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Wolfram Malte Fues in Karlsruhe

Gestern Abend las Wolfram Malte Fues in der Karlsruher Galerie Knecht und Burster anläßlich der ART Karlsruhe. Die Karlsruher Künstlerin Franziska Schemel hat Fues‘ aktuellen Gedichtband „dual digital“ illustriert, die Orginale waren in der Galerie zu sehen. Hier meine Einführung zur Lesung des Kollegen. Im Anschluss gab es eine lebhafte und interessante Diskussion:

„Liebe Franziska Schemel, lieber Wolfram Malte Fues, lieber Alfred Knecht, verehrte Damen und Herren.

Wir befinden uns heute Abend in einer Galerie. Es bietet sich also an, über Bilder zu sprechen. Ich erinnere mich lebhaft an eine Episode aus meinem früheren Berufsleben als ich Besucherbefragungen in Museen machte. Wir machten Interviews in einem der wichtigsten Kunstmuseen der Welt, das sich hier in Karlsruhe befindet, mit drei Buchstaben abgekürzt wird und heute immer noch regelmäßig zum Gespött von Museumsdidakten wird. Ein gestandener Kunsthistoriker, Professor aus Gießen, verweilte lange vor einem Medienkunstwerk und wurde von uns gefragt, was denn wohl das Kunstwerk bedeute, wie er es denn verstehe. Er konnte aus dem Stegreif keinen sinnvollen Satz über das Kunstwerk äußern.
Viele Vertreter der jüngsten Generation zeitgenössischer Lyriker wollen überhaupt nicht verstanden werden. Gedichte hätten überhaupt keine Bedeutung, es gäbe keinerlei, aber absolut überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem, was freilich eine alte Erkenntnis ist. Vergessen Sie also Interpretationen, vergessen Sie Bedeutungen, wenn sie die Bilder von Franziska Schemel sehen, wenn sie gleich die Gedichte von Wolfram Malte Fues hören werden.

„Man muss es bei Erhellungsgesten belassen“, schrieb ein Kritiker über Fues‘ Gedichte, und: „ihre Rätselhaftigkeit ist nicht die der notorischen hermetischen Knacknuss, vielleicht aber, wo ein archimedisch verbindliches Geheimnis der Welt nicht mehr auszumachen ist, die des Nussknackers.“
Ich empfehle, die Nuss erst gar nicht knacken zu wollen, sondern von Außen an ihr zu schnuppern, ihre Schale zu erspüren, sie zu schütteln. Sie werden die Nuss nicht knacken, ihren Inhalt nicht schmecken und auch nicht hinunterschlucken und verdauen, Sie werden aber überdeutlich spüren und fühlen, dass Sie es mit einer Nuss zu tun haben.
Nehmen wir das Gedicht „Dieser nur vor-/ fallende Schnee“ aus dem neuen Band von Wolfram Malte Fues. Wir lesen oder hören Vokabeln wie „zweihellig“ und „Herbststraßenkehrricht“ oder aber Satzfragmente wie „taut/ schmutzlos zurück in die Luft“, hören „über die Freuden der Schollen-Verschiebung/ Botenstoff, Stoffwechsel, Speichel-Flüsse/ diese Art Schnee/ nimmt Halbwertzeichen in Zähnung.“
Am Ende des Gedichts spüren Sie ihn überdeutlich in ihrem Kopf, den Schnee, ohne die gefrorene Substanz vor sich zu haben. Sie haben aber noch viel mehr gelesen und gehört, so vieles Neues ist angeklungen, vorbeigehuscht, Wörter, die Sie verstanden haben und Wörter, die Sie nicht verstanden haben. „Verstanden“ in Anführungszeichen.“
Ich möchte Ihnen einen kurzen Abschnitt aus einem Aufsatz von Wolfram Malte Fues zitieren, der in diesem Zusammenhang seine Poetologie erläutert, ein Text-Stück, das offenbart, wie Fues seine Gedichte als zeitgenössische Texte verortet. Es sind Fragen, die der Autor stellt.
„Wenn es auf dem Markt für Sinngebungs-Ware keinem Angebot mehr gelingt, Konkurrenz-Produkte zu vertreiben oder auch nur zu verknappen, so daß, was es auch bietet, andere mitbieten, sich, unter- oder überbietend an und mit ihm zu messen? Wenn der neuen Erhältlichkeit der New Economy die neue Disponierbarkeit eines New Discourse entspricht, in dem die aus der Erinnerung aufleuchtende Bedeutung den gesamten Handelsplatz Sinnvermittlung stroboskopisch illuminiert und es keine Stimme gibt, die nicht andere Stimmen auf den Plan riefe?“

