjahr, Ligabetrieb mit offiziellen Meisterschaften seit 1991. “Wir machen das nicht groß bekannt, aber bei uns auf dem Land hat längst jedes zweite Kuhdorf ein Team.” Es gibt mehrere Disziplinen. Hauptdisziplin ist, den Weltenlauf zu bestaunen und auf noch bestaunenswertere Weise zu interpretieren. Die Interpretation ist Sache der “Club-Literaten”. Dann gibt es das klassische Landschaftsbestaunen. “Das ist unsere besondere Teamstärke: hochgradig bekannte, millionenfach dokumentierte Landschaften und Sehenswürdigkeiten immer wieder neu zu bestaunen, ihnen sozusagen das letzte Quentchen inspirierender Kraft abzuringen. Der eigentliche Trick ist aber: gerade, wenn der Gedanke aufkommt, daß es nichts von Interesse mehr aus, sagen wir mal, diesem Loreleyblick hier herauszuquetschen gibt, daß dann die persönliche Überwindung einsetzt, um das Weiterstaunen zu ermöglichen, was uns letztlich in Zustände versetzt, die mit Trance, Traum oder auch Drogeninduktion vergleichbar sind, und da wird es dann richtig spannend und das ist, das muß klar gesagt sein, für labile Menschen nicht ungefährlich, und es ist mittlerweile zum Beispiel verbreitet, private Probleme auf das eigene Staunen abzuschieben. Im Verband sind wir derzeit dabei, Hilfestellungen auszuarbeiten und anzubieten.” Eine dritte Disziplin ist die umstrittenste, heiß geliebt von wenigen, vehement abgelehnt von der Mehrheit, gleichsam die Königsdisziplin: das Staunen über sich selbst. “Jedenfalls, die Loreley ist ein idealer Ort für Landschafts-Trainingslager. Da staunen Sie, was!” Verkneife mir das, so gut es geht, um möglichst neutral zu notieren. Ein paar Fragen beantwortet der Captain noch, bevor sie wieder loslegen. Sie trainieren nach der Arbeit, manche auch währenddessen. An Wochenenden bis zu 10 Stunden täglich. Der Ort, an dem die Weltmeisterschaften stattfinden, wird erst einen Tag im Voraus bekanntgegeben, der Überraschungseffekt soll die Leistungen im Staunen beflügeln. Unter sich nutzen sie einen Gruß, an dem sie sich erkennen: “Guck mal da!”

Warm, weich und sauber

Die Geschäfte laufen so weit. Working on my novel. Ich fordere mein Handgelenk.
Die Sonne gibt sich Mühe, der Schallplattenspieler zickt herum.
Europa in der Krise.

Ich gelte in der Bevölkerung als populär. Geisterorgeln im Hintergrund.
Emotionale Erschütterung: Ein Kind schrie, als ob es selbst noch ein weiteres gebären würde.
Ein defensives Seeventil. Alle Favoriten werden gelöscht.

Gregorij wartete draußen vor dem Krankenhauseingang, er stand an einem dieser sanduhrförmigen Aschenbecher und rauchte. »Ziel war die Verlagerung nach draußen«, hieß das entsprechende Gesundheitsprogramm. Gregorij hustete. Er war ein Mensch, den man sofort sympathisch finden musste. Ein Mensch, den man in einem Aufzug kennenlernen wollte (Valerie lernte ihn schlicht in der Grundschule kennen, er war der erste Junge, den sie je nackt gesehen hatte, damals im Freibad, aber das war eine andere Geschichte). Anfang 30, leicht fahl im Gesicht, und wenn er lächelte, fragte man sich, warum seine Eltern nicht in seine Zahnreihen investieren wollten, als es Zeit dafür war.

Aber seine Ausstrahlung war gewinnend. Sein Erfolg hatte nichts mit Äußerlichkeiten zu tun. Es war die nötige Portion Mutterliebe, die er bekommen hatte, die nötige, nicht mehr. Er schaffte es, dass man sich in seiner Anwesenheit wohl fühlte, locker ließ, entspannte; obwohl er selbst nicht viel sagte. Wer gut zuhört, braucht nicht viele Worte. Das war sein Leitspruch, den sagte er immer wieder gerne auf. 

