Archiv der Kategorie: Ausgabe 03/2014

Der Silberrücken

Wenn mir vor gar nicht so langer Zeit Leute begegneten, die um die Fünfzig waren, dachte ich immer, Junge, wie kann man so lange existieren ohne durchzudrehen. Mittlerweile weiß ich, es ist tatsächlich nicht so einfach. Jedenfalls, es ist kein Selbstläufer. Man muss sich schon ordentlich anstemmen gegen den Irrsinn.

Der Irrsinn macht sich ja nicht mal die Mühe, sich anzuschleichen. Er trumpft frontal von vorn auf (wenn man übers Mäuerchen der Geriatrie blickt), er kommt total link von links (mit all seinen schlaflosen Nächten), aber am ärgsten sind die Seitenhiebe der Vergangenheit. Diese melancholischen Knackgeräusche. Die machen einem wirklich zu schaffen.

Weil ich den Kopf voller Löckchen hatte, machten sich meine Schwester und meine Cousine einen Spaß daraus, mich zu verkleiden und zu schmücken, sie konnten nicht genug davon kriegen, wenn sie wieder mal auf mich aufpassen mussten. Sie profitierten von meiner fatalen Angewohnheit, still zu halten und alles mit mir geschehen zu lassen, sobald meine große Schwester in der Nähe war.

Sie nannten mich Goldmarie und trugen mir Lippenstift auf, sie behängten mich pfundweise mit Lametta vom Christbaum, sie kicherten albern. Ich hatte keine Chance. Ich war zwei Jahre alt. Ich war ein hilfloses Häufchen Locken in ihren Händen und mein Pimmel war noch nicht groß genug, um sie zu verscheuchen.

Sie schickten mich in immer seltsameren Anziehsachen auf den Catwalk, der durch den langen Flur führte. Einmal pappten sie mir einen ausrangierten Gipsarm ans Bein und ließen mich zu Downtown von Petula Clark den Flur entlang hoppeln, wie ein deppertes Häschen, das die eigenen Batterien leergesoffen hatte. Ich war jedes Mal heilfroh, wenn das Babysitten vorüber war.

Als Teenager hatte ich eine Matte, man konnte mich auf hundert Meter Entfernung von hinten erkennen, nur an der wilden Naturkrause. Ich war ein junger weißer Little Richard, ein Priester der Straße. Und heute?

“Herr Geheimrat! Wo ist dein Afro?!” entrüsten sich Leute, die mich länger nicht gesehen haben. Oder: “Och nö! Deine Frisur ist aber kurz geworden!” Als hätte ich meine XXL-Locken selbst gerodet, aus lauter Lust am Plattmachen. Aber es ist schon wahr. Aus der wallenden Little Richard-Mähne ist gemäßigter Wellengang geworden, es plätschert über den Schädel, und das ärgste: Geheimratsecken fressen sich voran wie Parkplätze in den Urwald. Ein unhaltbarer Zustand. Ich spiele mit dem Gedanken, mich aus Protest an die letzten verbliebenen Riesen zu ketten und zu Tode zu hungern.

“Also, ich finde das sexy”, sagt die Gräfin, als wir nebeneinander vorm Spiegel stehen. “Das sieht so verletzlich aus..”

“Sexy?! Du findest Geheimratsecken sexy?”

“Na.. sexy nicht wirklich. Aber verletzlich. Verletzlichkeit finde ich sexy. So herum ist richtig..”

Erst sexy, dann nicht wirklich sexy, oder doch nur mit Einschränkung sexy, also ich weiß nicht. Früher lagen die Dinge einfacher. Ich hatte ne schöne Matte und die Mädels liefen mir hinterher. Das war besser. Da war ich mein eigenes Naturvolk.

“Blödsinn, das sind doch gar keine richtigen Geheimratsecken. Die kommen erst noch..”, tröstet sie mich.

Na, toll! Weißt du noch früher? Da war ich mein..”

“..eigenes Naturvolk, ja, ja, ich weiß.”

*

“Der ist wie Elvis”, hat Karlos der Gräfin gesteckt, als die mich noch nicht so gut kannte.

“Wie Elvis? Was meinst du damit?”

“Na, wie der in die Kneipe reinkommt. Wie Elvis nach Las Vegas. Wie Harald Juhnke die Showtreppe runter”, gackerte Karlos.

Dabei war das mit Juhnke die Treppe runter nur an meinen schlechten Tagen. Und für den Elvis in mir, dafür kann ich nichts. Das ist der Stenz in mir. Der Silberrücken. Der liegt in der Familie.

Mein Onkel Fitting etwa. Wo er auftaucht, steht er im Mittelpunkt. Auch auf dem Fußballplatz. Als Mittelstürmer tat er früher nichts anderes, als neunzig Minuten lang in der Nähe des Elfmeterpunktes herumzulungern. Wenn die Pille dann kam, und irgendwann kam sie, machte er ZACK! die Hütte und liess sich feiern. Dass er neunundachtzig Minuten nur rumgestanden hatte, lauthals motzend, wo bleibt der Ball?! – geschenkt.

