Schlagwort-Archive: Text

Kurztitel & Kontexte bis 2012-01-29

Kurztitel & Kontexte bis 2012-01-22

Inhalt 04/2011

Die Lesezeichen-Ausgabe 04/2011 erschien am 17. Januar 2012.


In dieser Ausgabe:
Verdammt gutes Gras, aus dem Eis geholte Kastanien, die Findesemanas, das Ministerium für Liebe, ein Krebsverdacht, ein Textportrait von Ernst Jandl, die stillen Säulen der Antike, das nächtlich beleuchtete Bayerkreuz über Leverkusen, eine Besichtigung der Luft, verbrannte Kadaver, die Sarabanda de la Muerte Obscura, die Krönung eines Affen zum Dichter, eine Fahrkarte für Derrida, der Dom von Utrecht, ein Sandwich und Dosenbier, zarter Flaum auf dem Handrücken, ein Gewürzsäckchen, Knöllchen von der Sittenpolizey, unzählige Anlegestellen, Billigleister im Schichtdienst, reifefreie Pädagogik, baumfliehende Früchte, Ringo, der Punktraucher uvm.

INHALT:

Höhle der Löwen

••• Morgen geht es in die »Höhle der Löwen«, den großen Konferenzsaal im Hause Beck, wo seit heute die Vertreter tagen. Schon einmal hatte ich das Vergnügen und war damals wie heute nervös. Und warum das, wenn es letztendlich doch ein Vergnügen war?

Es hängt so viel ab von den Vertretern, von ihrer eigenen Begeisterung für ein Buch, die sie schließlich zu den Buchhändlern transportieren müssen. Damals wusste ich nicht, wie so eine Buchvorstellung auf einer Vertreterkonferenz abläuft, und Premieren sind immer eine spezielle Angelegenheit. Ich habe mir das rote Wams Heinrichs mit den goldenen Löwen übergezogen und die Damen und Herren eingeschworen. Morgen werde ich mich als erstes bei ihnen bedanken können, denn dass sich »Die Leinwand« so gut verkauft hat, lag zu einem großen Teil an ihnen.

Aber nun, mit einem neuen Buch, stehen wieder alle Zeichen auf Anfang. Auf der Vertreterkonferenz werden alle Titel des Programms debattiert, Inhalt und Verpackung, Klappentexte und Vorschautexte, und der Autor, der seinen Titel vorstellen darf, wird mit Fragen überhäuft, die ans Eingemachte gehen. Ich fürchte, es wird viele Fragen geben, wenn man sich morgen in gleicher Runde wie vor zwei Jahren erneut trifft.

Mein »Geheimdienst« hat mir Mut gemacht. Einige Vertreter treffen sich jeweils schon auf der Frankfurter Messe mit den Verlagsleuten und halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. »Replay«, durfte ich hören, ist angekommen, aber es gibt auch Unsicherheiten, über die man wird reden müssen.

Ich halte es ja für ein Glück, dass dieser Roman ganz anders geworden ist als »Die Leinwand«. Ein Verkäufer aber – und das sind Vertreter wie Buchhändler – schätzt Anknüpfungspunkte mehr als das »ganz andere«. Da muss man erklären, wie es kommt, dass der von der Presse vor allem als Orthodoxer herausgestellte Autor der »Leinwand« nun mit einer technologischen Dystopie herauskommt, einem Buch, in dem es um Wahrnehmung und sehr auch um Körperlichkeit geht, einem Buch, das den Leser ins Silicon Valley der nicht zu fernen Zukunft führt, aber auch in einen Thai-Massage-Salon, auf hedonistische Swinger-Feste und in die arkadischen Gefilde sinnlicher Erinnerungen, die auf Knopfdruck reproduzierbar sind…

Mich hat gar nicht gekümmert, ob es Anknüpfungspunkte an »Die Leinwand« gibt. Dass gerade ich einen dystopischen Roman über eine totaltransparente Kommunikationsgesellschaft geschrieben habe, hat sicher damit zu tun, dass ich die letzten neun Jahre für Telekommunikationsunternehmen tätig war und weiß, wie nah wir schon heute Rosens Erzählungen sind. Die Journalisten werden nun vielleicht ein neues Schublädchen finden müssen, in das der orthodoxe Autor passt, der eben auch IT-Berater ist. Das kümmert mich aber wenig. Denn ich habe noch nie etwas von solchen Katalogisierungsversuchen gehalten. Ich kann da nur Truman Capote zitieren:

Ich begreife gar nicht, warum alle so verstört sind. Was dachten sie wohl, wen sie bei sich hätten — einen Hofnarren? Sie hatten einen Schriftsteller vor sich!

