Schlagwort-Archive: Oper

Kurztitel & Kontexte bis 2010-05-16

Kurztitel & Kontexte bis 2010-05-09

Deutschlands Freiheit

Heute Morgen las ich im „Handelsblatt“, dass allein die Commerzbank neun Milliarden Euro Steuergelder erhalten habe. Gestern stand in meiner Tageszeitung zu lesen, Städtetagspräsident Gönner sorge sich, weil die Kommunen immer mehr an Straßenbau, Schwimmbädern, Theatern und Bibliotheken sparen müßten: „Das zerfetzt irgendwann auch mal die demokratische Stabilität.“ Und heute lese ich treffend Zitate des ehemaligen Kulturstaatsminister Naumann und seines Nachfolgers Neumann:

„Das bedeute auch, «wenn Politik ausgerechnet an diesem sowieso schon schwachen Feld kürzt, kürzt sie an ihrem eigenen inneren Sinn. Das müssen auch die jetzt in Not geratenen Kommunalpolitiker verstehen. Und jeder Kommunalpolitiker, der sich entscheidet, Bilder eines Museums zu verkaufen, weil sie ihn nicht interessieren, macht weitreichende Kulturpolitik, und zwar schlechte.» Und wenn wie in Wuppertal überlegt wird, ein Theater womöglich zu schließen, einen Ort, wo Pina Bausch Tanztheater-Weltgeschichte geschrieben hat, wenn man also ernsthaft daran denkt, diesem wahrhaft historischen Ort den Finanzhahn zuzudrehen, dann ist das einfach eine Schande, und ein völlig falsches Signal sowieso.»

Die Kulturausgaben seien keine Subventionen, meinte Naumann und argumentiert damit wie sein jetziger Nachfolger als Kulturstaatsminister, Bernd Neumann (CDU). «Kein Mensch sagt, die Bundeswehr wird subventioniert, aber die Kultur wird angeblich subventioniert. Das ist lächerlich. Das Volk der Dichter und Denker ist in Wirklichkeit noch immer befangen in einer Vorstellung von Politik als etwas Kulturfernem. Und Politiker sehen sich in diesem Land als Mäzene, die sich herabneigen und der Kultur etwas spenden aus dem Steuersäckel – niemals würden wir das vom Verteidigungsminister sagen. Deutschlands Freiheit wird in Wahrheit nicht am Hindukusch verteidigt, sondern in den Theatern, Konzertsälen, Opernhäusern, Museen und Buchläden und natürlich in den Schulen – dort wird unsere Freiheit in Wirklichkeit konstituiert und verteidigt.» (Mehr unter anderem in derAhlener Zeitung).

Die Commerzbank ist systemrelevant, Kultur jedoch ebensowenig wie Schwimmbäder und „glückliche Menschen“ oder wenigstens Menschen, die ihr Leben gestalten können bzw. ihre Kinder anständig ernähren können. Nach Guido Westerwelles Ausfällen und den Anmerkungen Gönners und Naumanns sollten wir Schriftsteller, wir Intellektuellen doch ruhig einmal die „Systemfrage“ stellen. Inwieweit leben wir in einer Demokratie oder herrschen tatsächlich dekadente, spätrömische, also herzlich wenig demokratische Zustände?

Kurztitel & Kontexte bis 2010-01-17

Vienna Community Hospital 7 | Fassung

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||| AN DER GRENZE | GEGENPOL | EXTENSIV | HINTERLAND | BETON | IM FLUSS | RELATED | KLANGAPPARAT

AN DER GRENZE

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Man muss ihn kennen , den fast versteckten Weg in jenen kleinen Park , welcher die sogenannten Südgartenkliniken umschliest . Uneinsehbar vom Hochhaus der Neurologie und dem viergeschossigen Querriegel des psychiatrischen Komplexes verdeckt , liegt das schmale Gartenband unmittelbar an der Grenze des 240.000 m² grossen Areals des Allgemeinen Krankenhauses ( AKH ) der Stadt Wien .