Oder mein Großonkel. Der saß noch im Altenheim während der Besuchszeit locker im Clubsessel und liess seinen Lümmel heraushängen.

“Jetzt packen Sie Ihr verfluchtes Ding da weg!” zischelte die Stationsschwester böse, wenn sie mit dem Vordruck der Pflegeversicherung über den Flur hastete.

“Kindchen”, antwortete mein Großonkel, “das kann man nicht einfach wegpacken. Das ist meine Fröhlichkeit.”

Noch im gesegneten Alter von 94 Jahren liess er in sein Gehwägelchen Leuchtdioden einbauen, damit die Puppen ihn besser sehen konnten, wenn die Dämmerung einsetzte, auf Station. Die Puppen, das waren drei Pflegerinnen aus Thailand. Mit denen war Großonkel so dicke, sie haben sich seine Pension jahrelang durch vier geteilt, bis die Stationsschwester dahinterkam und die Puppen rausschmiss.

Wie auch immer – wer solche Vorfahren hat, wächst in dem Glauben auf, automatisch Vorfahrt zu genießen im Leben. Aber ich will ehrlich sein. Es gibt auch andere Tage. Da hat mein Gang nichts von Elvis Presley.  Dann schleiche ich hinter den Marktständen herum, damit mich niemand sieht. Da gehts mir nicht gut.

“He, Stückchen Fleischwurst?!” fragte mich mal ein Markthändler an einem solchen Morgen, mit aller ihm zur Verfügung stehenden Abschätzigkeit. Er spürte einfach, wie schwach ich war an diesem Tag.

Ein Zaungast am eigenen zertrümmerten Leben.

Als ich wieder in Ordnung war, paar Tage später, bin ich mit Elvis-Schritt und gänzlich anderen Augen an seine Metzgerbude und orderte 250 Tonnen Bock-und Bratwurst für denselben Nachmittag, 15 Uhr, Graceland, Lieferanteneingang.

Mahlzeit, Arschloch.

die mich & daß deine

die mich …

die mich
und durchs
ganze haus
laufen, ohne
einer
vom lesen
ab-
und damit
einer menschen-
seele zu
begegnen
& zum leben
vergebens (indarno)
angehalten

ha……sen

 

daß deine …

daß meine
und dann auch
deine
also der pferde
speichel und
das dann
ineinander
glitschte
und wir uns
fragten ob
fliege, du
vielleicht nicht
doch
rauswillst

leis’ nur schwie’n
zunächst
die wasser

ihr “do do do
but I don’t swear”

das zuckerstück

 

shanghai

pic

india : 6.52 — Haruki, der in einer klei­nen euro­päi­schen Stadt zu Hause ist, erzählte eine Geschichte, die ich kaum glau­ben mochte. Schon sein Name schien selt­sam zu sein. Er habe, sagte er, manch­mal das Bedürf­nis, mit­ten in der Nacht zu tele­fo­nie­ren. Nicht weil er fürchte, ster­ben zu wol­len, son­dern weil er glück­lich sei, wenn er ein­fach loser­zäh­len könne, wenn ihm seine Worte von einem auf­merk­sa­men Ohr sozu­sa­gen aus dem Mund gezo­gen wür­den. Genau die­ses Bild eines Ohres habe er vor Augen, sobald er sich an wun­der­bare Gele­gen­hei­ten erin­nere, als er im Erzäh­len Geschich­ten ent­deckte, die ihm ohne diese Art des Spre­chens nie­mals ein­ge­fal­len wären. Lei­der würde ihm inmit­ten der Nacht längst nie­mand mehr zuhö­ren, Men­schen, die er per­sön­lich kenne, eil­ten nicht mehr ans Tele­fon, wenn er sich bei ihnen mel­dete. Er habe des­halb andere, wild­fremde Men­schen ange­ru­fen, die sich bei ihm beschwer­ten, weil schon tiefe Nacht gewor­den war, und über­haupt zu wis­sen wünsch­ten, um wen es sich bei ihm han­dele. Das war der Grund gewe­sen, wes­we­gen er vor weni­gen Wochen damit begon­nen habe, Ruf­num­mern in Über­see zu kon­tak­tie­ren. Es mel­de­ten sich Men­schen, die ihn in eng­li­scher, fran­zö­si­scher, chi­ne­si­scher oder spa­ni­scher Spra­che begrüß­ten. Sobald nun die Stimme eines Men­schen zu hören war, begann Haruki zu erzäh­len. Er for­mu­lierte in einer so hohen Geschwin­dig­keit, dass er sich selbst kaum noch ver­stand. Und weil Tele­fon­ge­sprä­che nach Über­see kost­spie­lig waren, hatte er auf sei­nem Tisch eine Arm­band­uhr abge­legt, um die Zeit zu mes­sen. 15 Minu­ten, län­ger durfte ein Gespräch mit Shang­hai nicht dau­ern. Manch­mal ver­nahm er Stim­men von der ande­ren Seite her, helle Stim­men, zit­ternde, wis­pernde Töne, wes­halb er das Tele­fon­ge­rät ein wenig von sei­nem Ohr ent­fernte, ohne indes­sen zu ver­stum­men. Nach 15 Minu­ten ver­ab­schie­dete er sich. Er sagte: Gute Nacht! — stop

