Schlagwort-Archive: Rap

#lbn (03/09)

(über, live)

inadaequat: Auch Gregor Dotzauer reisst die Mauer zwischen „Bloggern“ und „Journalisten“ ein – eleganter als @ SZ http://tinyurl.com/sprache-siegt

inadaequat: Die SZ findet nun auf einmal : Es gibt sie doch noch , die guten Blogs ( freilich eher im ausland ) http://tinyurl.com/goodblogs

inadaequat: HP lanciert Web-Dienst für „DIY“-Magazine = quasi ein YouTube-Print | http://tinyurl.com/DIY-publishing (expand) – Jeder sein eigner Verleger ?

etkbooks: „Eine multimediale Anthologie“ in|ad|ae|qu|at (http://www.zintzen.org/) in der berliner gazette http://www.berlinergazette.de/?p=1079

inadaequat: New Blogpost: Wien: Thomas Stangl, Creative Cities ( mit Diederichsen & Lovink + grandioses von Shoebomber | http://tinyurl.com/ct678x

inadaequat: Reinfrank-Preis | http://tinyurl.com/rheinfrankpreis an Monika Rinck | http://tinyurl.com/rinck-bio – wir gratulieren !

inadaequat: 100. Geburtstag Ernst Gombrichs – http://tinyurl.com/gombrich-100
etkbooks: sontag > mann // „die pompöse Banalität seiner Kommentare ist eine Beleidigung für das Werk“ http://tinyurl.com/der-zauberer

inadaequat: Festival „Wortspiele“ – München | Wien – „Zeigt her Eure Füsschen , Ihr jungen Autoren ..“ http://tinyurl.com/junge-autoren

inadaequat: Rauris : …. Vogelbeerschnaps, der ein paar saftige Blasphemien des Büchnerpreisträgers befeuert. http://tinyurl.com/winklerfluch

inadaequat: Vorgänger , viral mitlerweile weltberühmt ( shift happens ) – http://tinyurl.com/2azk9f #infograph

inadaequat: „Did you know ?“- Infograph- Video zur Zukunft des Wissens, cont’d http://tinyurl.com/futuremedia #infograph

inadaequat: … und in die zweite Folie die Eiswürfel mitsamt dem eingepackten Finger gelegt . – http://tinyurl.com/zum-film – #textetrouvé

inadaequat: SWR- Bestenliste April http://tinyurl.com/swr-best-04-09 ( stets ein spass: die kategorien von leichter, mittelschwerer etc lekture )

inadaequat: MIT To Make All Faculty Publications Open Access http://tinyurl.com/MIT-op-access

inadaequat: Zu Fuß auf dem Sonderweg – Wandern als deutscher Erinnerungsort (Bodo Mrozek) | Merkur 719, April 2009 http://tinyurl.com/wandern-lit

inadaequat: Fahrplan „Semantic Web“ , jenseits des Idealismus http://tinyurl.com/cjksdz

inadaequat: ? „Pflichablieferung von Netzpublikationen“ ? – Infoveranstaltung 3. 4. DNB Frankfurt http://tinyurl.com/pflichtablieferung

etkbooks: RT @leanderwattig: eBooks: Preis-Sünden werden bestraft http://is.gd/p9pJ

etkbooks: ebd: Dies ist Teil eines breiteren Problems der Kategorisierung von Bloggern. Sie sind weder Dichter noch Autoren noch Wissenschaftler.

etkbooks: darin, 315: „Blogs können darum als inzestuöse Netzwerke der Selbstreproduktion verstanden werden.“ B. vs. organisierte Netzwerke …

etkbooks: next in #pipeline : Lovink, Geert. – Zero comments : Elemente einer kritischen Internetkultur – Bielefeld : Transcript Verlag, 2008

etkbooks: @inadaequat da wird ja so getan, als wärs was ganz neues: http://tinyurl.com/sechzig-grad … das klappern und das handwerk

inadaequat: Libreka „floppt“ laut „Spiegel“ http://tinyurl.com/librekaflop

inadaequat: Themenwoche Buch 2.0 @ UPLOAD http://tinyurl.com/buch-2-0

etkbooks: remember: ‚Schlagt die Germanistik tot, färbt die blaue Blume rot!‘ http://tinyurl.com/farbenlehre

inadaequat: Die LA- Times erinnert an des Genannten 100. Geburtstag ( 23. 7. 1888 ) http://tinyurl.com/LA-trouble . So kann man’s auch sehen …

inadaequat: Freude auf die Diogenes- Editionen http://tinyurl.com/chandler-diog

inadaequat: DIE WELT verweist auf Raymond Chandlers 60. Todestag (26. 3.) http://tinyurl.com/c94dgw

inadaequat: Universität Wien : E-Book-Initiative der Vienna University Press http://tinyurl.com/vienna-up

etkbooks: Das Dörflein heisst Gschaid, und der Schneeberg, der auf seine Häuser herabschaut, heisst Gars #textetrouvé http://tinyurl.com/turmalin

inadaequat: Karl Schlögel über osteuropäische „Orte und Schichten der Erinnerung“ http://tinyurl.com/lieux-de-memo

inadaequat: Melivilles Bartleby mit seinem „I would prefer not to“: Neu übersetzt als „ist mir nicht genehm“. Oje. – http://tinyurl.com/rather-not

etkbooks: marcel about litblogs.net: „Kein Halter Kitsch, kein Lenz Schmonz, kein Bern ist überall Brunz“ .. http://tinyurl.com/kulturstattbern

inadaequat: TS über Ralf Rothmanns Berlin- Roman „Feuer brennt nicht“ – http://tinyurl.com/rothmann

inadaequat: Ron Winkler zur „Lyrikdebatte“ und gegen generationsspezifische Vorurteile, DANKE ! – http://tinyurl.com/vorurteil

inadaequat: Suzid ist erblich, either by nature or nurture: Son of Sylvia Plath and Ted Hughes kills himself – http://tinyurl.com/N-Hughes-Plath

inadaequat: Elfriede Jelinek bäckt Blutkuchen für für Christoph Schlingensief – Tod-krank.Doc – http://tinyurl.com/tod-krank

inadaequat: Leipzig, Frankfurt, Köln: DIE WELT zählt 100 Dinge, die uns am Literaturbetrieb nerven. http://tinyurl.com/LitNerv – Für Jeden etwas.

inadaequat: WORT ZUM SONNTAG : Writers are lampposts and critics are dogs. Ask lampposts what they think about dogs. – http://tinyurl.com/d8ux25

inadaequat: Bargfelder Bote, Ausg. Jan. & März sind da – Empfehlenswert : F. Rathjen , Schmidt & d. Expressionismus – http://tinyurl.com/bargfeld

inadaequat: Herrliches Blog über anglo- amerikanische Buchcover – http://tinyurl.com/ytzeu6

inadaequat: @Fischli_Weiss zur „Korrektjru“ von Gefühlen Dr. Freud oder Thomas Bernhard konsultieren – http://tinyurl.com/TB-korrektur

etkbooks: Meine Schüler reagieren jedes Mal mit fanatischem Lerneifer auf die Behandlung des Klenkens #textetrouvé http://tinyurl.com/shildknecht

etkbooks: et tu, kaffeemaschine: „Bitte Satzbehälter leeren“

etkbooks: Holmes auf Holzweg. Baskervillehund unschuldig … http://tinyurl.com/rueckwaertsdenken

inadaequat: @etkbooks libidnös ad libitum !

inadaequat: @jurijmlotman language- readymades , textes trouvés … #terxtetrouvé

inadaequat: @quillp ja da kommt wieder ein netter DRM : Die rhetorische Paranoia des BV nervt extrem http://tinyurl.com/b69jzb

inadaequat: @etkbooks Wie wär’s mit einer Permutation : Über- Ich füttert – ( this feed i. e. )

etkbooks: @Fischli_Weiss … fischli-weiss-fragen in aussagen überführen und invertiert signieren. heute: Ich bin überfüttert, weiss Fischli.

