Schlagwort-Archive: Notizen

Die Fabel von dem Nacktmull und von dem Zebrastreifen auch

oder: Die Fabel von dem keinen Bock.

Kam ein Nacktmull des Weges und wollte sich in den Schatten eines stoppelbärtigen Sukkulents legen, denn er fürchtete sich so vor dem Sonnenflammeninferno (und er hatte blöderweise sein Après-Soleil nicht mit). Aber da stand eine Gnuherde in Einerreihe Schlange vor dem Sukkulent und scheuerte sich individuell am Stoppelbart. Als sich die Gnuherde fertig gescheuert hatte – das dauerte nämlich 40 Tage und 39 Nächte lang (oder verlangt die Fabel Kleinheit von Ort, Zeit und Handlung?! – Hab ich vergessen) – war der Schatten des Sukkulents so dünn geworden, dass der Nacktmull, ein Tier, das sowieso zeitlebens aus der Not geboren ist, es halbherzig vorzog, im Lee der Gnuherde mitzuwandern. Sie kamen an einen Zebrastreifen.
„Man sollte immer von Gelb zu Gelb springen, sonst hast du geschissen, wenn dich einer auf dem Grauen über den Haufen fährt (wegen der Lebensversicherung)“, riet die Gnuherde dem Nacktmull.
„Ach so“, sagte der Nacktmull.
Nachher kamen sie zu einem Kebabtakeaway.
„Achte immer gut drauf“, mahnte die Gnuherde, „dass die da drin kein Gnufleisch verwursten!, unter dem Scharf merkst dus vielleicht nicht“.
„Oukidouki“, sagte der Nacktmull.
Dann kamen sie an eine Riviera. Dort klebte an einem Marmorbrocken ein ziemlich mondänes Seegürklein und flörtete mit einem keinen geilen Bock.
„Pack den keinen Bock beim Einhorn!“, ätzte das Feld der Gnuherde, und „man muss Seegürklein mit Essig einreiben!“, grölte die Vorhut der Gnuherde (die vordere Nachhut bestellte gerade Vegikebab, die hintere Nachhut hüpfte noch von Gelb zu Gelb).
Das geht irgendwie zu weit, hätte der Nacktmull jetzt einwenden müssen. Aber er sagte zu der Gnuherde: „Na wenn du meinst.“

Und die Moral von der Geschicht
ist
ich weiss auch nicht
was ein Nacktmull (Mist!, das passt da nicht rein
in das Gedicht)
ist.

Eine Gnuherde schon. (Aber das passt auch nicht rein.)

#lbn (06/09)

(über, live)

#Hörspiel – Tagungsband als BoD: vielleicht hinsichtlich (publikations)form und inhalt von interesse ? #radiokunst http://bit.ly/143siM

#Hörspiel | female subversion – Sabine Bernardi – RIOT GIRLS – WDR Eins Live, 23 H #radiokunst | http://bit.ly/3bS9c3

#Hörspiel | Portrait Klaus Gmeiner ( Schnitzler „Weg ins Freie“ Sommer09 ) – Ö1, 21 H #radiokunst | http://bit.ly/3UzHtB

#Hörspiel | Lebensspuren AB | Ursendung – Helmut Mittermaier – :am dienstag um neun …- SWR 2, 19:20 #radiokunst | http://bit.ly/RU6ct

http://www.rottenkinckschow.de/ visp: cotten-rinck-scho.

RT @fabeblau: michael jackson ist gestorben.