In den Anfangstagen übernachteten sie im Auto, oder flüchteten in Restaurants, Einkaufszentren oder Baumärkte. Valerie und er.

Seine offizielle Berufsbezeichnung: Luftsicherheitskontrollkraft. Seine Leidenschaft jedoch galt dem Weltall, das er nachts in langen Sitzungen vermaß. Heutzutage nutzt er dazu achtzehn verschiedene Apps. Sie zeigen ihm die Fluglinien an, die den Horizont kreuzen, die Namen der Satelliten, die Umlaufbahnen der Planeten, den Stand der Sterne. Demnächst, so der Plan, würde er sich selbst so einer App widmen. Etwas Besonderes entwickeln. Ein Frickler mit einem zu offenen Verhältnis zu Erotik.

Wenn er fotografiert wird, schaut er wie ein Hund. 
Schöne kackbraune Augen, wie Valerie einmal meinte. Vier Rollen am Koffer im urbanen Zeichenwald.

Er hatte zu Ende geraucht, und beobachtete die Eingangstür. Sie war an einen Bewegungsmelder gekoppelt, den er jetzt nicht ausmachen konnte. Es war grell, und als Valerie zur Tür schritt, lächelte er schwach.

Die Adria
Die Nordsee
Das Mittelmeer
Der Ärmelkanal
Die Ostsee
Die Ägäis
Der Atlantik
Das tyrrhenische Meer

Hosenkauf: Schon wieder eine Nummer weiter. Ich verstehe die Ablehnung des Neuen nicht.

Cronenberg: Maps to the Stars. Das Ende zu verschnürt, über den Rest muss ich noch nachdenken.

Die Bücher: Der Hugendubel unten im Karstadt ist gut sortiert, und seit jüngstem lockt sogar eine Sofawelt. Ich schlich um die Stapel herum, denn eigentlich war ich wegen den Hosen hier, aber ich hätte gleich wieder mit mindestens zwei Büchern herausgehen können (und wann und wie soll ich die lesen?): Erzählungen von Bolano, neu bei Hanser, und auch der Essayband von J. Franzen, den ich in der Hand hatte, begann mich gleich zu interessieren: „Anleitung zum Alleinsein“ ist ein guter Titel, und das Kapitel, das von seiner Depression und seinem Writer’s Block erzählte, und seinem überhöhten Fernsehkonsum, zog mich gleich in den Bann. Aber ich ließ es dann doch da. Stapelt sich ja schon alles hier. (Aber vielleicht komme ich auf diese beiden Bücher noch zurück.)

Busblaue Blumen

Deine busblauen Blumen im
Blattlichtgewitter der Teile
kleb ich fuchsrote Farne
zu Fragmenten frier sie
mit Fingern zwischen Buchstaben
im Grün der Büsche ein die
birkenblattlose Sammlung der
Hoffnung auf vergiss mein
mageres Schauen nicht am klanglich
sag einfach gesammelte Blicke vielleicht
verdecke lieber noch verstecke
mich in deinen Bildern
blanken Balladen träum ich
oder wandre im Wald
busblauer Blumen

Für R.F.

Die Nandus in Törpt

Sie wissen, alles Ferne hat Augen.
Stumm folgen ihnen große Wagen, und
da sind immer Hunde in den Schatten, die
hinter Hagebuttenhecken flach im Gras liegen
und nach Sterben und roten Tränen riechen.
Sie sind Muldenvögel, lieben Laubkrater,
sind schlehenbeerenversessen, einer
auf einem Bein ist gleich Baum.

Nachts weite Pampa. Träume, blau.
Keiner wird je vergessen, was war, nur
die dreizehn Alten, die an dem Tag
durch den Zaun brachen, runter
zum Ufer rannten und hinüber
über die Wakenitz kamen,
sehen das Leuchten nicht mehr,
das ihnen da hell vor Augen stand.

Die Nandus sammeln im Maiswald
Beiträge zur Geschichte der Freude,
ein unerklärlich langsames Schreiten.
Goldene Sterne funkeln den Jüngeren
in den Augen, die im Dunkeln in Törpt
an die Maurine laufen zum Saufen
und erschöpft zitternd ausruhen
unter zwei verrosteten Tankwagen.

