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Hubert Klöpfers Einführung zur Lesung von Walle Sayer

Walle Sayers Verleger Hubert Klöpfer hat mir freundlicherweise seine höchst amüsante Einführung zur gestrigen Buchvorstellung in Horb überlassen. Im folgenden ist diese Quasi-Liebeserklärung des Verlegers an seinen Autor in Auszügen zu wiedergegeben.

Liebes Horber Publikum, liebe Frau Sayer, lieber Horst Köhler – Danke fürs kleine große Vorspiel auf der klassischen Gitarre – und aber natürlich: lieber Walle, „in der Fastenzeit höre oder lese jeder und jede (mindestens!) ein gutes Buch.“ So geht eine mir als Verleger überaus sympathische Ordensregel der Benediktiner. Und so begrüße ich Sie für den Tübinger Klöpfer & Meyer Verlag an diesem ersten Fastenzeitsonntag im Horber Kloster, schier gar noch zur Hochamtszeit, zur feierlichen ersten Lesung, wenngleich so ganz ohne Weihrauch (dabei hätte er ihn, ein bisschen jedenfalls, durchaus verdient) – … ich begrüße Sie also sehr zu unsrer morgendlichen Literaturandacht und Lesung mit Walle Sayer aus seinem neuen Buch: „Kerngehäuse“ …
Es ist eine Schande, es tut weh: Verleger gelten nicht viel. Geldgierige Über-den-Tischzieher, Barrabasse, treulose Judasse, berechnende Pharisäer heißen sie, von der Literatur und von der Poesie und überhaupt von den Schönen Künsten „häben“ sie keine mindeste Ahnung, am allerliebsten und verständlich sei ihnen gerade noch ihr Sparbuch. Kurt Tucholsky hat gesagt: „Die Verleger trinken ihren Champagner aus der Hirnschale ihrer Autoren“. Goethe, von wegen edler Dichterfürst, hieß seinen Verleger, meinen großen Tübinger Kollegen Johann Friedrich Cotta einfach „des Teufels“. Und Herder, nein, eben nicht der vornehme Freiburger Verleger, sondern der berühmte Humanist und Philanthrop, der vermeintliche Menschenfreund, der stimmte eilfertig zu: „Ja, und nochmals ja: euch knausrige Verleger möge bald der Teufel holen – und auf euren Papierschätzen verbrennen sollt ihr, mit Weib und mit Kind.“ Was für blanker Haß! Und überhaupt: was können denn meine Frau und meine Töchter dafür?
Da tut einem die harmlos-sanfte Einlassung Christian Friedrich Hebbels fast schon wieder gut, er hat bloß gesagt: „Es ist leichter mit Christus über die Wogen zu wandeln, als mit einem Verleger durchs Leben“.
Aber trotzdem, trotz dieser melancholisch-sanften Gestimmtheit: ist’s denn wahr? Nein, natürlich nicht, nie und nimmer. Wenn man jedenfalls Walle Sayer und Hubert Klöpfer als Beispiel, als Exempel nimmt: dann nein – und nochmals nein. Vielmehr gilt: seins und meins, unser beider schier gar eheähnliches Autor- und Verleger-Verhältnis währt schier schon so lange wie Walle Sayers richtige Liebschaft mit seiner Frau. Oder anders, seit gut und gern 15 Jahren wandle ich nicht, sondern renn’ ich geradezu, um im Bilde zu bleiben, hinter Walle Sayer her: 1994, Klöpfer & Meyer gab’s grad drei Jahr’, und er, noch ein ganz junger Mann, hat mir ein Manuskriptpäckchen Lyrik geschickt – und zwar, wie er schrieb: „zur gefälligen Lektüre und womöglichen Aufnahmeprüfung in Ihr sehr verehrtes Programm“. Und ich, als noch relativer Jungverleger, war davon auf der Schreibtischstelle begeistert – und hab aber, ich geb’s zu, einen verheerenden Anfängerfehler gemacht, ich hab nämlich in meiner Entdeckerfreude das Manuskript seinerzeit einem befreundeten Tübinger Großkritiker und Literaturprofessor zum Mitlesen gegeben – und der aber ist damit einfach in die Ferien gefahren und als er mir das Päckchen auf mein Drängen hin vier lange Wochen später endlich wieder zurückgab, da war zwar erklärtermaßen auch er gehörig angetan, aber Walle Sayer (ach Walle, Du Zweifler:) – er war nervös geworden – und als ich ihm zusagte, da kam von ihm die Antwort: „Lieber Herr Klöpfer, Verzeihung, aber ich bin jetzt leider seit paar Tagen doch schon anders vergeben.“
Und aber – ich wurde dieser Tage selber erst wieder dran erinnert – ich warb wahrlich vehement um ihn. Denn als diese leider an mir vorbeigegangenen Gedichte im Herbst ’94 dann unter dem Titel „Zeitverwehung“ auf die Bücherwelt kamen, da hab ich ihnen im „Literaturblatt für Baden und Württemberg“ einen – wie ich meine – schönen, jedenfalls gänzlich uneingeschnappten Willkommensgruß geschrieben. (Sie erlauben, dass ich mich daraus ganz kurz selber zitiere?)
„Walle Sayer ist ein Dichter aus dem schwäbischen Dorf Bierlingen bei Rottenburg, ein Mittdreißiger, der gerade den Thaddäus-Troll-Preis zugesprochen bekam und dem der große Volkskundler Hermann Bausinger dafür eine glänzende Laudatio gehalten hat – und den es spätestens ab jetzt zu beachten gilt: Walle Sayer ist einer, der leise, unaufgeregt, aber beharrlich widerspricht, der dem Allgemeinen auf den Grund geht und dabei das Besondere entdeckt, der mehr Fragen als Antworten hat. Walle Sayer ist einer, der mit der Überlieferung ringt, der gegen das Vergessen schreibt, einer der noch Träume (und auch Alpträume) hat und der uns die Erinnerung lehrt: „Die Lebenslügen der Leute zu kennen, ist eine Art sie zu mögen.“
„Walle Sayer“, so lobte ich damals weiter, „hat mit seiner ‚Zeitverwehung’ eine Sammlung seismographischer, sprachstarker Gedichte aus der vermeintlich kleinen schwäbischen Welt vorgelegt.“ …