etkbooks: linking, but not open yet: http://blog.literatur-archiv-nrw.de/

etkbooks: webzen (system, geist, begriff, körper…): http://katastrofsky.cont3xt.net/webzen . und darüber: http://tinyurl.com/webzenabout

etkbooks: RT @marshallmcluhan: The new media will take us from an era when business was our culture to an era where culture will be our business.

etkbooks: Ihr macht euch ja keine Vorstellung! … Zehnmal jede Nacht setzt man sein Leben aufs Spiel! .. http://tinyurl.com/bardamu #textetrouvé

etkbooks: Da geht die Tür auf u. pustend u. lachend u. völlig verschwitzt erscheint Arno … #textetrouvé http://tinyurl.com/tagebuch1955

etkbooks: this will steal time from you … http://littlegreatideas.com/willyou/

etkbooks: welcome isla volante (http://www.litblogs.net/rittiner-gomez/) @rittinergomez

inadaequat: 2 Botschaften, 1 Link: Das a) Blog der Arno-Schmidt-mailing-list sammelt b) akkurat Nachrufe auf Jörg Drews. http://twurl.nl/ekam0u

etkbooks: ohnehin: ist das schreiben von gedichten auch aus gründen formaler befangenheit abzulehnen …

etkbooks: mein lieblingstat zum anthologienstreit: „Na, die Rezensenten lesen und die Unibibliotheken kaufen.“ http://tinyurl.com/asaf6t @oliverg

inadaequat: @etkbooks *blush* – übrigens auch online : http://twurl.nl/c1wlx2 , http://twurl.nl/4p1jri und http://twurl.nl/t5wb8c *g*

inadaequat: Schröder & Kalender erinnern an R. D. Brinkmann sowie an Jutta Koethers Essay in der legendären MÄRZ-Anthologie „Trivialmythen“ (1970)

etkbooks: bahnlese, print only: czz (http://www.zintzen.org/) rezensiert neue hörbücher in der http://www.nzz.ch .. poe, ch poetry slam, bradbury

etkbooks: abfahrt: auf nach luzern zu luzern bucht, dem http://www.literaturfest.ch/ und den anagrammtagen …

etkbooks: Staatspreis „Die schönsten Bücher Österreichs“ an Franz Dodels Nicht bei Trost http://tinyurl.com/gratulation http://www.franzdodel.ch

etkbooks: RT @litblogs_net : überhaupt: twitter und literarische weblogs … ein http://tinyurl.com/paar-statements

etkbooks: @inadaequat die theorie der theoriezerstörung … dieser dialektik ist einfach kaum beizukommen … (gefunden in barthes, neutrum, 302)

inadaequat: @etkbooks tja , was liest denn kollege hab wohl eben ? – un’gschaut ein verdacht , welcher zu folge hat , ganz bargfeld neu zu lesen –

inadaequat: @keinundaber Jörg Drews tot ? – Unfassbar & tragisch für die Bewahrung des Erbes der Avantgarden – http://twurl.nl/a6hsga

inadaequat: Die FR ruft angesichts der US-Verlagskrise „Die Stunde der kleinen Feinen“ aus – Liest man KMB gerne ! http://twurl.nl/tqgd1m

inadaequat: NA ENDLICH ist kookbooks‘ streben nach mäzenen auch in der FAZ angekommen ! http://twurl.nl/4wpj6f

etkbooks: dazu „Warum ist Landschaft schön?“ (könnte ne @Fischli_Weiss frage sein) … das verknüpfen mit der http://tinyurl.com/promenadologie

etkbooks: korrelationen: je schöner die landschaft, desto weniger die dichtung ? … http://tinyurl.com/oderberlin

etkbooks: „Wenn wir noch in Gaubickelheim wohnten, dann wärs ein Klacks“, alice schmidt, http://tinyurl.com/tagebuch1955

_vel: Zooblick

etkbooks: dumont nun also auch verlegerdichter. oder heisst es dichterverleger? http://tinyurl.com/dievilla (expand). lt. klappe wieder mal präzise prosa

inadaequat: “IDIOME – Zeitschrift für neue Prosa” : Mit & über Dieter Roth – HEUTE , Café Burger , Berlin ( wo sonst ? ) http://twurl.nl/daflqg

etkbooks: Am Nordmanntännchen / Im Krisenjahr Kugeln aus / Recyclingpapier #twly #haiku http://tinyurl.com/wartenurbald

etkbooks: ganz blutt: http://ganzblutt.blogspot.com/

litblogs_net: spanfreie Hürden #lbn: spanfreie Hürden http://tinyurl.com/dgre7l

_vel: spanfreie Hürden

_vel: Karthäusis

etkbooks: und zuletzt: „GONCOURT: NEVER WROTE ANY DIARY“: http://tinyurl.com/cacw5r

etkbooks: ron winter qwerty http://www.ronwinter.tv/drums.html

_vel: tribes of the hollow nation

etkbooks: auf WP umgestellt und nun mit feed: http://www.der-goldene-fisch.de/

etkbooks: achtung: beiträge für den open twitterchannel at http://www.litblogs.net/ … signiere mit: #lbn

kühle träume … (u.a.)

1 kühle träume

unterm hemd
von dicken fellen
die entweder
golden oder
davon schwimmen

die pelzigen
zungenschläge
unter die haut

gehenbleiben

2 wie ein gedicht …

wie ein gedicht
zu machen sei
frage die durch-
gehenden pferde
die du durch-
gehen ließest
ohne die möglich-
keit ihnen nach-
zugaloppieren
rufest du aber
kommt vielleicht
eines zurück
dich zu berappen

3 einerlei …

im einerlei
dann verklangen
unter scherzen
die vom bangen

dich in derlei
not befangen
nicht entbanden
aber sangen

wie im wunderschönen monat mai

4 der reim der monochrome …

der reim der monochrome
ihn sich bestell’n
je nach dem idiome
doch ellenweise: kölnder wildnis
widerhallt
dein bildnis :
dich überstrahlt

ein wenglein
dein ah! au!
das zwänglein
macht radau

Es schweben Blumen und Englein

5 dein fragen …

dein fragen
das mich schilt
meiner fragen
umkehrbild

ein stündchen
das sich flicht
(sekündchen
zähl’n da nicht)

verliere
ich, wird’s teur:
der „ihre“
und fürs feur

entzücke
mich! verzicht
aufs glücke
will ich nicht

Aber dich und deine Tücke

Text 3-5 = lyrisches Intermezzo I, XI, XVI (nach vorgeschriebenen Endreimen)

Einsamer Geiger | Textes Trouvés 10

||| GESUCHT UND – ? | SUCHE NACH ANSCHLUSS , REDUX | RELATED | KLANGAPPARAT

GESUCHT UND – ?

Monatelang hing diese Suchanzeige an der Pinwand jenes Copyshops . Eines kleinen Ladens an der Ecke , wo überraschend viele Menschen beim Vervielfältigen von Partituren zu beobachten sind . Nicht- Musiker neigen zu einem gewissen Befremden , werden sie jener Zeitgenossen ansichtig , die scheinbar flüssig in diesen Hieroglyphen lesen . Jener ältere Herr in der Bibliothek . Diese Studentin in der U- Bahn : Vertieft in etwas , was nach aussen den Anschein eines der gelben Reclam- Heftchen trägt , das sich beim neugierigen Check- Blick über die Schulter als musikalische Studienausgabe darstellt . Die Scham , solcherart illiterat zu sein .

Monatelang hing diese Suchanzeige unberührt und um keinen Millimeter verrückt an der Pinwand des Copyshps . Und eines Tages war sie verschwunden . Nun gut , sinnierte man beim Einwerfen der Münzen in den Kaffeeautomaten , nun hat der einsame Musiker Anschluss gefunden . Schrammeln lässt sich’s nun mal nicht solo in der kargen Kammer . Wie schön für den Mann , dass er seinem Musenwunsch nun in Gemeinschaft fröhnen kann .

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SUCHE NACH ANSCHLUSS , REDUX

Hobbygeiger_sucht_Schrammelquartett_Geiger_copyright_Christiane_Zintzen

Die Zeit ging hin und man vergass die Vorstellung vom erst verhinderten , inzwischen womöglich aus künstlerischen Ausübungsnöten erlösten Fiedler . Hielt ihn wohl für fidel . Bis dann , eines tristen Tages kaum ein halbes Jahr später , der Suchruf wieder erschien . Die hilflosen Schriftzüge waren dieselben , ebenso der Appell . Es handelte sich augenscheinlich um genau jenes hoffnungsvolle Dokument , welches zuvor Gegenstand mancher Betrachtung war .

