Schlagwort-Archive: Buch

czz / hab (6)

Am 13. Juli 2008 23:17 schrieb czz

nö , das mit den eulen nach athina war auf den verlag gemünzt und den tagblinden höhlenbrüter , welcher ( trotz zweier im hintersten griechenland verbrachter jahre : mit dem mini nach mykene ! ) das wappentier der fehlsichtigen legasthenikerin geblieben ist : zum mondenschein , werter hab , einen kurzen gruss aus einem langen tag der wenig erfreulichen steuerlichen bilanzierung der beiden zurückliegenden quartale –
aufregungen und harte unterhandlungen wg. möglichen wohnungswechsels gaben heute leider keine sekunde , die diskussion fortzusetzen , mir fiele da schon noch verschiedenstes ein . was ich vielleicht aber vorerst anregen möchte , wäre die sicherung von textauszügen aus dem Franzetti- ausgezeichneten text , welcher gestern ( staun ! staun ! ) im standard erschienen ist – – – da das blatt die artikel relativ schnell ins kostenpflichtige archiv absinken lässt , würde ich anregen , der poetologischen / literatur be Ver TRIEB lichen sommerakademie ein paar absätze des textes hinzuzufügen ! ich hänge ihn gleich hier ins mail und bin sehr neugierig , was der werte hab dazu sagen wird –

den sanften hint ( LINK ) zur (…) nehme ich wie das picasso- täubchen zart in die hohle hand , bevor ich jetzt nach 16 stunden endgültig vom sessel sinke –

dies nur als kurze NOTE des DA ( nicht fort ) mit herzlichem gruss und anschliessendem text –
best, czz

Am 14. Juli 2008 13:18 schrieb hab

wenn sie da auch darauf (…) anspielen: das kann ich ihnen gerne auch mal als leseex. zukommen lassen, zur beruhigung, wenn sie mögen …

herzlich
hab

Am 15. Juli 2008 11:32 schrieb czz

in diesen NOTWENDIG beruhigenden sinne , werter hab , würde ich gerne um ein „mängelexemplar“ , einen „remittenden“ bzw. um „bst. u. stockfl.“ leseexemplar ersuchen – mit sehr herzlichem gruss und dank und überhaupt verbleibend
Ihre derzeit etwas trostlose czz

(…)

p. s. wie wär’s mit einem adress- und büchertausch : ich kann Ihnen derzeit leider nur antiqitäten anbieten

Am 15. Juli 2008 11:50 schrieb hab

da hoffe ich doch, liebe czz, dass ich etwas trost spenden kann. ich schick das buch mal morgen (oder so) mit der schneckenpost raus. auf ihr u. angebot komm ich dann auch gern mal drauf zurück (wenn mir was einfällt) ….

so long & herzl.
hab

Am 23. August 2008 21:20 schrieb hab

da haben sie, liebe czz, mir aber eine schöne freude gemacht, als ich heute morgen meinen briefkasten leerte. herzlichen dank! für die dvd, die ich selbstverständlich wahrnehmen werde. (vielleicht nicht mehr heute oder die tage, aber bald. vielleicht darf ich da sogar mit einem screenshot und einer bemerkung oder einem zitat in der (…) aufwarten?). und sehr gefreut habe ich mich auch über ihre lektüre von dtmf. ihre treffenden beobachtungen (das ensemble der logiken und regeln, und die tropfenmetapher. das buch wäre dann ein kleiner schauer. oder eine art platzregen. vielleicht darf ich die auch verwenden? (hoffe, ich bin da nicht zu ungestüm)). und ja: in gewissem sinne handelt es sich ja bei vielen materialien ja auch um shortshortstories. quantitativ: sieht man dann wohl nur 1/14tel des ganzen komplexes … und die „gedanklichen fortsetzungen“ … da kann assoziation oft in die maximale breite gehen … also merci again, für die meldungen. im letzten satz ihres briefes sprechen sie über den angedeuteten DIALOG. ich hoffe, ich verstehe nicht falsch und es hängt mit der litblogs.net-rubrik „briefwechsel“ zusammen, die ich nun – schon etwas länger her – eingerichtet habe, worin aber noch nichts oder kaum zu finden. wir hatten ja schon diverse wechsel, u.a. getitelt mit „ON AIR!“, die ich mir schon in meine korrespondenzenMappe gelegt habe und die man startenderweise exzerpieren könnte und dort einstellen. exzerptmässig könnte ich mich daransetzen und einen vorschlag herausschneiden (oder möchten sie?). oder aber ich sitze gerade auf einem ganz anderen dampfer, einem schlauch oder meiner langen leitung. dann hoffe ich, sie entschuldigen und können mir auf die sprünge helfen ….