(…)

Immerhin fünf Bücher haben wir zusammen (…) „gemacht“: „Kohlrabenweißes“, den Erstling, 1995, dann den „Irrläufer“, dann die „Beschaffenheit des Staunens“, dann „Den Tag zu den Tagen“, und eben jetzt, frisch gedruckt, frisch gebunden und auch richtig schön eingepackt: „Kerngehäuse. Eine Innenansicht des Wesentlichen“.
Wenn das nicht „treu“ und „fruchtbar“ ist! Und dann sagt der Herr Dichter Christian Friedrich Hebbel, der mir ja im Grunde lieb und teuer ist, so einen Riesenblödsinn: „Leichter sei’s, mit Christus über die Wogen zu wandeln, als mit einem Verleger durchs Leben.“ Hier irrt der Dichter, sehr, gewaltig. Sei’s drum …

Eigentlich, liebe Horber Klostergemeinde, wollte ich Ihnen an diesem 1. Fastenzeitsonntagsmorgen nur kurz über den Dichter Walle Sayer und sein Buch „Kerngehäuse“ verkündigen. Es ist leider anders und etwas länger gekommen, Verzeihung. Aber eigentlich ist’s ja doch auch so: Ausgerechnet Ihnen in Horb Walle Sayer noch lang und breit vorzustellen, das wär doch so überflüssig wie ein Kropf, das hieße Eulen nach Athen – oder halt Bücher und Manuskripte in einen Verlag zu tragen. Und schließlich – und überhaupt liest er Ihnen ja jetzt gleich selber vor …
Jetzt am Ende, na ja, sagen wir halt: meiner kleinen Sonntagspredigt möchte ich nur gerne wieder zurück – auf ihren Anfang kommen: „In der Fastenzeit“, haben wir da von den Benediktinern gehört, „in der Fastenzeit höre oder lese jeder und jede (mindestens) ein gutes Buch“.
Und Sie ahnen doch, liebe Brüder und Schwestern, welches ich Ihnen da mit Fleiß und auch ziemlichem Verlegerstolz anempfehle. Also drum: Seien Sie doch (und spätestens ab jetzt:) ganz Ohr …

Walle Sayer: VEDUTE (aus: Kerngehäuse)

Am Wegrand, Anhaltspunkt zwischen Sommerresidenz und Winterquartier, in seiner Kargheit dieser krumme Zwetschgenbaum, blattloser Solitär, daran du vorbeigehst, als gingest du, gingest auf der Hochebene deines Empfindens, damit er im Zurückschauen dann für sich dasteht, im Landschaftsausschnitt, bloßen Augs noch gut erkennbar, mit seinen dürren Strichen, unterm graugepflügten Himmel, Alleinsein präzisierend, ein kahles Signum im durchsichtigen Wind.

letzter hand

das kleine, beiläufige,
der augenblick – verschwundener,
noch ehe er geahnt.
das sanfte im röhren des straßenverkehrs
am vormittag, das erst
am abend durchsichtig wird, wenn ruhe
in der einkehrwoche ist. das
zarte hegen
und also leise treten,
den fuß im pantoffel vorsichtig setzen
selbst auf den schallisolierten
estrich der eigentümlichen einmauerung.
die regler runterdrehen,
den soundcheck für die stille
durch die verstärker schicken.
ein rauschen nur, raum
und aufräumen nachts.
die papiere in ihrem korb
unordnen.