Was war geschehen ? – Suche und Fund , kurzer Jubel und finaler Krach ? – Jedenfalls die traurigste Geschichte in der Historie eines Genres , welches in Ausübung und Auftritt Synonym ist für das , was man einmal “fröhliches Beisammensein” nannte .

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Mehr Glück hinsichtlich des gemeinsamen Musizierens hatten Liesl Ujvary und Oliver Stummer ( aka tomoroh hidari ) bei ihrer Praxis mit Elektronik und der “zauberhaften Klangmaschine” , dem Trautonium . Hier bitte kurz zurückblättern auf den entsprechenden Hinweis . Dass das Experimentieren am und mit dem Instrument für seltsame Soundeffekte ( Filmmusik ) keine czz-hoerempfehlungfröhliche Stubenmusik zeitigen würde , war zu erwarten . Kaum erwartbar indes der Charakter und die Textur des Klangmaterials . Nun ist “trautonium jetztzeit 2008” via MP3 zugänglich .

Nehmen Sie sich Zeit . Und vergessen Sie , was ihnen sonst so als “Musik” ins Hirn rieselt . Lassen Sie sich ein auf Klangfarben , Pastositäten , Verläufe . Hören Sie mehrmals und hören Sie hin . Und es werden Ihnen die ästhetischen und psychoakustischen Reize dieser Sounds nicht verschlossen bleiben . 01. trautonium jetztzeit 1 ( 31:45 –
Liesl Ujvary
) | 02. trautonium jetztzeit 2 ( 4:06 – Oliver Stummer ) | 03. trautonium jetztzeit 3 ( 3:42 – Oliver Stummer ) | 04. trautonium jetztzeit 4 ( 3:35 – Oliver Stummer ) | 05. trautonium jetztzeit 5 ( 8:14 – Oliver Stummer ) | CLICK LINKS TO LISTEN ( WMP ) .

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Die Glasglocke

Sylvia Plath
Sylvia Plath (1932-1963)

Sylvia Plath: Die Glasglocke (auf amazon.de)

Es war ein verrückter, schwüler Sommer, in dem die Rosenbergs auf den elektrischen Stuhl kamen und ich nicht wußte, was ich in New York eigentlich wollte. Bei dem Gedanken an Hinrichtungen wird mir immer ganz anders. Die Vorstellung, auf den elektrischen Stuhl zu kommen, macht mich krank, aber in den Zeitungen war von nichts anderem die Rede – glotzäugige Überschriften, die mich an jeder Straßenecke und an jedem muffigen, nach Erdnüssen riechenden U-Bahn-Schlund anstarrten. Es hatte nichts mit mir zu tun, und trotzdem ließ mich die Frage nicht los, wie es wäre, die Nerven entlang bei lebendigem Leib zu verbrennen.

Ich dachte, es müsste das Schlimmste auf der Welt sein.

Dabei war New York schon schlimm genug. Um neun Uhr morgens hatte sich die trügerische ländlich feuchte Kühle, die nachts irgendwie hereingesickert war, verflüchtigt wie das Ende eines angenehmen Traums. Tief unten in ihren Granitcanyons zitterten die heißen Straßen unter der Sonne wie graue Luftspiegelungen, die Dächer der Autos glühten und glitzerten, und trockener Staub wehte mir wie Asche in die Augen.

Im Radio und in der Redaktion – überall war von den Rosenbergs die Rede, bis ich an nichts anderes mehr denken konnte. Es war wie damals, als ich zum erstenmal eine Leiche sah. Noch wochenlang tauchte der Kopf dieser Leiche – oder vielmehr das, was von ihm übriggeblieben war – beim Frühstück hinter den Spiegeleiern mit Schinken auf oder hinter dem Gesicht von Buddy Willard, der schuld daran war, daß ich die Leiche überhaupt gesehen hatte, und bald hatte ich das Gefühl, ich würde diesen Kopf an einer Schnur überall mit mir herumtragen, wie einen schwarzen, nach Essig stinkenden Ballon ohne Nase.

Sylvia Plath, aus: »Die Glasglocke«
© Suhrkamp Verlag 1997

••• Kaum ein Buch hat mich je einem derartigen Wechselbad der Gefühle ausgesetzt wie während der letzten Tage »Die Glasglocke« von . Wie hier letztens peinlicherweise in den Kommentaren zu lesen war, habe ich die »Glasglocke« vor Jahren von der Herzdame geschenkt bekommen, aber nicht lesen wollen und weiter verschenkt. Das war herzlos genug der Herzdame gegenüber, aber es war auch eine Respektlosigkeit gegenüber der Plath. Davon konnte ich mich jetzt überzeugen.

Wenn ein Roman so beginnt wie oben zitiert, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Tatsächlich fühlte ich mich während der ersten Kapitel vollständig verzaubert. Was erzählt – das Praktikum einer 50er-Jahre-Ostküsten-College-Absolventin bei einer großen Frauenzeitschrift in New York – war eigentlich nebensächlich. In der Art, wie Plath erzählt, könnte sie mir die belangloseste Story berichten, und ich würde noch immer mit ungetrübter Begeisterung lesen. Ihr Stil ist quellwasserklar. Aus leichtestem Erzählschwang schwingt sie sich in poetische Beschreibungen von großer Intensität. Und die Naivität, die immer wieder aufschimmert und der Protagonistin ja ganz angemessen ist, macht alles nur noch frischer.

Je länger ich in dem klaren heißen Wasser lag, desto reiner fühlte ich mich, und als ich schließlich aus dem Wasser stieg und mich in eines der großen, weichen, weißen Hotelbadehandtücher hüllte, kam ich mir rein vor und frisch wie ein neugeborenes Kind.

Das beschreibt so in etwa mein Gefühl bei der Lektüre. Hinzu kam allerdings noch eine gehörige Demutsanwandlung angesichts dieses erzählerischen Könnens.

Dann aber – so ab ca. Seite 120 – war die Freude vorbei. Die Protagonistin kehrt aus New York in ihren Ostküsten-Vorort zurück. Sie hatte sich mit einem Text für einen Sommerschreibkurs an ihrem College beworben. Ein berühmter Autor sollte ihn halten. Zu Hause nun lag aber wider Erwarten die Ablehnung. Diese Enttäuschung leitet eine psychische Krise ein, die in einem Selbstmordversuch gipfelt, dort aber noch lange nicht endet. Die Erwähnung der Rosenbergs und des elektrischen Stuhls am Anfang ist sicher kein Zufall. Denn das Brennen unter den Stromstößen der Eltroschocktherapie in der Anstalt, in die sie eingeliefert wird, dürfte die Assoziation provoziert haben.

So wie die Wahrnehmung der Protagonistin immer fragmentierter wird, »fragmentieren« auch Erzählweise und Sprache im zweiten Teil des Romans. Wo Plath zuvor fulminant erzählt hat, skizziert sie nun nur noch, lässt Bilder und Situationen nur kurz aufschimmern. Das Lesen wird schwierig. Noch schwieriger aber wird es, das Erzählte zu verkraften. Keine Lektüre für seelisch labile Leser.

Natürlich beschäftigt mich als Autor die Frage, ob der Stilbruch bewusst gesetzt ist oder ob die »Höhe« des Anfangs einfach nicht zu halten war. Aber es spielt eigentlich keine Rolle. Gelesen haben muss man das Buch auf jeden Fall.

ALPHABETICAL ABISH


||| WELCOME TO VIENNA | ALPHABETICAL AFRICA | HOW GERMAN | FELIX AUSTRIA | PRÄSENTATION & DISKUSSION | FURTHER READING | KLANGAPPARATWELCOME TO VIENNA
Dioscur alt vorne

I walk along Mariahilferstrasse / looking for Mariahilferstrasse / I’m on Mariahilferstrasse / and I can’t find it .