“Partikel vom Grossgesichtigen Kind”: Esther Dischereits Anatomie institutioneller Gewalt. Eine Klanginstallation

| echt welt texte |

24 08 24 Dischereit

(Esther Dischereit; foto © Sabine Groschup)

 

Esther Dischereit: “Partikel vom Grossgesichtigen Kind
8-Kanal-Klang-Installation, kuratiert von Georg Weckwerth
TONSPUR für einen öffentlichen Raum 63 / 2014 (Wien, MuQua)

 

2014 08 24 Dischereit Wegwerth czz

(v.l.n.r.: Stefanie Hoster/Deutschlandradio, Esther Dischereit/Institut für Sprachkunst, Georg Weckwerth/Tonspur, czz; foto © Sabine Groschup)

 

Opening 24. 8. 2014, Einführung, Christiane Zintzen:

“Partikel vom Grossgesichtigen Kind”. Esther Dischereits Anatomie institutioneller Gewalt¹

(ein fünf-puncte-programm)

1. PSYCHIATRIE

Hand in Hand mit der aufdämmernden Moderne wurden die “Nachtseiten der Seele” entdeckt. Waren diese “Nachtseiten”, das “Abgründige” für die Literatur, für die Kunst, für die Geistesgeschichte äusserst produktiv und prägend, zog die psychiatrische Forschung rasch nach und trat einen enormen Höhenflug an, welcher bis in die Nachkriegszeit reichte.

Seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland, Österreich und dessen Kronländern unzählige psychiatrische Krankenhäuser gebaut.

Das ging bis in die Jahre nach 1918, wo die Ärzte auf Druck der Versicherungen Methoden suchten zur Unterscheidung von traumatisierten sog. “Kriegszitterern” und sog. “Simulanten”, die es angeblich lediglich auf die Prämien abgesehen hatten.

Dann trat im Besonderen die eugenische Forschung hervor, die in vielerlei Hinsicht den Boden bereitete für das berüchtigte NS-Programm “T4″ zur sog. “Euthanasie”, welcher Tausende von Patienten zum Opfer fielen. In der Wiener Anstalt “Am Steinhof”, die man nun neu nach dem Flurnamen “Am Spiegelgrund” benannte, waren dies im hohen Masse Kinder.

Ihre post mortem entnommenen Gehirne begründeten die steile Karriere der Hirnforschung. Noch in den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Präparate, die vom “Spiegelgrund” stammten, in einschlägigen Forschungslaboren entdeckt.

Wenn Esther Dichschereit als Schauplatz ihrer Text- und Sound-Installation das Gelände einer psychiatrischen Anstalt wählt, begibt sie sich also auf einen symbolisch wie historisch hoch prekären Boden.

Das titelgebende “Grossgesichtige Kind” ist allerdings keine Patientin dieser Klinik, sondern lebt in der – auch für den Wohnraum des Anstaltsleiters vorgesehenen – Verwaltungsvilla.

Wir erfahren über die Psychiatrie nur das, was dieses kleine Mädchen mit dem “Grossen Gesicht” im Areal der Anstalt beobachtet. In 19 kurzen, jäh aufleuchtenden Szenen gestaltet Esther Dischereit ein Panoptikum der kindlichen Wahrnehmungen. Ein Panoptikum freilich, welches eigentlich nur aus winzigen Mosaiksteinchen momentaner Beobachtungen besteht: das Verwaltungsgebäude (übrigens das einzige Haus ohne Gitter). Der Park. Die elterliche Wohnung.

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2. INDIZIEN

Und doch ist diesen erratischen, dem Kind meist unerklärlichen Beobachtungen eine eminente Menge von Indizien und Informationen eingeschrieben: Unverkennbare Anspielungen evozieren die von Otto Wagner geplante und ästhetisch durchformte Riesenanstalt “Am Steinhof”.

Aus Indizien hinsichtlich Kleidung, Haartracht, nicht zuletzt mit Hilfe von Zeichen des Zeitgeschichtlichen, können wir das Geschehen in den frühen 50er Jahren situieren. Mit der Diskretion des Indirekten gibt uns Dischereit auch zu verstehen, dass und welche Gewaltzusammenhänge diesen Ort beherrschen.

So zielt der Hinweis auf langgediente Ärzte – und ebensolches Personal – auf die nur ungenügend geahndeten “Euthanasie”-Verbrechen. Und auf die personelle Kontinuität über das Kriegsende hinweg und in der jungen Republik.