    #lbn (03/09)

    (über, live)

    inadaequat: Auch Gregor Dotzauer reisst die Mauer zwischen „Bloggern“ und „Journalisten“ ein – eleganter als @ SZ http://tinyurl.com/sprache-siegt

    inadaequat: Die SZ findet nun auf einmal : Es gibt sie doch noch , die guten Blogs ( freilich eher im ausland ) http://tinyurl.com/goodblogs

    inadaequat: HP lanciert Web-Dienst für „DIY“-Magazine = quasi ein YouTube-Print | http://tinyurl.com/DIY-publishing (expand) – Jeder sein eigner Verleger ?

    etkbooks: „Eine multimediale Anthologie“ in|ad|ae|qu|at (http://www.zintzen.org/) in der berliner gazette http://www.berlinergazette.de/?p=1079

    inadaequat: New Blogpost: Wien: Thomas Stangl, Creative Cities ( mit Diederichsen & Lovink + grandioses von Shoebomber | http://tinyurl.com/ct678x

    inadaequat: Reinfrank-Preis | http://tinyurl.com/rheinfrankpreis an Monika Rinck | http://tinyurl.com/rinck-bio – wir gratulieren !

    inadaequat: 100. Geburtstag Ernst Gombrichs – http://tinyurl.com/gombrich-100
    etkbooks: sontag > mann // „die pompöse Banalität seiner Kommentare ist eine Beleidigung für das Werk“ http://tinyurl.com/der-zauberer

    inadaequat: Festival „Wortspiele“ – München | Wien – „Zeigt her Eure Füsschen , Ihr jungen Autoren ..“ http://tinyurl.com/junge-autoren

    inadaequat: Rauris : …. Vogelbeerschnaps, der ein paar saftige Blasphemien des Büchnerpreisträgers befeuert. http://tinyurl.com/winklerfluch

    inadaequat: Vorgänger , viral mitlerweile weltberühmt ( shift happens ) – http://tinyurl.com/2azk9f #infograph

    inadaequat: „Did you know ?“- Infograph- Video zur Zukunft des Wissens, cont’d http://tinyurl.com/futuremedia #infograph

    inadaequat: … und in die zweite Folie die Eiswürfel mitsamt dem eingepackten Finger gelegt . – http://tinyurl.com/zum-film – #textetrouvé

    inadaequat: SWR- Bestenliste April http://tinyurl.com/swr-best-04-09 ( stets ein spass: die kategorien von leichter, mittelschwerer etc lekture )

    inadaequat: MIT To Make All Faculty Publications Open Access http://tinyurl.com/MIT-op-access

    inadaequat: Zu Fuß auf dem Sonderweg – Wandern als deutscher Erinnerungsort (Bodo Mrozek) | Merkur 719, April 2009 http://tinyurl.com/wandern-lit

    inadaequat: Fahrplan „Semantic Web“ , jenseits des Idealismus http://tinyurl.com/cjksdz

    inadaequat: ? „Pflichablieferung von Netzpublikationen“ ? – Infoveranstaltung 3. 4. DNB Frankfurt http://tinyurl.com/pflichtablieferung

    etkbooks: RT @leanderwattig: eBooks: Preis-Sünden werden bestraft http://is.gd/p9pJ

    etkbooks: ebd: Dies ist Teil eines breiteren Problems der Kategorisierung von Bloggern. Sie sind weder Dichter noch Autoren noch Wissenschaftler.