“Vor allem muß man den Spieß kaputt machen.” .. foucault-texte online http://bit.ly/WIcRf

#Bachmannpreis 2009 : Alle Gewinner im Update – ganz ohne Spassfraktion diesjahr – #preis# http://bit.ly/1a3Ah4

#Bachmannpreis 2006 – Publikums- und Online- Preis an Karsten Krampitz‘ „Heimgehen. Eine Novelle“ (genial vorgetragen) #preis

#Bachmannpreis 2009 – Ernst Willner- Preis an Katharina Born , Andreas Schäfer im 3. Wahlgang leider abgeschlagen #preis

#Bachmannpreis 2009 : 3- Sat- Preis an Gregor Sander „Winterfisch“ – feine Entscheidung ! #preis

#Bachmannpreis KELAG-Preis an Ralf BÖNT „Der Photoeffekt“ – gerechtfertigt ! #preis

#Bachmannpreis 2009 an Jens Petersens „Bis dass der Tod“ – diskrete Studie zwischen Euthanasie & Selbstmord – Jury 6 : 1 !! #preis

Herrliches Paralleluniversum im „Salon Littéraire“ : Andreas Louis Seyerleins „BIRDY“ #animation #poesie http://bit.ly/6P9Ss

Hörspiel | Show- Groteske | Extopie : Schorsch Kamerun – Eisstadt – BR 2, 20:30 #radiokunst | http://bit.ly/BcMgK

Hörspiel | Cut- Up | KULT | Empfehlung ! : Ror Wolf – Der Ball ist rund … – SWR 2, 22:03 #radiokunst | http://bit.ly/fCC6J

#radiotweet : SWR 2 tut’s auch > #radiotweets sammeln ! #radiokunst http://bit.ly/Rsyvi

@etkbooks #radiokunst : Wir verwenden Audacity immer noch gerne – liefert MP3- oder 1A- wav- Daten ,-) http://bit.ly/3wNwVZ #edit

#Bachmannpreis: Das #Video der #Diskussion über Christiane Neudeggers Lesung sucht man bislang #vergeblich – http://bit.ly/4fQU5R

zur aufzeichnung der geschätzten #radiokunst -hinweise von @inadaequat empfehle ich nun einfach mal http://www.phonostar.de/

#preis : Angelika Reitzer http://bit.ly/12z5jy wurde in Linz mit dem Marianne-von-Willemer-Preis http://bit.ly/XQGKB ausgezeichnet .

„.. so daß das Gold der Tiefe geweckt wurde und ruhig die Augen aufschlug. “ … es geht wohl http://tinyurl.com/um-semmeln via @Lotree

bin erleichtert! http://hoehereweltenblog.twoday.net/ blogt wieder über den #bachmannpreis #tddl09 … das erspart mir jegl. getwitter.

@audioveranda : das in @litblogs_net eingespeiste ging ursprgl. via @etkbooks auf die reise. „Egal. Mundabputzen. Weitermachen.“ O.Kahn

im letzten beitrag @audioveranda wurde ein maulwurf versteckt. finden sie den kleinen racker!

gut schrebern: Aber man unterstützt damit auch einen urwaldartigen, literarischen Wildwuchs http://bit.ly/XTJ50

Long-Tail-Autorschaft #wörter

RT @dieneedie: blog ist, was 140 zeichen uebersteigt – oder in meiner naehe bleiben soll (gefuehltes haben-noch)

Elsevier wollte Amazon-Besprechungen von Lehrbüchern kaufen http://archiv.twoday.net/stories/5780683/ (heidelberger, bitte übernehmen!)

Nactrag #radiokunst : Paul Plampers RUHE 1 wird auch am 6. 7., WDR 3, 23:05 ausgestraht | http://bit.ly/o2cQ5

Vortrag „Jenseits des Hypes – Verlagserfolg im Social Web“: http://bit.ly/tQbtN @leanderwattig #pipeline

Hörspiel | #radiokunst | Popkultur | Empfehlung: Sabine Bernardi – RIOT GIRLS – R : L. Koppelmann – WDR 3, 23:05 | http://bit.ly/2xl0P

Hörspiel | #radiokunst | Supermarkt : L. Trolle – Annas 2. Erschaffung der Welt ( Publikumspreis ) – MDR , 22 H | http://bit.ly/Lh39c