nun aber lasse ich sie wieder zurück zu ihren kartons. (oder haben sies schon überstanden? und die regale sind aufgebaut und bücher darinnen? seit meinem letzten umzug, letztes jahr, habe ich meine bücher nur noch in die regale geklatscht. der blätterzug entbehrt nun jeglicher ordnung. erstaunlicherweise kümmert mich das nicht mal mehr besonders. (wenn ich etwas finden will, find ichs dann auch, auf umwegen, irgendwann). früher hätte mir das keine ruhe gelassen. vielleicht werde ich ja, ganz gegen die natur, mit zunehmenden jahren immer unpedantischer … schön wärs) …

ihnen nun einen schönen samstagabend & mit herzlichen grüssen
hab

czz / hab (5)

Am 11. Juli 2008 10:21 schrieb czz

Sie schreiben „vielstimmig“ , werter hab , selbige danke ich stets dem gegenüber bzw. dem medium der jeweiligen massásch . wie kommen wir vielen zwitschermaschinen wohl dann aber auf einen gemeinsamen roten faden , zumindest auf eine polyphon zu singende partitur ?
oder halten wir’s mit dem berühmten finnischen brüllchor … soweit zum thema „regression“ –

siehe dank zuschrift den hinweis auf Ihre zu buche geschlagenen hybride ( n ) –
notiere sie als nötige eule ins womöglich „zügelnde“ athen dieses unruhigen sommers
bleibe daher jetzt mit kurzem , doch nicht zu knapp an herzlichkeit bemess’nen gruss
best ( threading : beware of threatening threads ! )
czz

Am 12. Juli 2008 20:12 schrieb hab

brüllen ist immer auch ne raumfrage, liebe czz. und der konsonanz. und wie wirs halten? wie der pfarrer walter? (wie hielts der pfarrer walter? wie der pfarrer nolte! und wie hielts der pfarrer nolte? der hielts wie ers wollte! – sorry, dafür, fiel mir gerade so ein …). hab ich sie jetzt richtig verstanden? sie halten bald urlaub bei den alten griechen? wenn ja, wünsch ich ihnen edle einfalt und stille grösse. was anderes wollte ich auch noch loswerden. sollten sie etwas „EIGENmaterial“ bei sich kompostiert haben, dann dürfen sie sich auch gerne mal an den verlag ihres vertrauens und ganz spezieller geschäfte wenden: (…) ab mitte/ende 09 sind noch plätze frei … (aber das schreibe ich nicht jeder/jedem)

so long erst mal & herzlich
hab

Tage-Bau

tagebau

“MTV zum Lesen” schrieb die Berliner Zeitung über das kollektive Netztagebuch tage-bau.de, das in der Tradition der Tagebuchliteratur der frühen Berliner Salons steht und vom Kultursender arte für seine Innovationskraft ausgezeichnet wurde. Um den Gästen des virtuellen Salons berlinerzimmer.de die Möglichkeit zur kreativen Mitarbeit zu geben, haben Sabrina Ortmann und Enno E. Peter 1999 das kollektive Netztagebuch tage-bau.de ins Leben gerufen.

Der tage-bau steht in der Tradition der Tagebuch- und Briefliteratur der frühen Berliner Salons am Anfang des 19. Jahrhunderts. Unter den Autoren aus verschiedenen Ländern finden sich Romanautoren, Netzautoren und Journalisten. Gemeinsam erschreiben und beschreiben sie im World Wide Web jeden Tag neu: der Leser stößt auf Alltägliches und Außergewöhnliches, auf Essays, Gedichte, Romanfragmente und spontane Notizen, die von den Mitautoren aufgegriffen und in eigenen Beiträgen weiterentwickelt werden. Für den gemeinschaftlichen Beitrag “Mein Pixel-Ich” erhielt der tage-bau vom Kultursenders ARTE den Innovationspreis im Rahmen des them@-Literaturwettbewerbs.