Wolfram Malte Fues wurde 1944 geboren. Er lehrt als Literatur- und Kulturwissenschaftler an der Universität Basel, hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen vorgelegt und mit „dual digital“ seinen vierten Gedichtband.
Immer deutlicher wird im Verlauf der vier Bände die eigenständige Stimme von Wolfram Malte Fues, seine vielen Neo-Logismen und montierten oder sinnverschobenen Begriffe wie „Zündschaltuhr“, „Vorbehaltfläche“, „Dunkelstromschiff“, „Hochquappenjagd“, die hier unbedingt erwähnt werden müssen. Der Verfasser des Nachwortes von „dual digital“, Ulrich Johannes Beil, fragt zurecht: „Wo träfe man den ‚Dracula‘, der sich bereit erklärte, dem ‚Christkind / die Wimpern‘ zu ’stutzen‘?“
Lassen Sie mich zuletzt noch einen Kritiker zitieren, nämlich Jürgen Engler, der nicht nur auf die „Poetik des Hör- bzw. Schreibfehlers“ aus der surrealistischen écriture automatique hinweist und der damit verbundenen Ironie sowie dem Humor in Fues‘ Texten. Engler schreibt weiter: „Gedichte sind Versuchsabläufe und Protokollstrecken“, ein Gedicht sei ein „Chip mit hoher Informationsdichte.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Wolfram Malte Fues wird nun einige seiner Gedichte lesen, dann werde ich mit ihm über die Texte sprechen, bevor er in einem zweiten Leseblock weitere Gedichte liest. Autor und Moderator legen großen Wert darauf, nicht ganz allein miteinander plaudern zu müssen, wir würden vielmehr auch gerne wissen, was Sie wissen möchten.

Zunächst lassen Sie sich aber hineinziehen in den „Strudel und Wirbel in den Texten, die mehr durch Gedankensprünge als durch Gedankengänge, mehr durch Bildsprünge als durch Bildfolgen charakterisiert sind.“ (Jürgen Engler)

Trümmermaul

Eine neue Poesie breitet ihren Mantel über den Strom: Rhythmus ist Maschinentakt, Inhalt ist Arbeit, Melodie – vielleicht Akkordeonklang zum Sonntagstanz, lotrechte Kurven, aufrechter Untergang. Bannt Honoré Daumier mit flinkem sicherem Stift die Badenden, Pudelscherer, Angler an den Kais in sein Sketchbook (der Bouquinisten=Tratsch, und ich erstand Arthur Schnitzlers „Der Schleier der Pierrette“ mit Autograph des Verfassers und seines Illustrators für 20 Francs). Hier ist keine Zeit, hier ist Allzeit. Das leichte Grau, das allen Dingen unendliche Zartheit verleiht: keine schönere Stadt als der graugoldene Seinenebel von unten heraufwabern läßt, daß sie erscheine, Geister ihre Mauern sehen. Heloise und Hugos Zigeunerin Esmeralda treffen sich hier, Voltaire ging durch diese Gassen, aber auch Mimi Pinson (oder Hauffs Bettlerin von Pont des Arts), von Niemandem geliebt, von allen erbeutet. Meine ersten Gedichte von Paris brechen in der Mitte ab. Ich bin dieser völlig versonnene Nymphen=Lecker (vorzüglich wie Du schmeckst, Sequena – und wie Jouffroy Dich schuf) : ruhend, halbnackt, mit Seerosenblättern gekrönt, streng Deine Gesichtszüge, Wasser fließt aus einem Krug, den Deine linke Hand hält – und die andere über dem Knie: ein großes Bündel Trauben, Früchte, Korn. Doch nur Sequenas, der jungen Seine Bild, ruht hier einsam hinter Gittern in einem feuchten Kerker, sie selbst durchläuft schlank die Wiesen der Champagne.

