Schlagwort-Archive: Sage

Aus meinem Tagebuch

5. März 2014 Schlecht geschlafen. Tigerte durch die Wohnung. Selbst das Cellospiel konnte weder mich noch die Nachbarschaft beruhigen. Schrieb auf dem Klo ein Sonett mit dem Edding auf die Kacheln. Als ich es gar nicht mehr aushielt, weckte ich meine Frau. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Jetzt Pizza, obwohl Adorno davon abriet. Man trägt … Aus meinem Tagebuch weiterlesen

„Das Schreiben ist nichts anderes als ein Kampf, den der Künstler mit den Menschen um seine hervorragende Bedeutung kämpft“ (Essay)

Ist Witold Gombrowicz’ Tagebuch so etwas wie die Urform des literarischen Weblogs? Diese Frage stelle ich mir, seitdem ich angefangen habe, die gesammelten Tagebucheinträge zu lesen. An einer Stelle schreibt er: „Ich schreibe dieses Tagebuch nicht gern. Seine unredliche Aufrichtigkeit quält mich. Für wen schreibe ich? Wenn für mich, weshalb wird das gedruckt? Und wenn für … „Das Schreiben ist nichts anderes als ein Kampf, den der Künstler mit den Menschen um seine hervorragende Bedeutung kämpft“ (Essay) weiterlesen

DAS HERZ DES VERBRECHENS (oder: George, Dick und Don)

Das Erste, was sie versuchten, nachdem die Wirkung der Sedative nachließ, war die Tapete abzukratzen. Beziehungsweise das, was sie zunächst für eine Tapete hielten. Ihre Reaktion war verständlich. Die Wände dieser gigantischen Halle, in der sie erwachten, waren von oben bis unten mit Bildern und Inschriften versehen. Großformatigen Fotografien von Eingeweiden, die aus Bäuchen platzten, … DAS HERZ DES VERBRECHENS (oder: George, Dick und Don) weiterlesen

luftwesen

sierra : 0.14 — Kurz nach Mit­ter­nacht. Fol­gen­des: Eine Drohne in der Gestalt eines Koli­bris sta­tio­niert seit weni­gen Minu­ten in einem Abstand von 1.5 Metern vor mir in der Luft. Sie scheint zu beob­ach­ten, wie ich gerade über sie notiere. Kurz zuvor war das kleine Wesen in mei­nem Zim­mer her­um­ge­flo­gen, hatte mei­nen Kak­te­en­tisch unter­sucht, meine … luftwesen weiterlesen

Und mit mir kamen die Tränen – Supergedichte I

Depressives Adventsgedicht Advent, der erste. Nicht mehr lange, dann ist Weihnachten da. Danach kommt Januar. Und nicht mehr lange, dann ist Sommer. Schnell schreitet die Zeit durch den Raum. Ein paar Jahre später ist man schon tot. Scheiße. Abendrot (Ein Gedicht, das Kraft schenkt) Abendrot, der alte Bäcker, der meine Frau früher beglückte, ist, wie … Und mit mir kamen die Tränen – Supergedichte I weiterlesen

Céline ist schuld! Einige wirre Gedanken zur Klarsicht

Ich habe gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen – oft hört man diese Formulierung, wenn jemand mit Leib und Seele Erfahrungen hat machen müssen, die ihm oder ihr das Weltbild zertrümmerten oder wenigstens schwerwiegend durcheinanderbrachten. Sicher, gelegentlich braucht der Mensch seine Portion unmittelbaren Bewegtseins, allein mit sich und seinen Gedanken oder in Gemeinschaft. … Céline ist schuld! Einige wirre Gedanken zur Klarsicht weiterlesen

Peter Schlemihls Schatten auf dem Weg zum Rheinfall

Emil Laub aus Altbach in Baden-Württemberg beschäftigt sich als Fotograf vornehmlich mit dem Fänomen des Schattens und, beeinflußt von einer Sichtung Ahasvers, des “Ewigen Juden”, in seiner Heimat im Jahr 1766 mit dem Thema Migration, dabei insbesondere mit dem Zweig der Zwangswanderung. Beide Hauptfelder seiner Arbeit überschneiden sich geradezu exemplarisch in obigem Bild, das Emil … Peter Schlemihls Schatten auf dem Weg zum Rheinfall weiterlesen

DIE MACHT UND DAS KIND (noch einmal: Königliche Körper)

Um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert erhielt der Hofmaler Francisco Goya den Auftrag, die spanische Königsfamilie um Karl IV. zu malen. Goya hatte vorbereitend eine Reihe von Einzelporträts angefertigt, um sie schließlich zu einem großformatigen Gruppenbildnis zusammenzufügen. Unverkennbar orientiert er sich hierbei an Las Meninas von Velázquez, seinem berühmten Vorgänger als Hofmaler am spanischen … DIE MACHT UND DAS KIND (noch einmal: Königliche Körper) weiterlesen

Der 3. Todestag

26.12. 2010 Am Abend vor ihrem Tod hinterliess sie mit brüchiger Stimme eine Nachricht auf der Mailbox. Man spürte die Mühe, die ihr die Worte machten, doch dass sie den Ärzten am nächsten Vormittag unter den Händen wegsterben würde, mit zwei Herzinfarkten kurz hintereinander, das war nicht heraus zu hören. Die Nachricht war an mich … Der 3. Todestag weiterlesen