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turm #1

stand ich oder saß ich an ihm, träumte
von dem turm, an schlafend halbem grund
und halber höhe, der ich ganze räumte
ein, auf dass das recken sei verschwund?

mir schien’s als wette auf den letzten schlag
des blitzes im gewitter oder röhren,
rock’n’rollend, wie der luft ich’s wag,
dies rohrgedommel auf mich einzuschwören.

ich stand nicht, und ich saß nicht, denn ich lag,
war schlaf, getaucht ins wehende, das licht.
die erste und die letzte nacht – ein tag

war ich und bin demselben sein verzicht.
von weither scheint’s und ist die sommernacht:
halb steht, halb sitzt sie oder träumt mich wach.

(170523)

30/17 – LINES


LINES / Texte zur Ausstellung / Im Gedächtnis sind wir Bäume // Wasser // Vielleicht sind wir ein Traum in Wirklichkeit wie eine Wolke formlos und flüchtig eine Bergspiegelung im See in der einen Hand in der anderen die Zeit und manchmal bleibt die Nacht aus in den Arven unter denen ich liege ein langes Leben lang mich mir anzunähern übe und ununterbrochen dir in die Arme zulaufe da wo du stehst komme ich nie an in den Hügeln reflektiert mich das Wasser in das ich eintauche als wäre es der Zwischenraum einer Vorsehung diesseitiger und jenseiteiger Welten die sich getrennt halten von der einen zur anderen Seite sich nun zuträumen durch Nacht und Tag eine Dämmerung erdenken die beide im Gleichgewicht zu halten sucht damit sie rund bleibt die Erde wie der Mond und die Sonne und vielleicht ist es doch der Wind der mir zuwinkt und lächelnd mit seinen Zweigen mir zuweht ich solle es lassen mich in diesem Übergang zu verweilen der so lange existiert wie ich bleibe und mich sehne in seinem Atem zu strömen und den See zu füllen der in ihm eingebettet vor dem Berg liegt der ein Dach ist und ein Zelt für Tiere und Pflanzen und ihrem träumenden Wissen.

LUGMERTRUG. Ein Traumbild. „Es ist immer wahr, was mir keiner glaubt.“

„Mir träumte“, sage ich, „von einer Frau Lugmertrug.“ Pause. Lange Pause. „Und?“ fragst du. „Weiß nicht.“, sage ich. 

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Sagen wir: Sie lugte. Um die Ecken. So gut wie sie log. Beispielsweise. Wie ich log. Ich lüge immer gut, wenn es nicht drauf ankommt. „Es spinnt sich was z´ammen.“ „Sie glaubt´s selbst.“, sagt die Frau Mama. Was wahr ist. Es ist immer wahr, was mir keiner glaubt. Und nur das. Lugt um die Ecken. Er. Sie. Es. 
 
Was passiert, wenn eine um die Ecke lugt. Wie sich das Bild bildet, das verruckte. 90 Grad verdreht, wie der Kopf schief liegt. Der Mond auf halber Höhe. Könnte ihn auftippen lassen wie einen Ball. Und einlochen. –  Dabei scheint gar kein Mond. („Das war doch nur ein Beispiel.“ „Aus dem Romantik-Fundus.“ „Woher sonst?“)
 
Wir könnten ans Meer fahren. Lug. Meer. Trug. Ich ziehe einfach das „e“ in die Länge. Schon sitze ich in einem weißen Spitzenkleid mit hochgeschlossenem Kragen unter einem seidigen Sonnenschirmchen auf einer Bank am Meer. Das Wetter ist zugig, aber die Luft wird silbrig, mit bläulichem Schimmer. Das Meer unterm Himmel jadebusiggrün. Wie ein Smaragd, nein, ein Opal, wenn er um meinen Hals liegt als schimmerndes Oval, gefasst in mattes Gold. Weil ich edel bin, hilfreich und gut. Ein echtes Luxusweibchen. Immer am Meer. Reich mir den Arm, geleite mich zu meiner Kutsche, hilf mir hinein. Leg die Hand an die Hosenbeine, steif! Benimm dich!
 
Und trug es uns dahin. Wie ein Betrug. Rattert das fort. „Jeder Betrug zeugt einen Tod in meinem Herzen.“ (Ja, ja, ja. Wie du die pathetischen Wendungen hasst. Aber lass mich doch. Ein wenig trudig sein. Ein bisschen 19.Jahrhundert-Madam. Warum denn nicht?) Die Leute (also die andern) denken beim Betrug immer an Geschlechter+Liebesverhältnisse, Eheversprechen, so Zeugs, weißt schon? Wir nicht. Wir nicht. Dieser Schmerz, jemanden an seinen eigenen Maßstäben scheitern zu sehen. Oder geschätzte, mindestens („Minimum!“) geachtete Mitmenschen sich selbst entblödend beobachten zu müssen. Wenn sie unterhalb ihrer Möglichkeiten bleiben. Moralisch-ästhetisch gesehen. Bei Leuten ist es egal. Leute bleiben immer unter. Wir nicht. Bei uns ist es am schlimmsten. Der Trug. 
 
Wie ich dich niemals sehen wollte. Mich niemals sehen wollte. 
 
Danach ist alles anders. 
 
Und möglich.
 
Kein guter Anfang. Kein schlechtes Ende.
 
Danach ist Danach.
 
Lugmertrug.




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„Sahst du auch einmal, im Traume, meine ich, Herrn Lugmertrug? Aus dem Schatten treten? Dunkel?“ Pause. Lange Pause. Keine Antwort.

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