Die Leser der Zukunft. Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (138).

Dieses geschah wie unvermerkt. Es ist ein LesePhänomen. Als prägte die tägliche Beschäftigung tatsächlich den Modus der Aufmerksamkeit um.
Zum ersten Mal las ich einen ganzen Roman am Bildschirm, ohne mich nach dem Buch zu sehnen. Das war frappierend, ist es noch; wie so viel näher mir der Text in seiner quasi amateriellen Erscheinung kommt, wie viel quasi unmittelbarer er in mich eingeht, Wörter und Sätze zu Bildern werden, Zusammenhängen, auch logischen Schlüssen, gegen die sich, las ich zuvor in Büchern, allein die fremde Materie sperrte, das fetischhaft Dinghafte. Ja, es hätte mich gestört, wären noch Seiten umzuschlagen gewesen. Das wäre gewesen, als stünde ich in Rom und versuchte, die nicht mehr leicht lesbaren lateinischen Schriften an Säulen zu entziffern oder die nachgelassenen Botschaften Hinterbliebener auf Grabsteinen. – Seltsam, wie sich die Wahrnehmung verschiebt – wie schleichend, in einem, daß plötzlich der, sagen wir, E-Text bedeutsamer erscheint als einer in Druckform. Wobei der am Bildschirm erscheinende (!) Text in der Tat näher an der religiösen Idee des Wortes ist, als der in einem Buch. Das Buch ist immer auch Goldenes Kalb, um das die Aaronscharen tanzen, ist Götze, der zur Ware verkommt, wenn ihm nicht, wie die Alchemiker taten, ein Geheimnis beigeflüstert wird, das sich nirgends manifestiert: also eben das Wort ohne Bild wieder. In diesem Sinn wird in >>>> Wolpertinger und >>>> Thetis die Diskette verwendet; gerade deren technische Überkommenheit – zu der gehört, daß es kaum noch Lesegeräte für sie gibt oder bald mehr geben wird – verleiht ihr eine Aura, die vordem das Buch immer wieder umkreist hat: geheimes Buch, unsichtbares Buch, zu entschlüsselndes Buch, Necronomicon, Kabbala usw.
Interessant ist aber erst einmal das pragmatisch Nüchterne der neuen Leseerfahrung: wie wenig Buch als Konkretes sie noch braucht, ja daß das Konkrete sie stört, sich zwischen den Text (die Dichtung) und den Leser (mich) stellt, um ihn vom „Eigentlichen“ abzulenken. Daß die Befreiung vom Sentimentalen, das jeder Fetisch hat, tatsächlich als Befreiung erlebt wird und nicht als Verlust von Gefühl. Dabei hänge ich am Buch, sehr. Kann aber nun erst recht nicht umhin, sein Ende zu konstatieren – als Ende nicht nur eines Informationsmittels, sondern als Ende des Mediums von poetischem Gesang. Der mußte allerdings ohnedies immer aus den Büchern erst wieder herausübersetzt werden. Vielleicht fanden sie ihr Ende schon da, als man vergaß, daß sie allein Partituren sind. Als die Menschen also vergaßen, daß man sie übertragen muß in Laut: wie man Gedichte rezitiert.
Der Vorgang ist aber im Grunde banal: Gewohnheit nämlich. Indem ich seit Jahrzehnten lange Texte am Bildschirm bearbeite, ist der Einwand, „man“ lese nicht lange Texte im Netz, längst obsoletevoliert. Es werden, eventuell, ältere Leser den Schritt nicht mehr machen, jüngeren aber wird bereits morgen der elektronische Text näher als der gedruckte sein. Anders als dieser, s c h w i n g t er.
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Kurztitel & Kontexte bis 2012-01-22

Inhalt 04/2011

Die Lesezeichen-Ausgabe 04/2011 erschien am 17. Januar 2012.