Die prämierten Texte rund um das Leben in der Online-Welt sind 2001 als Buch erschienen. (tage-bau infos)

Hartmut Sörgel, Carmen Winter, Burkhardt Sonntag, Angelika Zöllner, Werner Theis, Hella Streicher, Uwe Schick, Niko Burbach, Martina Peter (nav neet), jörg meyer / ögyr, Andreas Humburg, Hans-Jürgen John, Mone Hartman, Sylvia Hagenbach, Jürgen Gisselbrecht, Ilona M. Duerkop, kathrin a.-m. drescher, Betty Bienenstich, Angela Planert, Marco Hallinger, Nico Fuchs, Karin Graf-Braun (kamahe), Elvira Surrmann (Stand 08/2008, Mehr zu den Schreibenden)

Litblog / URL:
Tage-Bau
http://www.tagebau.tyrakel.de/wordpress/

Inhalt 02/2008

Die Lesezeichen-Ausgabe 02/2008 erschien am 15. Juli 2008.

In dieser Ausgabe:


Rad- und Randblicke, gehälftete Nachbarn und erbrochene Vomitive, Joseph Brodsky und bewusstseinserweiternde Drogen, Misses Frettle und die Ordnung, Bibliotheken und Schriftzeichen auf Klopapier, Playboylovers und Space Monkeys, Frachter und Schiffshörner, Perlhühner und Tauben, Hände und Füsse, Balkon und Küche, Kanzelreden und Deutungsmächte uvm.

INHALT:

prustend

text: markus a. hediger 20. Mai 2008

bilderfolge

Hoch oben auf einem Wellenkamm tanzt mein Tisch und mit ihm tanzen auch Luana und ich. Sie lacht und jauchzt, zeigt mit gestrecktem Arm ins offene Meer hinaus und ruft: „Da, die Küste der Bretagne! Sieh, wir segeln an Frankreich vorbei!“

Ich drehe mich um, reisse mich los vom Anblick der wunderschönen Bucht von Rio de Janeiro, folge ihrem Finger. Doch bevor ich irgendetwas am Horizont ausmachen kann, schiebt sich ein riesiger Frachter vor meinen Blick, das Schiffshorn ertönt und lässt die Welle, auf der wir tanzen, in sich zusammenbrechen. Ehe wir es uns versehen, ist Wasser über und unter uns, kurz darauf liegen wir prustend lachend wieder am Strand unserer Insel, Mund und Ohren voller Sand.

 

Papierboote

Zur allgemeinen Sicherheit hatte die Stadtverwaltung die städtische Bibliothek nach ausserhalb der Mauern verfrachtet, und für verschärfte Sicherheit zudem auf der Felseninsel im Fluss in dem Gebäude untergebracht, das zuvor als Gefängnis gedient hatte. Die Gefangenen wurden generalamnestiert, waren sie doch einfache Verbrecher, sie mussten nur ihre Bibliotheksausweise vernichten und sich einer Analphabetisierung unterziehen, dann durften sie gehen. Die allgemeine Schulpflicht wurde auf ein halbes Jahr gesenkt und war nur für diejenigen Kinder und Erwachsenen obligatorisch, die durch irgendeinen dummen Zu- oder Unfall lesen gelernt hatten. Nach kurzer Zeit wähnte sich die Stadt frei, illiterat, es wurde fröhlich Sport getrieben. Es gab zwar noch ein paar Gewiefte, die in fremden Sprachen lasen, aber auch ihnen kam man bald auf die Schliche, sie wurden entweder verbannt oder zwangsanalphabetisiert. Es machten sich gesundheitliche Probleme in der Stadt breit, verursacht durch Schlafmangel. Das nächtliche Gepoltere kam von der Flussinsel. Eine Untersuchungskommission fand heraus, dass sich die Bücher in der Bibliothek fortpflanzten, bezeichnenderweise nächtens. Man flog einen Bibliomanen ein, der dem Stadtrat aus dem Stegreif erklären konnte, was vor sich ging: Bücher gehen mit Lesern ins Bett, sagte der Bibliomane, sie befruchten die Leser, und wenn man ihnen das verwehrt, fangen sie an, unter sich zu kopulieren. Sie wühlen die Seiten ineinander, lassen Tinte ineinanderfliessen, werden dann dicker und dicker, kleine Büchlein schlüpfen aus den fetten Bänden, dass die Regale krachen. Und was kann man dagegen unternehmen?, fragte der ratlose Stadtrat den Bibliomanen. Nichts, erklärte der Bibliomane. Lesen, lesen, lesen. Lieben.