Verleger vs Aggregatoren, RECHT: Wann ist Auslesen & Veröffentlichung fremder Daten zulässig ? #verlag http://bit.ly/bxwL4

Verleger vs.Aggregatoren : Fehlschluss: Das Netz besteht aus Verbindungen, nicht aus abgeschotteten Inseln #verlag http://bit.ly/13TtWD

Kehlmanns „Ruhm“ vor Gericht: Rowohl vs.Volker Hages Homestory = Vorabdruck @ Spiegel : prächtige Pazedenz! #verlag http://bit.ly/fKvdC

#textetrouvé Da fürchtete ich mich mehr als je den Tod; / Hätt ich …. , / wär ich durch die Angst schon tot. | http://bit.ly/qH88A

RT @Fiktionaere: In New York, Manhattan Roman. Das ganze Buch jetzt im Netz: http://tinyurl.com/nzvdgf

#radiokunst | Empfehlung Literatur als Radiokunst mit Urs Allemann & Richard Obermayr – Ö1 KUNSTRADIO, 23:03 H | http://bit.ly/1SWEsK

New Blogpost : BLOG 4 BURMA : Aung San Suu Kyi – 64 und kein bisschen leise #burma #humanrights http://bit.ly/QMqoh

Wer ist eigentlich so teppert und schreibt 10 stunden lang an einem posting ?! – #lebenszeit

Steir. Herbst : Workshop II – Stratagames: A Theatre of Operations ( 12. – 17. 10. ) #ausschreibung | http://bit.ly/NUxwp

Steir. Herbst : Workshop I – The Long Memory of Cocaine – ( 5. – 10. 10. ) #ausschreibung | http://bit.ly/NjteF

Steir. Herbst : Workshops für je 15 Künstler : Anmeldung bis 31. 7. 09 #ausschreibung | http://bit.ly/bba7T http://bit.ly/bba7T

G.-A.-Goldschmidt-Literaturübersetzerprogramm 2010 – Bewerbungsschluss : 31. 7. 09 #ausschreibung # übersetzung | http://bit.ly/zrMvh

Buchvernissage ‚Da liegt noch ihr Schal‘ von Elisabeth Wandeler-Deck. Fr., 19.6., Museum Baviera, ZH http://tinyurl.com/und-Konzert

http://randnotizen.steirischerherbst.at/ sendet wieder …

Miss Dickinson, auf e. Brief ihres Förderers & Verlegers, der sie oft drängte, zu veröffentlichen: „Ich ziehe meinen Barfußrang vor.“

Hörspiel | Romanadaptierung | Empfehlung : Joseph Roth – Hotel Savoy – R :Robert Matejka – DLR, 21:33 #radiokunst | http://bit.ly/xSVPy

Hörspiel | Tatort 18 : Madeleine Giese – Kein Feuer so heiss – BR 2, 20:30 #radiokunst | http://bit.ly/awaU7

Hörspiel | Autobiographie | Empfehlung : Einar Schleef – Entweder bin ich irr … – NDR Kultur, 20 H #radiokunst | http://bit.ly/Yp5LY

Hörpiel | Callcenter | Empfehlung : Stefan Weigl – Moment, das wird Sie interessieren !- DRS 2, 20 H #radiokunst | http://bit.ly/HvmCb

Zur Gründung des Amts für Poesie http://die.hor.de/augen-statt-ohren/

BWL-Professor Dietmar Harhoff über Urheberrecht ( @ TP ) : Ökonomie gegen Stärkung des Copyright ( ! ) #copyright | http://bit.ly/QcAwt

Why E-Books Are Stuck in a Black-and-White World # ebook | http://bit.ly/2JDst6

nice! TiddlyWiki Glass released: http://tr.im/oI7w / http://tinyurl.com/nxcdwq. lässt http://bc.etkbooks.com/opac/ etwas alt aussehen

