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Callas Box 2.0 (Andreas Louis Seyerlein)

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Ab heute online: Callas Box 2.0

Sie erreichen die Installation des Titels über den Verlagsserver bzw. erhalten in Kürze eine Downloadmöglichkeit via Deutsche Nationalbibliothek …

Natürlich freuen wir uns über Rückmeldungen.

Bibl. Information
Seyerlein, Andreas L
Callas Box 2.0. Digitale Erzählung
Verlag : edition taberna kritika
ISBN : 978-3-905846-05-8
Preisinfo : kostenlos Eur[D]
Erschienen : 2., veränd. Aufl. 27.01.2009
Aus der Reihe : Online-Publikationen
verwandte Themen : Hypertext / Experimentelle Erzählung / Digitale Literatur / Reisetagebuch / Schiffskatastrophe
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September 2012. Joe Ellis, Reisejournalist des International Metamorphosis Observer, berichtet von der Havarie des Forschungsschiffes MS Seatown. Er ist einziger Überlebender der Katastrophe, die sich 450 Seemeilen vor der britischen Küste ereignete. Seine Erzählungen umfassen einen Zeitraum von drei Tagen und drei Nächten. Er notiert von einer Seenotrettungsinsel aus, während er gegen den Wind und gegen die Strömung von weißen Walen nach Norden ins Eismeer gezogen wird. (Klappentext)

Callas Box 2.0 betrachten

kunstradio | on air on line on site

||| Nachdem der ORF- Kunstradio- Feed bislang ( aus Personalgründen ) stets wortkarg bleibt , sei an dieser Stelle für einmal die Programmillustrierte aufgeblättert –

LITERATUR ALS RADIOKUNST | Winter Edition , ORF 1 | Kunstradio , Sonntag , 7. 12. 2008 , 23:03 pm – 23:.45 H Stereo via UKW | via live- stream Oe1 | webcast KUNSTRADIO | Dolby Digital Surround ( 5.1. ) via OE1DD

  • BERNHARD KATHAN – „Hungerkünstler“ ( Ursendung )
  • ILSE KILIC & FRITZ WIDHALM – „Ergänzen Sie die Einrichtung Ihrer Wohnung
    mit einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerin !“ ( Ursendung )

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SCHRIFTSTELLER , AUFGESTELLT , AUSGESTELLT

Mag das rührselige Lied der Bohème längst verklungen sein , bleibt die Existenz des Künstlers weiterhin prekär . Ebenso wirkungsvolle wie konträre Formen, dies unsentimental zur Sprache zu bringen , stellen zwei neue Arbeiten im Rahmen der Reihe „LITERATUR ALS RADIOKUNST“ vor .

ILSE KILIC und FRITZ WIDHALM , die seit zwei Jahrzehnten ein Lebens- Kunst- und Verlagsprojekt ( „Das fröhliche Wohnzimmer“ ) erproben , nehmen den Begriff des „Schriftstellers“ beim Wort und empfehlen diesen als Stell- Objekt fürs kultivierte Interieur : „Ergänzen Sie die Einrichtung Ihrer Wohnung mit einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerin !“ hebt das polyphon satirische Beratungsgespräch im „Schöner Wohnen“- Stil an .

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CAPRICCIOS , MUSIKALISCH

Die musikalischen Capriccios und Mini- Musiken , welche in diese Sendung eingestreut sind , stammen von der als Schriftstellerin , Bildhauerin, Komponistin und Filmemacherin GUNDI FEYRER .

Mit ihren grotesken und höchst eigenwilligen Hervorbringungen passt die derzeit in Spanien lebende Künstlerin kaum ins bürgerliche Interieur .

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HUNGER IM FALL DER KÜNSTLERISCHEN KONSEQUENZ

Der universal schöpferische Tiroler Forscher BERNHARD KATHAN zieht dahingegen das messerscharfe montierte Zitat heran zur Instrumentierung des Elends der „Hungerkünstler“ . In diesem Fall ist es der für seine aberwitzigen „Fälle und Fallen“ postum zur Kultfigur avancierte Russe DANIIL CHARMS ( 1905-1942 ) , aus dessen Tagebüchern die Not in den verschiedensten Stimm(ungs)lagen spricht .