Mit dem wie nebenbei eingestreuten Namen Hans Globke wird diese Ahnung zur Sicherheit: Stellt doch der deutsche Verwaltungsjurist im NS-Reichs-Innenministerium (auf den u.a. die Konkretisierung des Nürnberger Gesetzes 1935 zurückgeht) ein Paradebeispiel dar für personelle Kontinuitäten im Deutschland der Adenauer-Zeit. Kontinuitäten, wie sie Wolfgang Koeppen in seine Romantrilogie “Tauben im Gras”, “Das Treibhaus” und “Der Tod in Rom” (1951-54) beklemmend kenntlich gemacht hat. Der Aufstand gegen die politisch-wirtschaftliche Macht dieser “Alten” wurde wiederum zum Gründungsmythos radikaler Gruppen wie der RAF.

Dischereits Evokation häuslicher Gewalt seitens des Familienvaters gegenüber seiner (jüdischen) Frau und (jüdischen) Tochter, räumt jeden Zweifel vollends hinweg: Die Psychiatrie – sei es “Am Steinhof” – sei es jede andere psychiatrische Einrichtung, ist Ort von zyklisch wiederkehrender Gewalt.

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3. VERWAHRT, VERKOMMEN, VERSEHRT

Es ist, als wäre es diese “totale Institution” (Erwing Goffman), welche den Wiederholungszwang von Gewalt regelrecht produziert (was, cum grano salis, auch andere Institutionen gilt: Kasernen, Internate, Klöster, Kliniken):

Als wäre der Topos der Psychiatrie mit ihren oft wenig zarten “Heilmethoden” nicht bereits hinreichend belastet, legen sich, Schicht um Schicht, Zeit um Zeit, neue Formen von Gewalt über die Szene. Die Spuren graben sich in Menschen ein, nicht aber in die Architektur.

– Als sei der Notstand während des Ersten Weltkriegs, da Dutzende von Patienten in der menschenunwürdig doppelbelegten Anstalt (8.000 statt 4.000 Patienten) an – Auszehrung zugrunde gingen, nicht genug.
– Als hätte das Syndrom der “Euthanasie” während der Zweiten Weltkriegs das Mass an Gewalt nicht schon vollgemacht.
– Als hätten die brutalen Umstände der völligen Entrechtung von Patienten nicht weit bis in die 70er Jahre gereicht.
– Als wären nicht bis in die 2000er Jahre Menschen infolge paradoxer Medikation einen fragwürdigen Tod gestorben.
– Als hätten – ebenfalls noch über die Jahrtausendwende hinaus – im Innern der Pavillons nicht katastrophale Zustände geherrscht. (Was für die – durch Thomas Bernhard nobilitierte – Pulmologie im westseitigen Teil des Areals übrigens gleichermassen gilt.)

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4. LEITMOTIV

Esther Dichereit hat ein sensibles Gespür für solche Gewaltzusammenhänge. Sie hat den Text für die Klang-Installation “Partikel vom Grossgesichtigen Kind” dicht mit szenischen Indizien durchwirkt: Zerbrochenes Glas. Ein einzelner Schuh. Die alles Lebendige schluckende Architektur.

Der musikalische Sound dieser Installation parallelisiert Esther Dischereits leitmotivisches System. Da sind: Die in den Korridoren klatschend hallenden Schritte des “Grossgesichtigen Kindes“. Stets rennend, stets laufend, stets springend, orchestrieren diese Schritte immer wieder neu den Wunsch nach Flucht. Da sind: Die elektronisch verfremdeten und verzerrten Klänge, die der Komponist Frank Wingold auf Basis einer Gitarre entwickelt hat.

Diese Sounds durchlaufen verschiedene Metamorphosen: Da ist ein metallisches Lauten wie dasjenige eines präparierten Klaviers. Da ist der trügerische Frieden der “cleanen”, fast wie Holzblasinstrumente klingenden, Melodiebögen. Da ist der krachende Klang von Hardrock oder Punk, rau und in Obertöne zersplitternd.

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5. PLEIN AIR

Auffallend ist: Hörinstallationen wie Esther Dischereits akustisches Shoa-Denkmal in Dülmen (seit 2008) oder die Installation, die wir hier antreffen, befinden sich in einem öffentlichen Raum. Und sozusagen unter freiem Himmel.

Damit wird – anders als in institutionellen und für die Sound-Darbietung optimierten Räumen – kein geringes Mass an Stör-Signalen in Kauf genommen. Verkehr. Menschen. Witterung.

In diesem Preisgeben der Audio-Installation an den Öffentlichen Raum leistet Esther Dischereit einen zwiefachen Verzicht:

1. verzichtet sie auf die wiederholte Gruppierung eines tendenziell “idealen”, fachlich und sachlich versierten Publikums. Womit sie
2. auch die Steuerung langfristiger Rezeption aus der Hand gibt.