Kurzerhand fackelte die städtische Feuerwehr im Auftrag des Rates die Bibliothek ab. Bauingenieure sprengten die Insel im Fluss.

Der Feind gab sich nicht geschlagen. Bäume trieben weisse Knospen, die sich zu Buchseiten entrollten. Beschriebenes Papier quoll aus den Abwasserschächten. Ein Unsterblicher (man versuchte mehrmals, ihn zu erschiessen, aber er stand immer wieder auf) eröffnete eine Buchhandlung in einem bunten Kiosk, den er wie zum Hohn mitten auf dem Rathausplatz aufgestellt hatte. Auf Klopapier erschienen Schriftzeichen. Kinder tauschten heimlich in Sandkästen betextete Bilderbüchlein aus. Wo immer ein Vogel landete, blieb ein V im Staub zurück, Eidechsen fügten ein S hinzu. Gedichte stickten sich filigran in Vorhänge und Brautkleider. Heimlich arbeiteten die Dichter im Untergrund Nacht für Nacht, obwohl sie sich vor Hunger kaum noch auf den Beinen halten konnten.

Der Stadtrat stellte eine Sondereinheit zusammen. Heckenschützen durchkämmten die Stadt und zerrten alle Dichter aus ihren Verstecken. In einer Reihe wurden sie an die Wand gestellt und hingerichtet. Das Volk war entsetzt: dass eine handvoll Ratten so viel Unruhe gestiftet hatte! Erleichtert kehrte man auf die Sportplätze zurück.

Die Dichter wurden ausserhalb der Mauer verscharrt.
Beschriebenes Büttenpapier wuchs aus den Erdhügeln; Verse rankten sich um die schäbigen Holzkreuze, die man den Verbrechern zähneknirschend gewährt hatte.

Die Leichen der Dichter wurden exhumiert, in Plastik eingeschweisst, mit Steinen beschwert und in den Fluss geworfen.
Weisse Papierboote stiegen vom Grund des Flusses auf und tanzten mit vollen Segeln bis ins Meer. Und da fing ihre Reise erst an.

Addendum: Tucholsky treibt Allotria

Play it again : FÜR den Bachmannpreis und WIDER die Literaturschulen – Eine Übertragung


||| IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE | IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG | “EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN | DEALS DER JURIEN | FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT | AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM | ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE

TDDL 2008 banner 300pxMusste man über Jahre hinweg lesen die stereotypen Stoss- Seufzer über den Bachmannpreis am ( Vorsicht : Wortspiel ! ) Wörther See und wie man sich abends bei Maria Loretto im berühmten Fischrestaurant unter den gruselig präparierten Fischköpfen an den Wänden ( Vorsicht : Bildwitz ! ) beim Gastmahle traf und wie dort oder auf den literaturjournalistischen Amateur- Fussballfeldern der Ehre es die Outsider den Insidern gaben

Musste man alljährlich lesen dieselben Protokolle von Outfits und Aussagen ( halbprivat ) , dasselbe Raunen über die echten , aus dem Genusse geistiger Getränke ergossenen Literaturbetriebswahrheiten …., so rächt sich das Feuilleton in diesem Jahr unisono mit Groll und Hohn für die Verknappung seiner Sport- und Spielwiese von zwei auf vier Tageslängen .