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GEGENPOL

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Als Südgarten – ausschliesslich per Durchquerung der Gänge der psychiatirschen Kliniken zu betreten – gibt das mit winterharten , anspruchslosen Sträuchern bepflanzte stille Grün den topographischen und symbolischen Gegenpol zu den Versorgungs- Operatoren im Norden : Dem separaten Ameisenstaat der Zentralapotheke mit all seinen Schleusen und Auslässen für Zulieferung und Verteilung , der fauchenden , rauchenden Energiezentrale , der Krankenhausfeuerwehr sowie den Ver- und Entsorgungstrassen für Lebensmittel , Material , Abfälle .

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EXTENSIV

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Der durchrationalisierten Logistik und intensiven Flächennutzung steht hier ein lediglich extensiv gebrauchter Raum entgegen . Ein unverbauter Geländerest , dessen Schema bereits auf den Baustellenfotografien vom Ende der 1960er Jahre zu erkennen ist . Den heute mächtigen Kastanienbaum zwischen den hinteren Auskragungen der Neurologie und der Westseite der Psychiatrie kann man auf diesen Schwarzweissbildern als sorgsam mit Brettern verschalte Jungpflanze ausmachen .

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HINTERLAND

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Der umzäunte Spielplatz an der Aussenseite der Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters bleibt meist verwaist ; den raren dort spielenden Kindern sind von der anderen – der psychiatrischen – Seite des Parks her in ritueller Regelmässigkeit die Bälle über den niederen Zaun zurück zu werfen . Im Übrigen bleibt man hier ungestört . Einige wenige Patienten nur umrunden das Gebäude der pychiatrischen Kliniken alleine oder im Gespräch , in ihrem langsamen Wandel allenfalls aufgeschreckt durch einen Runde umd Runde im Laufschritt absolvierenden Jugendlichen .

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BETON

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Menschen in Rollstühlen nutzen gerne den ebenen Rundkurs auf Waschbetonplatten . Auch die spartanische Parkmöblierung besteht – charakteristisch für den Beginn der 1970er Jahre – aus Sichtbeton . Parkbänke aus Betongruss , die längst ausgebleichten Sitzflächen aus rohen Brettern . Ein Brunnen , gefasst in Beton , führt sein Wasser über mehrere Stufen , wo es kurz aufschäumt , in einem Auslaufbecken zur Ruhe kommt , um danach aufgefangen und zum Wasserspeier zurückgepumpt zu werden .

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IM FLUSS

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Das bescheidene Wasserspiel , in dessen sich verändernden Oberflächen sich das umgebende Grün und der Himmel wiederspiegeln , zieht unwiderstehlich den Blick auf sich .

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Im verhaltenen Abseits zu dem nur wenige Meter entfernt lärmenden , augenscheinlichen Chaos der enormen Menschenströme im Haupthaus der Riesenklinik , gibt der basale Brunnen zugleich Bilder von Ruhe und von Bewegung . Stille Stetigkeit des Insichkreisens .

Analogie zur Fassung , Ruhigstellung und Wiedermobilisierung , welche das Hospital an Tausenden Patienten täglich vollzieht . Hin und wieder aber verfängt sich ein welkes Blatt an einer der Überlaufkanten .

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Das Innsbrucker Netlabel Autark feiert des Bestehens eben seine zehnte Release mit einer V/A- Edition seiner Künstler . Grund genug , nachczz-hoerempfehlung eineinhalb Jahren zurück zu blicken auf die erste Edition , namhaft bestritten vom Local Hero Hans Platzgumer und Jens Döring . Als hp.stonji liefert das Duo mit Piano Expeditions zwei verschwebende Etüden als elegisches Entrée . Piano , piano gehalten mit leichten elektronischen Verfremdungen .

01. Piano Expeditions I | 02. Piano Expeditions II | [ zip download ] | [ Autark Podcast ]

CLICK LINKS TO LISTEN .