Sie rupfen sich Gras, das Nachtgras
im Knickschatten, und sie wärmen
einander, beinahe hundert, auch
wenn keiner von ihnen noch ein Bild
für den Nanduweg weiß, namenloses
freies Hinfliegen knapp über dem Laub,
hinter der Stirn nur die Wärme der Liebe
zum Rennen durchs dunkelgrüne Licht.

Für Tom Schulz

*

Zehn Jahre Bloggen

Anfang Januar 2005 startete ich einen Autobiografie-Service für Menschen mit Brieftasche und Vergangenheit. Dafür brauchte ich einen Internetzugang. Mein Bruder kam rüber und installierte das Modem, während ich im SPIEGEL einen Artikel übers Bloggen entdeckte. Ich hatte noch nie davon gehört.

“Kennst du Weblogs?”

“Glaub schon. Sind das nicht die Quasselforen, wo dicke Frauen um die Wette stricken?” murmelte mein Bruder. “So, das wars. Müsste fluppen jetzt.”

Und wie das fluppte. Es dauerte keine halbe Stunde, schon war ich bei myblog.de als Blogger angemeldet, als 500beine. Willkommen in meinem Weblog! Schnell lernte ich die drei goldenen Regeln des Bloggens.

1) Du sollst nicht langweilen. 2) Ein Weblog muss ein Geheimnis haben. 3) Scheiss drauf.

“Wolltest du nicht mit einem Autobiografie-Service Geld verdienen?” fragte mein Bruder irgendwann.

Stimmt schon. Aber es kam ja keiner, der mich engagieren wollte. Der Markt war zu klein für die vielen verzweifelten Anbieter, die nicht wussten, wie sie sonst zu Geld kommen sollten. Und wenn keine Kundschaft kam, die die Geschichte ihres Lebens verfasst haben wollte, dann schrieb ich eben meine eigene Geschichte. In meinem Weblog. Dann wurde ich eben mein eigener Klient, mein bester Kunde.

Auch gut.

Dann, im Herbst 2005, die Förderung des Job-Centers war fast abgelaufen, kam eine erste schüchterne Anfrage via Email. Unser Vater feiert bald seinen 85. Geburtstag. Zu diesem Anlass möchten wir ihm etwas außergewöhnliches schenken, seine eigene Autobiografie. Doch zunächst wolle man prüfen, ob wir menschlich miteinander könnten und lud mich zu einem ersten Kennenlernen ein. Nach Bünde in Westfalen. Ich nahm die Eisenbahn.

Bahnsteig 3. Raucherzone.

“Du bist schon ein richtiger alter Reisehase”, sagte die schick gekleidete Großmutter zu ihrem Enkelchen, während sie eine lange weiße Damenzigarette inhalierte.

“Ich bin kein Hase.”

“Nein, du bist kein Hase. Mit diesem Einspruch habe ich gerechnet. Und du hast natürlich Recht. Du bist ein erfahrener Reisejunge.”

“Erfahrener?” Der Junge war ratlos. “Wer fahren..?”

“Erfahren. Das bedeutet, du bist schon oft mit der Eisenbahn gefahren. Mit dem Zug. Du bist ein Profi.”

Der Junge hockte mit seinen kurzen Beinen auf dem Schoß der Großmutter, sein Kopf baumelte hin und her, gleich hat er die Kippe der Oma in der Fresse, dachte ich.

“Wo kommt der Zug her, Oma?”

“Aus Köln.”

“Warum kommt der Zug zu spät, Oma?”

“Wegen einer Störung.”

“Woher weißt du das, Oma?”

“Das haben die eben durchgesagt.”

“Hat Köln immer Störung, Oma?”

Was man alles für Leute sieht, wenn man mit der Bahn unterwegs ist. Mir gegenüber saß ein junger Mann, dessen Schädel frappierend einer aufrecht stehenden großen Kaffeebohne ähnelte. Wenn der unterwegs Lust auf ein Tässchen bekommt, muss er das Köpfchen nur durch kochend heisses Wasser ziehen, fertig ist das Gedeck. Schon praktisch.