Wer in solch Bernhardesker Manier die Strassen seiner Kindheit durchwandert , selbige mit seinem erwachsenen Bewusstsein allerdings nie zur Deckung bringen kann , ist WALTER ABISH , jener Schriftsteller , dessen Werk für Werk in je neuer Schreibweise gewachsenes Oeuvre in direkter Relation steht zum ständigen Neubeginn eines durch die historischen Situationen des 20. Jahrhunderts ins “unruhige Wohnen” gezwungenen Lebens .

Leicht zu finden – just von der zitierten Mariahilfertrasse aus – ist die Buchhandlung phil ( vis à vis dem Café Sperl ) , wo heute ( 20 H ) der im Weidle- Verlag zusammen mit der Exilbibliothek verwirklichte Materialienband “Walter Abish . 99 Arten das Ich und die Welt zu erfinden – Materialien und Analysen” ( hg. von Robert Leucht ) vorgestellt wird .

Der ständige Wechsel der Binnen- Poetologie in Abishs Erzählungen ( “Duel Site” , 1970 ) , Sprachexperimenten ( “Alphabetical Africa” , 1974 ) , Romanen ( “How German Is It | Wie deutsch ist es” , 1979 | 1980 ) und einer hochartifiziellen Autobiographie ( “Double Vision : A Self-Portrait” , 2004 ) erschwert eine synthetische Abbreviatur ebenso wie die unfreiwillig inkonsistente Vita , deren Formulierung wir uns kurzerhand aus dem anzuzeigenden Band borgen :

Walter Abish wurde 1931 in Wien geboren, floh mit seinen Eltern vor den Nazis nach Frankreich, später nach Shanghai; er lebte dann einige Jahre in Israel, ging aber, weil er seine Hebräischkenntnisse als ungenügend empfand, für kurze Zeit nach England, bevor er schliesslich Ende der fünfziger Jahre in die Vereinigten Staaten übersiedelte. Vor diesem Hitnergrund verwundert es nicht, das Abishs erster Roman, Alphabethical Africa, das Thema von Identität und Sprache aufgreift .

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ALPHABETICAL AFRICA

Dioscur alt hintenDas Zitat entstammt einer NZZ- Rezension von Jürgen Brôcan , die das Wagnis des Schweizers Schriftstellers Jürg Laederach , einen im Buchstäblichen Englisch sprachspielenden Roman ins Deutsche zu übertragen ( Alphabetical Africa | Alphabetisches Afrika , Deutsch von Jürg Laederach , Urs Engeler Editor ) würdigt , weniger allerdings die Manierismen und idiosynkratischen Hinzudichtungen des Übersetzers goutiert .

Das entlang der 26 Buchstaben des Alphabets erst auf- , dann absteigend erzählte getüftelte Werk mag zweifellos an der arbiträren Regelästhetik von OuLiPo inspiriert worden sein ( Stefanie Leuenberger ) , verweist zugleich in der Zerprengung von Identität und Erzählung auf das Prinzip “nomadisierender Schreibverfahren” ( Gilles Deleuze ) , wenn nicht gar auf die “roots” der Sprache in Roman Jacobsons Lesart .

Zeitgenössische Kritiker wie Richard Howard im TLS 1974 wollten das buchstäbliche Vordringen ins Innere AFRIKAS ( vulgo : DER SPRACHE ) eher freudianisch aufgeladen sehen :

… the continent Africa shaped like the human heart and the female genitals ( ….) and he [ Walter Abish ] is concerned , is obsessed to possess, to violate her by his literary fetish –

Die wirkliche Lust ( am Text ) stellt sich allerdings erst bei Ansicht der konkreten Sprachgestalt ein . Hier der Anfang des Buches bei Abish :

Ages ago, Alex, Allen and Alva arrived at Antibes, and Alva allowing all, allowing anyone, against Alex’s admonition, against Allen’s angry assertion: another African amusement … anyhow, as all argued, an awesome African army assembled and arduously advanced against an African anthill, assiduously annihilating ant after ant, and afterward, Alex astonishingly accuses Albert as also accepting Africa’s antipodal ant annexation. Albert argumentatively answers at another apartment. Answers: ants are Ameisen. Ants are Ameisen ?

Hier in der Übertragung durch Jürg Laederach :

Am Anfang allen Anfangs Alex, Allen, an Alvas Arm. Ankunft Antibes, Aussichtsterrasse, alter Ankerplatz. Als Alvas Aussehen alle anzog, allerhand Anzügliches anregte, als Alex Abmahnungen ausstieß, als Allen ärgerlich atmete, artete alles auf Anhieb aus: Abermaliges abgedroschenes afrikanisches Amüsement … Achje. Auch argumentierten alle, alte angsterweckend angeschwollene afrikanische Armee avanciere, attackiere andauernd afrikanische Ameisenhügel, Ameise auf Ameise abschlachtend. Als Alex anschließend alte Ansichten abermals ausformulierte, amtierte ausgerechnet Albert als Angeschuldigter: angeklagt ausserordentlicher Akzeptanz aller Ameisen-Annexion, Ausführende: Antipoden. Anderes Apartment: Albert arbeitet ausbaufähige Antwort aus, argumentiert anti Armee. Antwort: Ameisen als ‘ants’. Ameisen als ‘ants’ ?

Zum Vergleich noch eine weitere Übersetzung , die , zitiert in “99 Arten” , von Hanna Muschg unternommen worden war :

Ausserdem Alva, attraktiv, anstössige Aufforderung an alle aufrechten Afrikaner, aufstachelnd andererseits auch allerlei analytisch aggressive Autoren-Antizipation. Autor A. arbeitet an Alva annäherungsweise, anatomisch, affirmativ, aberwitzig, aber auch anschaulich.

Dass hier kein loses Lettern- Spiel getrieben wird , sondern als konsequenter text- und sinngenerativer Faden sich quer durch Abishs Oeuvre spannt , weist Stefanie Leuenbergers äusserst aufmerksamer Aufsatz bemerkenswert nach : Das Hereinfunkeln des deutschen Begriffes in “ants are Ameisen” antizipiert gleich zu Beginn ein später im Verlauf der Ereignisse auftauchendes Buch über “Die Ratsame und Nützliche Ausrottung der Gefährlichen Afrikanischen Ameisen” . “Dieser Titel” , so Leuenberger ,

parallelisiert die Ameisen mit den Verfolgten der Shoah. Philippe Cantié hat darauf hingewiesen, dass die Ameisen im Text überall gegewärtig sind: Das Morphem ‘ant’ ist in Toponymen wie ‘Antibes’ enthalten, in den Substantiven ‘Ashanti’ und ‘antelopes’, in Verben und Adjektiven wie ‘antagonizing’ und ‘antipodal’, fungiert als Suffix (’arrogant’) oder erscheint in der Wortwurzel (’anthem’, ‘anthropologists’). Versteckt und doch anwesend, bilden die Ameisen den verborgenen Text des romans. Somit verbindet Abish das deutschsprachige Wort mit dem in Nachkriegsdeutschland verdrängten Teil der Vergangenheit, der besonders in Abishs Roman How German is it | Wie Deutsch Ist Es (1980) zum Thema werden sollte. In Alphabetical Africa sind es Hermann und Gustaf, Figuren, die Gewalt, Unersättlichkeit und Grössenwahn verkörpern, die das deutsche Wort mit sich bringen.

Hier die ent- sprechende und eindrücklich brutale Passage , die es wohl wert ist , in voller Länge abgetippt zu werden :

Gobbling gestopfte Gans, gobbling Gabelfrühstück, gobbling goulash, gobbling Geschwind, Gesundheit, Gesundheit, gobbling Gurken, Guggelhupf, Gash Gash, Gish Gish, groaming, grunting, also complaining, chewing Grune Bohnen, Geschmackssache, as Germany grows greater, Alarmed, Gabon grows addittional food for Gustaf, and Gustaf’s children, Gerda, Grete and Gerhard. Gifted Grösseres Germany consumes energy and guarantees greatness, get going, grow another Goethe, great guy, claims Gustaf, as all Grundig gramophones in Gabon, gently croon: Goethe, Goethe, Goethe.