    etkbooks: darin, 315: „Blogs können darum als inzestuöse Netzwerke der Selbstreproduktion verstanden werden.“ B. vs. organisierte Netzwerke …

    etkbooks: next in #pipeline : Lovink, Geert. – Zero comments : Elemente einer kritischen Internetkultur – Bielefeld : Transcript Verlag, 2008

    etkbooks: @inadaequat da wird ja so getan, als wärs was ganz neues: http://tinyurl.com/sechzig-grad … das klappern und das handwerk

    inadaequat: Libreka „floppt“ laut „Spiegel“ http://tinyurl.com/librekaflop

    inadaequat: Themenwoche Buch 2.0 @ UPLOAD http://tinyurl.com/buch-2-0

    etkbooks: remember: ‚Schlagt die Germanistik tot, färbt die blaue Blume rot!‘ http://tinyurl.com/farbenlehre

    inadaequat: Die LA- Times erinnert an des Genannten 100. Geburtstag ( 23. 7. 1888 ) http://tinyurl.com/LA-trouble . So kann man’s auch sehen …

    inadaequat: Freude auf die Diogenes- Editionen http://tinyurl.com/chandler-diog

    inadaequat: DIE WELT verweist auf Raymond Chandlers 60. Todestag (26. 3.) http://tinyurl.com/c94dgw

    inadaequat: Universität Wien : E-Book-Initiative der Vienna University Press http://tinyurl.com/vienna-up

    etkbooks: Das Dörflein heisst Gschaid, und der Schneeberg, der auf seine Häuser herabschaut, heisst Gars #textetrouvé http://tinyurl.com/turmalin

    inadaequat: Karl Schlögel über osteuropäische „Orte und Schichten der Erinnerung“ http://tinyurl.com/lieux-de-memo

    inadaequat: Melivilles Bartleby mit seinem „I would prefer not to“: Neu übersetzt als „ist mir nicht genehm“. Oje. – http://tinyurl.com/rather-not

    etkbooks: marcel about litblogs.net: „Kein Halter Kitsch, kein Lenz Schmonz, kein Bern ist überall Brunz“ .. http://tinyurl.com/kulturstattbern

    inadaequat: TS über Ralf Rothmanns Berlin- Roman „Feuer brennt nicht“ – http://tinyurl.com/rothmann

    inadaequat: Ron Winkler zur „Lyrikdebatte“ und gegen generationsspezifische Vorurteile, DANKE ! – http://tinyurl.com/vorurteil

    inadaequat: Suzid ist erblich, either by nature or nurture: Son of Sylvia Plath and Ted Hughes kills himself – http://tinyurl.com/N-Hughes-Plath

    inadaequat: Elfriede Jelinek bäckt Blutkuchen für für Christoph Schlingensief – Tod-krank.Doc – http://tinyurl.com/tod-krank

    inadaequat: Leipzig, Frankfurt, Köln: DIE WELT zählt 100 Dinge, die uns am Literaturbetrieb nerven. http://tinyurl.com/LitNerv – Für Jeden etwas.

    inadaequat: WORT ZUM SONNTAG : Writers are lampposts and critics are dogs. Ask lampposts what they think about dogs. – http://tinyurl.com/d8ux25

    inadaequat: Bargfelder Bote, Ausg. Jan. & März sind da – Empfehlenswert : F. Rathjen , Schmidt & d. Expressionismus – http://tinyurl.com/bargfeld

    inadaequat: Herrliches Blog über anglo- amerikanische Buchcover – http://tinyurl.com/ytzeu6

    inadaequat: @Fischli_Weiss zur „Korrektjru“ von Gefühlen Dr. Freud oder Thomas Bernhard konsultieren – http://tinyurl.com/TB-korrektur

    etkbooks: Meine Schüler reagieren jedes Mal mit fanatischem Lerneifer auf die Behandlung des Klenkens #textetrouvé http://tinyurl.com/shildknecht

    etkbooks: et tu, kaffeemaschine: „Bitte Satzbehälter leeren“

    etkbooks: Holmes auf Holzweg. Baskervillehund unschuldig … http://tinyurl.com/rueckwaertsdenken

    inadaequat: @etkbooks libidnös ad libitum !

    inadaequat: @jurijmlotman language- readymades , textes trouvés … #terxtetrouvé

    inadaequat: @quillp ja da kommt wieder ein netter DRM : Die rhetorische Paranoia des BV nervt extrem http://tinyurl.com/b69jzb

    inadaequat: @etkbooks Wie wär’s mit einer Permutation : Über- Ich füttert – ( this feed i. e. )

    etkbooks: @Fischli_Weiss … fischli-weiss-fragen in aussagen überführen und invertiert signieren. heute: Ich bin überfüttert, weiss Fischli.

    etkbooks: linking, but not open yet: http://blog.literatur-archiv-nrw.de/

    etkbooks: webzen (system, geist, begriff, körper…): http://katastrofsky.cont3xt.net/webzen . und darüber: http://tinyurl.com/webzenabout

    etkbooks: RT @marshallmcluhan: The new media will take us from an era when business was our culture to an era where culture will be our business.