Oder dieses andere eisenbahnfahrende Gesicht, das in sich gespalten wirkte. Die linke Hälfte war auf der Klötzchenschule Prügelknabe gewesen und hatte ständig die Hucke vollgekriegt, weil sie so scheiße aussah, die rechte hübschere Hälfte hingegen hatte das kleine Latinum in petto und hätte sicherlich einen guten Job ergattert, wäre da nicht die linke Gesichtshälfte, na, Sie wissen schon.

Oder da vorn im Gang, das stille Gesicht.

Ist das nun wirklich noch ein Antlitz, fragte ich mich, kann man das noch so bezeichnen, oder ist das schon ein Stummfilm aus vergangenen Tagen? Ganze Gesichtsbereiche schienen wie verödet. Keine Kontaktaufnahme möglich. Totholz.

Mir gegenüber liess sich ein Ehepaar nieder. Während sie sich angeregt unterhielt, und zwar mit mir, griff der Mann mehrmals unbeholfen nach hinten. Plötzlich hielt er inne, mitten in der Bewegung, und schlug sich auf die Stirn.

“Mannomann.. Kannst du mal sehen, was ich für ein eingefleischter Autofahrer bin, Maria – jetzt will ich mich schon im Zug anschnallen.”

Seine Frau, pummeliges Madonnengesicht, quasselte einfach weiter. Ihr Mann guckte mich an. Großer Sorry-Blick. Na, schon in Ordnung – wir Männer müssen zusammenhalten, wenn die Weiber uns um den Verstand quasseln.

Bünde in Westfalen.

13 Uhr 50. Backsteinrotes Städtchen, hell und schlicht. Ich fühlte mich in die Kindheit zurückversetzt, wenn ich im Hobbykeller mit der Eisenbahn spielte. Nur dass nirgends der Trafo stand, mit dem man Tempo machen konnte. Vom Bahnhof aus schlug ich mich zu Fuß zur Adresse durch. Obwohl ich zu spät war, schaute ich mir das Haus zunächst von aussen an, in aller Ruhe. Das hatte ich von meinem Hund gelernt. Erst mal vorsichtig mit der Schnauze ran. Erstmal an der Pissse schnuppern. Modernes Eigenheim, nicht zu protzig. Daneben drei protzige Auto-Garagen. Am Gartentor eine in Gold eingefasste Klingel. Alles in Ordnung.

Es war Messing.

Als ich ins Wohnzimmer trat, empfingen mich Rauhaardackel Tobi und der graumelierte, sportiv nuschelnde Hausherr und ich dachte zunächst: Moment! Bin ich hier im Hotel? Muss ich wieder als Nachtportier ran?! Ein riesiger Raum, geschnitten wie ein Foyer, mit breiten Polstersesseln, Überwachungsmonitor und einer Veranda, hinter der ein gepflegter englischer Garten wartete; Hummeln gaben ein Konzert, es nieselte.

“Fritz Walter Wetter”, sagte ich.

Der greise Möbelfabrikant lächelte verständnislos und schüttelte mir so lange die Hand, bis ich als der weitaus Jüngere die Geschichte sachte beendete.

Ist gut jetzt.

“Ich ruf eben meine Tochter und meine Ftrau an”, sagte er. “Die wollen dabei sein. Auf deren Mist ist das Ganze ja gewachsen.”

Er verschwand mit dem Handy am Ohr Richtung Diele.

“Ja. Der ist jetzt hier, ja”, hörte ich ihn wispern. Ein kleiner energischer Mann. Vonwegen Greis. Die 85 Jahre waren ihm nicht anzusehen. Rauhaardackel Tobi schnupperte an meinen Schuhen und den Hosenbeinen. Sein Schwänzchen zitterte. “Der riecht meine Hündin”, sagte ich zum Hausherren, als der wieder reinkam, das Handy in der Hemdtasche.

Er nickte desinteressiert.

“So, ja. Die Damen warten schon. Wir müssen ein paar Strassen weiter. Fahren Sie mit mir oder in Ihrem eigenen..?”