Was Sie nun hören, ist also keine Preziose, eingeschweisst in ein ästhetisches Vakuum.
Vielleicht sollten wir dieses dezidiert non-museale Wagnis gerade hier, mitten im Wiener Museumsquartier, ganz besonders deutlich wahrnehmen und wertschätzen.

Hören Sie nun: “Partikel aus dem “Grossgesichtigen Kind’“. Hören Sie: 19 abgezirkelte Szenen (und drei Refrains). Hören Sie: ein Extrakt aus einem grösseren poetischen Projekt. Hören Sie: Die Verwandlung von Prosa in eine Klanginstallation.

Hören Sie: Die Komposition von Frank Wingold. Hören Sie: Stefanie Hosters Regie. Hören Sie: Esther Dischereit und Markus Meyer als Sprecher. Hören Sie: “Das Grossgesichtige Kind” in den verlorenen Korridoren der Psychiatrie.

Hören Sie.
Hören Sie zu.

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TONSPUR 63 Esther Dischereit 1

¹Esther Dischereits Buch “Das grossgesichtige Kind” erscheint November 2014 (mit Beiheft zur Klanginstallation) im Birkhäuser-Verlag, Basel

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Links:

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Fernsehbilder aus Aleppo (10. Juni 2013)

Ihr ererbter Name, Michail Timofejewitsch,
gilt in tausend Sprachen gleichviel
wie die Wörter Aufstand und Unterdrückung,
er lässt die Augen junger Männer glänzen
und die Augen jener, die in einer Nacht
zu Greisen wurden, vor Schreck sich weiten.
Der radikalisierte Koranschüler in Pakistan
spricht ihn aus und der Kindersoldat im Kongo,
der Bodyguard des syrischen Präsidenten
und der kolumbianische Drogenbaron.

Früher, Michail Timofejewitsch,
war von der Braut des Soldaten die Rede,
heute hat der Rebell oder der Scherge des Diktators
eine Hure in Händen, die es von beiden Seiten
mit sich machen lässt, eine geliebte Hure,
die in Augenblicken namenloser Angst
an die Brust gedrückt wird, nacktes Eisen
an einem nackten Herzen.
Michail Timofejewitsch, erkannten Sie sich irgendwann
als jener Lude, der dem Sensenmann
das Sichelmagazin erfand?

Die Brust mit Orden beklimpert,
schelten Sie die Händler, schelten Sie die Politik
und scheinen dennoch stolz auf Ihr Werk,
stolz auf Ihren Namen, den schon Ihr Vater trug,
ein Bauer, ein einfacher Mann,
den kaum jemand kannte.

Stevens und Mühsam

ergeben eine merkwürdige, aber interessante Parallellektüre. Und weil ich kein Wissenschaftler bin, kann ich ja die verschiedensten Substanzen mischen, und mich dann am Farbenspiel freuen. Und gerade landeten halt diese Beiden Bücher: Stevens: Teile einer Welt (Jung und Jung) und Mühsam: Das seid ihr Hunde wert! auf meinem Schreibtisch. (Der ieigentlich kein Schreibtisch ist, sondern ein umfunktioniertes Hifi-Regal auf Rollen.)

Stevens ist ein Jahr jünger als der 1878 geborene Mühsam, literarisch verbindet sie wenig. Der Amerikaner scheit uns formal näher als der Deutsche, zumindest was die Lyrik betrifft. Vielleicht entsteht diese Wirkung daraus, dass die Tradition (auch die des Bänkelsangs) durch den Faschismus gründlich ausgerottet wurde, und die Tradition Sevens in Amerika kaum bedroht gewesen ist. Was die Lyrik betrifft, ist mir Mühsam also seltsam fremd, vor allem in seiner zuweilen starken Direktheit. Und seltsam fremd ist mir auch sein großes vertrauen auf den Endreim (wofür ich ihn letztlich auch beneide.) Ich muss mich an ihn herantasten. Vollkommen anders sieht es bei seiner Prosa aus. Hier finde ich Formulierungen, die mir näher nicht sein können. Schon der erste Text im gerade erschienen Mühsamlesebuch ist mir auf eine ebenso seltsame Art vertraut. Als träten hier lange verschüttete kulturelle Ablagerungen zu Tage.

DANKE Hans, DANKE Sylvia, DANKE Fische. Aber but : NO NO HOLIday

This forest was like a zoo.
Hier trafen sich Hasen, die sich mit Füchsen trafen
und zuletzt Bären, die Schneeraupen fickten.
Wir wollten die Winterstarre erforschen
und wurden dabei unendlich müde.
Schlafmangel folgte Wassermangel.
Wir bauten Höhlen aus Federn und Laub
und sagten: House / Haus.

Gegen Mitternacht gingen alle in Torpor.
Wenn Feinde kamen,
wurden Fragmente von uns geweckt.
Unsere Nacktheit war unsere beste Waffe,
sie schlug einfach jeden Troll in die Flucht.
Zum Frühstück gab es Kuchen aus Klee,
Saft aus der Rinde des Ahorns, but
no condoms.