Den “Goebbels” hört man – diesmal kommtentieren wir in|ad|ae|qu|at – in diesem radikal rhythmisierten Rap deutlich heraus , ohne dass dessen Name genannt zu werden brauchte . Auch steht die in der Figur Heinrich Himmlers versinnbildlichte germanische Gefrässigkeit assoziativ durchaus bei Fuss .

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HOW GERMAN

Dioscur alt vorneVon diesem Malstrom der abgründig kontaminierten Sprach- , Klang- , Assiziations- und Sinnbilder ist es nicht weit zu “How German is it | Wie Deutsch Ist Es ( 1979 | 1980 ) , wo aus beizenden Übertreibungen und Klischees eine Art Märklin- Szenario errichtet wird , welche das Land , seine Ungeister und Wiedergänger zum Kenntlichen entstellt .

Als just in der geschilderten süddeutschen [ „Würtenburg“ ] Propperkeit ( bis hin zum Heidegger’schen [ „Brumhold“ ] Todtnau und den überall vergrabenen Leichen ) aufgewachsener Zeitgenosse , gibt sich in|ad|ae|qu|at angesichts dieses persönlichen Grundbuches befangen und zitiert aus der in “99 Arten” abgedruckten Rezension Michael Krügers :

Es werden keine Antworten gegeben, sondern Fragen gestellt; Deutschland wird nicht der Prozess gemacht, sondern der Prozess, in dem Deutschland sich befindet, wird illustriert. ( … ) Die Frage, ob der von Walter Abish inszenierte Totentanz ein wahres Bild wiedergibt, ist sekundär gegenüber der Leistug selber: So klug, moralisch und witzig ist von deutschen Schriftstellern schon lange nicht mehr über Deutschland geschrieben worden.

Wirklich “witzig” vermochte in|ad|ae|at dieses ätzend präzise Panorama zwischen den Relikten des Zweiten Weltkriegs , der postwirtschaftwunderbaren Fussgängerzonen- , Kaufhaus- , Mustersiedlungs- Aufgeräumtheit und dem Deutschen Herbst nicht wirklich zu finden : Der Vater des RAF- Terroristen Christian Klar war der beürchtigt autoritäre Direktor des Kreisstadt- Gymnasiums und als Kinder sammelten wir Waffen und Munition aus zersprengten Bunkern . Ski- Stunden am Heideggerberg . Abish trift dies alles – trotz oder wegen manch grotesker Verfremdung – beängstigend genau .

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FELIX AUSTRIA

Dioscur alt hintenAber auch Wien – Herkunftsort des Vertriebenen – kriegt auf allerlei kuriose Weisen sein irrwitziges Fett weg . In “99 Arten” beschäftigt sich Walter Vogl anhand der Story “Mehr über Georges” mit dem Wien- Bild des Autors .

Ort der Handlung : Kleinstadt Vienna , Maryland . Anlass : Feier zur xten Wiederkehr der Befreiung Wiens von der Türkenbelagerung . Kulisse : An allen Häusern und auf allen Plätzen die rotweissrote Fahne samt Doppeladler .

Zitat Abish :

In ihrem Eifer, ihrer Liebe zu Wien hatten die Bewohner des Städtchens (sogar) eine Kopie des Stephansdoms aufgestellt. Er war fünfmal kleiner als das Original, aber dreimal so gross wie der in Vienna, Maryland, 420 Einwohner.

Vogl analysiert das idiosynkratische Werk Walter Abishs – wir schreiben das Jahr 1983 – unter dem Aspekt postmoderner poetischer Verfahren :

Zwischen den Schwenks der erzählerischen Kamera ( … ) , dem Jonglieren mit immer schon vorgeprägten Fiktionen, blitzen eigentümlich verwischt und zweideutig die Sinnangebote unserer Kultur auf. Immer, wenn wir Abish auf ein bestimmtes Thema festgelegt zu haben glaubten, ist er uns auch schon wieder entwischt.

Dass Abish auch sich selbst – speziell das Selbst der Erinnerung – kontinuierlich entwischt , akzentuiert der glänzende Essay über “Abish und Proust” des amerikanischen Philologen Maarten van Delden .

Hier wird Abishs autobiographische Irritation “Double Vision : A Self-Portrait” ( 2004 ) in Relation gesetzt zu Prousts legendärer “Recherche” . In beiden Fällen entsteht eine charakteristische Diskordanz zwischen den Orten der Erinnerung und deren realer Gegenwart . Dabei tritt insbesondere “the disjunction between the utterly agreeable amtosphere of present- day Vienna and the flickering memories of the city’s Nazi past” zu Tage .

It is here that Abish most clearly employs the Proustian device of contrasting two visions – the child’s and the adult’s. Looking back upon his childhood, the author is clearly puzzled by his failure to comprehend the political events that led to his family being forced out of their Viennese home – and to the death of his father’s mother, sisters, and brother in the Nazi camps.

Grund für die Verkennung mag einerseits das Alter des damals Sechsjährigen gewesen sein , anderseits der Umstand , dass die Familie ein assimiliertes Leben führte und sich nicht unmittelbar als jüdisch empfand . Über die Deportation der väterlichen Angehörigen wurde en famille ebenso wenig gesprochen wie über deren Erschiessung bei Maly Trostinez . Erst angesicht der Fotos von zum Strassenbürsten gedemütigten Juden wird sich der Erzähler des unüberbrückbaren Grabens ziwschen subjektiver Erinnerung und rationaler Kenntnisnahme bewusst .

Poetologisch entsteht dadurch – bei Abish nicht minder als bei Proust – “a persistant narrative instability” , Resultat einer “epistomological orientation marked by doubt and uncertainty”.

Womit Walter Abishs in buchstäblichem Sinne zu verstehende Weltliteratur – vermutlich sogar contre coeur und trotz einiger Features des amerikanischen Postmodernism – wiederum inmitten der Wiener Schule des Wahrnehmungs- und Sprachzweifels angelangt wäre .

Bleibt nur zu hoffen , dass Unternehmungen wie dieser feine Digest zur deutschen Neuausgabe von “Wie Deutsch Ist Es” führen . Es muss ja nicht unbedingt wieder bei Suhrkamp sein …

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PRÄSENTATION & DISKUSSION

Dieses und anderes zu diskutieren , mag heute abend Gelegenheit sein , wenn Herausgeber Robert Leucht dieses exzellent edierte ( genaue Bio- und Bibliographie ) und vielfältig inspirierende Buch präsentiert .

Mit Beiträgen von Jürgen Brôcan , Michael Krüger , Jürg Laederach , Robert Leucht , Stefanie Leuenberger , Sonja Osterwalder , Helmut Schödel , Janusz Semrau , Maarten van Delden , Walter Vogl , Paul West , Helmut Winter , Bio- und Bibliographie , in deutscher sowie in englischer Sprache –

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FURTHER READING

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KLANGAPPARAT

Einem neuen Sound- Überflieger gesteuert von Handen unseres Nachtflug- Piloten Tom Larson werden wir in|ad|ae|qu|at sicherlich nie die czz-hoerempfehlungLandeerlaubnis entziehen : Die gibt’s tax- und kerosinfrei im Abonnement bei Mixotic . Heute “Night Drive Music Labelmix Vol.2” . – Dank kraftvoll angedrehter Sequenzer- Propeller erhält sich die drängende Energie auch in den stilleren Schwebephasen . Gelegentliche Turbulenzen beim Spalten von Wolkenwänden sind ebenso systemisch wie die anschliessenden Klangfarb- und Harmonie- Lichtwechsel . Wählen Sie die Luftbrücke Ihres lustvollen Vertrauens . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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Inhalt 02/2008

Die Lesezeichen-Ausgabe 02/2008 erschien am 15. Juli 2008.

In dieser Ausgabe:


Rad- und Randblicke, gehälftete Nachbarn und erbrochene Vomitive, Joseph Brodsky und bewusstseinserweiternde Drogen, Misses Frettle und die Ordnung, Bibliotheken und Schriftzeichen auf Klopapier, Playboylovers und Space Monkeys, Frachter und Schiffshörner, Perlhühner und Tauben, Hände und Füsse, Balkon und Küche, Kanzelreden und Deutungsmächte uvm.