Tatsächlich aber, wenn ich mir »Replay« heute ansehe, sehe ich sehr deutliche Verbindungen zur »Leinwand«. Zwei Szenen aus der »Leinwand« muss man sich vergegenwärtigen. Die erste: Nathan Bollag debattiert mit Amnon Zichroni über dessen Lektüre von Bulgakows »Meister und Margarita« und warnt ihn vor den »Yevonnim« (den Griechen), in deren weltanschaulicher Tradition er eine Gefahr für seinen Ziehsohn Amnon sieht, gewissermaßen einen Gegenentwurf zur Weltsicht des jüdischen Milieus, in dem die beiden leben. Und die zweite Szene: Im Wechsler-Showdown der »Leinwand« hofft Wechsler, sich durch einen Sprung in die Mikweh von Moza erneut in ein neues Leben retten zu können, wie er es zuvor schon einmal getan hat. Das Becken aber, in das er springt, ist leer.

»Replay« beginnt wie der Zichroni-Strang der »Leinwand« mit der Erzählung einer Jugend, mit der Erzählung eben jenes Erlebnisses, das Ed Rosens jüdische Identität geprägt hat. Anders als Zichroni kommt Rosen aus einer säkular-jüdischen Familie in New York. Religion spielte keine Rolle, bis er 13 wurde und auf die Bar Mizwah vorbereitet werden sollte, das selbst unter diesen Vorzeichen unvermeidliche Fest der religiösen Mündigkeit. Statt ihn jedoch für den religiösen Weg zu gewinnen, führt die schwarze Pädagogik des Religionslehrers dazu, dass Rosen sich entschieden von Gott abwendet.

Eine Leserin hatte Schwierigkeiten mit dieser Exposition und bezeichnete sie etwas ratlos als den »jüdischen Vorspann«. Tatsächlich aber sehe ich in diesen ersten 15 Seiten des Romans die Exposition zu allem, was dann folgt: Der Lehrer konfrontiert den jungen Rosen mit einer Vision des Lebens nach dem Tod, das von grausamen Strafen geprägt ist für die Versäumnisse und Sünden unseres irdischen Lebens.

Auf dem Weg in die künftige Welt, dozierte er – und damit meinte er eine Welt jenseits der unseren – nach unserem Tod also müssten wir einen langen Weg durch eine Region zurücklegen, die Sheol genannt wird. Eine Prüfung sei diese Reise, auf der wir Rechenschaft ablegen müssten über unser irdisches Leben wie vor einem Gericht. Und im Sheol, fuhr er fort, würden uns keine Lügen helfen. Jedes Detail über unser Leben sei dort offenbar. Wir würden zwar unseren irdischen Körper abgelegt haben, dafür aber in einer Art Geistkörper wandeln, und an jenen Körperteilen, mit denen wir in der hiesigen Welt gesündigt hätten, würden wir dort untrügliche Zeichen tragen, die unsere Vergehen offenbarten: Verkrüppelungen oder Verkümmerungen. Eine winzige Hand beispielsweise, weil unsere Hände im Leben den Bedürftigen nicht hatten geben wollen. Oder riesige Ohren, weil wir zu Lebzeiten auf Klatsch und Tratsch und jede Art übler Nachrede begierig gelauscht hatten. Auch könnte es sein, dass wir uns im Sheol mit nur einem Auge wiederfänden, weil wir in dieser Welt ein Auge verschlossen hatten vor den göttlichen Wahrheiten oder weil wir – nicht weniger schlimm – unseren Blick an die Nichtigkeiten des schönen Scheins geheftet hatten. Was genau und in Gänze darunter zu verstehen sein mochte, überließ er meiner pubertären Phantasie. Die aber kam nicht zum Zuge, denn ich war, nachdem ich das alles gehört hatte, einfach nur wütend.

Mit diesen Ausführungen hatte er mich sofort und für immer für die Sache Gottes verloren. Er muss blind oder dumm gewesen sein oder – herzlos. Vielleicht war es auch eine Mischung aus all dem. Anders konnte ich es mir nicht erklären. Ein Blick in mein Gesicht hätte ihm genügt haben müssen, um zu wissen, dass er mich mit seiner Sheol-Vision verschonen musste oder doch zumindest mit den Details über die versehrten Geistkörper der zu prüfenden Seelen.