“Ich fahr kein Auto.”

Er schnappte sich den Wagenschlüssel vom Haken und zwinkerte.

“Wie lang ist der Lappen denn weg?”

“Nein.. ich meine, ich fahr überhaupt kein Auto.”

“Ach, wie? Gut. Hab ich keine Probleme mit.”

In der Garage stand eine silbrige Limousine. So niedrig, ich musste beim Einsteigen den Kopf einziehen. Edles Interieur. Urwaldholz. So ein Scheiß.

“Sie können sich den Sitz einstellen, wie Sie mögen.”

“Schon in Ordnung. Wohin gehts denn?”

“Na, in den Betrieb.”

Der Nieselregen war Sonnenschein gewichen. Wir fuhren über Seitenstrassen. Mir brach der Schweiß aus. Was machte ich eigentlich hier? War ich in jungen Jahren nicht der Hohepriester der blonden Lockenrasse gewesen, hoffnungslos faul, fatalistisch? Und jetzt, mit Gongschlag Mitte Vierzig, kutschierte mich ein alter Geldsack durch die Gegend, dem ich die Lebensbeichte abnehmen sollte, gegen Bezahlung? Wie passte das zusammen? Was war passiert?

“Soll ich langsamer fahren?” sorgte sich der Fabrikant. “Sie schauen so erschrocken..”

Ich fing mich wieder. Blödsinn alles. Das Leben kennt eh nur eine sichere Perspektive: seine Auslöschung. Warum also bis dahin nicht alles mitnehmen, was sich bietet.

“Schon gut, nein. Als ich meinem Vater erzählt hab, dass ich nach Bünde fahre, hat er gesagt, Bünde? Da gibts Zigarren und gute Möbel”, versuchte ich mich in Konversation. Eine Bemerkung, mit der ich eigentlich auf einen Schlag 100.000 Bonuspunkte einfahren wollte, doch der Seniorchef teilte meine Beigeisterung nicht weiter.

“Ja, Bünde war früher das Zentrum der deutschen Zigarrenindustrie”, sagte er dann doch.

Für sein Alter fuhr der Seniorchef einen kessen Stiefel. Zum Glück war die Strasse frei. Dennoch sah mich schon ein, zweimal gekonnt im Vorgarten abrollen.

“Praktisch jede Familie hatte im Erdgeschoss ihre eigene kleine Manufaktur. Na, lang her. Das gibt’s so nicht mehr. Da vorn.. IMPERIAL.. die hatten früher sechzehntausend Mitarbeiter. Heute noch fünfundzwanzig, vielleicht dreissig. Ist alles kaputt gegangen. Und da sind wir schon.”

Er bog auf den Parkplatz eines grossen Gebäudekomplexes ein.
Langgezogener Siebzigerjahrebau. Abschätzig zeigte er auf Hexy, “ein Import-Export-Ding, Sie wissen schon.” Er zwinkerte. “Das ist alles mein, na, unser Betrieb. Wir produzieren aber nur noch in kleiner Stückzahl, es lohnt nicht mehr wirklich. Es ist mittlerweile wirtschaftlicher, Teile des Komplexes fremd zu vermieten.”

Er zeigte abschätzig aufsTeppichland und weitere Ladenlokale.

“Das Möbelhaus gibt es aber schon noch?” fragte ich.

“Ja, sicher.”

Wir betraten sein Reich durch den Hintereingang. Von einem langen Korridor zweigten Büroräume ab, die aber Freitagnachmittags nur spärlich besetzt waren. Der alte Mann federte voraus wie ein Dreissigjähriger und führte mich in einen Besprechungsraum.

“Nehmen Sie Platz, legen Sie ab. Ich hol eben meine Tochter und des Teufels Generalin, meine Frau.”

Auf dem Glastisch stand Kaffeegeschirr für vier Personen. Ein Kaffee wär nicht schlecht jetzt, dachte ich. Und da war auch schon eine Thermoskanne. Problem: Es rocht keinen Hacken nach Kaffee. War da gar kein Kaffee drin? War das Tee? Soffen die im tiefen Westfalen am Freitagnachmittag Tee? Dann war ich aber angeschissen. Die Tür schnappte auf. Der Alte und seine Tochter. Nahm ich jedenfalls an. Ich hatte einigen Email-Kontakt mit ihr gehabt. Sie war jünger als erwartet.