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kategorien: foto | grafie, klangapparate, wiener wäsche

Kurztitel & Kontexte bis 2010-01-10

Kurztitel & Kontexte bis 2009-11-08

Kurztitel & Kontexte bis 2009-10-18

Vienna Community Hospital 3 – Verfall

||| TOTALE INSTITUTION | CLASH OF CULTURES | MÉMOIRE | AMNESIE | NACHBEMERKUNG | RELATED | KLANGAPPARAT

TOTALE INSTITUTION

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Wie Kasernen und Schulen , Gefängnisse und Altenheime verweigert auch das Krankenhaus den objektiven Blick . Es ist dies ein charakteristisches Attribut von “totalen Institutionen” , wie sie der Soziologe Erving Goffman für diese black boxes ( und quasi eigengesetzliche Zonen der Zurichtung ) beschrieben hat . An solchen Orten wird konzentriert , was oder wer sich gesundheitlich , sozial , ökonomisch dem Allgemeinwohl entgegen steht . Mag sein , dass HIER geheilt und geholfen wird , gelehrt und bekehrt , dem Taumelnden Zuflucht und Stütze geboten : Jedenfalls gib es keinerlei topische oder fotografische Chance , der Überdeterminiertheit zu entgehen .

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CLASH OF CULTURES

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An Wiens “Allgemenien Krankenhaus” ( AKH ) treffen auf einem Riesenareal die Bauten dreier Epochen und Stile unvermittelt aufeinander : 1. die Pavillon- Bauten der Einzelkliniken um 1900 , welche ( verhindert durch den Krieg 1914/18 ) ursprünglich das gesamte Gelände zwischen Spitalgasse und der Stadtbahn Michelbeuren medizinisch hätten erschliessen sollen ;

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2. die Ende der 60er Jahre nach allen Regeln funktionaler Modernnität errichteten Südgarten- Kliniken ( von einem Garten umgben versammeln sie sämtlich Psychiatrischen Institute , Ambulanzen und Krankenstationen ) ; 3. der zweitürmige Bunker aus Beton und braunen Aluminium , welcher als Riesenbau weithin sichtbar ist und ( fast ) sämtliche somatischen Stationen beheimatet .

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MÉMOIRE

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Während man unmittelbar an der Spitalgasse die Fin- de Siècle– Bauten des famosen Franz Berger heute mit allem Chi- Chi , viel weisser Farbe und teurem Messing Touristen- tauglich renoviert , lässt man die alten , im Zentrum des Areals unvermittelt mit den Objekten jüngerer Bauphasen konfrontierten alten Gebäude auf brutale Art verfallen . Stein um Stein verwesen sie dem absehbaren Abriss entgegen ; die Zeit wird das Ihrige dazu beitragen , eine endgültige Schleifung zu rechtfertigen .

Dabei herrscht – anders als es der dekrepide Zustand es suggeriert – in der einst stolzen “1. medizinischen Klinik” , aus welcher Gelehrte wie Sigmund Freud hevorgegangen sind , noch heute Hochbetrieb . Wobei bezeichnend ist , welche im Bewusstsein der Gesunden Welt beharrlich verdrängten Patientengruppen in diesen Verfallsobjekten Behandlung finden : die aufwändig zu betreunde ( ambulante ) Dialyse- Klientel . Und – einem weit verbreiteten Ondit gemäss , Aids- Kranke .

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AMNESIE

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Mag sich alldies inzwischen geändert haben , ist eine – zumindest zeitweise – symbolische Kongruenz von Bauzustand und “Patientenmaterial” nicht zu leugnen . Allerdings würden solche symbolischen Korrespondenzen zwischen dem Zustand der verfallenden Baulickeiten und jeglicher Therapie- Einrichtung sich sofort und massgeschneidert einstellen : Man mag zwar das Areal meiden , man mag die Demolitiosfirmen avisieren : den historisch gewachsenen sowie ästhetisch Überdeterminiertheiten ist an diesem Ot nicht beizukommen .

Das moderne Zentralspital mit seinem hohen Durchsatz an Operationen , Thearpien und Patienten erfordert die sofortige Tilgung der Spuren eines Individuums . Es gibt sich damit das Aussehen eines Ortes der Geschichtslosigkeit , quasi “frisch bezogen” , für jedem eintreffenden Patienten ( be )handlungsbereit . Der Altbestand indes generiert einen ständigen Zweikampf zwischen Kräften einer historischen und individuellen “Mémoire” einerseits und zum andern dem hygienischen Hang zur Amnesie .