INHALT:

20.05 – 20.07 Uhr MEZ : Krapp im Chat

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20.05 – 20.07 Uhr MEZ : Krapp im Chat

[Login OK]
[Krapp joined channel Welcome!]
[82users in channel Welcome!]

RickJ2!!: Bye bye.
Krapp: „Have just eaten I regret to say three bananas and only with difficulty refrained from a fourth.“
Gulli_S2: Hotmail?
[katsu left channel Welcome!]
UrFixation: Omg, stop it with the banana story.
Krapp: „Fatal things for a man with my condition.“
2005Guy!!: Ur…is getting visuals..lol
Gulli_S2: Hotmail
[muff’ joined channel Welcome!]
Krapp: „Extraordinary silence this evening.“
UrFixation: lol
UrFixation: I am
RickJ2!!: Some old stories krapp.
[muff’ left channel Welcome!]
Devilish.fr is away from keyboard.
UrFixation: Flashbacks
UrFixation: lol
Gulli_S2: Fuck you!
Krapp: „I strain my ears and do not hear a sound.“
RickJ2!!: lol
[Gulli_S2 left channel Welcome!]
2005Guy!!: I bet…not pretty
UrFixation grins evilly.
RickJ2!!: Watch out gulli
Krapp: „Just been listening to an old year, passages at random.“
[2HOT4YOU left channel Welcome!]
AngusYoung: I just found out i have lung cancer and it sucks!
RickJ2!!: aww
Krapp: „I did not check in the book, but it must be at least ten or twelve years ago.“
UrFixation: Where did that come from?
[GuitarAddicted left channel Welcome!]
2005Guy!!: Woaw.
[Playboylovers joined channel Welcome!]
Krapp: „Now the day is over.“
2005Guy!!: Zackly.
SlicKgirl: Should i simply mute him?
[Muff joined channel Welcome!]
RickJ2!!: Same stories krapp, right?
[Kalkan left channel Welcome!]
[Space Monkey left channel Welcome!]
Muff greets all.
Krapp: „Night is drawing nigh-igh.“
[Porto-boy joined channel Welcome!]
2005Guy!!: I thought i just had dezavu…
RickJ2!!: Get it??
Playboylovers: hi dudes
Playboylovers: lol
Krapp: „Shadows.“
2005Guy!!: Don’t know how to spell it..lol
[AngusYoung left channel Welcome!]
RickJ2!!: Hey baaby
[Bryan1997_4_you joined channel Welcome!]
[Desiree left channel Welcome!]
Bryan1997_4_you: Hi all
Muff: Chess game anybody?
Bryan1997_4_you: Anyone wanna chat
RickJ2!!: Krapp do you know english?
[Andriy!!!! left channel Welcome!]
[Lana-puma-hoty joined channel Welcome!]
19-m-Francais: Kein Deutsch hier?
UrFixation: Nein
Muff: RickJ2 do you fancy me.
Krapp: „Past midnight. Never knew such silence. The earth might be uninhabited.“
Thebigone greets all.
[BlackScorpion left channel Welcome!]
[JoeNY left channel Welcome!]
Bryan1997_4_you: hi courtney
RickJ2!!: what u mean muff
[Country-Boy joined channel Welcome!]
Muff: RickJ2 why do u ignore me?
Porto-boy greets all.
[Krapp left channel]
[Welcome!]

Play it again : FÜR den Bachmannpreis und WIDER die Literaturschulen – Eine Übertragung


||| IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE | IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG | “EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN | DEALS DER JURIEN | FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT | AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM | ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE

TDDL 2008 banner 300pxMusste man über Jahre hinweg lesen die stereotypen Stoss- Seufzer über den Bachmannpreis am ( Vorsicht : Wortspiel ! ) Wörther See und wie man sich abends bei Maria Loretto im berühmten Fischrestaurant unter den gruselig präparierten Fischköpfen an den Wänden ( Vorsicht : Bildwitz ! ) beim Gastmahle traf und wie dort oder auf den literaturjournalistischen Amateur- Fussballfeldern der Ehre es die Outsider den Insidern gaben

Musste man alljährlich lesen dieselben Protokolle von Outfits und Aussagen ( halbprivat ) , dasselbe Raunen über die echten , aus dem Genusse geistiger Getränke ergossenen Literaturbetriebswahrheiten …., so rächt sich das Feuilleton in diesem Jahr unisono mit Groll und Hohn für die Verknappung seiner Sport- und Spielwiese von zwei auf vier Tageslängen .

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IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG

picto TVIn chorisch harmonierenden Einzelstimmen wendet man sich gegen die Layoutierung der Show zu Zwecken und zu Gunsten der 3- sat- TV- Übertragung . Im fernsehgerechten Format , so der beleidigte Tenor ( Die Presse , taz ) , verwandle sich Literatur eben in jenes Ärgernis einer “prime time”- ( Der Standard ) , “Mittelstands-” ( DIE WELT ) , “Vita contemplativa”- ( FAZ ) und “Langweile”- ( NZZ ) Veran- oder –unstaltung , als welche sie sich anno 2008 den vor Ort Wesenden präsentierte .

Keiner mochte da einlenken , dass es eben die Fernsehübertragung sei , welcher die Juroren ihre Prominenz ( und guten Gagen ) danken , die im Besonderen allerdings dafür garantiert , dass Literatur im Feuilleton weiterhin für “der Rede wert” befunden wird . Anderseits gestattet just die Fernseh- Übertragung eine Teilhabe Vieler an einem lokalen “Event” : eine Zeugenschaft , welche die Lesungen selbst – allerdings auch die Leistungen der Jury , nicht zuletzt aber auch die Beurteilungen durch das Feuilleton – ÜBERPRÜFBAR macht .

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“EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN

picto TVSomit gerät die Oberhoheit der Kanzelrede und der exklusive Deutungsmacht des Feuilletons ins Wanken : Prompt reagiert das Feuilleton auf die solcherart “globalisierte” Information , indem es die Stadt Klagenfurt ebenso kleinredet und zur kleingeistig- protofaschistischen Provinz ( DIE WELT ) erklärt wie überhaupt den ganzen Bewerb inklusive der Juroren samt der von ihnen “vorgeschlagenen” und diskutierten Text- und Autoren- Funktionen .

Denn aber , hallo und sorry , möchten wir bescheiden daran erinnern , dass Klagenfurt noch immer ein Erbmöbelstück der “Gruppe 47″ ist und von deren berüchtigten Meetings , deren Lesungen und deren , jedem Widerspruch abgeneigten Ab- Urteilungen derer , die da lasen . Die , die da lasen , waren ( siehe : das Prinzip der “Einladung” bzw. der Juroren- Vorschläge ) selbstverständlich nur ein Teil “sie selber” . Der Löwenanteil war und bleibt allerdings das , womit sich ein Juror zu profilieren gedenkt , WEN er ins Rennen schickt und WAS er der Arena des Sammelkampfes vorwirft … zur Augenweide oder zum Frasse .

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DEALS DER JURIEN

TDDL 2008 banner 300pxWas das Juryprinzip ist in vielen verschwiegenen Versammlungszimmern , an Tagungstafeln und bei Konferenztisch- Kaffee aus Thermoskannen vollzieht , liegt in Klagenfurt vor Aller Augen . Deals , Kontrakte , Freundlichkeiten im Austausch gegen Imagepunkte , oder – bei Schlagseite des eigenen Kandidaten : der schnelle Seitenwechsel und Überlauf , der mit rhetorischer Verve überbrüht werden muss , damit der Sieger als selbstgekochtes Süppchen verkauft und vertreten werden kann .

Ja mei : All das ist hinlänglich bekannt . Was aber nun , wenn wir zugucken dürfen ( live dabei sein ! ) in der durch die Fernsehkameras und die hitzige Ausleuchtung nachvollziehbar unangenehm schwül- bedrückten Arena ? – Seit zwanzig Jahren weder im Besitze eines TV- Apparates noch des Animo , sich leiblich dem “Betriebsausflug” auszusetzen , hat in|ad|ae|qu|at das sogenannte “Wettlesen” stets via Feuilleton- Rapports und Insider- Witzen rezipiert . Und dabei Hunderte der oben genannten Fischessen , Fussballschweisstreibereien , Beschwipstheiten und Ausflügen ins lokale Puff nachlesen dürfen . Wenn im September dann oder im Oktober der jährliche Band “DIE BESTEN” bei Piper erschien , konnte und wollte sich eh Keiner mehr an das frühsommerliche Klagenfurt erinnern .