Ed Rosen nämlich ist auf einem Auge blind, und dass mit seinem rechten Auge etwas nicht stimmt, ist nicht zu übersehen.

Als nun aber mein Lehrer, der doch gehofft hatte, mich für Gott zu gewinnen, mir mit dieser Geschichte der versehrten Geistkörper kam, hatte er ausgespielt. Ging es nach mir, lebte ich, solange ich denken konnte, in diesem Zustand, den er als Vorhölle bezeichnete, in diesem Raum der permanenten Prüfung, in dem man die Schmach der Sünden eines ganzen Lebens offen zur Schau trug. Meine Schande stand mir ins Gesicht geschrieben. In dieser Welt. Was hätte ich noch auf seine Sheol-Warnungen geben sollen?

All die Wut, die sich in mir aufgestaut hatte, drängte zum Ausbruch, und da ich mir nicht erlauben konnte, sie ihm gegenüber zu zeigen, lenkte ich meinen Zorn auf das, was er Gott nannte. Ich verwarf diesen Gott ohne Zögern. Ich goss meine Wut über die Vorstellung von ihm aus. Und die Geschichten, die mein Lehrer mir erzählt hatte und noch erzählen würde, wanderten in die Abgründe meines Gedächtnisses, ins Sheol meiner Erinnerung, hinab, hinfort, aus dem Sinn, aus meinem Leben. Nichts, aber auch gar nichts wollte ich mit solchen Geschichten und ihren Urhebern zu tun haben.

Das also ist die Ausgangslage. Anders als die Protagonisten in der »Leinwand« entscheidet sich Rosen für den »griechischen Weg«. Naturwissenschaften, Informatik, »künstliche Intelligenz«, das bestimmt sein Leben. Dazu kommt ein gestörtes Körpergefühl, wie es bei »ungeliebten Kindern« nicht selten ist, und das er schließlich zu kompensieren versucht durch eine sich letztlich bis in den Kult steigernde Fixierung auf das Körperliche in all seinen Facetten. Nicht ohne Grund ist es gerade Pan, der Hirtengott der griechischen Mythologie, der sehr bald in Rosens Leben tritt und den er sich als Begleiter erwählt.

Die Komposition des Romans sorgt dafür, dass wir an keiner Stelle sicher wissen können, was Traum ist und was Realität, was tatsächlich geschehen ist und geschieht und was dem Bereich der manipulierten Wirklichkeit – dem Replay eben – zuzurechnen ist. Fest steht nur, dass Rosen, während er erzählt, im Bett liegt, das gesamte Buch über. Und fest steht am Ende auch, dass er sich in einem Zustand befindet, aus dem es für ihn keinen Ausweg geben wird. Der »grüne Schriftzug der Erlösung«, den er am Ende sieht, ist – und er weiß es – eine Lüge.

Die Dystopie, die der Roman erzählt, ist Rosens Sheol, seine ganz persönliche Hölle, ein Taumeln von Replay zu Replay, von einer manipulierten Erinnerung zur nächsten.

Es gibt noch eine dritte Verbindung mit der »Leinwand«. Wechsler erzählt dort von seinen Lektüren, auch von Orwells »1984«. »Replay« nun nimmt ein Motiv aus »1984« auf: Im »Ministerium für Liebe« werden bei Orwell die Renitenten umerzogen. Dem Engsoz-Regime genügt es nicht, sich Dissidenten per Exekution vom Hals zu schaffen. Stattdessen werden sie im »Raum 101« mit körperlicher und psychischer Folter dazu gebracht, sich »freiwillig« in die Umstände zu ergeben, gegen die sie opponierten. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass es sich bei dem Bett, in dem Rosen liegt, während er erzählt, um seinen persönlichen »Raum 101« handelt.

Anders als bei Orwell ergibt sich Rosen in »Replay« aber tatsächlich freiwillig. Denn die Diktatur, die er selbst mit errichtet hat, ist eine hedonistische Diktatur nicht nur der unbeschränkten Kommunikation, sondern auch der sinnlichen Genüsse. Sich der Corporation zu ergeben, ist so – angenehm…

Worüber sollte ich mich beschweren? Ich liege im Bett, von den Wänden meines phantastischen gläsernen Palastes umgeben, die mich vielleicht einsperren, aber auch einen atemberaubenden Ausblick bieten: auf der einen Seite der Ozean, auf der anderen ein paradiesischer Garten. Ich kann mich zurücklehnen, dösen und mich erzählen lassen oder mich selbst erzählen in immer neuen Varianten.