    etkbooks: Ihr macht euch ja keine Vorstellung! … Zehnmal jede Nacht setzt man sein Leben aufs Spiel! .. http://tinyurl.com/bardamu #textetrouvé

    etkbooks: Da geht die Tür auf u. pustend u. lachend u. völlig verschwitzt erscheint Arno … #textetrouvé http://tinyurl.com/tagebuch1955

    etkbooks: this will steal time from you … http://littlegreatideas.com/willyou/

    etkbooks: welcome isla volante (http://www.litblogs.net/rittiner-gomez/) @rittinergomez

    inadaequat: 2 Botschaften, 1 Link: Das a) Blog der Arno-Schmidt-mailing-list sammelt b) akkurat Nachrufe auf Jörg Drews. http://twurl.nl/ekam0u

    etkbooks: ohnehin: ist das schreiben von gedichten auch aus gründen formaler befangenheit abzulehnen …

    etkbooks: mein lieblingstat zum anthologienstreit: „Na, die Rezensenten lesen und die Unibibliotheken kaufen.“ http://tinyurl.com/asaf6t @oliverg

    inadaequat: @etkbooks *blush* – übrigens auch online : http://twurl.nl/c1wlx2 , http://twurl.nl/4p1jri und http://twurl.nl/t5wb8c *g*

    inadaequat: Schröder & Kalender erinnern an R. D. Brinkmann sowie an Jutta Koethers Essay in der legendären MÄRZ-Anthologie „Trivialmythen“ (1970)

    etkbooks: bahnlese, print only: czz (http://www.zintzen.org/) rezensiert neue hörbücher in der http://www.nzz.ch .. poe, ch poetry slam, bradbury

    etkbooks: abfahrt: auf nach luzern zu luzern bucht, dem http://www.literaturfest.ch/ und den anagrammtagen …

    etkbooks: Staatspreis „Die schönsten Bücher Österreichs“ an Franz Dodels Nicht bei Trost http://tinyurl.com/gratulation http://www.franzdodel.ch

    etkbooks: RT @litblogs_net : überhaupt: twitter und literarische weblogs … ein http://tinyurl.com/paar-statements

    etkbooks: @inadaequat die theorie der theoriezerstörung … dieser dialektik ist einfach kaum beizukommen … (gefunden in barthes, neutrum, 302)

    inadaequat: @etkbooks tja , was liest denn kollege hab wohl eben ? – un’gschaut ein verdacht , welcher zu folge hat , ganz bargfeld neu zu lesen –

    inadaequat: @keinundaber Jörg Drews tot ? – Unfassbar & tragisch für die Bewahrung des Erbes der Avantgarden – http://twurl.nl/a6hsga

    inadaequat: Die FR ruft angesichts der US-Verlagskrise „Die Stunde der kleinen Feinen“ aus – Liest man KMB gerne ! http://twurl.nl/tqgd1m

    inadaequat: NA ENDLICH ist kookbooks‘ streben nach mäzenen auch in der FAZ angekommen ! http://twurl.nl/4wpj6f

    etkbooks: dazu „Warum ist Landschaft schön?“ (könnte ne @Fischli_Weiss frage sein) … das verknüpfen mit der http://tinyurl.com/promenadologie

    etkbooks: korrelationen: je schöner die landschaft, desto weniger die dichtung ? … http://tinyurl.com/oderberlin

    etkbooks: „Wenn wir noch in Gaubickelheim wohnten, dann wärs ein Klacks“, alice schmidt, http://tinyurl.com/tagebuch1955

    _vel: Zooblick

    etkbooks: dumont nun also auch verlegerdichter. oder heisst es dichterverleger? http://tinyurl.com/dievilla (expand). lt. klappe wieder mal präzise prosa

    inadaequat: “IDIOME – Zeitschrift für neue Prosa” : Mit & über Dieter Roth – HEUTE , Café Burger , Berlin ( wo sonst ? ) http://twurl.nl/daflqg

    etkbooks: Am Nordmanntännchen / Im Krisenjahr Kugeln aus / Recyclingpapier #twly #haiku http://tinyurl.com/wartenurbald

    etkbooks: ganz blutt: http://ganzblutt.blogspot.com/

    litblogs_net: spanfreie Hürden #lbn: spanfreie Hürden http://tinyurl.com/dgre7l

    _vel: spanfreie Hürden

    _vel: Karthäusis

    etkbooks: und zuletzt: „GONCOURT: NEVER WROTE ANY DIARY“: http://tinyurl.com/cacw5r

    etkbooks: ron winter qwerty http://www.ronwinter.tv/drums.html

    _vel: tribes of the hollow nation

    etkbooks: auf WP umgestellt und nun mit feed: http://www.der-goldene-fisch.de/

    etkbooks: achtung: beiträge für den open twitterchannel at http://www.litblogs.net/ … signiere mit: #lbn

    Sipuro (notula nova 11)

    „Sofern man seiner Berufung gewiß, über die Lächerlichkeit, Schriftsteller zu sein, erhaben ist, gibt es überhaupt nichts Lächerliches mehr und man kümmerts sich nicht mehr darum.“ (Friedrich Schlegel, Fragmente)

    Überhaupt: die Inkommensurabilität aller Wörter. Und Personen.