( czz , Kuratorin )

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RELATED

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“Voyage au bout de la Nuit” – Amnesie und Rücklektüre

Technorati , , , , , , , , , , ||| BEFREMDLICHE AMNESIE | NOTATE I : DER KRIEG , DIE FRAU , DIE HELDENERZÄHLUNG AN DER HEIMATFRONT | KLANGAPPARAT | HINWEISE

BEFREMDLICHE AMNESIE

ERSTER WELTKRIEG Spendenaufruf

Zweifellos vor 15 Jahren die bislang verstümmelte deutsche Fassung von Louis-Fedinand Célines vielstimmiger Vivisektion verschlungen . 2003 dann die erstmals vollständige deutsche Edition in der Übersetzung Hinrich Schmidt- Henkels ( Rowohlt ) gekauft … und – wie die Anstreichungen und Notate im Buch erweisen – unwiderleglich gelesen .

Sonderbar .

Offenbar sind sämtliche Lektüre- Erinnerungen inzwischen auf fremde Konten geflossen . Als hätten Curzio Malapartes “Kaputt” , die Bücher Henri Michaux‘ oder Conrads “Heart of Darkness” die verschiedenen Motive des Céline’schen Wechselbalges von Roman ( Singular ) aufgesplittet und in ihre jeweiligen Topiken aufgesogen .

Dieser Tage dazu einige Notate . |||

NOTATE I : DER KRIEG , DIE FRAU , DIE HELDENERZÄHLUNG AN DER HEIMATFRONT

1914 , Paris – Bardamu als Kriegsverwundeter auf prekärem Abruf : Staunen über das Treiben an der “Heimatfront”

Wir trafen uns meist in einem Café nebenan. Immer häufiger humpelten Verwundete durch die Strassen, oft abgerissen. Zu ihren Gunsten fanden Sammlungen statt, “Tage” für diese und jene, meist für die Organisatoren der “Tage” selbst. Lügen, ficken, sterben. Was anderes zu tun war seit kurzem verboten. Erbittert wurde gelogen, über alle Begriffe, über Lächerlichkeit und Absurdität hinaus, in den Zeitungen, auf Plakaten, zu Fuss, zu Pferde und im Wagen. Alle machten mit und logen um die Wette. Bald gab es in der Stadt keine Wahrheit mehr.

Der wenigen Wahrheiten, die es 1914 hier noch gab, schämte man sich mittlerweile. Alles, was man anfasste, war verfälscht, der Zucker, die Flugzeuge, die Sandalen, die Marmelade, die Fotos; alles, was man las, verschlang, aufsaugte, bewunderte, verkündete, bestritt, verteidigte, all das war nicht als Phantome des Hasses, Attrappen, Maskeraden. Selbst die Verräter waren falsch. Der Rausch zu lügen und zu glauben ist ansteckend wie die Krätze. Meine kleine Lola konnte nur ein paar Sätze Französisch, aber das waren patriotische Phrasen: “Wir kriegen sie! ….” “Komm, Madelon! …” Zum Heulen war das.

So beschäftigte sie sich beharrlich, ja schamlos mit unserem Tod, wie übrigens alle Frauen, sobald es in Mode kommt, für andere mutig zu sein.

ERSTER WELTKRIEG Popaganda Karte

Über die Darstellungs- Taktiken , den namenlosen Tod an der Front zu gerne gehörten Heldenepen zu verklären , wird Bardamu u. a. von einer seiner nächsten Geliebten belehrt . Die ehrgeizige Varietégeigerin Musyne ( “Ihre Entschlossenheit, es auf Erden zu etwas zu bringen und nicht erst im Himmel , war erbarmungslos.”) bringt sich und ihre Aufstiegs- Agenden nicht nur per “patriotischem” Einsatz an Fronttheatern voran , sondern speziell durch die aufgeblähte Epik , mit welche sie – nach Paris zurückgekehrt – dort die “besseren Kreise” buchstäblich blendend unterhält .