Die Fabrik der Tortenmädchen

Ich teilte heute meinen Eltern mit, dass ich Privatdetektiv werden will. Eigentlich teilte ich es nur meinem Vater mit, da Mutter vor Jahren verschwunden ist. (Vielleicht will ich deshalb Detektiv werden. Freud würde von einem “auf die mütterliche Vagina abzielenden Berufswunsch” reden. Ich hoffe, sie irgendwann wohlauf bei einem Tortenwettessen zu finden. Mutter liebt Torte. So sehr, dass es sein kann, dass ein gemeiner Verbrecher sie damit in sein Auto lockte. In London verschwinden immer wieder Frauen, die eine Vorliebe für Torte haben.)
“Ich werde Privatdetektiv”, sagte ich zu meinem Vater.
Er schlang gerade sein Abendessen hinunter, und das, obwohl es früher Morgen war. Vater ist Exzentriker.
“Was?”, schrie er und hielt seine rechte Hand an sein linkes Ohr. Solche Bewegungen muss er als Vorsitzender des örtlichen Exzentriker-Clubs machen. (Er ist außerdem schwerhörig, daher das laute “Was?”)
“Privatdetektiv?”
“Schief? Was ist schief?”
Ich überlegte rasch, wie ich mich ihm mitteilen könnte. Mein übermäßig großes Hirn arbeitete fieberhaft.
“Privatdetektiv!”, schrie ich lauter.
“Brief? Ich habe keinen Brief. Oder hast du einen Brief, James?”
James ist der Butler meines Vaters, der ebenfalls schwerhörig ist und daher erst gar nicht auftauchte. James erscheint seines Leidens wegen nur sehr selten. Meistens sitzt er in seinem Zimmer und sieht sich bei voller Lautstärke Talksendungen an.
“James ist nicht da!”, brüllte ich.
“Nichte? Du hast keine Nichte!”
“Nicht Nichte. James ist nicht da, und ich möchte Privatdetektiv werden.”
Mein Vater sah mich erstaunt an. Dann lief er puterrot an. Er griff sich nach dem Hals, als würde er keine Luft mehr bekommen.
Geschult in allen gymnastischen Übungen, machte ich blitzschnell eine Rolle vorwärts, einen Handstand, noch eine Rolle vorwärts, bis ich bei Vater war, um ihm eine Backpfeife zu verpassen.
Vater hustete und spuckte ein Stück Fleisch, groß wie meine Hand, auf den Tisch.
“Warum willst du mit James durchbrennen?”, keuchte er.
“Nein, das will ich gar nicht”, versuchte ich ihm zu erklären. “Ich will Privatdetektiv werden.”
Vater schüttelte traurig den Kopf und murmelte: “Das hätte deine Mutter nicht gewollt.”
“Was? Dass ich Privatdetektiv werde?”
“Dass du deinen armen Vater so ausbrüllst.”

Aus Urs Schliepers “Die Fabrik der Tortenmädchen”, Krimi in Tagebuchform

rege[n|l]los

muss mal runterkommen von den schweren
wortgetümen und die scheren
setzen flugs auch an den reim.
und ebenso nach vieren versen
wir sind nicht mehr die leergezei(l)ten,
vielmehr noch breit und weit
gedichtet, was das zaumzeug grade
nicht mehr hält. held
der wortarbeit, ein hennecke
der hymnen stolperstammelt in frührente.
spürst du, wie das holde
dir poltert? wie der blues
nicht mehr rhythm’n’ ist?
sich regelnd fortgesetzt durchs
wort zu regen, bringt doch endlich
keinen segen. so halt ich ein
und stell mich regellos und ohne reim
mitten in den silbe[n|r]regen.

Was vor allem zu tun war. PP228, 22, September 2014: Herbstmontag.

[Arbeitswohnung, 5.58 Uhr.
Noch wieder keine Musik.]