    (SIPURO, Bad – Salle de Bain. Stärkere Formel. Löst Kalk und entfernt Seifenreste gründlich … Ein Gartenzwerg vor einer strahlenden Wanne. Mit einer Sprechblase: „Oho!“)

    Details, knapp oberhalb der Wahrnehmungsschwelle. Im Kontext grellen Blinkens.

    Da! Ein Knall! Ein Donner! Die Fensterscheiben zittern. Und das Herz schlägt schneller. Was kann in diesem verschlafenen Tal so ein Geräusch produzieren? Ein Erdrutsch? Eine Kraftwerksexplosion? Ein Flugkörper, der die Schallmauer durchbricht? Ich bringe mich in Sicherheit.

    „Neulich hatte ich mal wieder eine Idee zu einer neuen Zeitschrift, die natürlich kein Mensch finanzieren wird. Diesmal sollte sie „Gegenstand“ heissen, vielleicht um ein eingeheftetes englischsprachiges Insert auf hellblauem Papier erweitert, das man dann „Object“ überschreiben könnte. Diese Zeitschrift würde sich – ganz ohne äusseren Anlass – als Gegenstand ausschliesslich den kleinsten beschreibbaren und diskutierbaren Einheiten der Künste widmen: also der einzelnen Arbeit des Künstlers, nicht der Ausstellung, Hängung oder dem kuratorischen Gedanken, dem Song, nicht dem Album, dem Satz, nicht der Symphonie, der Episode, nicht der Serie etc.“ (Diedrichsen, Eigenblutdoping, 193)

    Was wäre dieses „etc.“ im Literarischen? Hier (und nur hier) eine Berührung des Denkens mit Barthes (Vorbereitung des Romans) und den Thesen zum Haiku feststellen.

    Zwei sichtbare, physische Effekte des ungewohnten Landlebens: Hornhaut an den Füssen. Insektenstiche, zu entzündeten Beulen angeschwollen.

    Die CV-Narration-Biopic-Verblödung.

    Landschaftsvermessung
    Zwischen Innen und Aussen
    Die Fliegengitter

    Das zweite Lesezeichen ist da!

    Die Lesezeichen-Ausgabe 02/2008 erschien am 15. Juli 2008.

    In dieser Ausgabe:

    Rad- und Randblicke, gehälftete Nachbarn und erbrochene Vomitive, Joseph Brodsky und bewusstseinserweiternde Drogen, Misses Frettle und die Ordnung, Bibliotheken und Schriftzeichen auf Klopapier, Playboylovers und Space Monkeys, Frachter und Schiffshörner, Perlhühner und Tauben, Hände und Füsse, Balkon und Küche, Kanzelreden und Deutungsmächte uvm.

    ZUM INHALT …

    Inhalt 02/2008

    Die Lesezeichen-Ausgabe 02/2008 erschien am 15. Juli 2008.

    In dieser Ausgabe:


    Rad- und Randblicke, gehälftete Nachbarn und erbrochene Vomitive, Joseph Brodsky und bewusstseinserweiternde Drogen, Misses Frettle und die Ordnung, Bibliotheken und Schriftzeichen auf Klopapier, Playboylovers und Space Monkeys, Frachter und Schiffshörner, Perlhühner und Tauben, Hände und Füsse, Balkon und Küche, Kanzelreden und Deutungsmächte uvm.