Sie wurde regelrecht gefeiert. Ganz närrisch war man nach meiner Musyne, der süssen kleinen Kriegsgegnerin! So frisch und lockig, und dann auch noch eine Heldin! ( … ) Die Poesie des Heldentums ergreift besonders unwiderstehlich all diejenigen, die nicht in den Krieg ziehen und am stärksten jene, die sich gerade enorm am Krieg bereichern. So geht das eben. ( … )

Musyne hatte sich aber auch eine allerliebste Blütenlese von Kriegserlebnissen zusammengesponnen, die ihr so hinreissend standen wie ein keckes Hütchen. ( …) Sie hatte die Gabe, ihre Erfindungen in eine gewisse dramatische Ferne zu verlagern, in der alles besonders eindringlich wurde und es auch blieb. Die Heldengeschichten von uns Kriegern selbst, das wurde mir mit einmal klar, waren daneben vergänglich und viel zu präzis. Meine schöne hingegen arbeitete mit der Ewigkeit. Man muss Claude Lorrain eben glauben, der Vordergrund eines Bildes ist immer abstossend, die wahre Kunst liegt darin, was Wesentliche eines Werks in die Ferne zu rücken, ins Ungreifbare, dorthin, wo die Lüge Zuflucht sucht, jener von den Tatsachen abgemalte Traum, die einzige Liebe des Menschen.

Strategien , wie sie beim patriotischen Poésie- Salon in der Comédie Francaise zur absoluten Groteske geraten ( samt Vorspiel des “heldisch” heulenden Chors der Elektroschock- Patienten des schönäugigen Psychiaters Bestombes ) . Letzterer erinnert uns fatal an Georg Kien , den Bruder des bis zur Autodafé um seine Bücher besorgten Gelehrten in Canettis “Blendung” .

“Die Frau und der Krieg” : Karl Kraus gegen die “Kriegsfotografin” Schalek , Bertha von Suttner über die “Scharpie zupfende” ( = Verbandmull statt Stickereien herstellende ) Weiberwelt in den Wiener Salons anno 1866 . |||

KLANGAPPARAT

Wir weigern uns , nur weil vom Krieg geschrieben wird , auf Musik zu verzichten . Cui bono ? – Damit wären wir wieder mitten in der Lüge der “Pietät” , welche zu “bewahren” es angelegentlich von Todesdingen die czz hörempfehlungBigotterie anrät . Trotzdem und deshalb gibt es da eine nicht zufällig mit PNEUMA benannte EP vorzustellen : Als “Atem” dem Leib , im Griechischen allerdings auch der Seele liiert , umfasst der Titel kurz und bündig das Spektrum dieser körperlich pulsierenden , gleichzeitig schwebenden Klänge . Und dies fern von jedweder Eso . Komponiert hat dieses im besten Sinne unspektakuläre Werk der in der Île de France lebende Alexandre Lehmann . Unter dem Pseudonym Zzzzra haben wir ihn bereits vor einigen Monaten schon einmal vorgestellt . Damals war das Netlabel [ schall ] der Gastgeber , heute ist es deepindub . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Avalanche ( 6:07 ) | 02. Sumo ( 5:12 ) | 03. Pneuma ( 8:28 ) | 04. Grotesque ( 5:52 ) |||

HINWEISE


Sudabeh Mohafez

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Als Tochter iranisch-deutscher Eltern 1963 in Teheran geboren. Stationen: Teheran – Berlin – Lissabon – Stuttgart. Langjährige Tätigkeit im Bereich der Krisenintervention und Gewaltprävention. Erste literarische Veröffentlichungen ab 1999. 2004 und 2005 erscheinen „Wüstenhimmel Sternenland“ (Erzählungen) und „Gespräch in Meeresnähe“ (Roman) im Arche Verlag. 2006 Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, 2007 Poetikdozentur an der FH Wiesbaden. Zahlreiche Literaturstipendien.