“Unser Nesthäkchen”, stellte der Chef sie vor.

Hübsche Zähne. Jeans. Halstuch.

“Hallo”, sagten wir.

Als die Ehefrau dazukam, das Haar zum Turm errichtet wie eine schwarze Gospelsängerin, (allerdings auf westfälische Art eingedampft), war die Entscheidungsrunde komplett. Mit den Augen tastete ich verstohlen den Raum ab. Lagen die errechneten zehntausend Scheinchen schon irgendwo rum? Und was war mit Kaffee? War da noch was zu machen?

“Kaffee?” fragte die Dame des Hauses, die Stimme tiefer Südstaatensoul.

“Gern.”

“Unser Vater”, sagte sie und meinte ihren Mann, “hat ein aufregendes Leben geführt, das muss festgehalten werden, für die Kinder und die Enkel. Wenn die später mal fragen, wie war Opa denn überhaupt..”

Die Stunde verging wie im Flug, obwohl die Situation anstrengend war, eine Art psycholgischer Eiertanz. Wenn man sich drei fremden Personen gegenüber sieht, die einen permanent taxieren, ist es oberste Pflicht, alle drei abwechselnd anzusehen, mit einem winzigen Übergewicht in  Richtung Seniorchef. Mit dem würde ich es schliesslich hauptsächlich zu tun haben, sollte die Sache klappen. So ein Boden will gut vorbereitet sein.

Mit Chemie.

Einmal blickte ich mitten im Gespräch erschrocken an mir runter und dachte, Scheiße! Hab ich grosse Hände! Komische Gedanken, komische Chemie.

Auf die Frage, wieviele Biografien ich schon verfasst hätte, antwortete ich dreist “drei”. Ich mein, wenn schon, denn schon. Ich konnte ja schlecht mit der Wahrheit rüberkommen: Sie sind mein Versuchsballon. Mein 10.000 Euro-Versuchsballon. Kann sein, dass das Ding abstürzt und in Flammen aufgeht. Ja, dann müssen Sie schnell sein.

Knackpunkt Nummer 2: das Geld. Dafür musste der Alte den Raum verlassen. Es sollte ja ein Geschenk sein, zu seinem 85. Geburtstag, auch wenn er von dem Geschenk wusste.

“Immer, wenn es spannend wird, muss ich raus”, feixte er. Ein Schelm. Ha ha! lachten Tochter und Eheweib. Haha ha! setzte ich frech einen drauf.

“Macht doch nichts”, sagte ich. “Fritz Walter wartet draussen. Mit seinem Wetter.”

Da lächelte auch der Chef, endlich.

Kaum war er fort, nahm die Tochter das Heft in die Hand und begann zu rechnen.

“Sie kosten wieviel?”

“40 Euro pro Buchseite”, sagte ich, obwohl auf meiner Website 45 Euro angegeben war. Es kam mir plötzlich unverschämt viel vor, selbst wenn ich hier in einer Familie zu Gast war, die Zaster hatte. 40 Euro, klare Ansage – null Reaktion. Die Ehefrau lächelte stumm.

“Damit ist mein Job abgedeckt. Also das Schreiben. Hinzu kommt noch der Druck.”

“Und wieviel kommt da noch hinzu?”

Jetzt hing ich in der Luft. Zwar hatte ich noch am Abend zuvor mit einem Düsseldorfer Drucker telefoniert, doch der wollte sich partout nicht festlegen, was den Preis betraf. Und die Damen wollten konkrete Zahlen hören. Ich redete mich heraus, dass der Preis natürlich von Faktoren abhängt, die jetzt noch gar nicht zu überblicken sind: Umfang des Buches, Höhe der Auflage, Bindung, Papierqualität etcetera. Dazu Anzahl der Fotos, Schwarz-Weiß oder Farbe, eventuell Faksimiles..

“Das kann man erst am Ende überblicken.”