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FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT

picto TVNun aber hat das Netz auch für fernsehfrei lebende Zeitgenossen die “Zugänglichkeit” zu diesem eminenten Ereignis der Eliten von Feuilleton und Sozial- Performanz ermöglicht . Und solche “Zugänglichkeit” zu höherer – menschlicher , kultureller , emotionaler – Bildung gilt mittlerweile als Menschenrecht . Na gut , machen wir von solcher “Zugänglichkeit” via “Stream on Demand” Gebrauch und vollziehen “Klagenfurt” im totalen Echtzeit- Selbsttest und unter verschärften Bedingungen von sukzessiver Mitschrift und Fortverlinkung mit : Vierzehn Stunden lang an Bildschirm und Tasten , plus Mittagspausen usf.

Hier das Testergebnis : Auch unter den eingeschränkten Erwartungen , was ein Stream- Bild an Qualität vermitteln kann , ist der visuelle Faktor erbarmungslos kläglich . Im Chiaroscuro eines nur spotmässig ausgeleuchteten Studios verhindern abstruse Kamera- Totalen eine Konzentration auf den logisch zu fokussierenden Sprecher . Tritt selbiger allerdings – egal , ob gebeugter Autor , gestikulierender Juror oder bräselnder Moderator – ins Bild des Nah- Objektivs , erstarren die Talking Heads hinter der dick aufgetragenen und unvorteilhaft angestrahlten Maske . Da man Menschen , welche man schätzt und kennt , nur ungern in solcher Ensor’schen Masken- Übermalung betrachtet , verlegt man sich bald aufs Abblenden . Und siehe : Man beginnt zu HÖREN . ZUZUHÖREN sogar .

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AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM

TDDL 2008 banner 300pxUnd statt des blauen Studios erleben wir das blaue Wunder der Verwandlung eines “Literaturwettbewerbs” in ein HÖRSPIEL in Echtzeit : Mit den klassischen Chargen , Beschleunigungen und Retardierungen , Strophe und Refrain , Solo und Chor sowie viel lokal gefärbter Sprachmusik . Da treten die ausgestellten ( literarischen ) TEXTE als ebenso subjektive STIMMEN und CHARAKTERE auf wie das Geplänkel der Juroren , deren ebenso ausgestellten Bekenntnis- TEXTE und kulturtheoretische ROLLENPROSA . Solcherart sind wir – auch über manche Mühen der Textebenen ( aller Fraktionen ) hinweg – in den Genuss eines selten so unterhaltsam vernommenen HÖRSPIELS gekommen .

Fazit : Wenn schon das Radio sein Selbstbewusstsein als AKUSTISCHES Medium hinter Internetbildchen , LOGO- Optik und visuellen User- Interfaces am Handy verleugnet , wird man fortan das live übertragene , respektiv netz- gestreamte oder ON DEMAND abgespielte TV- BILD als neues Radio gebrauchen . BILD AB , TON AUF : Lass es jazzen , Mann , horch hin und maule nicht .

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ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO

picto TVUnd WENN man sich zu Klagenfurt bzw. in den Redaktionsstuben postum seit Jahren über die ( Vorsicht ! ) “gut gemachten , aber …“-Schreibstücke beklagt , dies Jahr erstmals auch über die ( Vorsicht ! ) “gut vorgelesenen , aber …“-Texte , dann schliesse man doch bitte endlich und einfach die VEBs der Literaturschulen und entlasse deren renommierte Lehrer , welche eben die SERIENTEXTE und -BEFINDLICHKEITEN mitproduzieren , über die sie und ihre Kollegen dann öffentlich mäkeln . Sorry : Bei diesem Betriebsspiel werden Menschen verbraucht … Der Rest der Argumentation ist unter der Kategorie “Germany’s Next Topmodel” bzw. “Deutschland sucht den Superstar” ( DSDS ) nachzulesen . Oder hiesse es doch nicht noch besser : “Dschungel-Camp – Ich bin ein Star – holt mich hier raus” ?!

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LINKS

  • Tilman Rammstedt erhält Bachmann-Preis – Der deutsche Autor Tilman Rammstedt hat den renommierten Ingeborg-Bachmann- Preis gewonnen . Der 33-jährige Schriftsteller wurde im österreichischen Klagenfurt für seinen Roman “Der Kaiser von China” ausgezeichnet . Rammstedt wagte etwas , das in Klagenfurt selten goutiert wird : Humor ( Elmar Krekeler , DIE WELT , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis 2008 : Darauf haben wir gewartet ( Oliver Jungen , FAZ , 29. 6. 2008 )
  • Vom Dienstbotenelend der Literatur – Der 32. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb – Mit einer Grossvater- Geschichte holt sich der Berliner Tilman Rammstedt den Ingeborg- Bachmann- Preis 2008 . Seine Erzählung ist komisch , wo die Qualität der sonst noch vorgetragenen Texte fast tragisch ist . Selten zuvor war die Literatur in Klagenfurt so durchschnittlich wie diesmal ( Paul Jandl , NZZ , 30. 6. 2008 )
  • Neuigkeiten aus Klagenfurt – Öl im Getriebe – Beim diesjährigen Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb haben sich die Schriftsteller , die Jury und das Publikum auf die Bedingungen des Fernsehens eingelassen ( Dirk Knipphals , taz , 30. 6. 2008 )
  • Das Jahr der Freundlichkeit – Der 32. Bachmann- Preis ging an den in Berlin lebenden Tilmann Rammstedt – Markus Orths und Patrick Findeis hatten Chancen . Eine Entscheidung , unentschieden ( Cornelia Niedermeier , Der Standard , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis : Ein Tyrann als komischer Held – Tilman Rammstedt gewinnt mit seinem schwarzhumorigen “Der Kaiser von China“ in Klagenfurt . Er setzte sich bei Jury und Publikum durch ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )
  • Literatur , im Wörther See versenkt – Beim Wettlesen zum Bachmann-Preis wird alles den Erfordernissen des TV , der Marke untergeordnet . Ein Text ist aber kein Waschmittel ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Ein Eintauchen in buchstäbliche Liquid Levels gestattet das herrlich verhaltene LOOPZILLA– MIX Numero 60 . Fern von jeder hochsommerlichen czz-hoerempfehlungBeach- Life oder Sonstwie- Fröhlichkeits- Frenesie , bleibt das “Sofa Mix” cool abgedimmt im gangbaren Takt , ohne ins loungig- Beliebige abzudriften : Daniel P. aka “Project Swirl” bedient sich mit seiner exquisiten Mischung aus Releases von Netlabels wie yukiyaki , Thinner , unfoundsound oder clear-cut allerdings nur beim Feinsten . – CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||


“Voyage au bout de la Nuit” – Amnesie und Rücklektüre

Technorati , , , , , , , , , , ||| BEFREMDLICHE AMNESIE | NOTATE I : DER KRIEG , DIE FRAU , DIE HELDENERZÄHLUNG AN DER HEIMATFRONT | KLANGAPPARAT | HINWEISE

BEFREMDLICHE AMNESIE

ERSTER WELTKRIEG Spendenaufruf

Zweifellos vor 15 Jahren die bislang verstümmelte deutsche Fassung von Louis-Fedinand Célines vielstimmiger Vivisektion verschlungen . 2003 dann die erstmals vollständige deutsche Edition in der Übersetzung Hinrich Schmidt- Henkels ( Rowohlt ) gekauft … und – wie die Anstreichungen und Notate im Buch erweisen – unwiderleglich gelesen .

Sonderbar .

Offenbar sind sämtliche Lektüre- Erinnerungen inzwischen auf fremde Konten geflossen . Als hätten Curzio Malapartes “Kaputt” , die Bücher Henri Michaux‘ oder Conrads “Heart of Darkness” die verschiedenen Motive des Céline’schen Wechselbalges von Roman ( Singular ) aufgesplittet und in ihre jeweiligen Topiken aufgesogen .