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IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG

picto TVIn chorisch harmonierenden Einzelstimmen wendet man sich gegen die Layoutierung der Show zu Zwecken und zu Gunsten der 3- sat- TV- Übertragung . Im fernsehgerechten Format , so der beleidigte Tenor ( Die Presse , taz ) , verwandle sich Literatur eben in jenes Ärgernis einer “prime time”- ( Der Standard ) , “Mittelstands-” ( DIE WELT ) , “Vita contemplativa”- ( FAZ ) und “Langweile”- ( NZZ ) Veran- oder –unstaltung , als welche sie sich anno 2008 den vor Ort Wesenden präsentierte .

Keiner mochte da einlenken , dass es eben die Fernsehübertragung sei , welcher die Juroren ihre Prominenz ( und guten Gagen ) danken , die im Besonderen allerdings dafür garantiert , dass Literatur im Feuilleton weiterhin für “der Rede wert” befunden wird . Anderseits gestattet just die Fernseh- Übertragung eine Teilhabe Vieler an einem lokalen “Event” : eine Zeugenschaft , welche die Lesungen selbst – allerdings auch die Leistungen der Jury , nicht zuletzt aber auch die Beurteilungen durch das Feuilleton – ÜBERPRÜFBAR macht .

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“EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN

picto TVSomit gerät die Oberhoheit der Kanzelrede und der exklusive Deutungsmacht des Feuilletons ins Wanken : Prompt reagiert das Feuilleton auf die solcherart “globalisierte” Information , indem es die Stadt Klagenfurt ebenso kleinredet und zur kleingeistig- protofaschistischen Provinz ( DIE WELT ) erklärt wie überhaupt den ganzen Bewerb inklusive der Juroren samt der von ihnen “vorgeschlagenen” und diskutierten Text- und Autoren- Funktionen .

Denn aber , hallo und sorry , möchten wir bescheiden daran erinnern , dass Klagenfurt noch immer ein Erbmöbelstück der “Gruppe 47″ ist und von deren berüchtigten Meetings , deren Lesungen und deren , jedem Widerspruch abgeneigten Ab- Urteilungen derer , die da lasen . Die , die da lasen , waren ( siehe : das Prinzip der “Einladung” bzw. der Juroren- Vorschläge ) selbstverständlich nur ein Teil “sie selber” . Der Löwenanteil war und bleibt allerdings das , womit sich ein Juror zu profilieren gedenkt , WEN er ins Rennen schickt und WAS er der Arena des Sammelkampfes vorwirft … zur Augenweide oder zum Frasse .

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DEALS DER JURIEN

TDDL 2008 banner 300pxWas das Juryprinzip ist in vielen verschwiegenen Versammlungszimmern , an Tagungstafeln und bei Konferenztisch- Kaffee aus Thermoskannen vollzieht , liegt in Klagenfurt vor Aller Augen . Deals , Kontrakte , Freundlichkeiten im Austausch gegen Imagepunkte , oder – bei Schlagseite des eigenen Kandidaten : der schnelle Seitenwechsel und Überlauf , der mit rhetorischer Verve überbrüht werden muss , damit der Sieger als selbstgekochtes Süppchen verkauft und vertreten werden kann .

Ja mei : All das ist hinlänglich bekannt . Was aber nun , wenn wir zugucken dürfen ( live dabei sein ! ) in der durch die Fernsehkameras und die hitzige Ausleuchtung nachvollziehbar unangenehm schwül- bedrückten Arena ? – Seit zwanzig Jahren weder im Besitze eines TV- Apparates noch des Animo , sich leiblich dem “Betriebsausflug” auszusetzen , hat in|ad|ae|qu|at das sogenannte “Wettlesen” stets via Feuilleton- Rapports und Insider- Witzen rezipiert . Und dabei Hunderte der oben genannten Fischessen , Fussballschweisstreibereien , Beschwipstheiten und Ausflügen ins lokale Puff nachlesen dürfen . Wenn im September dann oder im Oktober der jährliche Band “DIE BESTEN” bei Piper erschien , konnte und wollte sich eh Keiner mehr an das frühsommerliche Klagenfurt erinnern .