Bruce Sterling gibt „18 Challenges in Contemporary ( Web- ) Literature“ zu bedenken #copyright | http://bit.ly/RIajE

Hier Leander Wattigs Liste der Buchverlage @twitter #verlag #pipeline | http://bit.ly/10kLe8

freut sich: @dieneedie aka http://die.hor.de/ nun auch in diesem theater …

tendenz weiter steigend: RT @leanderwattig: Buchverlage bei Twitter http://bit.ly/xNimd

http://www.dickensurl.com langtexte als links RT @skypaperpress

RT @skypaperpress: lektURL: Schreiben lernen? http://bit.ly/kkwTu

Hörspiel | Audio Art : Anja Utlers “Jana , vermacht” http://bit.ly/oRF8u im Kunstradio, Ö1, 23:02 #radiokunst | http://bit.ly/16NfBn

Goethes Briefwechsel mit Schiller (1794 bis 1805) als Weblog: http://bit.ly/xLVJK

Die aktuellen Probleme von Indie-Verlagen …: http://bit.ly/duAFl

man lernt nie aus: die deutsche thomas-mann-gesellschaft hat einen ortsverein kölnbonn, der eigenständige schriftenreihen herausgibt.

und hier auch mal ein follow-tipp: @swips_ch = swiss independent publishers (http://www.swips.ch/)

nachtrag (Widmung bei Reber): „Gewidmet ist dieses Buch meinen Viechern.“

@Fiktionaere gerade liegt mir übrigens vor: Reber, Formenverschleifung (Fink 09). Mit 1 Kapitel / Fallstudie über ANH/Dschungel. Bene!

„Literarische Postkarten, das gefällt mir“. hor.de über etk:litcards (http://litcards.etkbooks.com/) in http://die.hor.de/textposten/

morgen: Sudabeh Mohafez und Zehra Çirak im Literaturhaus Zürich … http://bit.ly/vyo4s

RT @leanderwattig: „Der Geruch der Bücher, jetzt als Spray“ http://smellofbooks.com/

Does madness exist in the virtual world? Please participate. http://bram.org/folie/

online-roman: Michael Perkampus, Die Mitte der Unendlichkeit, http://coi.skypaperpress.com/

RT @leanderwattig: „Remix: Literatur – Ein Gedankenexperiment“ http://bit.ly/4naSFh (via @Hami11er) (aus: Merkur, Nr. 721, Juni 2009)

Wieder mal eine „Klowand des Internets“ ausgemacht. DIE ZEIT online belanglos über Belanglosigkeiten online http://bit.ly/Rd5Lj

premium content! nachtrag zu http://bit.ly/Rd5Lj : „Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

http://www.litblogs.net/ @litblogs_net ist wegen serverarbeiten vorübergehend nicht erreichbar …

hartmann vs. zürich vs. hartmann. über wahrheit und lüge im moralischen sinn. http://tinyurl.com/gerrrrrreizt

hörbücher_ adaequat & konzentriert: czz in heutiger nzz über bachmann, celan, wolf, koeppen … http://tinyurl.com/pandaemonien

RT @jurijmlotman: the longest poem in the world (it’s made of tweets): http://bit.ly/Yug98 RT @hackr

Print Blank Sheet! http://blanksheetofpaper.com/ und Amt für Untergrundliteratur auf http://bit.ly/JZnaW

man testet twitter @swips_ch … SWIPS – Swiss Independent Publishers … mehr: http://www.swips.ch/

@meineverlag einfache antwort: damit es mängelexemplare werden …

Ein ♥ für Litblogs

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Der Stylespion bittet zum Linktausch – und wir machen mit bei der Aktion “Ein Herz für Blogs”, die wir dreist “Ein Herz für Litblogs” nennen! Unsere Lieblinge bei

Litblogs.net

Inhalt 01/2009

Die Lesezeichen-Ausgabe 01/2009 erschien am 15. April 2009.

