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(Lit)Blogs & DOI

Aus einem Beitrag von in|ad|ae|qu|at / Christiane Zintzen

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VIII. “BLOG” – ALSO WAS ?

Wczz sprechblase iconovon sprechen sie also , die Blog- Kritiker , wenn sie das Wort “Blog” ge missbrauchen ? Ärgerlich genug , dass sich jeder Print- Journalist offenbar dazu bemüssigt fühlt , sein Mütchen an “den Blogs” zu kühlen , so besteht darüber hinaus keinerlei Bewusstsein hinsichtlich des Spektrums der verschiedenen Ge- und Missbrauchsformen dieses Mediums . |||

IX. BLOG IN|AD|AE|QU|AT : CLAIM

czz sprechblase iconDer langen Rede kurzer Sinn schliesst mit unserem in|ad|ae|qu|aten Claim : Wir erinnern einerseits an unsere Selbstvorstellung als Work in Progress zwischen den Genres

  • als sorgfältiger Publikationsort von Primärliteratur ( Salon Littéraire )
  • als kulturpublizistisches Archiv
  • als Aufbau eines Metadaten- Systems im Hinbick auf das Semantic Web
  • als konsequente Vorstellung von Netlabels , creative commons- Künstlern und deren musikalischen Ansätzen
  • sowie als fortlaufender Kommentar eines nicht näher bezeichneten Alter Egos zu diversen Auffälligkeiten in Stadtleben , Publizistik und Alltagskultur .

Als eines der ersten Mikromedien im deutschsprachigen Raum wurde in|ad|ae|qu|at bei der mEDRA , der multilingualen Europäischen DOI– Registrationsagentur ( in Kooperation mit dem MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels , einer Service- Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. ) angemeldet : Dort figuriert in|ad|ae|qu|at unter der Signatur doi:10.3246/ib.1000 als “Online Zeitschrift” und “-Verlag” . Entsprechend melden wir die literarischen Beiträge unserer “Salon”- Gäste per indvidueller DOI an und können damit deren ( der ISBN- Nummer analoge ) persistente Registrierung erwirken , inklusive Metadaten wie Copyright , Autor, Publikationsdatum und Textgenre .

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Maultrommeln

Am Anfang war der Klang! Wer hätte gedacht, dass ich jemals so etwas behaupten würde, ich, die Logos-Mönchin! Was an mir Leser ist (also fast alles) wurde ohne Ohren geboren. Mein Eierkopf besass auch keinen Mund und keine Nase, nur zwei riesige ovale Augen, blind vorerst, aber sie öffneten sich früh, lernten sehen, dunkelten nach, wurden – in manchen Stunden – vielleicht hellsichtig. Dann überrollte mich eine Lawine aus dem sagenumwobenen Toggenburg. Ich rang nach Luft und hörte ein weisses Rauschen. Wie war das möglich ohne Ohren? Die Knötchen links und rechts am Eierkopf fühlten sich an wie gemeine Pickel. Ein Glück hinderten mich die Fäustlinge daran, sie auszudrücken. Raschelnd entfalteten sich meine Ohren, und das ganze ebenfalls eierförmige Anhängsel unter Hals und Kopf mutierte zum Resonanzbecken. Bässe und Orgelpfeifen und die allgegenwärtige Maultrommel! Aus unserem engen, farb- und tonlosen Land entfesselst Du wilde Tektonik, unterkellerst es mit unheimlichen Karsthöhlensystemen, lässt es in Dolinen sinken und sich zu schlafenden Vulkanen auftürmen, als wäre dies immer ein mittelatlantischer Rücken gewesen und eine gehandorgelte Tethys. Inzwischen könnte ich meine Ohren als Umhang tragen, würde ich sie hinten zusammennähen; Radio Schildkrötenherzschlag wäre weltweit zu empfangen. Wagte ich es, mich von den Churfirsten in den Aufwind zu werfen, diese Ohren liessen mich fliegen und segeln und gleiten auf dem Sirren der Luft! Der Zeit und dem Geist der Zeit drehst Du eine lange Nase. Aus grauem blasenwerfendem Brei ragst Du als Stimmgabel, Tonmesser, Klanglöffel empor. Während ich die Götter anrufe auf dass Du so alt werden mögest wie der Urton und die Allstille, bebt die Erde unter meinen Füssen. Bomm — Bomm — Bomm. Aus dem Erdkern. Oder meinem Unterbauch. Ich stehe auf meinen Ohrläppchen, damit sich die Ohrmuscheln aufrecht in den Wind trichtern. Ich bohre Löcher in Konservendosenböden und ziehe Schnüre ein, rühre einen unendlichen Kabelsalat an in der Hoffnung, dass Du mich eines Tages anrufst und dabei flüsterst und brummst. Ich verneige mich vor Dir, König der Hummeln!

Für Peter Weber in Ehrfurcht.

Jörg Meyer

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Geb. 1964 in Kiel, dort nie weg gekommen. Dipl.-Physiker, studierte auch Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Philosophie. Derzeitiger „Beruf“: Freier Kulturjournalist, seit 1996 „fester Freier“ im Kulturressort der „Kieler Nachrichten“ (www.kn-online.de), überdies „selbst und ständig“ tätig als Mediengestalter.

Literarische Veröffentlichungen v.a. im Internet: www.forum-der-13.de, www.tage-bau.de. 2000 (lange, bevor es Weblogs gab): „keine nacht für niemand“ (literarisches Internet-Tagebuch zum Jahrtausendwechsel – www.schwungkunst.de/hyper). 2001: 1. Preis des Kulturnetz Schleswig-Holstein für die Hypertext-Collage „MERz.Monstrum 2.0“ (www.schwungkunst.de/merz21). Aktuelle Texte unter http://oegyr.podspot.de und www.schwungkunst.de (und Links von dort).

so what

4

extemporiert das neue der wohnung.
der maler fragt, was er anstreichen soll.
hingegen meine streiche von anbeginn
in jedem vers.

dass nichts übrig bliebe,
dass die verdichtung einem absoluten nullpunkt
entgegen strebe, dass sie sich vernichte
ins nichts und also alles.

was wir ahnen, ist das nichts des lichts,
der schalter unten an der glühdirne,
vom herzschrittmacher durchschrittenes –
oder sagen wir: durchlittenes?

dies ist der vierte streich,
der dritte folgt sogleich
und zweitens war, als erstes
eben dies zu künden.

ich zähle rückwärts mit dem rücken
im gewand, dem schlaf- und arbeitsanzug,
den mir der nachmittag,
wenn es dämmert, anzieht.

und auszog, das fürchten zu lehren,
die stanzen der fruchtbarkeit:
je vier zeilen
in dreieinigkeit.

Litblogs / URL:
pödgyr
http://oegyr.podspot.de
schwungkunst
http://www.schwungkunst.de/