In dieser Ausgabe:
Verdammt gutes Gras, aus dem Eis geholte Kastanien, die Findesemanas, das Ministerium für Liebe, ein Krebsverdacht, ein Textportrait von Ernst Jandl, die stillen Säulen der Antike, das nächtlich beleuchtete Bayerkreuz über Leverkusen, eine Besichtigung der Luft, verbrannte Kadaver, die Sarabanda de la Muerte Obscura, die Krönung eines Affen zum Dichter, eine Fahrkarte für Derrida, der Dom von Utrecht, ein Sandwich und Dosenbier, zarter Flaum auf dem Handrücken, ein Gewürzsäckchen, Knöllchen von der Sittenpolizey, unzählige Anlegestellen, Billigleister im Schichtdienst, reifefreie Pädagogik, baumfliehende Früchte, Ringo, der Punktraucher uvm.

INHALT:

Gedicht des Tages – Hellmuth Opitz

Ich muss gestehen, im letzten Jahr sind dank der „Wanderbibel“ viele Entwicklungen in der zeitgenössischen Lyrik an mir vorbei gegangen. Vielleicht bin ich aber einfach mit Mitte Vierzig zu alt, um noch mithalten zu wollen und alle neuen Entwicklungen wahrzunehmen. Nein, ich möchte auch viele Gedichte und Autoren nicht mehr lesen. Ich möchte beim Lesen von Gedichten nämlich Vergnügen haben und nicht den Eindruck, dass alle angesagten und/ oder neuen Dichter das gleiche Gras geraucht haben. Es gibt wichtigere Dinge im Leben als die Zeit mit scheinbar oder angeblich guten Gedichten zu verschwenden.

Falls Hellmuth Opitz beim Dichten Gras rauchen sollte, dann ist es ein verdammt gutes Gras. Gerade ist sein neues Buch erschienen, mit dessen Titel ich nicht ganz glücklich bin. „Die Dunkelheit knistert wie Kandis“ ist mir ein klein wenig zu dick aufgetragen. Dafür sind darin wunderbare Gedichte, wie sie nur Hellmuth Opitz schreiben kann: Federleicht, heiter, melancholisch, voller lebenspraller Bilder und Metaphern. Und selbstverständlich habe ich schon alle Gedichte meiner Frau vorgelesen.
Danke, Hellmuth Opitz für:

Distanzen. Stimulanzen

Je tiefer die Dunkelheit, desto wacher im Cockpit
dieses Audi A 6 auf der A 7 nordwärts, die Nacht knistert
wie Kandis, dem man Tee zufügt oder Geschenkpapier,
in das Sterne verwickelt sind, überhaupt: eine Nacht,
durch die man gleitet wie durch einen Ärmel schwarzer Seide,
vorbei an polnischen Einsamkeitspiloten in ihren 40-Tonnern,
an russischen, tschechischen, dänischen, rumänischen
Lastkähnen und Mautseglern vorbei und Kilometer fressen,
Entfernungen schlürfen wie den Tee, natürlich schwarz,
natürlich nur kurz aufgebrüht, genau das Richtige
für dieses Überwachsein, es könnte immer so weitergehen,
immer schneller, keep the car running, auf einmal
dieser kristallklare Moment der Unbesiegbarkeit:
Wer ohne Dunkelheit ist, der werfe den ersten Stern,
dann wieder volles Augenmerk auf die Fahrbahn und sich
den Mittelstreifen reinziehn wie eine endlos lange Linie Kokain.

(Website Hellmuth Opitz)