In dieser Ausgabe:


Büchermacher und Märkte, Fallbeispiele: Mörike, Münster, Lenz und Lafleur, Walle Sayer am Wegrand, Ehegespräche, Davos und Empirie, zwei Mädchen exakt gleichen Alters, ein Soundcheck der Stille, ungesühnte Taten, der Lotse Bernardo Arbitro, spätantikes Modulbauen, Mikromedien und Avatare, Bäume und ihre Bewohner, unendlicher Durst, Traum und Musik uvm.

INHALT:

Den kompletten Jahrgang 2008 der litblogs.net-Lesezeichen gibt es übrigens als download- und ausdruckbaren Archivband (Nurtext/PDF) im feedjournal-format.

Eintausend hässliche Tauben

Wie sehr wir auch wünschten,
dass endlich
ein Ruhen einkehre,
Tage und Nächte durchmischt
zu Wochen und Jahren,
zu einer Geschichte,
erzählbar,
wie sehr.

Kreuz und quer durchs Gelände
die Fahrten,
Notizen am Kühlschrank,
freundliche Ansichten,
die Kirchen und Täler
und die Monumente,
doch nirgends dazwischen
mein Mantel.

Wir fassten nicht Fuß
und lagen uns in den Armen,
ineinander verschränkt
tauschten wir
Kälte und Speichel,
verdeckten die Sicht.

Nur ein paar Hügel weiter
verlor eine Säule ihr Kapitell,
neigte sich
um ein Grad zuviel
ihrer Geschichte entgegen
und keinem
fiel’s auf,
wie die Voluten
sich dumpf
in die Erde gruben.

Ein Junge verkauft
kühle Getränke:
wir trinken
Flasche um Flasche,
der Durst
ebbt nicht ab,
so verdorrt sind die Felder
und keine Schatten
säumen die Straßen.

Tage und Nächte durchmischt,
wir fassten nicht Fuß
und keinem fiel’s auf.

Die Hauptstädte brodeln,
dort kocht das Blut
in den Adern
und Schweiß mischt sich
mit Schweiß,
die Jugend vergeht nicht,
kein Licht, das nicht blinkt
in die Ferne,
dort träumt es
auf dem Land sei es ruhig.

Eine Nachricht
und noch eine Nachricht
vom anderen Ende,
schon kocht das Blut
in den Adern.

Es sammeln sich Massen
in Shorts und Sandalen
um eine trauernde Mutter,
den Sohn in den Armen,
dass sie erkaltet
zu Marmor
vor Scham
und draußen flattern
eintausend hässliche Tauben.

Wir trinken
Flasche um Flasche,
der Durst
ebbt nicht ab
und lachen
und essen dabei,
dass am Ende des Tages,
die Tischdecken schmutzig
und alle Teller geleert,
wir uns in den Armen liegen,
ineinander verschränkt.

Viele Geschichten
sind keine Geschichte,
wir suchen nach Titeln,
Mosaiken verwittern
zwischen den Fingern
zu farbigen Steinchen,
zu verlorenen Bildern.

Kreuz und quer durchs Gelände
den Pass griffbereit
über Grenzen,
eintausend hässliche Tauben,
wir fassten nicht Fuß.