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FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT

picto TVNun aber hat das Netz auch für fernsehfrei lebende Zeitgenossen die “Zugänglichkeit” zu diesem eminenten Ereignis der Eliten von Feuilleton und Sozial- Performanz ermöglicht . Und solche “Zugänglichkeit” zu höherer – menschlicher , kultureller , emotionaler – Bildung gilt mittlerweile als Menschenrecht . Na gut , machen wir von solcher “Zugänglichkeit” via “Stream on Demand” Gebrauch und vollziehen “Klagenfurt” im totalen Echtzeit- Selbsttest und unter verschärften Bedingungen von sukzessiver Mitschrift und Fortverlinkung mit : Vierzehn Stunden lang an Bildschirm und Tasten , plus Mittagspausen usf.

Hier das Testergebnis : Auch unter den eingeschränkten Erwartungen , was ein Stream- Bild an Qualität vermitteln kann , ist der visuelle Faktor erbarmungslos kläglich . Im Chiaroscuro eines nur spotmässig ausgeleuchteten Studios verhindern abstruse Kamera- Totalen eine Konzentration auf den logisch zu fokussierenden Sprecher . Tritt selbiger allerdings – egal , ob gebeugter Autor , gestikulierender Juror oder bräselnder Moderator – ins Bild des Nah- Objektivs , erstarren die Talking Heads hinter der dick aufgetragenen und unvorteilhaft angestrahlten Maske . Da man Menschen , welche man schätzt und kennt , nur ungern in solcher Ensor’schen Masken- Übermalung betrachtet , verlegt man sich bald aufs Abblenden . Und siehe : Man beginnt zu HÖREN . ZUZUHÖREN sogar .

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AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM

TDDL 2008 banner 300pxUnd statt des blauen Studios erleben wir das blaue Wunder der Verwandlung eines “Literaturwettbewerbs” in ein HÖRSPIEL in Echtzeit : Mit den klassischen Chargen , Beschleunigungen und Retardierungen , Strophe und Refrain , Solo und Chor sowie viel lokal gefärbter Sprachmusik . Da treten die ausgestellten ( literarischen ) TEXTE als ebenso subjektive STIMMEN und CHARAKTERE auf wie das Geplänkel der Juroren , deren ebenso ausgestellten Bekenntnis- TEXTE und kulturtheoretische ROLLENPROSA . Solcherart sind wir – auch über manche Mühen der Textebenen ( aller Fraktionen ) hinweg – in den Genuss eines selten so unterhaltsam vernommenen HÖRSPIELS gekommen .

Fazit : Wenn schon das Radio sein Selbstbewusstsein als AKUSTISCHES Medium hinter Internetbildchen , LOGO- Optik und visuellen User- Interfaces am Handy verleugnet , wird man fortan das live übertragene , respektiv netz- gestreamte oder ON DEMAND abgespielte TV- BILD als neues Radio gebrauchen . BILD AB , TON AUF : Lass es jazzen , Mann , horch hin und maule nicht .

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ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO

picto TVUnd WENN man sich zu Klagenfurt bzw. in den Redaktionsstuben postum seit Jahren über die ( Vorsicht ! ) “gut gemachten , aber …“-Schreibstücke beklagt , dies Jahr erstmals auch über die ( Vorsicht ! ) “gut vorgelesenen , aber …“-Texte , dann schliesse man doch bitte endlich und einfach die VEBs der Literaturschulen und entlasse deren renommierte Lehrer , welche eben die SERIENTEXTE und -BEFINDLICHKEITEN mitproduzieren , über die sie und ihre Kollegen dann öffentlich mäkeln . Sorry : Bei diesem Betriebsspiel werden Menschen verbraucht … Der Rest der Argumentation ist unter der Kategorie “Germany’s Next Topmodel” bzw. “Deutschland sucht den Superstar” ( DSDS ) nachzulesen . Oder hiesse es doch nicht noch besser : “Dschungel-Camp – Ich bin ein Star – holt mich hier raus” ?!