Dieser Tage dazu einige Notate . |||

NOTATE I : DER KRIEG , DIE FRAU , DIE HELDENERZÄHLUNG AN DER HEIMATFRONT

1914 , Paris – Bardamu als Kriegsverwundeter auf prekärem Abruf : Staunen über das Treiben an der “Heimatfront”

Wir trafen uns meist in einem Café nebenan. Immer häufiger humpelten Verwundete durch die Strassen, oft abgerissen. Zu ihren Gunsten fanden Sammlungen statt, “Tage” für diese und jene, meist für die Organisatoren der “Tage” selbst. Lügen, ficken, sterben. Was anderes zu tun war seit kurzem verboten. Erbittert wurde gelogen, über alle Begriffe, über Lächerlichkeit und Absurdität hinaus, in den Zeitungen, auf Plakaten, zu Fuss, zu Pferde und im Wagen. Alle machten mit und logen um die Wette. Bald gab es in der Stadt keine Wahrheit mehr.

Der wenigen Wahrheiten, die es 1914 hier noch gab, schämte man sich mittlerweile. Alles, was man anfasste, war verfälscht, der Zucker, die Flugzeuge, die Sandalen, die Marmelade, die Fotos; alles, was man las, verschlang, aufsaugte, bewunderte, verkündete, bestritt, verteidigte, all das war nicht als Phantome des Hasses, Attrappen, Maskeraden. Selbst die Verräter waren falsch. Der Rausch zu lügen und zu glauben ist ansteckend wie die Krätze. Meine kleine Lola konnte nur ein paar Sätze Französisch, aber das waren patriotische Phrasen: “Wir kriegen sie! ….” “Komm, Madelon! …” Zum Heulen war das.

So beschäftigte sie sich beharrlich, ja schamlos mit unserem Tod, wie übrigens alle Frauen, sobald es in Mode kommt, für andere mutig zu sein.

ERSTER WELTKRIEG Popaganda Karte

Über die Darstellungs- Taktiken , den namenlosen Tod an der Front zu gerne gehörten Heldenepen zu verklären , wird Bardamu u. a. von einer seiner nächsten Geliebten belehrt . Die ehrgeizige Varietégeigerin Musyne ( “Ihre Entschlossenheit, es auf Erden zu etwas zu bringen und nicht erst im Himmel , war erbarmungslos.”) bringt sich und ihre Aufstiegs- Agenden nicht nur per “patriotischem” Einsatz an Fronttheatern voran , sondern speziell durch die aufgeblähte Epik , mit welche sie – nach Paris zurückgekehrt – dort die “besseren Kreise” buchstäblich blendend unterhält .

Sie wurde regelrecht gefeiert. Ganz närrisch war man nach meiner Musyne, der süssen kleinen Kriegsgegnerin! So frisch und lockig, und dann auch noch eine Heldin! ( … ) Die Poesie des Heldentums ergreift besonders unwiderstehlich all diejenigen, die nicht in den Krieg ziehen und am stärksten jene, die sich gerade enorm am Krieg bereichern. So geht das eben. ( … )

Musyne hatte sich aber auch eine allerliebste Blütenlese von Kriegserlebnissen zusammengesponnen, die ihr so hinreissend standen wie ein keckes Hütchen. ( …) Sie hatte die Gabe, ihre Erfindungen in eine gewisse dramatische Ferne zu verlagern, in der alles besonders eindringlich wurde und es auch blieb. Die Heldengeschichten von uns Kriegern selbst, das wurde mir mit einmal klar, waren daneben vergänglich und viel zu präzis. Meine schöne hingegen arbeitete mit der Ewigkeit. Man muss Claude Lorrain eben glauben, der Vordergrund eines Bildes ist immer abstossend, die wahre Kunst liegt darin, was Wesentliche eines Werks in die Ferne zu rücken, ins Ungreifbare, dorthin, wo die Lüge Zuflucht sucht, jener von den Tatsachen abgemalte Traum, die einzige Liebe des Menschen.

Strategien , wie sie beim patriotischen Poésie- Salon in der Comédie Francaise zur absoluten Groteske geraten ( samt Vorspiel des “heldisch” heulenden Chors der Elektroschock- Patienten des schönäugigen Psychiaters Bestombes ) . Letzterer erinnert uns fatal an Georg Kien , den Bruder des bis zur Autodafé um seine Bücher besorgten Gelehrten in Canettis “Blendung” .

“Die Frau und der Krieg” : Karl Kraus gegen die “Kriegsfotografin” Schalek , Bertha von Suttner über die “Scharpie zupfende” ( = Verbandmull statt Stickereien herstellende ) Weiberwelt in den Wiener Salons anno 1866 . |||

KLANGAPPARAT

Wir weigern uns , nur weil vom Krieg geschrieben wird , auf Musik zu verzichten . Cui bono ? – Damit wären wir wieder mitten in der Lüge der “Pietät” , welche zu “bewahren” es angelegentlich von Todesdingen die czz hörempfehlungBigotterie anrät . Trotzdem und deshalb gibt es da eine nicht zufällig mit PNEUMA benannte EP vorzustellen : Als “Atem” dem Leib , im Griechischen allerdings auch der Seele liiert , umfasst der Titel kurz und bündig das Spektrum dieser körperlich pulsierenden , gleichzeitig schwebenden Klänge . Und dies fern von jedweder Eso . Komponiert hat dieses im besten Sinne unspektakuläre Werk der in der Île de France lebende Alexandre Lehmann . Unter dem Pseudonym Zzzzra haben wir ihn bereits vor einigen Monaten schon einmal vorgestellt . Damals war das Netlabel [ schall ] der Gastgeber , heute ist es deepindub . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Avalanche ( 6:07 ) | 02. Sumo ( 5:12 ) | 03. Pneuma ( 8:28 ) | 04. Grotesque ( 5:52 ) |||

HINWEISE


Relaunch von Litblogs.net

Als Hartmut Abendschein und Markus A. Hediger im Dezember 2004 das Portal für literarische Weblogs in deutscher Sprache Litblogs.net nach dem brasilianischen Vorbild wunderblogs.com aus der Taufe hoben, wollten sie Lesern auf der Suche nach zeitgenössischen Autoren im Netz eine Anlaufstelle bieten. Ein hochgestecktes Ziel, wenn man bedenkt, dass Litblogs.net zu Beginn die Feeds von nur drei literarischen Weblogs anbot. Doch die Plattform wuchs sehr rasch, nach und nach wurden weitere Weblogs bei Litblogs.net gelistet. Heute ist Litblogs.net eine Referenz für literarisches Schreiben im Netz und zeigt die erstaunliche Bandbreite, die Literatur im Internet mittlerweile abdeckt.

Die Betreiber sind sich jedoch bewusst, dass das einfache Einlesen von Feeds im sich rasant entwickelnden Umfeld der Internet-Technologie nicht mehr reicht. Jeder Internetuser kann sich mittlerweile den eigenen Reader mit wenigen Klicks einrichten, wozu braucht es da noch eine nett hergerichtete Internetseite? Das neue Litblogs.net bietet ab heute nun auch mehr: Nebst dem Reader finden Leser nun zu jedem Autor der gelisteten Weblogs auch eine Biographie mit Foto; das integrierte Meta-Weblog „prozesse“, auf dem Beiträge zu Entwicklungen auf und von Litblogs.net und zu Internetliteratur allgemein eingestellt werden können; sowie das Online-Magazin „Lesezeichen“, das viermal jährlich erscheint und die besten Beiträge der Litblogs.net-AutorInnen nochmals prominent ins Scheinwerferlicht hebt.

Lilina, das bis anhin die Technologie für Litblogs.net zur Verfügung stellte, wird von wordpress abgelöst. Damit einher geht auch eine optische Generalüberholung der Seite: moderner, übersichtlicher, freundlicher. Schick.

Wir hoffen, alle Links und Funktionalitäten stehen nun zur Verfügung, freuen uns aber auch – sollte dem nicht so sein – wenn Sie uns kurz informieren …