Fertiggotteshaus

Diese lustigen Fertighäuser, wie sie beispielsweise auf dem nordamerikanischen Kontinent nicht aus der Mode geraten, und die man mit etwas handwerklichem Geschick selbst zusammenzimmern können sollte (und später en bloque versetzen, wenn man sich einen neuen Garten gekauft hat), die sind nicht gerade eine neuzeitliche Erfindung. In der Spätantike wurden aus den Marmorbrüchen nicht mehr nur Steinblöcke verkauft, sondern zunehmend halbfertige Teile, beispielsweise Säulenkapitellrohlinge, die nachher am Ankunftsort von Steinmetzen mit lokalen Ornamenten versehen wurden, oder roh behauene Sarkophagteile, später auch Fertigprodukte. Bei Marzamemi (Sizilien) fanden Archäologen ein gesunkenes Schiff, das anfangs des 6. Jahrhunderts in Konstantinopel ausgelaufen war und sage und schreibe einen kompletten Kirchenbausatz enthielt: tragende Elemente (Sockel, Säulen, Kapitelle), Pfeiler und Platten für den Chor, einen Altar, eine Kanzel aus thessalischen Brekzien und ein vielteiliges Liturgie-Bastelkit. Boah, der arme Reeder, der dieses Handelsschiff verlor! Dieses Malheur muss verdammt teure Umtriebe nach sich gezogen haben … Wie schade, ich hätte zu gern dem Gefluche der Bauleute gelauscht, während sie das Teil x-mal verkehrt rum zusammengemörtelt hätten. Denn es ist nicht anzunehmen, dass ikea-artige Bauanleitungen damals verständlicher piktogrammiert waren als heute. Und so, wie ich in meinem schiefen Schrank die Kleider nicht richtig stapeln und die Tür nicht schliessen kann, hätten sie, egal wie geschickt gefaltet, zerlegt oder vakuumiert, den Grossen Gott beim besten Willen nicht durchs verzworgelte Tor in die Kirche hineingekriegt, oder wenn doch, mit Ach und Krach, dann wäre er irgendwie immer auf dem Dach rausgekommen und im dümmsten Fall an der Sonne verdunstet.

Inhalt 04/2008

Die Lesezeichen-Ausgabe 04/2008 erschien am 15. Januar 2009.

In dieser Ausgabe:


Melissen und Tröpfe, Syvia Plath in New York, Walter Helmut Fritz, Hornhäute und Beulen, Malte und Wencke, Menschenfresser und Rückspiegelengel, das Knistern der Blätter, feuchte Holzfeuer, die traurigste Geschichte in der Historie eines Genres, das Endliche und das Unendliche, die Liebe der Matrosen, Apollinaire und die Schnipsel, Pelze und Blumen uvm.

INHALT:

Ich brate einen Fisch

An einem Bach mottet ein kleines Feuer aus feuchtem Holz. Auf drei Seiten ist die Lichtung von Felsen eingeschlossen, der Bach verschwindet in einem endlosornamentalen Wald, Wald auch auf den Klippen. Nirgendwo kann man den Himmel sehen ausser hier, nirgendwo hört etwas auf. Wenn ich mich allein aufmache, werde ich mich selbst nie wieder finden. Ich habe mir ein Notbiwak aus Zweigen und Blättern gebaut. Trotz des Wasserfalls höre ich jedes noch so leise Knacken im Gehölz, denn ich warte auf zwei, die mich suchen: voller Hoffnung auf den Freund, voller Furcht auf den Verfolger. Ich habe hier etwas Wichtiges erledigen müssen, ich weiss nicht mehr was und auch nicht, wie ich hierhergekommen und wie lang ich schon hier bin, es gibt ja Wasser und Fisch und Pilz genug. Der Freund kennt sich hier aus und wird mich aus dem Wald führen, aber er hat sich verspätet. Auch der Verfolger scheint aufgehalten worden zu sein. Die Szene plagt mich von Tag zu Tag ärger, weil ich nämlich vergessen habe, wo und wann das geschah, im Wach, im Traum, in einem Buch, in einer endogenen Prophezeiung oder damals, als ich kurz tot war, obwohl ich mich nur an die Stille Schwarz erinnern kann. Zwar bin ich guter Dinge. Der Freund wandelt Gestalt andauernd und wird immer mehr der, den ich mir zum Geleit wünsche mit Kopfkissen und allem. Der Verfolger wächst gemeinsam mit mir; gierige Erregung, Adrenalin unter dem Zungenrand. Aber ich brauche Zugang, ich muss wissen, woher das kommt, wohin das führt. Ich kann doch nicht alle Bücher wiederlesen, die ich je las und alles Leben wiederleben, das ich je lebte und alle gebratenen Fische wiederträumen, die ich je träumte! Gschweige denn alles lesen leben träumen, was ich jemals lesen leben träumen werde. Ich muss es wissen! Sonst findet mich weder der eine noch der andere und täglich wuchert der Wald weiter als die Ränder und bald kann ich auch mit offenen Augen nichts anderes mehr sehen als das.