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LINKS

  • Tilman Rammstedt erhält Bachmann-Preis – Der deutsche Autor Tilman Rammstedt hat den renommierten Ingeborg-Bachmann- Preis gewonnen . Der 33-jährige Schriftsteller wurde im österreichischen Klagenfurt für seinen Roman “Der Kaiser von China” ausgezeichnet . Rammstedt wagte etwas , das in Klagenfurt selten goutiert wird : Humor ( Elmar Krekeler , DIE WELT , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis 2008 : Darauf haben wir gewartet ( Oliver Jungen , FAZ , 29. 6. 2008 )
  • Vom Dienstbotenelend der Literatur – Der 32. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb – Mit einer Grossvater- Geschichte holt sich der Berliner Tilman Rammstedt den Ingeborg- Bachmann- Preis 2008 . Seine Erzählung ist komisch , wo die Qualität der sonst noch vorgetragenen Texte fast tragisch ist . Selten zuvor war die Literatur in Klagenfurt so durchschnittlich wie diesmal ( Paul Jandl , NZZ , 30. 6. 2008 )
  • Neuigkeiten aus Klagenfurt – Öl im Getriebe – Beim diesjährigen Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb haben sich die Schriftsteller , die Jury und das Publikum auf die Bedingungen des Fernsehens eingelassen ( Dirk Knipphals , taz , 30. 6. 2008 )
  • Das Jahr der Freundlichkeit – Der 32. Bachmann- Preis ging an den in Berlin lebenden Tilmann Rammstedt – Markus Orths und Patrick Findeis hatten Chancen . Eine Entscheidung , unentschieden ( Cornelia Niedermeier , Der Standard , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis : Ein Tyrann als komischer Held – Tilman Rammstedt gewinnt mit seinem schwarzhumorigen “Der Kaiser von China“ in Klagenfurt . Er setzte sich bei Jury und Publikum durch ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )
  • Literatur , im Wörther See versenkt – Beim Wettlesen zum Bachmann-Preis wird alles den Erfordernissen des TV , der Marke untergeordnet . Ein Text ist aber kein Waschmittel ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Ein Eintauchen in buchstäbliche Liquid Levels gestattet das herrlich verhaltene LOOPZILLA– MIX Numero 60 . Fern von jeder hochsommerlichen czz-hoerempfehlungBeach- Life oder Sonstwie- Fröhlichkeits- Frenesie , bleibt das “Sofa Mix” cool abgedimmt im gangbaren Takt , ohne ins loungig- Beliebige abzudriften : Daniel P. aka “Project Swirl” bedient sich mit seiner exquisiten Mischung aus Releases von Netlabels wie yukiyaki , Thinner , unfoundsound oder clear-cut allerdings nur beim Feinsten . – CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||


Litblog von Matthias Politycki verschwunden

via blogbar:

sueddeutsche.de: Es gab doch auch Internetzugang an Bord – Sie haben von dort aus ein tägliches Blog in die Welt geliefert. Wie haben die Mitreisenden auf dem Schiff darauf reagiert?

Politycki: Die Passagiere sind meist in einem Alter, wo man sich nicht mehr so sehr ums Virtuelle kümmert. Und die Mannschaften laden in der Regel nur schnell ihre Mails herunter, Surfen kommt an Bord ja ziemlich teuer. Die Offiziere hingegen haben meine Einträge sehr genau verfolgt, und es gab darunter durchaus welche, denen das alles nicht passte, schon allein die Existenz eines Schriftstellers an Bord. Andererseits: Von Deutschland aus hat man sehr genau verfolgt, was da täglich neu hochgeladen wurde, sozusagen ein bebilderter Fortsetzungsroman, es waren immer an die 1000 User auf meiner Seite.

Auch nach Recherchen der blogbar ist kein nochsokleines Stückchen aufgetaucht. Spurenlosigkeit? Und das bei dieser Reichweite? Wie macht man das?

Unabhängig davon, ob man der Aussage von den 1000 Lesern Glauben schenken will – ich habe mich auf die Suche gemacht, ob dieses Blog irgendwo Spuren hinterlassen hat. Berichte. Links. Andere Blogbeiträge. Ob es sowas wie eine Vernetzung zwischen diesem Blog und anderen Blogs gab.