    INHALT:

    Papierboote

    Zur allgemeinen Sicherheit hatte die Stadtverwaltung die städtische Bibliothek nach ausserhalb der Mauern verfrachtet, und für verschärfte Sicherheit zudem auf der Felseninsel im Fluss in dem Gebäude untergebracht, das zuvor als Gefängnis gedient hatte. Die Gefangenen wurden generalamnestiert, waren sie doch einfache Verbrecher, sie mussten nur ihre Bibliotheksausweise vernichten und sich einer Analphabetisierung unterziehen, dann durften sie gehen. Die allgemeine Schulpflicht wurde auf ein halbes Jahr gesenkt und war nur für diejenigen Kinder und Erwachsenen obligatorisch, die durch irgendeinen dummen Zu- oder Unfall lesen gelernt hatten. Nach kurzer Zeit wähnte sich die Stadt frei, illiterat, es wurde fröhlich Sport getrieben. Es gab zwar noch ein paar Gewiefte, die in fremden Sprachen lasen, aber auch ihnen kam man bald auf die Schliche, sie wurden entweder verbannt oder zwangsanalphabetisiert. Es machten sich gesundheitliche Probleme in der Stadt breit, verursacht durch Schlafmangel. Das nächtliche Gepoltere kam von der Flussinsel. Eine Untersuchungskommission fand heraus, dass sich die Bücher in der Bibliothek fortpflanzten, bezeichnenderweise nächtens. Man flog einen Bibliomanen ein, der dem Stadtrat aus dem Stegreif erklären konnte, was vor sich ging: Bücher gehen mit Lesern ins Bett, sagte der Bibliomane, sie befruchten die Leser, und wenn man ihnen das verwehrt, fangen sie an, unter sich zu kopulieren. Sie wühlen die Seiten ineinander, lassen Tinte ineinanderfliessen, werden dann dicker und dicker, kleine Büchlein schlüpfen aus den fetten Bänden, dass die Regale krachen. Und was kann man dagegen unternehmen?, fragte der ratlose Stadtrat den Bibliomanen. Nichts, erklärte der Bibliomane. Lesen, lesen, lesen. Lieben.

    Kurzerhand fackelte die städtische Feuerwehr im Auftrag des Rates die Bibliothek ab. Bauingenieure sprengten die Insel im Fluss.

    Der Feind gab sich nicht geschlagen. Bäume trieben weisse Knospen, die sich zu Buchseiten entrollten. Beschriebenes Papier quoll aus den Abwasserschächten. Ein Unsterblicher (man versuchte mehrmals, ihn zu erschiessen, aber er stand immer wieder auf) eröffnete eine Buchhandlung in einem bunten Kiosk, den er wie zum Hohn mitten auf dem Rathausplatz aufgestellt hatte. Auf Klopapier erschienen Schriftzeichen. Kinder tauschten heimlich in Sandkästen betextete Bilderbüchlein aus. Wo immer ein Vogel landete, blieb ein V im Staub zurück, Eidechsen fügten ein S hinzu. Gedichte stickten sich filigran in Vorhänge und Brautkleider. Heimlich arbeiteten die Dichter im Untergrund Nacht für Nacht, obwohl sie sich vor Hunger kaum noch auf den Beinen halten konnten.

    Der Stadtrat stellte eine Sondereinheit zusammen. Heckenschützen durchkämmten die Stadt und zerrten alle Dichter aus ihren Verstecken. In einer Reihe wurden sie an die Wand gestellt und hingerichtet. Das Volk war entsetzt: dass eine handvoll Ratten so viel Unruhe gestiftet hatte! Erleichtert kehrte man auf die Sportplätze zurück.

    Die Dichter wurden ausserhalb der Mauer verscharrt.
    Beschriebenes Büttenpapier wuchs aus den Erdhügeln; Verse rankten sich um die schäbigen Holzkreuze, die man den Verbrechern zähneknirschend gewährt hatte.

    Die Leichen der Dichter wurden exhumiert, in Plastik eingeschweisst, mit Steinen beschwert und in den Fluss geworfen.
    Weisse Papierboote stiegen vom Grund des Flusses auf und tanzten mit vollen Segeln bis ins Meer. Und da fing ihre Reise erst an.

    Addendum: Tucholsky treibt Allotria

    Inhalt 01/2008

    Die Lesezeichen-Ausgabe 01/2008 erschien am 15. April 2008.

    In dieser Ausgabe:


    Verbotene Reime, Grüsse an die Heimat, Unterkellerungen, Verfahren und Techniken zur Papierarchivierung, James Salter, schöne Studentinnen der Theologie, Waschbeckenhaare, diverse Zungenküsse, Sterne, Monde, Sonnenlöcher und Strandkorbbilder und vieles mehr ..