kunstradio | on air on line on site

||| Nachdem der ORF- Kunstradio- Feed bislang ( aus Personalgründen ) stets wortkarg bleibt , sei an dieser Stelle für einmal die Programmillustrierte aufgeblättert –

LITERATUR ALS RADIOKUNST | Winter Edition , ORF 1 | Kunstradio , Sonntag , 7. 12. 2008 , 23:03 pm – 23:.45 H Stereo via UKW | via live- stream Oe1 | webcast KUNSTRADIO | Dolby Digital Surround ( 5.1. ) via OE1DD

  • BERNHARD KATHAN – „Hungerkünstler“ ( Ursendung )
  • ILSE KILIC & FRITZ WIDHALM – „Ergänzen Sie die Einrichtung Ihrer Wohnung
    mit einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerin !“ ( Ursendung )

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SCHRIFTSTELLER , AUFGESTELLT , AUSGESTELLT

Mag das rührselige Lied der Bohème längst verklungen sein , bleibt die Existenz des Künstlers weiterhin prekär . Ebenso wirkungsvolle wie konträre Formen, dies unsentimental zur Sprache zu bringen , stellen zwei neue Arbeiten im Rahmen der Reihe „LITERATUR ALS RADIOKUNST“ vor .

ILSE KILIC und FRITZ WIDHALM , die seit zwei Jahrzehnten ein Lebens- Kunst- und Verlagsprojekt ( „Das fröhliche Wohnzimmer“ ) erproben , nehmen den Begriff des „Schriftstellers“ beim Wort und empfehlen diesen als Stell- Objekt fürs kultivierte Interieur : „Ergänzen Sie die Einrichtung Ihrer Wohnung mit einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerin !“ hebt das polyphon satirische Beratungsgespräch im „Schöner Wohnen“- Stil an .

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CAPRICCIOS , MUSIKALISCH

Die musikalischen Capriccios und Mini- Musiken , welche in diese Sendung eingestreut sind , stammen von der als Schriftstellerin , Bildhauerin, Komponistin und Filmemacherin GUNDI FEYRER .

Mit ihren grotesken und höchst eigenwilligen Hervorbringungen passt die derzeit in Spanien lebende Künstlerin kaum ins bürgerliche Interieur .

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HUNGER IM FALL DER KÜNSTLERISCHEN KONSEQUENZ

Der universal schöpferische Tiroler Forscher BERNHARD KATHAN zieht dahingegen das messerscharfe montierte Zitat heran zur Instrumentierung des Elends der „Hungerkünstler“ . In diesem Fall ist es der für seine aberwitzigen „Fälle und Fallen“ postum zur Kultfigur avancierte Russe DANIIL CHARMS ( 1905-1942 ) , aus dessen Tagebüchern die Not in den verschiedensten Stimm(ungs)lagen spricht .

( czz , Kuratorin )

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RELATED

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Inhalt 03/2008

Die Lesezeichen-Ausgabe 03/2008 erschien am 15. Oktober 2008.

In dieser Ausgabe:


Serbisch und Kroatisch, Blut und dicke Tücher, Jaqueline und ihre Mutter, Peter und Paul, Kishon und die Muse, eine Abendstimmung in Öl, Noppenfolien und norwegischer Patriotismus, die Kanten der Liebe, raureife Reiher, Wörter am Bahnhof, die Liebe zu einem Schuhladen, gestopfte Gänse, ein Gabelfrühstück uvm.

INHALT: