Archiv der Kategorie: Ausgabe 02/2012

Ich bin da.

Ich pass’ auf Dein Zimmer auf. Und auf sie.
Du hast gespürt, dass ich Deine bin. Und nie was verlangt. Leider. Ich könnte, zum Beispiel, die drei Pullover stopfen, an denen die Motten waren. Ich meine, massiv: mehr Loch als Pulli. Sagt sie. Sie will sie nicht mehr im Haus haben. Wegen der Larven.
Doch ich hab’ Dinge: die von Hand beschrifteten. Ein Kaviargefäß, beklebt mit einem Kreppstreifen.

„Glaubersalz“

In der coolen Handschrift, die Du hattest.
Ich hab’ exakt die gleichen Hände wie Du.
Manchmal denke ich, ob ich mich wohl endlich erinnere, wenn ich alt bin: daran, wie jung Du mal warst. Nicht wie jetzt. Hier stehen Fotos, auf denen Dein Übermut schon nach innen geklappt ist, ein gefaltetes Tempelchen. Mit Blattgold. In Deinem Blick, meine ich! Es ist alles in den Augen, das Kämpfen, das Abfinden. Kapitulation: das ist, wenn die Spitze gekappt wird.
Ich möchte Deinen Körper. Schlafe in Deinem Bett. Ich stehe in Deinem Zimmer und überlege, was ich noch mitnehmen könnte, ein Messer, eine Uhr, doch es ist der Duft in den Schreibtischschubladen, den ich will. Den kann ich nicht mitnehmen. Vielleicht ist er auch im Stuhl.
Vielleicht kann ich den Stuhl mitnehmen.
Den Klang Deiner Schritte vom Zimmer bis zum Bad.

Er trägt Deinen Bademantel, übrigens.
Du bist nicht weg, bist in meinen Händen, allen vieren. Diese kräftigen Hände mit prallen Adern. Vor einiger Zeit sagte jemand: „Sie sehen alt aus und gleichzeitig jung. Du hast existenzielle Hände. Ich möchte sie malen.“
Und ich dachte, dass sie doppelte Masse haben.

Ich will Deinen ganzen, Deinen Bisonkörper. Ich will meinen mächtigen Kopf ins Wasser kippen und hochkommen, ihn nach hinten werfen, das Prasseln der Wassertropfen auf meinem breiten Rücken spüren, als wärst Du es. Mein Doppel-Tier. Mein Zwilling.
Wie wonniglich ich Dich immer überschätzt habe. Liebe reicht, wusste ich. Selbst, als sie anfing zu trösten, mich offen auszulegen, als sei ich Nahrung. Kein anderer Mensch hat das wieder geschafft.
Wollte auch niemand.

Ich lache Dein Lachen, das, dem Du hinterherweintest, als es sich entfernt hatte. Ich bin so lüstern, wie Du es warst. Du Nimmersatt. Die Menschen wollen uns, hm?
Es braucht keinerlei Anstrengung, meinen Kopf in Deinen Brustkorb zu schieben, hinter die Rippen, und dort einzuschlafen.
Dann, wenn ich aufwache, kann ich immer weit hinaus sehen.