    INHALT:

    go

    pic

    5.10 – Lieber James Salter, als ich heute Nacht am Schreibtisch saß und in Ihren wunderbaren Erzählungen las, habe ich eine kleine Spinne bemerkt, die mich beobachtete, jawohl, sie saß auf dem Feinsten der Blatthaare eines Elefantenfußbaumes, der neben meiner Computermaschine steht, und beobachtete mich aus mehreren winzigen schwarzen Augen, und ich habe überlegt, was dieses Wesen wohl in mir sieht und für einen kurzen Moment habe ich darüber nachgedacht, ob Spinnen vielleicht hören, – ich lese oft laut vor mich hin, das sollten sie wissen -, und ich wunderte mich, dass ich so viele Jahre gelebt habe, ohne der Frage nachzugehen, ob Spinnen über Ohrenpaare oder doch wenigstens über einen zentralen Gehörgang, wo auch immer, verfügen. Ich saß also am Schreibtisch und las und die kleine getigerte Spinne, von der ich Ihnen erzähle, seilte sich zur Tastatur meiner Computermaschine ab. Ich hatte den Eindruck, dass ihr diese Luftnummer Freude machte, weil sie ihre Landung immer wieder hinauszögerte, indem sie den Faden, der aus ihr selbst herausgekommen war, verspeiste, demzufolge verkürzte. Vielleicht hatte sie bemerkt, dass ich sie betrachtete, das ist denkbar, weil ich aufgehört hatte, laut zu lesen für einen Moment, um nachzudenken, vielleicht wollte sie, um sich mir darzustellen, auf meiner Augenhöhe bleiben. Das war genau in dem Moment als Marit nach ihrer letzten Nacht auf unsicheren Beinen die Treppe heruntergekommen war, Marit, die doch eigentlich seit Stunden schon tot gewesen sein musste. Marit setzte sich auf eine Treppe und begann zu weinen. Sicher werden Sie sich erinnern an Marit, wie sie auf der Treppe sitzt und weint, weil sie wusste, dass sie eine weitere letzte Nacht vor sich haben würde. Als ich las, dass Marit lebt und weint, habe ich eine Pause gemacht, weil ich erschüttert war, weil das Gift nicht gewirkt hatte. Ich saß vor meinem Schreibtisch und überlegte, ob auch sie, James Salter, erschüttert waren, als Marit so langsam, auf unsicheren Beinen die Treppe herunterkam. Und während ich an Sie und Ihre Schreibmaschine dachte, beobachtete ich die Spinne, die mit ihren sehr kleinen Beinen, den Faden, an dem sie hing, betastete. Ist das nicht ein Wunder, eine Spinne wie diese Spinne? Haben Sie schon einmal bemerkt, dass es nicht möglich ist mit einer elektrischen Schreibmaschine zwei Buchstaben zur gleichen Zeit, also übereinander, auf das Papier oder den Bildschirm zu schreiben? Immer ist einer vor, niemals unter dem anderen. Mit herzlichen Grüßen. Louis.

    Lyophylias Lust der Gefriertrocknung

    Am anderen Brunnenende galt die Gefriertrocknung als die effizienteste und schonendste Trocknungsmethode für durchnässte Papiere und also Bücher. Und nur das beste Verfahren schien ihr gut genug, das Wasser aus ihren heiligen Schriften zu entfernen. Vorerst war an dieser Stelle an die Erzeugung eines Vakuums von ihr aus nicht zu denken. Wie also das Wasser in nie flüssiger Form zu halten, sodass alle schädigenden physikalischen, mechanischen oder biologischen Prozesse im Papier ausgeschaltet werden konnten? Sie kam an den Trippelpunkt ihrer Karriere und investierte in Anlagen. Schnell begannen sich die im Vakuum aus den Papieren entweichende Wasserdämpfe an den Eiskondensatoren bei bitterster Kälte zu sammeln. Vorsicht musste walten. Nach der Gefriertrocknung waren die Papiere extrem trocken und in diesem Zustand vorsichtig zu behandeln. Und nachzubehandeln. Zu glätten und zu pressen. Und zu beachten: Durch die Wasseraufnahme des Papiers und anschließende Feuchtigkeitsabgabe während des Trocknungsprozesses traten an den einzelnen Papierfasern ungleichmäßige Spannungen auf, die ein Wellen bzw. Verziehen zur Folge hatten. Wellen und Entwellen. Lyophylia hatte eine weitere Idee. Derart deformierte Papiere konnten wieder geglättet werden, indem man sie unmittelbar nach dem Trocknen durch Pressen in eine plane Form brachte. In diesem plattgepressten Zustand verblieben die Bücher so lange, bis das Papier wieder seinen normalen Wassergehalt aus der Luftfeuchtigkeit aufgenommen hatte. Natürlich gab es weitere Probleme. Kleinigkeiten. Gestrichenes neigte bei stärker Durchnässung beispielsweise zum Verkleben. Doch im grossen und ganzen war sie mit ihrer Arbeit zufrieden.