Ich möchte nicht heraussuchen, nicht wählen. Noch nicht. Aber das wird heute zurückkommen, schon, weil ich über fünf Konzerte die Kritik schreiben will, sagen wir, eine Darstellung. Denn das blieb ebenso liegen, wie ich weder meine Post geöffnet, noch Elektronische Post beantwortet habe, aber auch sie habe ich kaum gelesen. Wenn man nunmehr vor drei Bildschirmen und mit ihnen arbeitet, und dazu steht das geladene iPad ebenfalls schräg vor einem, erlangt man von Emails zumindest in ihren Überschriften Kenntnis. Seit die Löwin wieder in Wien ist, sie war viereinhalb Tage hier, habe ich auch wenig geduscht, trage schon mal drei Tage lang dieselbe Unterhose, und die übrige Kleidung wechsele ich sowieso nicht, Oder wechsele von den zerrupfen aber warmen Frühmorgenklamotten nur zum Hinausgehen in den aber ebenfalls selben Anzug, dasselbe TShirt, ja peinlicherweise dieselben Socken sogar. Denn so weit treibe ich es dann doch nicht, mich draußen in den Leggins sehen zu lassen. Ich kaufe dann sowieso kaum ein, nur Wein.
Es wird, vor allem, keine Musik gehört, von den fünf Konzerten abgesehen, in denen ich an zweieinhalb Tagen war, aber auch das nur am Beginn dieser heftigen Bearbeitungsphase. Denn da bin ich, es läßt sich kaum anders nennen, hineingestürzt. Von morgens um Viertel vor sechs bis in den letzten Tagen manchmal frühnachts halb oder Viertel vor elf; jeweils mit einer Stunde Mittagsschlaf. Ach ja, einen Auftritt im >>>> ilb hatte ich dazwischen noch, zusammen mit meinem Sohn. Es gehört zu den mir eigentümlichen Eigenarten, daß man mir Anstrengung nicht ansieht. So wurde ich denn auch auf einem Elternabend mit dem Satz begrüßt, das sei ja klar, daß ich wieder nach Urlaub aussähe. Wo ich denn diesmal gewesen sei. Erneut auf dem Atlantik, habe ich geantwortet. Denn was meine Arbeit anbelangt, stimmte das wohl.
Deswegen, Freundin, habe ich Ihnen so lange nicht geschrieben.
Der Sex war minimiert.
Latte macchiato, erste Morgenpfeife.
Rechnungen dürften sich stapeln; ich habe keine Ahnung, oder doch, eine Ahnung schon, aber keine so gute, daß ich sie hätte an mich herankommen lassen dürfen, wie es an meiner Finanzfront aussieht, die mich um mein gallisches Widerstandsdorf wahrscheinlich rings einschließt. Es wird Zeit, wieder anzulegen, bzw. sogar, wieder aufzutauchen oder, in meinem Gallien, einen Ausfall zu unternehmen.
Denn die Erste Fassung ist fertig, des >>>> Traumschiffs, seit gestern frühabends etwa um sechs. Ich habe für sie notiert: 12. – 21. September 2014, Berlin. Sie hat mich stärker gebunden, als ich gedacht habe, war auch schwieriger. Wobei die Probleme weniger in dem bestanden, was ich ins Auge gefaßt hatte: Motivverankerung, Spuren legen, Zeitenfolgen aufdröseln, hier und da etwas fortnehmen, das unnötig ist. Aufgedröselt wurde gleichwohl. Denn die Hauptarbeit bestand darin, Hypotaxen in Parataxen zu überführen, ja wirklich in sie aufzulösen. Jetzt gibt es kaum einmal mehr Relativsätze, sondern ich bin dort angekommen, wohin mein Exposé mich von Anfang an verpflichtete: in kurzen Sätzen erzählen.
Das ist nicht nur an sich schwierig, bei nunmehr zwischen 300 und 350, je nach Type, Buchseiten, sondern vor allem, weil ich hypotaktisch denke, mäandernd nannte die Löwin das, und das, dieses Denken, vor allem während des Prozesses einer ersten Niederschrift – schon gar, wenn sie so gleichsam rauschhaft vonstatten geht, wie das >>>> in Amelia von Anfang an losging. Die erste Warnung, noch über Facetime, war von der Löwin gekommen: in dem und dem Kapitel gehe das ein bißchen sehr ineinander; da könne man die Übersicht verlieren.
Genau das darf bei diesem Buch nicht geschehen; es muß im weitesten Sinn allgemeinverständlich sein. Es ist ein allgemeines Thema, nicht nur, weil wir alle sterben werden. Sondern weil wir den Bezug zu dem Umstand entweder verloren haben oder verdrängen, mindestens wegdrängen. Darüber hinaus geht es um Achtung. Das Sterben ist kein Erzählgegenstand, dem man seine Virtuosität vorführt. Sie hat den Kopf zu senken, ohne freilich dabei den Stolz zu verlieren. So sind Demut einerseits, und Achtung sowieso, andererseits Einfühlung und eben Stolz die leitenden Kategorien des Sterbebuches geworden. Ich habe im Rohling als Alban Nikolai Herbst mit Herrn Lanmeister gedacht; die jetzige Erste Fassung denkt als Herr Lanmeister selbst. Er mußte zu seiner eigenen Sprache gelangen, wenn er sich denn mitteilen wollte. Daß nicht Lastotschka, sondern letztendlich ich zum Adressaten seines inneren Abschieds- und aber Erkenntnisbriefes wurde, hat nur damit zu tun, daß meine Hand es war, meine Fingerspitzen es waren, die er geführt hat.
Er wird jetzt auch anderswo begraben werden als noch im Rohling; im nunmehrigen Jetzt konnte er bis noch fast ganz zuletzt am Strand spazieren gehen: 54°8’N/ 13°37’O. Fast zweieinhalb Stunden Suche im Netz hat es mich gekostet, diesen Ort zu finden. Auch wenn der Roman erst im kommenden Herbst erscheinen wird, habe ich das Gefühl, hierbei wird es bleiben. Sowie es allerdings meine Zeit zuläßt, will ich dort für einzwei Tage hinfahren, um ihn mir anzusehen und ihn vielleicht schon auf See in der eigentlichen Erzählung zu verankern. Dafür bleibt genügend Zeit. Es hat Vorteile, ein Jahr vor Erscheinen eines Buches fertig zu sein, oder quasifertig.
Nunmehr, gestern nacht, ist der Text an die nahsten Freunde heraus. Noch in dieser Woche wird auch Delf Schmidt ihn bekommen. Liegen deren aller Reaktionen vor, werde ich einen neuen Durchgang beginnen, um die Zweite Fassung zu erarbeiten, die dann an den Verlag geht und die Lektoratsvorlage sein wird. Danach kommen allenfalls noch kleine Revisionen hinzu wie die aufgrund der letztgenannten Koordinate, oder mal hier wird die Krümmung einer Reling präzisiert und mal dort vielleicht ein Name geändert. Das wäre mir freilich unbehaglich, weil alle Personen längst in mir sind. Selbstverständlich kommt es darauf nicht an. Sondern es kommt darauf an, daß sie es in Ihnen sind, wenn Sie das Buch lesen; daß sie für Sie lebendig werden.
Ich habe in meinem Schriftstellerleben selten darauf geachtet, was Leserinnen und Leser verstehen können oder vermeintlich verstehen können; mein „Credo“ war, daß die Erzählung in sich Wahrheit haben muß, alleine sich selbst verpflichtet ist. Diesmal sehe ich das anders. Prinzipiell muß mein Schuster sie verstehen können, meine Kassiererin bei Penny; sie alle sollen weiterlesen geradezu müssen, wenn sie einmal begonnen haben. Aber auch meine akademischen Freunde sollen nicht aufhören können und das Buch, aus intellektueller Langeweile zum Beispiel, nicht wieder beiseitelegen. Bis es ausgelesen ist. Es ist ein hoher Anspruch, den ich an diese kurzen Sätze stelle. Den aber das Thema von mir verlangt.
Für Die Dschungel ist mir so etwas gleichgültig; hier schreibe ich, wie mir der Schnabel wuchs oder wie ich nach Tagesverfassung grad Lust hab. Mag man sich dran reiben, wie man will.