Ergebnis: Fast nichts. Das Blog selbst finde ich weder auf der Seite, noch bei dem Reeder, der die Reise bezahlt hat. Auf der Website des Autors ist eine Leseprobe des Buches, das ist alles.

Sachdienliche Hinweise bitte hier:

Flut und Perlen

Zur Erinnerung – und etwas in eigener Sache: der gestern erschienene Beitrag Lesen und Lesen lassen von Christiane Zintzen (Auszug).

(…)

VI. LESEZEICHEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeNet- Mags , Foren oder Gemeinschaftsblogs : Auch Primärliteratur liest bzw. legt sich online vor . Freilich mit enormen Qualitätsunterschieden . Die man diplomatischer auch als solche des “literarischen Geschmacks” bezeichnen könnte . Mit dem “Forum der 13” , “der goldene fisch” , “lyrikline” , “poetenladen” oder – werbeästhetisch von Don Dahlmann verpackt – @ “mindestens haltbar” . Die “shortlist” verzeichnet mitunter unter ihren culture cuts sogar kastrationsangstfrei lesende männer und der behutsame Blütenleser figuriert ( in Kooperation mit “Perlentaucher”- “Medienticker” und “Titel“- Magazin ) mit Hörspiel- , TV- und Buchhinweisen seit Kurzem auch in Form eines Blog namens “Lesewoche” : Chapeau zur trefflichen Empfehlung von Silvia Bovenschen’schens hintersinnig komponierten Erzählkreis “Verschwunden” –

Das Literaturblog- Kombinat “litblogs.net” wurde als eine der in|ad|ae|qu|aten Herbergen bereits vorgestellt , NEU ist ein vierteljährlich erscheinendes Digest , welches als “Lesezeichen” direkt aufrufbar und ergo selbstverständlich auch via RSS abonnierbar ist . Hier führt freilich kein Redakteur die strenge Schere , sondern ein Jedes gibt , was ihm als zeichenweise tauglich dünkt . |||

(…)

(Lit)Blogs & DOI

Aus einem Beitrag von in|ad|ae|qu|at / Christiane Zintzen

(…)

VIII. “BLOG” – ALSO WAS ?

Wczz sprechblase iconovon sprechen sie also , die Blog- Kritiker , wenn sie das Wort “Blog” ge missbrauchen ? Ärgerlich genug , dass sich jeder Print- Journalist offenbar dazu bemüssigt fühlt , sein Mütchen an “den Blogs” zu kühlen , so besteht darüber hinaus keinerlei Bewusstsein hinsichtlich des Spektrums der verschiedenen Ge- und Missbrauchsformen dieses Mediums . |||

IX. BLOG IN|AD|AE|QU|AT : CLAIM

czz sprechblase iconDer langen Rede kurzer Sinn schliesst mit unserem in|ad|ae|qu|aten Claim : Wir erinnern einerseits an unsere Selbstvorstellung als Work in Progress zwischen den Genres

  • als sorgfältiger Publikationsort von Primärliteratur ( Salon Littéraire )
  • als kulturpublizistisches Archiv
  • als Aufbau eines Metadaten- Systems im Hinbick auf das Semantic Web
  • als konsequente Vorstellung von Netlabels , creative commons- Künstlern und deren musikalischen Ansätzen
  • sowie als fortlaufender Kommentar eines nicht näher bezeichneten Alter Egos zu diversen Auffälligkeiten in Stadtleben , Publizistik und Alltagskultur .

Als eines der ersten Mikromedien im deutschsprachigen Raum wurde in|ad|ae|qu|at bei der mEDRA , der multilingualen Europäischen DOI– Registrationsagentur ( in Kooperation mit dem MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels , einer Service- Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. ) angemeldet : Dort figuriert in|ad|ae|qu|at unter der Signatur doi:10.3246/ib.1000 als “Online Zeitschrift” und “-Verlag” . Entsprechend melden wir die literarischen Beiträge unserer “Salon”- Gäste per indvidueller DOI an und können damit deren ( der ISBN- Nummer analoge ) persistente Registrierung erwirken , inklusive Metadaten wie Copyright , Autor, Publikationsdatum und Textgenre .

(…)