Rosen wähnt sich in Arkadien, während wir doch stark vermuten müssen, dass er im Sheol treibt.

Mich bekümmert nur, dass ich mich im Kreis bewege und ein und dieselbe Geschichte in immer wieder neuen, geringfügigen Abwandlungen durchleben muss, die allesamt damit enden, dass ich allein bin, von meinen Frauen verlassen. Wenn mir das System nicht ab und an einen Brosamen aus den Entertainmentkanälen überlässt, werde ich nichts Neues mehr erleben und auf ewig im Kreis meiner Erinnerungen treiben.

Eigentlich bin ich längst tot und vegetiere nur noch in einem Zwischenreich vor mich hin. So wird es von nun an bleiben.

»Ich liebte den Großen Bruder«, sagt O’Brien am Ende von »1984«. Und in »Replay« betont Rosen:

Ich liebe, was wir geschaffen haben. Ich liebe das UniCom, und wenn ich entscheiden müsste, was ich am meisten an diesem technischen Wunderwerk liebe, dann dies: Dass ich jeden Morgen im Paradies erwache.

Die perfekte Diktatur ist wohl jene, der es gelingt, allen das Gefühl zu geben, frei zu sein und jeden Morgen im Paradies zu erwachen. Aber wenn die Illusion auch perfekt sein sollte, bliebe es dennoch eine Diktatur.

ja ja jandl

„ja ja jandl“ © anatol knotek

…dies ist ein geschriebenes textportrait von ernst jandl, welches ich vor wenigen tagen fertigstellte.
jandl gehört mit sicherheit zu meinen liebsten poeten, dessen werk mich schon seit vielen jahren begleitet und mich immer wieder aufs neue inspiriert.
auf seiner homepage finden sich viele texte, aber auch audio- und video-ausschnitte seiner lesungen: http://www.ernstjandl.com/

MÖBELHAUSSCHAURAUMBÜCHER

1950s living rom chic

Echtbuch oder konfektionell hergestellte Blindbände ? Seit je beschäftigt uns in|ad|a|qu|at die flagrante Frage , womit Einrichtungshäuser für ihre Katalogfotos und Schauräume das nötige Buchmaterial akquirieren , welches dann in lockerer Streuung – es soll ja “wohnlich” und nicht “verkopft” wirken – den zur Schau gestellten Wohn- und Regalwände , Arbeits- und Relaxnischen appliziert wird .

Wie also bespielen etwa die weltweist 322 IKEA- Möbelhäuser ihre Regale ? – Da der “Buchschmuck” zur Deko zählt , folglich mit keiner Warenummer , keinem Preis und keinem Diebstahlschutz versehen ist , müssten Gegenstände dieser Art – sollten sich die Titel einer unspezifischen Beliebtheit erfreuen – ganz oben auf der Liste der kleptomanisch veranlagten Mitbürger zu stehen kommen .

Abgesehen davon , dass ein Coelho , eine Allende oder ein Dan Brown keine zwei Tage im Schauraum verblieben , sind auch Bestseller sozial konnotiert und nicht nur einem Einschluss- sondern ebenso einem Asschlussverfahren unterlegen . Ein solcher Ausschluss wäre natürlich Gift für den Schauraum , da mit dem als ausschliessend decodierten Buch das gesamte Regal verworfen würde .

Unser heimlicher Verdacht , dass mit der Weihnachtsbüchersammlung , welche Starbucks jedes Jahr inszeniert , in Wahrheit nicht etwa Witwen- und Waisen- , sondern Möbelhäusern zugute kommt , erhärtet sich immer wieder angesichts des realen wie symbolischen Nullwerts der solcherart gesammelten Bücher . Da kaum auszuschliessen ist , dass die Billigleister im Schichtdienst des Kaffee- IKEA ( “transportiere und bau Dir Deinen Kaffee selbst !” ) mitunter einen netten Fang machen und sich am vorvorvorletzten Reisser von James Patterson bedienen , liefert der sichtbare Bücherkorb der Sammlung im Schnitt das perfekte Buch ohne Eigenschaften , das man nicht einmal bei langen Wartezeiten in die Hand nehmen würden .

Und genau eine solche Auswahl wäre für Möbelhäuser ideal : Allerlei diffuses Zeug , das allerdings der Ästhetik halber allerdings einigermassen “wertig” rüberkommen muss , des Weiteren aber nicht den Greifreflex der Raumschauer triggern oder gar “Stammleser” dazu verleiten , einige aufeinanderfolgende Tage lang während der Mittagspause herbeizueilen , um – bequem auf einem Schauraumsofa ausgestreckt – das Schauraumbuch zu verschlingen . Dächte man dieses No- Go– Szenario multipliziert um die Anzahl der Filialen und Schauräume durch , gelangte man rasch zu bestürzenden Resultaten .