Liegen geblieben ist das Kreuzfahrt-Hörstück. Was nicht an mir, sondern meiner Redakteurin lag und liegt, die zwar bereits eine Gefallenskundgebung schrieb, zu meiner Neufassung, dann aber, anders als sie ankündigte, nichts mehr von sich hören ließ. Es ist allerdings sehr gut möglich, daß sie gespürt hat, in welchem Prozeß ich steckte. Daß sie mich darin nicht stören wollte. Nachher werde ich bei ihr anrufen; es ist dies die nächste größere Arbeit, die ich nun endlich hinstellen werde. Und muß. Schon aus dringenden finanziellen Gründen; um mich auszuruhen, ist keine Zeit. Das war sie bei mir ohnedies nur selten. Ich habe auch keine Lust dazu, sowieso nicht mehr jetzt, wo solch ein Roman in einem Monat und zwei Tagen gestemmt worden ist. Imgrunde könnte ich genau so den nächsten schreiben, ob nun das Neapelbuch, ob die Melusine Walser, ob >>>> Αἰαιαη oder Die Erleuchtung. Nur für den Friedrich wäre es noch definitiv nicht so weit. Lange bin ich nicht mehr so Romancier gewesen, derart unbrechbar, derart von Figuren umgeben, die in mir Personen wurden, und von den Gerüchen und Geräuschen die erstehenden Welt. Nicht mehr in dieser Intensität. Ich hatte gedacht, das wird nie mehr kommen. Nun war es, und ist noch, wie Heimkehr: vorbehaltlos. Was ein Roman braucht. Und ich habe gelernt: Die Überführung in Parataxen ist für mich eine grundlegende Erfahrung Noch vor zwei Jahren hätte ich mich gegen so etwas verwahrt. Aber nun, nach Herrn Lanmeisters Tod, muß ich gewärtigen, daß das Traumschiff weiterfährt, mit Senhora Gailint, Madame Gellet, Mister Cody und Dr. Samir. Mit Tatiana Bogdanova, Kateryna Werschovskaya, die Gregor Lanmeister in sich Lastotschka genannt hat, oder Lastivka, Schwalbe, und Peter, von dem er den Nachnamen nie erfuhr. Indessen Monsieur Bayoun, Frau Seifert, Signore Bastini, der ehemalige Holzfäller Patrick, der schließlich Krankenpfleger wurde, sowie Mister Gilburn und er, Herr Lanmeister, selbst, alle von Bord gegangen sind. Für jeweils ihr Für immer.