“Ja sicher, aber aus Ihrer Erfahrung heraus müssten Sie uns doch eine Hausnummer nennen können.”

“Okay”, sagte ich gequält. “Der letzte.. Klient hat 2000 Euro gezahlt.”

“Wofür?”

“Für den Druck.”

“Hm, ja. Und das war welche Qualität?”

Ich war nicht ohne Vorbereitung ins Gespräch gegangen. (Und eine Lebensweisheit der Gräfin, “Es gibt nichts schlimmeres, als sich selbst beim Lügen zuzuhören”, traf hier zum Glück nicht zu.)

“Zehn Exemplare für die Familie, Halb-Leinen, Schutzumschlag, 200 Seiten.”

Die Zahlen hatte ich einem von mir angeforderten Angebot eines anderen Autobiografie-Services entnommen.

“Gut”, sagte die Ehefrau, deren Blick offener wurde. “Das ist doch mal eine Zahl.”

“Ist aber nur der Druck, Mama”, meinte die Tochter. “Da ist der grösste Batzen noch nicht drin.” Sie blickte mich an. “Ist denn in Ihren 40 Euro pro Seite sonst alles inklusive?”

“Ja, ausser Hotelkosten und Spesen.”

Danach kam nicht mehr viel. Wenn die Tochter richtig mitgerechnet hatte, musste es auf ihrem Schreibblock in etwa so aussehen: 40 EUR/Buchseite, bei geschätzten 200 Seiten = 8.000 EUR + 2.000 EUR Druck = 10.000 EUR.

Rückfahrt ins Bergische Land. Im Interregio. Ich war geschafft. Es nieselte wieder ununterbrochen. Fritz-Walter-Wetter. Vielleicht lag ich ja schon 3:2 in Führung und wusste gar nichts davon.

Puscas! Immer wieder Puscas..!

Hinter mir sprach ein Student so laut in sein Handy, ich musste mithören, ob ich wollte oder nicht. Er teilte seinem unsichtbaren Gesprächspartner mit, dass er “gerade in Enn-Err-Wehh” unterwegs sei, irgendwo in Westfalen, “den Namen vom letzten Bahnhof hab ich vergessen. Und es pisst die ganze Zeit.

“Hä? Nee. Politischer Liberalismus war das Thema an der Uni. Der Dozent ist total jung und erinnert mich irgendwie an den Typ, der den Eiskalten Engel spielt. Ich komm jetzt nicht auf den Namen. Nee, der spielt den Eiskalten Engel. Wie heisst der noch..?”

Das wiederholte er zirka fünf Mal bis ich die Nase voll hatte und mich umdrehte.

“Alain Delon”, sagte ich, “heisst der.”

Der Student glotzte verblüfft.

“Ja, kann sein..”, murmelte er ins Mobiltelefon. “Was..? Nein.. hier hat gerade jemand Alain Delon gesagt..”

Dass der Film im Original “Le Samurai” heißt, hätte ich noch anfügen sollen. Schliesslich handelte es sich um einen der Lieblingsfilme der Gräfin.

“Da gibt es die einsamste Filmszene überhaupt”, hatte sie behauptet. Die Szene, wo Delon, der Eiskalte Engel, nach Hause kommt und man eine Weile nur das Geträller des Kanarienvogels hört. Sonst nichts. Nur Zwitschern. Geträller.

Das Leben eben.

ZURÜCK AUF ANFANG („Du kannst niemandes Heimstatt sein.“)

„Dass du dir diese Gestalt gibst, Heilmann, macht dich nicht glaubwürdiger.“ Sie klang härter, metallischer, ihre Stimme, als sie beabsichtigt hatte. Heilmann war aus seinem Suff erwacht und blinzelte hinter der Brille, die sie ihm auf die Nase gesetzt hatte. Er wollte sie mit der Hand wegwischen, dieses Gestell einer demonstrativen Intellektualität, mit dem sie ihn ausgestattet hatte, absichtlich, um den Blick abzulenken, nicht nur den ihren. Bei Almuth hatte er nie eine Brille getragen. Seine Lider wie weggeschnitten, so hatte er Almut gesehen, kein Zwinkern hatte seine Augen auch nur für Sekundenbruchteil von ihrem Antlitz verschont. Almuth, der er zuletzt die Augäpfel ausgeschnitten hatte, um den Teufel zu befriedigen. „Doch nur im Traum.“ „Between grief and nothing.“