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NACHBEMERKUNG

Die Fotografien sind Détailaufnahmen eines einzigen Gebäudes , welches über einen Monat hinweg zu definierten Tag- und Nachtzeiten , bei unterschiedlichsten Lichtverhältnissen sowie mit diversen Typen Analogfilm ( Technical PAN etc ) angefertigt wurden . Sie unterstehen ausnahmslos unserem Copyright ( czz ) .

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Den heutigen “Klangpapparat” tragen wir nun bereits zu lange im Rucksack der empfehlenswerten Musikalien , als dass es ein weiteres Verhehlen dieser hoch energetischen Ein- Mann- Arbeit noch duldete . czz-hoerempfehlungSchliesslich ist Minimal- Tech nicht alleinseligmachend , doch dudelt in anderen Genres viel Hardcore- Krach und gesichtsloses “Chillout”- Mittelmass im CC- freien Klangraum der Netlabels herum . Entsprechend ist die heute vorgestellte Release dazu angetan , qua Ausnahme die Regel zu bestätigen . Denn was Tom McNab aka Sliptone ( UK , MySpace ) mit seiner EP “Funkagent 1” ( Budabeats ) vorlegt , ist eine fetzige Mischung aus Jazz , Funk , Latin und Electronixx , die manchem müden Lazarus schleunigst wieder auf die Tanzbeine hülfe .

Ohne grosse Prätention & Komplikation serviert , lösen Sliptone’s hörbar aus intensiver Praxis herrührenden Tunes die vielen leeren Versprechungen anderer ( auch kommerzieller ) Musikmacher  scheinbar leichthändig ein .

CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) | Downlload ZIP | via kreislauf

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#textetrouvé (07-08/09) – cadavre exquis

||| MAXIMUM SPEED 140 | ZIFFER ALS PRINZIP | CADAVRE EXQUIS APRIL 2009

litblogs plus twitter 400px

MAXIMUM SPEED 140

Nun gut, da haben wir nun einmal mit http://twitter.com/litblogs_net begonnen. Aber WAS TUN mit einem Format, das gerade mal 140 Zeichen zur möglichen (literarischen) Äusserung gewährt ?

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ZIFFER ALS PRINZIP

Wir wollen die Not in eine Tugend umwandeln und nehmen daher die Ziffer “140″ au pied de la lettre:
Unter dem Hashtag #textetrouvé werden Bücher aus den multiplen Beständen der litblogs.net- Mitglieder
und hoffentlich auch diejenigen freundlicher Mit- Twitterer
je auf Seite 140 aufgeschlagen und:
140 Anschläge lang zitiert . Inklusive Quellenangabe, versteht sich.

Von Absicht bis Zufall ist da alles an manifesten Texten möglich , besitzt freilich keinen Manifest- Charakter pro oder contra eine bestimmte Literatur.
Auftrag: Allenfalls Aleatorik. Ziel: Ein – diesmal sommerlicher – Cadavre Exquis. Ermunterung: Auch ein Cadavre benötigt Nahrung. Ohne Einspeisung aus Ihren Lektüren geht’s freilich ncht.

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Auch eine Art von #textetrouvé : „Das achtfache Kreuz der Verdienste“ ( + Damenversion @ hor.de ) | http://bit.ly/7pEok

Was an den Bewegungen, den Blicken, dem Lächeln Frauenart entsprochen hatte, war abgeschüttelt … | http://bit.ly/1anYGk

Nie hatte ich Entdecker oder ein weltweit operierender Handlungsreisender sein wollen. | http://bit.ly/2m4vDQ

Ausserdem ist es besser, Leuten, von denen man nicht viel hält, nicht zu nahe zu kommen. | http://tinyurl.com/samuraian

As he began with beef, he had to work hard for it and when he had worked hard he had to eat hard again | http://bit.ly/wp1CM

Dort lagen die weissen Knochen so dicht wie frisch gefallener Schnee; | http://tinyurl.com/kamering

Das Geld gibt dem Menschen Mass. Es ist geordnete Ichsucht. | http://bit.ly/fT2Rb

Prozesse » #textetrouvé (06/09) – cadavre exquis http://tinyurl.com/mxm2sk

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