Grundsätzlich zählt das Raumschau- oder Schauraum- Buch- Syndrom ( siehe dazu grundlegend I. K. Ea : SRBDShowroom Book Disorder . A Case Study , including Statistic Material from Various Sources – Almhult : Billy Press 1990 ) zum Critical Catalogue of Furniture Display ( CCoFD ) , welcher deviante oder dem Verkaufszweck adverse Kundenverhaltensweisen in Möbelhäusern listet .

Glücklicherweise sind Zeitgeist und Wohnmode keine statischen Entitäten , sondern in stetem Wandel , sodass sich neuerdings vermehrt andere , zur Warenpalette des Möbelhauses zählende und auch hinsichtlich der sozialen , ideologischen , generationellen und individuellen Konnotierungen neutrale Gegenstände in den Schauraum- Regalen der Raumschauen finden : Da sind sie nun , die in allen Variationen greifbaren und möglichst aus pflanzlichem Flechtwerk bestehnden Körbe und Körbchen , welche einerseits das Prinzip “Ordnung” symbolisieren , zugleich aber – qua echtem oder imitiertem Naturmaterial – den Hauch einer entspannten “Ökologie des Wohnzimmers” atmen .

Auch die – im Wohnbereich immer keusch “getarnten” – Arbeitsnischen benötigen in jüngerer Zeit keine Bücher mehr , um das Thema “Geistesarbeit” anzuspielen : der Laptop fungiert in diesem Kontext als gender- , alters- und ökonomisch unspezifisches Signalobjekt . Zumal auf der Fotografie . Im Möbelhaus selbst werden schauraumfähige Objekte aus dem Sortiment ( Zeitschnriftenordner ) an dieser kritischen Stelle plaziert , um die Kaufreize zu erhöhen . Der besagte Laptop bzw. das Signal  ”dies hier ist ein Laptoparbeitsplatz”  beruht allein auf den dementsprechenden Abbildungen im Katalog .

Da indes mittlerweile als statistisch erwiesen gelten kann , in wie hohem Masse der Content des aktuellen Katalogs im Mittelfristgedächtnis der Kunden verankert ist , sodass selbige von sich aus die “Leerstellen” im Schauraum quasi automatisch mit dem im Katalog zugeordneten Objekten ( recte : Laptop ) füllen , ist die im Schauraum reale Absenz der Symbolischen Objekte für den gut geschulten Kunden kaum wahrnehmbar .

Schliesslich bleibt die für Malls und Schauräume eiserne Regel des “in Eile Verweilens” oberstes Gebot : Trotz Probesitzen und haptischer Annäherung an die libidinös besetzten Objekte muss der Kundenstrom flüssig bleiben und darf nicht – wie von John Fiske ( Reading the Popular – London : Unwin Hyman Ltd 1989 ) eindrücklich herausgearbeitet – stagnieren bzw. durch unangemessen lange Verweildauern Sichtbarkeitseinschränkungen auf seiten anderer Kunden generieren .

Beides kann mithilfe von klugem Schauraum- Design in Kombination mit freundlichem Hilfs- , recte : Kontrollpersonal eingedämmt werden . Die nötige Literatur finden Sie in der Raumschau Ihres bevorzugten Möbelhauses .

|||

KLANGAPPARAT

Dass es sich doch mitunter lohnt , den Empfehlungen anderer Social- Net- Mitglieder nachzugehen , zeigt sich immer wieder neu auf Soundcloud , dem äusserst praktikablen Musiklieferdienst czz-hoerempfehlung( von dem extremen Streaming @ Spotify sei vorerst geschwiegen ) . Diesmal sind wir einem Hinweis des geschätzten Graintable nachgegangen und auf eine dynamisch spannende musikalische Skizze des nicht weiter spezifizierten Lorn ( “Woods , Antarctica” ) gestossen : in Kompression vs. Vollsound , hinsichtlich Melodiestimme und breitem Anklang in etwa dem Akkordeon verwandt , offenbart sich hier eine anregende kleine Soundstudie .
Pours (DRUGS) by Lorn

|||

Kurztitel & Kontexte bis 2012-01-15

Kurztitel & Kontexte bis 2012-01-08

Kurztitel & Kontexte bis 2012-01-01

Kurztitel & Kontexte bis 2011-12-25