 

Sie saß auf seiner Bettkante, die Melusine, sah hold und demütig aus wie eine gütige Mutter und schob ihr Knie unter seinen Kopf. Er wollte nicht ruhen, sich nicht an sie lehnen. Er gab ihr noch immer an allem die Schuld. Aber sein Körper gehorchte ihm nicht. „You took nothing.“ Sie sprach es ohne jeden Vorwurf aus. Er war noch nie ein alter Mann gewesen. Der Teufel hatte ihm einen Deal angeboten und er hatte ihm die Mutter geopfert für den Sohn. Um diesen Preis: Dein Sohn wird leben, wenn du dich ergibst. „Kann nicht kapitulieren„, hatte aber die Melusine einmal über ihn gesagt. Das musste im 20. Jahrhundert gewesen sein, nach einem der großen Kriege. Sie lächelte müde auf ihn herab: „Da liegst du nun.“

 

Er wollte sich erheben. Standhaft bleiben. Ihr Lachen perlte in seiner Erinnerung. „Du gibst keinen Helden ab mit deinem Stohhütchen und deinem gestreiften Sommeranzug, Heilmann. Zierlich wie du bist und weich.“ Das war 1913. Da waren die Härchen auf seinem Handrücken blond gewesen, die sich aufrichteten, ihren Fingern entgegen. Der Wind strich über das kaspische Meer, Turkmenbasi hieß der Hafen, in dem ihr Schiff anlegte. Das war jedoch ohne Bedeutung. Ihrem Schicksal begegneten sie dort nicht. Sie verbrachten nur wenige ruhige Tage unter Deck. Als wenn Almuth nicht werden würde und keine Willoughbys, nirgends. Als habe die Zukunft sich verzogen, gelegentlich, doch währte es niemals lang. Wie damals am See.

 

„Heilmann. erinnerst du dich?“ Er schwieg. So leicht konnte er ihr nicht vergeben. Und sich. Sie ergriff seine Hand. „Sieh, wie die Adern hervortreten.“ Er kniff die Augen absichtsvoll zu wie ein störrisches Kind. „Du wirst nun runzlig, Heilmann. Für ein einziges Leben des Willoughbys hast du dich hergegeben.“ „Mein Sohn…“ Heilmann wollte sich rechtfertigen mit weiter geschlossenen Augen. „Pscht…“ Sie fuhr ihm mit den Fingern über die Lippen. „Ich weiß. Ich verstehe es nicht. Du hättest doch wissen müssen…Au.“ Er hatte sie in den Daumen gebissen. Sie beugte sich über sein Gesicht: „Mein Kind.“ Heilmann war wie gelähmt. Er hätte sie schlagen müssen, sie unter das Bett treten wie zuvor, um dem vorzubeugen.

 

„Du weißt, du kannst niemandes Heimstatt sein.“ „Mein Sohn..“ wiederholte er trotzig. Sie stand auf. „…bist du.“, setzte sie den Satz fort. „Du dachtest wahrhaftig, du könntest mir entkommen, Heilmann.“

 

Sie hatte ihre Drachengestalt angenommen, ihn schauderte vor ihrer schuppigen Haut. Wie gewaltig sie über seinem Bett lungerte, wie sie ihn anfauchte aus ihrem riesigen, feurigen Maul, wie sie die Flügel ausbreitete in der winzigen Kammer und die Wände fortsprengte und flog. Als ein kraftloser Greis hielt er den Himmel in Armen. Um ihn lichteten die Flammen, verglühte das Holz, verkohlte sein knochiger Körper. Asche stob auf  und fiel grau in sich zusammen.

 

Dann.

 

Da war mir als sey ich entsprungen
Dem innersten Leben der Mutter,
Und habe getaumelt
In den Räumen des Äthers
Ein irrendes Kind.

 

Heilmann weinte in seiner Wiege: „Maman.“