Auswahlbibliographie:
2004 Wüstenhimmel Sternenland – Erzählungen / Arche Verlag
2005 Gespräch in Meeresnähe – Roman / Arche Verlag
2010 brennt – Roman / DuMont Verlag
2010 das zehn-zeilen-buch / edition AZUR

vierhundertfünfzig ist eine nicht ganz willkürliche zahl, die eine art visitenkarte ergibt, der man entnehmen kann, was eine person, die texte schreibt, so tut, wenn man ihr sagt, sie solle eine art visitenkartentext schreiben, zum vorstellen, nicht, wie sonst üblich, zum kontakthalten, und solle dafür so um die vierhundertfünfzig zeichen (mit leeren) einkalkulieren. ja. so ist das. und das hier sind vierhundertachtundvierzig (mit leeren).

Litblogs / URL:
zehn zeilen
http://eukapi.twoday.net/
wandzeitung
http://wandzeitung.twoday.net/

Michael Perkampus

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Geboren 1969 im Fichtelgebirge. Sprachakteur.

Bibliographie (Auswahl): 1991 Equipe Propheta (Vermischte Schriften) Gideon-Verlag. 2007 Seelen am Ufer des Acheron (Roman) Edition Neue Moderne. 2007 Evolution der Unnahbarkeit (Die Gedichte 1986 – 2007) Edition Neue Moderne. 2008 Die Geschichte des Uhrenträgers (Erzählung) Edition Neue Moderne.
Sprechtheater: 2005 Ouroboros Stratum (Wortskulpturen). 2006 Timber (lyrisches Märchen). 2007 Die Gilde der peschwarzen Liebe. 2011 Guckkasten (Hörstücke) edition taberna kritika.

Das Wichtigste aber sind die ‚traumhaften Begebenheiten‘, die dem Dichter erscheinen. Eben: er denkt sie sich nicht aus. Sie sind ein jenseitiges Gespinst seiner Wahrnehmung.
Jedes Dichten ist erinnern, also: finden (auffinden, wiederfinden). Wie wenig ist das wert, wenn man keine Spache hat! Diese Sprache muß sich von jedem Vorwurf der Sprachkonvention freimachen, die ja nur zum beschreiben anhält. Nicht beschreiben sondern verdichten. In der eigenen Sprache sprechen, die wir nur in unseren Träumen lernen.

Litblog / URL:
Die Veranda
http://veranda.michaelperkampus.net/
GrammaTau
http://grammatau.blogspot.de/

Markus A. Hediger

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Wurde 1969 in Schaffhausen geboren, aufgewachsen ist er in Brasilien. Nach dem Abitur in São Paulo studierte er Germanistik und Theologie an der Universität Zürich. Danach verbrachte er einige lehrreiche Jahre in der Bank- und Versicherungsindustrie. Seit Ende 2007 lebt er in Rio de Janeiro, wo er als Übersetzer und Deutschlehrer tätig ist.

Er ist Mitbegründer und war bis 2008 Mitherausgeber von Litblogs.net. Publikationen: „urban studies“, mit Hartmut Abendschein und Carla Zacheu, edition taberna kritika, Bern 2007. „Krötenkarneval. Autobiographische Fiktionen“, Edition Neue Moderne, München 2008. „Das TamTam Grand Hotel. Eine Erzählung“, edition taberna kritika, Bern 2008

In einem Fotoapparat erkennen die meisten Menschen ein Instrument der Wahrheit. Ein Foto lügt nicht. Es hält nur fest, was an tatsächlich vorhandenem Licht auf die Linse trifft. Doch der Fotoapparat erfasst nie die ganze Wahrheit. Der Fotoapparat ist parteiisch und voreingenommen. Er steht immer auf einer Seite und hält von dieser auf etwas drauf. Das Licht, das von anderen Seiten einfällt, wird von ihm nicht erfasst. Auf dem entwickelten Foto ist es nicht nur unsichtbar, es ist verschwunden.
Nun mag der eine oder andere einwenden, der Fotoapparat sei zumindest hypothetisch in der Lage, alles zu sehen. Worauf ich nur entgegnen kann: Was der Schlafende sieht, sieht keine Kamera.

Litblog / URL:
Avenida Perdida
http://www.avenidaperdida.com/