LUGMERTRUG. Ein Traumbild. “Es ist immer wahr, was mir keiner glaubt.”

“Mir träumte”, sage ich, “von einer Frau Lugmertrug.” Pause. Lange Pause. “Und?” fragst du. “Weiß nicht.”, sage ich. 

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Sagen wir: Sie lugte. Um die Ecken. So gut wie sie log. Beispielsweise. Wie ich log. Ich lüge immer gut, wenn es nicht drauf ankommt. “Es spinnt sich was z´ammen.” “Sie glaubt´s selbst.”, sagt die Frau Mama. Was wahr ist. Es ist immer wahr, was mir keiner glaubt. Und nur das. Lugt um die Ecken. Er. Sie. Es. 
 
Was passiert, wenn eine um die Ecke lugt. Wie sich das Bild bildet, das verruckte. 90 Grad verdreht, wie der Kopf schief liegt. Der Mond auf halber Höhe. Könnte ihn auftippen lassen wie einen Ball. Und einlochen. –  Dabei scheint gar kein Mond. (“Das war doch nur ein Beispiel.” “Aus dem Romantik-Fundus.” “Woher sonst?”)
 
Wir könnten ans Meer fahren. Lug. Meer. Trug. Ich ziehe einfach das “e” in die Länge. Schon sitze ich in einem weißen Spitzenkleid mit hochgeschlossenem Kragen unter einem seidigen Sonnenschirmchen auf einer Bank am Meer. Das Wetter ist zugig, aber die Luft wird silbrig, mit bläulichem Schimmer. Das Meer unterm Himmel jadebusiggrün. Wie ein Smaragd, nein, ein Opal, wenn er um meinen Hals liegt als schimmerndes Oval, gefasst in mattes Gold. Weil ich edel bin, hilfreich und gut. Ein echtes Luxusweibchen. Immer am Meer. Reich mir den Arm, geleite mich zu meiner Kutsche, hilf mir hinein. Leg die Hand an die Hosenbeine, steif! Benimm dich!
 
Und trug es uns dahin. Wie ein Betrug. Rattert das fort. “Jeder Betrug zeugt einen Tod in meinem Herzen.” (Ja, ja, ja. Wie du die pathetischen Wendungen hasst. Aber lass mich doch. Ein wenig trudig sein. Ein bisschen 19.Jahrhundert-Madam. Warum denn nicht?) Die Leute (also die andern) denken beim Betrug immer an Geschlechter+Liebesverhältnisse, Eheversprechen, so Zeugs, weißt schon? Wir nicht. Wir nicht. Dieser Schmerz, jemanden an seinen eigenen Maßstäben scheitern zu sehen. Oder geschätzte, mindestens (“Minimum!”) geachtete Mitmenschen sich selbst entblödend beobachten zu müssen. Wenn sie unterhalb ihrer Möglichkeiten bleiben. Moralisch-ästhetisch gesehen. Bei Leuten ist es egal. Leute bleiben immer unter. Wir nicht. Bei uns ist es am schlimmsten. Der Trug. 
 
Wie ich dich niemals sehen wollte. Mich niemals sehen wollte. 
 
Danach ist alles anders. 
 
Und möglich.
 
Kein guter Anfang. Kein schlechtes Ende.
 
Danach ist Danach.
 
Lugmertrug.




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“Sahst du auch einmal, im Traume, meine ich, Herrn Lugmertrug? Aus dem Schatten treten? Dunkel?” Pause. Lange Pause. Keine Antwort.

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